1. Abstimmungen & Initiativen
  2. National

1 :12 Initiative – nicht durchdacht !

1 : 12 Initiative – nicht durchgedacht !                    ​                     ​    


Die astronomischen Bezüge auf gewissen Chefetagen sind durch keine, dem Menschen mögliche Leistung zu rechtfertigen. Sie sind Wirklichkeit geworden, weil es eine Meute von internationalen Managern gibt, die eine derart unkontrollierte, auch durch keinen Anstand gezügelte Macht haben, dass sie sich selber oder gegenseitig in unendliche Höhen hieven können. Damit zerstören sie den Zusammenhalt der Gesellschaft. Einschreiten ist nötig. Aber ist die 1 : 12 Initiative der richtige Weg? Nein! Sie zeigt den Idealismus der jungen Initianten und die mangelnde wirtschaftliche Kompetenz meiner sie unterstützenden linke Sekte, der SPS.

 

1.  Will man den zahlreichen Umgehungsmöglichkeite​n einen Riegel schieben, würde das eine sehr detaillierte gesetzliche Regelung und – zu deren Kontrolle – die Schaffung zahlreicher neuer Staatsstellen, bzw. mit Steuergeldern finanzierter Pfründe für verdiente Mitglieder der Parteien erfordern. Es ist nicht im Interesse unseres Landes, immer mehr gut bezahlte Staatsstellen zu schaffen, die nichts zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beitragen. Wir haben schon genug Beamte, die sich darum kümmern, dass Katzen nicht zu dick und Diplome zum Hundehalten und Kinderhüten vergeben werden und die unendlich viel bewilligen und kontrollieren.

 

Es wäre viel wirtschaftlicher und einfacher, die Steuerprogression so einzurichten, dass ein grosser Teil der als nicht vertretbar betrachteten Bezüge weggesteuert wird.

 

2. Die Initiative berücksichtigt die Steuerprogression nicht. Als Beispiel diene Basel-Stadt, die ehemalige Wirkungsstätte von Herrn Vasella. Nehmen wir zwei ledige Lohnempfänger, z.B. einen jungen Maler in der Unterhaltsabteilung eines Konzerns, der soeben die Lehre abgeschlossen hat und 50’000 Franken im Jahr verdient,  und den 35 Jahre älteren Konzernchef. Nach Abzug der Steuern würde das  vorgesehene Brutto-Verhältnis des Nominallohnes von 1 : 12 auf  noch 1 : 8.9 herunter gedrückt. (Der Konzernchef würde auf 600’000 Franken Einkommen 210’000 Franken Steuern zahlen, der junge Maler auf seine 50’000 Franken nur 6300 Franken). Wäre der Konzernchef verheiratet und hätte zwei Kinder in Ausbildung, wäre das Verhältnis  1 : 9.4 (190’000 Franken Steuern).

 

3.  Die Initiative will extreme Masslosigkeit durch extreme Kleinlichkeit ersetzen. Zugegeben, es besteht kein Konsens darüber, was noch anständig und vertretbar ist. Aber schauen wir uns nochmals den jungen Maler und Konzernchef näher an.

 

Der junge Maler muss an 40 Wochenstunden im Konzern Wände, Röhren und anderes neu malen oder ausbessern. Er macht das zuverlässig und gut und seine Arbeit ist auch wichtig. Fehler, die ihm vielleicht unterlaufen, haben keine grossen Konsequenzen für die Zehntausenden von Mitarbeitern und Eigentümern. Ausserhalb der Arbeitszeit und während seiner Ferien im Beachclub  ist er in jeder Beziehung völlig frei, nicht nur zeitlich, sonder auch in dem, was er tut. Keiner beobachtet ihn dauernd, um eine eventuelle Schwäche oder ein persönliches Fehlverhalten aufzuspüren, dass man ausnützen könnte, um ihn aus seiner Funktion zu verdrängen oder Vorteile zu erlangen. Und haut er mal mit Alkohol und jungen Frauen über die Stränge, steht das nicht am nächsten Tag in der Weltpresse.

 

Dagegen ist der Konzernchef an 365 Tage und 24 Stunden täglich an die Firma gebunden und oft ist er tagelang irgendwo in der Welt unterwegs.  Auch an seinen freien Tagen und in den Ferien und auch Nachts muss er verfügbar sein. Selbst ein sehr teures und exlusives Nachtessen oder eine gemeinsame Ferienwoche auf einer luxuriösen Yacht mit einem Geschäftspartner oder Kunden ist kein entspanntes Vergnügen. Ständig muss er die Firma im Kopf haben und sich überlegen, wie er ihr am besten nützen kann. Er muss auf der Hut sein, darf sich keinen Fehltritt leisten, keine Blösse geben, kann sich nicht gehen lassen, sonst riskiert er, dass es ihm geht wie Strauss-Khan und General Petreaus. Die beiden haben uns bespielhaft gezeigt, wie gefährlich es ist, auf den obersten Etagen ein etwas freizügiges Privatleben zu haben oder es nicht sehr gut zu verstecken. Für die meisten wird ein Teil dieser grossen Belastung und Einschränkung der persönlichen Freiheit durch die Freude an der Macht und das Prestige entschädigt. Aber das reicht nicht. (Auf die Frage des Verfassers nach den ihnen zustehenden Ferien, antworteten vor einiger Zeit mehrere japanische Manager eines grossen Konzerns, sie hätten vier Wochen jährlich, aber es sei undenkbar, mehr als gelegentlich einen oder zwei Tage einzuziehen. Wenn immer ein Kunde des Konzern irgendwo in der Welt etwas wolle, müssten sie sofort verfügbar sein, Tag und Nacht).

 

Nach Meinung des Verfassers läge eine vertretbare Limite bei einem Bruttoeinkommen von ca.  1.75 Millionen Franken, was einem ledigen, älteren Konzernchef in Basel-Stadt nach Abzug der Steuern noch 1’107’000 Franken pro Jahr liesse, d.h einem Verhältnis nach Steuern von 1 : 25 zum jungen Maler entspräche (und der öffentlichen Hand 643’000 Franken (!) Steuereinnahmen bescheren würde). Das würde immer noch für ein gutes Leben reichen, würde ihn für die in langen Jahren erworbene umfassende Erfahrung und grosse Verantwortung und pausenlose Verfügbar- und Verwundbarkeit entschädigen, wäre aber weit von den gegenwärtig üblichen Spitzen entfernt.

 

Wenn wir unser Land erfolgreich durch eine schwierige Zukunft steuern wollen, brauchen wir vernünftige, sogar etwas verständnisvolle Lösungen, aber keine extremen, kleinlichen „Ideallösungen“.

 

Gotthard Frick, Bottmingen

People reacted to this story.
Show comments Hide comments
Comments to: 1 :12 Initiative – nicht durchdacht !
  • April 20, 2013

    Deswegen müssen wir das Kreuz aufs NEIN schreiben. Die Absicht der Initianten ist doch nur den Hass auf die Chefetagen, die hohe Löhne erhalten, auszuleben. Bei einem ja zur Initiative vergessen sie, dass den Betagten, den Invaliden, den Unfallopfern, den Schwachen und den Geschädigten an ihren Einkünften, die zu ihrer Existenz dienen, sozusagen gezerrt wird. Die SP will sozial sein, sie macht auf jedenfall mit dieser Initiative gleich das Gegenteil. Es ist doch seltsam, dass die Bürgerlichen jetzt für die soziale Sicherheit der Schweiz sorgen. Gut ich bin auch bürgerlich. Es ist doch unbestritten, dass diese Initiative für die Juso reiner selbstmord ist. Wenn die Juso sich wirklich überlegt, was ihre Initiative für die Sozialwerke für Folgen haben wird, dann bleibt ihnen nur eines, diese Kampagne zurückzuziehen.

    Report comment
  • April 20, 2013

    Die 1:12 Initiative erachte ich ebenfalls als ein tödliches Gift für unsere Wirtschaft. Zudem lässt sich der Machthunger und die Geldgier nicht per einfache Gesetze in Zaum halten. Die Geschichte zeigt, dass die “Mächtigen” immer einen Weg finden, ihre “Gelüste” zu befriedigen. Es muss ein Umdenken in der Gesellschaft und in den Chefetagen stattfinden. Denn wenn sich die Mitglieder in den verschiedenen Gesellschaftsebenen “die Stange halten”, wird dem übertriebenen Egoismus und der masslosen Überheblichkeit Einhalt geboten.
    Gesetze helfen auf diesem Weg des Umdenkens und sind auch nötig. Doch da das Gesetz allein nicht den erwünschten Effekt erzielt, muss es gerade deshalb mit grosser Vorsicht und Voraussicht erarbeitet werden. Schnellschüsse wirken meist kontraproduktiv. Deshalb ein klares Nein zur 1:12 Initiative.

    Report comment
  • April 20, 2013

    Gotthardt, Du hesch rächt!

    Report comment
  • April 20, 2013

    Niemand zerstört den Zusammenhalt der Gesellschaft indem er hohe Löhne und Bonis bezieht. Das ist einfach ein Spruch der Linken. Zudem wären wir wirklich arm dran, wenn der Zusammenhalt von so etwas abhängig wäre. Was diese Löhne und Bonis verursachen ist Neid und das schürt Unmut, kein Zweifel.

    Fakt ist aber auch, dass dies private Firmen sind, welche so ziemlich alles machen können was ihre Besitzer (sprich Aktionäre) und das Gesetz billigen. Man sieht ja schon heute, auch ohne 1:12, dass die Besitzer immer weniger geneigt sind, diese Entlöhnungen zu akzeptieren.

    Ihre Ausführungen über das “Leben” eines Top-Managers sind erstaunlich gut (für ein SP-Mitglied). Bei den Gewerkschaften gibt es ein riesen Geschrei wenn einer 8,1 Std am Tag arbeiten muss. Diese Manager arbeiten oft das Doppelte. Was nicht heisst, dass sie auch nur das doppelte verdienen dürfen. Gerade die Linken und die Gewerkschaften scheinen zu wissen, wie wertvoll Freizeit und Zeit mit der Familie ist. Sie ist unbezahlbar !!

    Was ich bei der 1:12 Initative nicht verstehe ist folgendes: Keiner in einem Konzern darf mehr als 12x mehr verdienen als der tiefste Lohn. Was wenn die Schweizer Firma eine Niederlassung in Bangladesh hat. Darf der CEO in der Schweiz dann nur Sfr 500 im Monat verdienen (Mindestlohn Bangladesh: Eur 34/Monat) ? Wenn Bangladesh nicht “zählt”, wie will man dann verhindern, dass die hohen Bonis und Löhne nicht über die Bangladesh Niederlassung ausbezahlt werden ?

    Report comment
  • April 21, 2013

    Total unnötiger Urnengang, denn die Abzocker initiative hat schon alles gesagt und einige Aktionäre haben auch schon reagiert. Man könnte aber eine Gegeninitiative lancieren, nämlich 1:12 in die AHV, mal sehen wie dann die Reaktion der JUSO wäre. Also ein Millionensalär Empfänger zahlt nur 12X mehr AHV als der obligatorische Betrag.

    Report comment
  • April 22, 2013

    Ein Ja zur 1:12 Initiative bedeutet:

    – leere AHV und IV Kassen
    – weniger Steuereinnahmen
    – mehr Outsourcing
    – weniger attraktiver Firmenstandort

    Im Ausland lebende Firmenchefs bringen auch dem gewöhnlichen Büezer nur Nachteile.

    Report comment
    • Juli 19, 2021

      Herr Keller

      Interessant​ ist, dass unsere Linken Freunde einfach nur Daumen runter drücken. Eine Gegenargumentation besteht keine. Wir wissen warum.

      Die 1:12 Ini ist eine typisch Genosseninitative. Lanciert mehrheitlich via Cedric Wermuth, welcher die Gunst der Stunde (Minder Initative) nutzt. Die Mehrheit der Genossen weiss gar nicht was sie da unterschreiben. Aber das ist ja gerade das gefährliche an den JUSOs/SP. Da wird blind unterschrieben.

      Report comment

Write a response

Neuste Artikel

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

  1. Ja und unser Bundesrat ist ebenfalls dabei zusammen mit der EU unser liberales Waffengesetz "pragmatisch" zu zerstören. BR Sommaruga am…

Vimentis Login

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu