1. Wahlen

5 politische Irrtümer, denen viel zu viele Wähler erliegen

Wie viele an­dere bin ich im Wahl­kampf und führe viele Gespräche. Auf der Stras­se, am Stamm­tisch, in der Küche, im Büro, auf dem Po­di­um. Dabei gibt es Aus­sa­gen, die ich immer wie­der höre. Und die mich immer wie­der ärgern. Eine Klar­stel­lung.

  1. “Eine ausgewogene Regierung ist für den Kanton am besten.” – Falsch. Die Tatsache, dass fast alle Kandidierende für den Regierungsrat einen Kuschelkurs Richtung politische Mitte fahren, sagt mehr über deren Wahlstrategie als ihre Tauglichkeit aus. Ausgewogenheit heisst Stillstand, und Stillstand heisst Rückschritt. Im Übrigen: Ausgewogene Regierungen tendieren nach links, weil es für die Rechten viel einfacher ist, ja zu neuen Ausgaben zu sagen als für die Linken, nein zum Sparen zu sagen. Wer also auch nur annäherungsweise bürgerliches Gedankengut hat, darf keinesfalls einen Linken in die Regierung wählen.
  2. “Es braucht auch Linke in der Regierung. Wegen dem Sozialen und so.” – Falsch. In einer Jury, welche die beste Wurst kürt, hat ein Vegetarier nichts verloren – er hat schlicht keine Ahnung. Genau so können wir in einer Zeit, in der die Regierung vor allem Geld sparen und die Verwaltung entschlacken muss, nur Leute gebrauchen, die diese Probleme anerkennen und lösen. Linke Regierungsvertreter hingegen haben noch immer einen Grund gefunden, warum gerade ihr Departement noch mehr Geld braucht. Ein Roboter, die jede Budgeterhöhung abnickt, würde dasselbe bewerkstelligen wie ein Sozialdemokrat, nur günstiger. Etwa 300’000 Franken günstiger.
  3. “Der freie Markt hat versagt. Deshalb muss der Staat intervenieren.” – Falsch. Wenn der Staat die Finger im Spiel hat, gibt es weiterhin einen Markt, dessen Währung allerdings nicht mehr Geld ist, sondern Meinungen und Interessen. Wer am lautesten schreit, gewinnt. Wer Beziehungen zur Politik hat, profitiert. Deshalb sitzen in den subventionierten Wohnungen so viele Beamte und Behördenträger. Ausserdem: Wenn der Markt versagt, soll der Staat ran. Doch was ist, wenn der Staat versagt? Bund, Kantone und Städte wursteln seit Jahren im Gesundheitswesen oder im Wohnungsbau herum (um nur zwei exemplarische Branchen zu nennen). Hat sich die Situation irgendwo verbessert, seit der Staat die Zügel in die Hände genommen hat? Eben.
  4. “Ich bin eigentlich bürgerlich eingestellt, aber die Nachhaltigkeit ist mir wichtig, darum wähle ich grün.” Falsch. Zweifellos haben die Grünen die Illusion erweckt, ihre Politik sei nachhaltig, ohne jemals einen Nachweis geliefert zu haben. Die passende Bezeichnung für die Politik der Grünen ist nicht nachhaltig, sondern sozialistisch. Nachhaltigkeit hingegen ist keine politische Ideologie, sondern eine Einstellung. Zum Beispiel die Einstellung, den Kindern und Enkeln keine Schuldenberge zu hinterlassen.
  5. “Haupt​sache, man findet immer einen Kompromiss.” Falsch. Ein Kompromiss ist dann erreicht, wenn jede Partei gleichermassen unzufrieden mit der Lösung ist. Wenn ich sage, 2+2 ergebe 4, und ein Kontrahent sagt 6, so besteht der Konsens nicht darin, sich auf 5 zu einigen. Denn 4 ist die richtige Antwort. Ich kämpfe solange für die richtige Sache, bis es eine Mehrheit einsieht. Und sollte es bis in die Ewigkeit dauern.
People reacted to this story.
Show comments Hide comments
Comments to: 5 politische Irrtümer, denen viel zu viele Wähler erliegen
  • März 22, 2015

    Trotz diesem Blog werde ich weiterhin sicher nicht die SVP wählen. Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich persönlich zu diesem Entschluss gekommen und daran wir auch dieser Blog auch nichts ändern, besser gesagt er bestätigt mich noch eher bei diesem Entschluss. Interessant wie Sie hier versuchen den schwarzen Peter den Linken zuzuschieben.

    Report comment
    • Juli 19, 2021

      Ist Ihr gutes Recht. Aber ich wähle halt nicht SP, SVP, Grüne oder sonst was, sondern den Menschen, den ich als geeignet betrachte für die Regierung.

      Report comment
    • Juli 19, 2021

      Gute Güte, dann haben Sie aber Arbeit, Herr Schweizer, denn möglicherweise vergessen Sie, dass eben alle ‘Menschen’ einer Partei angehören und deshalb ihrem Parteiprogramm verpflichtet sind. Nur schon u. a. deshalb kommen SP, Grüne und BDP für mich nicht in Frage. EU ist für mich tabu.

      Report comment
    • Juli 19, 2021

      Was erzählen Sie denn da wieder Herr Limaa

      Mir ist doch egal, wenn ein Wählbarer in einer Partei angehörig ist. Wenn er aber die Interessen vertritt, die vernünftig und logisch sind, kann ich doch auch ein Grüner, SP oder sonst was wählen. Es gibt auch PolitikerInnen die wohl in einer Partei sind, aber ihre Meinung und Interessen trotzdem vertreten.

      Und genau das sind die Politiker die man wählen muss oder sollte, denn das sind keine Hampelmannen(Frauen) der Partei.

      Und was Sie nun das in Verbindung EU bringen weiss ich nicht. Ich bin auch kein EU-Befürworter, kann aber doch trotzdem ein SP oder Grüner wählen, wenn er eine vernünftige und logische Haltung hat…

      Report comment
  • März 22, 2015

    Wenn Sie verneinen das eine ausgewogene Regierung für den Kanton die beste ist, gilt das auch gesamtschweizerisch als Absage für die Konkordanzdemokratie?​

    Ihre Aussagen zu Kompromissen zeigt die Konsensunfähigkeit der SVP deutlich.

    Report comment
  • März 22, 2015

    Sie irren sich, Herr Büchi. Nur unter Einbezug aller relevanten politischen Ansichten kann der soziale Frieden und das Weiterbestehen des Erfolgsmodells Schweiz weiterhin Bestand haben. Die Menschen haben gegensätzliche Lebenseinstellungen wie:

    konservativ
    ​liberal
    sozial
    ökol​ogisch
    bürgerlich
    p​azifistisch
    feminist​isch
    wirtschaftslibe​ral
    gesellschaftslib​eral
    sozialliberal
    ​wertkonservativ
    usw.​ usw.

    Möchten Sie unsere einzigartige Demokratieform abschaffen, die auf Konkordanz setzt und die uns Wohlstand, Sicherheit und sozialen Frieden gebracht hat? Oder bevorzugen Sie die Form “Regierung und Opposition” oder sogar ein Einparteiensystem? Ich nicht, mir gefällt unser politisches System, um das wir beneidet werden. Dieses funktioniert aber nur, wenn alle wichtigen Kräfte eingebunden sind. Gegen eine andere Demokratieform als die Jetzige würde ich mich mit allen meinen Kräften wehren.

    Report comment
  • März 24, 2015

    Werter Herr Büchi
    Ihre Ansichten sind aus meiner sozial-liberalen Denkweise, Irrlehren aus der Muttermilch eingesogen und von Vorbetern in der Familie eingeschärft, also reine Muttermilch konservativ – Rhetorik!
    Ich zitiere F. Dürrenmatt 1921 – 1990 ein Sozi und grosser Denker: “Wissen lässt sich büffeln, Begreifen braucht Zeit”! Ich füge hinzu: “Begreifen = Verstehen = Kompetenz! Die viele Zeit die Ihnen zur Verfügung steht, wird nichts ändern, weil die dafür notwendige Synapsenverbindung, leider nicht aktiviert werden können!
    Aber als SVP-Intellektueller, können Sie uns Forenteilnehmer erklären, von wem und welches Geld die Sozis und der Staat stehlen? Der Staat generiert Geld, welches der Wirtschaft nützt! Die Staatsquote wird über verschiedene Substrate zurückgeführt (nicht bezahlt)! Die Mythen Steuerzahler und Steuergeld sind die grössten Irrtümer, werden aber sehr gerne von Politikern bedient, um sich ohne Kompetenz, zu profilieren!
    Wenn die Gesellschaft mit einer Wurstbewertung verglichen wird, ist das ganzheitliche Denkvermögen relativiert! Der Nachwuchs der SVP, wohin des Weges?

    Report comment
  • März 25, 2015

    Herr Büchi, haben sie beschlossen, ihre politische Karriere bereits wieder zu beenden oder auszuwandern? Sie haben da was nicht ganz begriffen.
    Ausgewoge​ne Regierungen sind der Kern unseres Systems. So werden Lösungen gefunden, welche der Mehrheit passt und so auch langfristig tragbar sind. In einem System mit Regierung und Opposition bleiben sie viel eher stehen. Kompromisse finden ist der Weg der vernünftigen Menschen, anderen seine Meinung aufzwingen die von Diktatoren. Wenn sie das lieber wollen, dann sollten sie auswandern.

    Nicht nur der freie Markt, auch die dazugehörige Politik hat versagt. Kapitalgewinne werden nicht versteuert, aber wenn sich dann eine Bank verspekuliert, muss der Staat einspringen. Und das mit den Schulden liegt irgendwie ab System, da sollten sie nochmals drüber nachdenken, wer jetzt genau wem Schulden hinterlässt.

    Report comment
  • März 26, 2015

    Herr Büchi
    es gibt keine 5 Irrtümer, welche die wählenden immer wieder unterliegen
    Die wählenden sind fähig, selber zu urteilen. Es gibt aber Politiker welche vorgeben das Volk zu vertreten und in Tat und Wahrheit nur falschen Predigern nachhecheln.

    Report comment
  • März 27, 2015

    eigentlich ist der Beitrag zu naiv, um wirklich eine Antwort zu verdienen. Aber vielleicht ein paar Gegenfragen. 1. Welche Länder haben eine – lange – Tradition der ‘ausgewogenen’ Regierung (nicht vereinzelte grosse Koalitionen). Sie dürfen die ganze Welt nehmen. 2. Welche Länder haben keine Tradition der ausgewogenen Regierung – Sie dürfen die ganze Welt nehmen. 3. Welcher Ländergruppe geht es besser?
    Es erinnert mich ein bisschen an die ‘Rechten’ Kirchenkritiker. Wir wollen zwar unser christliches Erbe verteidigen und gegen den Islam kämpfen. Aber ganz heimlich finden wir ja Händeabhacken, Steinigen und so doch ziemlich cool und viel besser, als so eine Softie-Gutmenschenrel​igiion wie das Christentum. Offenbar verhält es sich auch bei der Politik so. Eigentlich hätten viele bei der SVP gar nicht gerne das Schweizer Modell, sondern echte Kerle wie Putin (dürfen alternativ auch Bush nehmen), welche Bären erledigen und in Achsen des Bösen denken.

    Report comment
  • März 31, 2015

    “5 politische Irrtümer, denen viel zu viele Wähler erliegen” finde ich zur Schwierigkeiten gut. Am bestens wird sich zuständige Rechtsdienst beim Staat zur Säuberungen so juristisch abklären.

    Report comment
  • April 12, 2015

    aber aber Herr Büchi, das ist jetzt aber eher Satire oder ?!
    Bitte lösen Sie es auf

    Report comment

Write a response

Neuste Artikel

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

  1. Ja und unser Bundesrat ist ebenfalls dabei zusammen mit der EU unser liberales Waffengesetz "pragmatisch" zu zerstören. BR Sommaruga am…

Vimentis Login

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu