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Auf welcher Seite steht die NZZ im “Klassenkampf”

Auf wel­cher Seite steht die NZZ im „Klassenkampf“?

 

In ihrer Ausgabe vom 10.04.2013 stellt die NZZ die Frage der astronomischen Managerentschädigunge​n in den Gesamtzusammenhang des  – je nach Standpunkt – von links oder rechts ausgelösten „Klassenkampfes“. Aber damit stellt sich auch die Frage, wie sie selber zur Frage der Masslosigkeit in der Wirtschaft steht.

 

Vor einiger Zeit nahm sich der NZZ Chefredaktor in einem Leitartikel persönlich des Themas an. Er warf den Kritikern von Masslosigkeit  „Missgunst und Neid“ vor. Und in der Ausgabe vom 10.4.2013 wird in der Rubrik „Aufgefallen“ im Zusammenhang mit der endemischen Korruption in Regierungskreisen, diesmal derjenigen von Sambia, von der „Obsession des Saubermachens“ geredet. Wieder wird damit der Kampf gegen unethisches Verhalten der Mächtigen mit einem negativen Begriff belegt. Dabei ist er leider wohl ein Kampf gegen Windmühlen, denn wegen der Natur des Menschen ist unethisches, gar kriminelles Verhalten in seinen unendlich vielen Formen weltweit allgegenwärtig und nicht ausrottbar. Am Schluss eines langen, weltweiten Berufsleben kommt man zur Einsicht:  Je unethischer, rücksichtsloser, ja krimineller, umso erfolgreicher.

 

Di​e Welt ist gegenwärtig in einer Phase tiefgehender Umgestaltung. Der Ausgang scheint noch offen, aber die Übernahme der Macht durch die Grossfinanz, die  Einrichtung eines weltweiten Finanzfeudalismus, kann nicht ausgeschlossen werden.  Vielleicht ist die Waage der Macht schon endgültig auf die Seite der Finanz gekippt. Vieles spricht dafür.

 

Zum Beispiel die unvermindert weitergehende Abzockerei.  Weiter sind zahlreiche sehr finanzkräftige Mitspieler aus Ländern, die früher weisse Flecken auf der Landkarte des Reichtums waren, zum erlauchten Kreis gestossen und haben diesen massiv verstärkt und gleichzeitig sehr flexible Geschäftsvorstellunge​n eingebracht. Die Staaten machen die Hochfinanz durch Privatisierungen der letzten ihnen verbliebenen Wirtschaftstätigkeite​n immer stärker und sich selber schwächer. Sie reduzieren ihr wichtigstes Machtinstrument, die Armee, oder wollen sie sogar abschaffen,  dafür entstehen riesige private Sicherheitsfirmen, eigentliche Söldnerarmeen. Mit anderen Worten, die Staaten kastrieren sich selber. Grosse Lebensmittel- und Rohstoffkonzerne, darunter auch solche aus China und Saudiarabien – in beiden Ländern sind privater Reichtum und staatliche Macht bestens vernetzt –  besitzen weltweit laut NZZ Folio vom November 2012 bereits eine landwirtschaftliche Nutzfläche von der Fläche Westeuropas. Dabei ist die Wirklichkeit viel düsterer. Die auf die reale Welt übertragene Fläche ist wesentlich grösser, da es dort grosse Gebirge, ausgedehnte Wälder, Seen und Ströme gibt,  während die im Besitz der Konzerne befindlichen Flächen beste, maschinell leicht zu bearbeitende Ackerböden sind.  Was ist aus den Millionen von Bauern geworden, die dort ein Stück Land bebauten?  Die  private Landbeschaffung geht im grossen Stil weiter. Und schliesslich, die Hochfinanz kann dank Globalisierung dorthin, wo die grössten Gewinne, Einsparungen, Gesetzeslücken winken und eine „Kultur“ der Korruption alles möglich macht und unendlich beschleunigt, während die Staaten auf ihr Hoheitsgebiet beschränkt  und an Gesetze gebunden sind.  So ist das laut NZZ weltweit wertvollste Unternehmen dadurch an die Spitze gelangt, dass es seine 35’000 Arbeiter in den USA entlassen und seine Produktion nach China verlegt hat, wo es nicht einmal die chinesischen Arbeitsgesetze beachtete, seine mehrheitlich weiblichen, teilweise erst 14-jährigen Arbeiter mit bis zu 60 Wochenstunden bei geringsten Stundenlöhnen rücksichtlos ausbeuten konnte und sie nachts in Käfigen hielt (winzige Zimmer mit je 4 doppelstöckigen Kajütenbetten). Da soviele Arbeiter in ihrer Verzweifelung Selbstmord durch Sprung aus dem Fenster begingen, wurden aussen um alle Schlafsilos grosse Netze aufgespannt, die weitere Selbstmörder auffangen sollen.

 

Exzesse auf der einen Seite führen zu Exzessen auf der anderen, das schrieb der Verfasser vor einigen Jahren einem der damals obersten Schweizer Bankchefs. Deshalb werden wir in näherer Zukunft über extreme Initiativen abstimmen, die von einer, die Sicherheit und die blühende Wirtschaft der Schweiz gefährdenden, grossen linken Sekte und ihrem unbekümmerten jungen Flügel ausgehen.

 

Dabei wäre die Zügelung der durchgebrannten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstörenden Gier durchaus angebracht, aber sie sollte auf einem Verständnis der Wirtschaft beruhen, und nicht vom Extrem der Masslosigkeit direkt in das,  Initiative und Unternehmertum tötende Extrem der Kleinlichkeit führen. Zudem sollte sie differenzieren, zwischen den Unternehmern, die mit ihrem Geld grosse Unternehmen schaffen und auch das Risiko tragen – man denkt unwillkürlich an Hayek, Bill Gates und viele andere grössere und kleinere echte Unternehmer – und den Mitgliedern der  internationalen Meute der Spitzenmanager, die sich nur Dank ihrer Machtstellungen gegenseitig in astronomische Höhen hieven können. Und schliesslich sollte für diese Zügelung keine grosse Bürokratie mit ihren zahlreichen vom Steuerzahler zu finanzierende Pfründen für treue Parteimitglieder geschaffen, sondern einfache, billige Lösungen gesucht werden, z.B. über Steuern.

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