1. Umwelt, Klima & Energie

Besonnenheit auch in der Energiepolitik

Besonnenheit auch in der Energiepolitik

Uns ist bewusst, dass die Energieproduktion mit Kernkraftwerken Risiken mit sich bringt, deren Eintreten aus unserer Sicht zwar sehr unwahrscheinlich ist, gegebenenfalls aber e- norme Auswirkungen hätte. Uns ist ebenfalls bewusst, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle geologisch zwar machbar ist, aber während einer aus unserer menschlichen Per- spektive heraus unglaublich langen Zeit ebenfalls ein Gefahrenpotential bildet. Weder an dieser Risikolage noch an der Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts haben die Vorgänge im japa- nischen Fukushima aber etwas geändert.

 

Auch in einem Wahljahr empfiehlt es sich deshalb, besonnen auf die dortigen Ereignisse zu reagieren, umso mehr, als wegen der Ereignisse in Japan in unserem Land keine Sofort- massnahmen erforderlich sind. Die Sistierung der hängigen Bewilligungsverfahren​ für den Ersatz bestehender AKWs war primär ein politisches Zeichen. Die Prüfung allfälliger Konse- quenzen aus Fukushima für die Schweiz wäre auch in diesen Verfahren möglich gewesen.

Nun aber darüber hinaus bereits das Ende der Atomenergie auch in unserem Land zu pro- phezeien oder sogar sofortige Abschaltungen zu fordern, ist verfehlt. Zuerst müssen nun ganz sorgfältig allenfalls aufgetretene Mängel und fehlerhaftes Verhalten abgeklärt werden, welche im japanischen Reaktor eine Rolle gespielt haben könnten.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind dann mit den bereits bestehenden internationalen und schweizeri- schen Sicherheitsvorschrift​en zu vergleichen und letztere gegebenenfalls anzupassen. Im Weiteren ist die Risikoanalyse unseres Landes für den Betrieb von Kernkraftwerken dahin- gehend zu überprüfen, ob sie aufgrund der Vorfälle in Japan zu ergänzen oder zu verschär- fen seien. Erst dann wird es zulässig sein zu beurteilen, ob die schweizerische Energiepolitik punkto Kernenergie nun zu ändern ist oder nicht.

 

Zweifellos​ werden demokratische Entscheide über die Zukunft der Kernenergie in unserem Land von den Ereignissen in Japan geprägt sein. Es ist allerdings anzunehmen, dass dann- zumal auch die Ergebnisse der obgenannten Untersuchungen bekannt und notwendige An- passungen unserer Vorschriften vorgenommen sein werden. Darüber hinaus wird aber die Frage nach Alternativen beantwortet werden müssen. Einfach wird es sicher nicht sein, den heute von der Kernenergie produzierten Strom zu ersetzen, ohne andere Nachteile auf sich zu nehmen. Jedenfalls kann, in Anbetracht der ebenfalls sehr drängenden Klimaproblematik, nun nicht leichthin auf Gaskombi-Kraftwerke ausgewichen werden. Sollte aber nun tatsäch- lich eine Mehrheit die Energieproduktion durch Gas unterstützen, wäre es jedenfalls nicht mehr vertretbar, mittels CO2-Gesetzgebung beispielsweise Abgaben auf Treibstoff zu erhe- ben. Die ganze CO2-Lenkungsabgabepol​itik würde ihre Legitimation verlieren. Auch die wünschenswerte Steigerung der Energieeffizienz und die Verringerung der Erdoelabhängig- keit können zu einem grossen Teil nur mit einer Umstellung auf elektrische Energie erzielt werden (z.B. mit Wärmepumpen und der Förderung des Schienenverkehrs).

W​oher nimmt man diesen zusätzlichen Strombedarf? Die Wasserkraft ist in unserem Land ja bereits sehr gut ausgeschöpft, zumindest was Grossanlagen betrifft. Und ist tatsächlich eine Vermehrung von Kleinwasserkraftwerke​n wünschenswert, und bieten diese vor allem genügend Potenzi- al, um die durch den Ausfall der Kernenergie entstandene Lücke zu füllen? Von der Wind- energie wissen wir, dass nur sehr wenige Standorte in der Schweiz überhaupt einen eini- germassen genügenden Wirkungsgrad erbringen können, abgesehen von der Güterabwä-gung mit dem Landschafts- und Naturschutz – in unserem Kanton ist vor allem auch an den Juraschutz zu denken. Und sicher wollen wir nicht den Import von Energie steigern und die damit verbundenen Abhängigkeit und Auslagerung von Risiken in Kauf nehmen.

 

Mit anderen Worten: Wir werden nicht darum herum kommen, zu gegebener Zeit besonnen und nüch- tern, in Kenntnis aller Vor- und Nachteile der verschiedenen Stromproduktionsarten​, unsere Entscheidungen über die Zukunft der Kernenergie zu treffen. Voreilige Schlüsse aus der jet- zigen aktuellen, dramatischen Situation in Japan könnten in eine Sackgasse führen.

 

 

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Comments to: Besonnenheit auch in der Energiepolitik
  • März 14, 2012

    Lieber Herr Fluri

    Die voreiligen Schlüsse wurden bereits vor Jahrzehnten gezogen. Damals baute man AKWs noch bevor man sich zur Frage der Endlagerung der radioaktiven Abfälle im Klaren war, so ganz nach dem Motto: Irgendwo lässt sich dann schon irgendwie ein Endlager finden und bauen. Seit nicht weniger als 40 Jahren (!) sucht die NAGRA nach einem geeigneten Standort. Und weil (übrigens weltweit) noch immer keiner gefunden und bestimmt wurde, ist es mir nach wie vor ein Rätsel, wie man heute schon die Entsorgungskosten voraussagen will…

    Fukushima hat nur dazu beigetragen, dass auch über diesen Aspekt der Abfälle (endlich) wieder diskutiert wird. Er alleine wiegt so schwer, dass ein Festhalten an Kernenergie, so wie Sie das machen, sicher nicht in Frage kommt. Auch daran haben die Vorgänge in Fukushima nichts verändert.

    Statt noch lange einer Energieerzeugungsform​ nachzutrauern, deren Probleme auch heute noch gelöst sind, wünschte ich mir mehr Mut hin zu neuen, kreativen Lösungen in Sachen Energieerzeugung und Energieeffizienz und das erst recht nach den Wahlen.

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    • Juli 19, 2021

      Lieber Herr Sprenger

      Die schrittweise Ablösung der fossilen Brennstoffe ohne eine sehr starke Förderung der erneuerbaren Energie und der zeitlich unbeschränkt möglichen Kernenergie-Nutzung ist undenkbar. Da können die AKW-Gegner noch so lange das bei ihnen beliebte Thema “Atommüll” hervorholen, wie sie wollen. Die uns noch einige Zeit beschäftigende Aufgabe der vollständigen Uran-Nutzung bis hin zu kurzen Strahlungszeiten wird uns in einigen Jahrzehnten kaum noch Sorgen bereiten.

      Es ist davon auszugehen, dass das Recycling-Moratorium 2016 auslaufen wird. Nur ca. 5% der ausgemusterten Brennstäbe ist hochaktiver Abfall. 94% ist wertvolles Uran-238. 1% ist unverbrauchtes, sehr wertvolles Uran-235. Uran-238 kann schon in wenigen Jahrzehnten von Reaktoren der 4. Generation als Brennstoff genutzt werden. Damit wird Natur-Uran etwa die 50-fache Energiemenge liefern im Vergleich zur heutigen Nutzung. Dazu kommt schon bald die Nutzung von Thorium-232. Die Kernspaltung wird uns so noch während mehreren zehntausend Jahren zur Verfügung stehen. Langfristig wird sie jedoch Konkurrenz durch die unbegrenzt mögliche Kernfusion erhalten.

      Ob grundsätzlich mögliche Transmutationen des hochaktiven Abfalls (5%) in wesentlich kurzfristiger abklingende Stoffe wirtschaftlich vertretbar sein werden, ob allenfalls damit wiederum soviel Energie gewonnen werden kann, dass die Kosten durch den Nutzen teilweise wettgemacht werden können, wissen wir heute nicht.

      Falls bis 2040 die Weiterentwicklung noch nicht so weit sein sollte, muss eine neue Abschätzung der Situation vorgenommen werden. Denkbar ist auch eine Verlängerung der heutigen Zwischenlagerung nach einer bis dann notwendig werdenden Auswechslung des Lagerungsbehälters. Im Vordergrund steht jedoch eine Tiefenlagerung mit problemlos möglicher Rückholbarkeit. So oder so sind die zurzeit laufenden Abklärungen am PSI, ob dereinst in Opalinuston eine Endlagerung radioaktiver Abfälle von Kernreaktoren, Medizin und Forschung vertretbar sein wird, weiter zu führen.

      Die international festgelegten Vorgaben für die zukünftige 4. Generation von Kernreaktoren legen fest, dass die heute ausgemusterten Brennstäbe nach einer Aufbereitung zusammen mit der bisher entstandenen grossen nicht verwendeten Uranmenge bei der Anreicherung genutzt werden kann. Der entstehende Abfall darf nur noch Radionuklide mit Halbwertszeiten um die 100 Jahre haben. Die heute angewendete “Verpackung” hält einige tausend Jahre, bis sie durchlässig wird und der Opalinuston (oder was auch immer ausgesucht wird) seine Aufgabe zur Abdichtung übernehmen muss.

      Zudem ist davon auszugehen, dass die schon in diesem Jahrzehnt bei uns zum Einsatz kommenden inhärent sicheren in grosser Stückzahl industriell hergestellten Mini-Reaktoren einen etwa Fussball-grossen Abfall erzeugen werden, der jeweils vom Lieferanten beim Brennstoff-Austausch zurückgenommen wird.

      Es sieht so aus, als ob die Diskussion über den so genannten “Atommüll” das bisher ideologisch geprägte tiefe Niveau verlassen könnte. Zugegeben, einfach zu verstehen ist die komplexe Materie nicht.

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    • Juli 19, 2021

      Lieber Herr Jorns

      Vorab: Wie Sie vermutlich wissen (aber nicht erwähnen), schreibt heute die Verordnung über den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für die “radioaktiven Betriebsabfälle” lediglich eine Beobachtungsphase von 50 Jahren vor, das heisst, nur während dieser Dauer ist auch die Rückholbarkeit sichergestellt. Danach können die AKW-Betreiber den Schlüssel fürs Tiefenlager (sofern es denn ein solches geben wird) in den Atlantik werfen. Ganz so “problemlos” würde ich daher diese Rückholbarkeit nicht bezeichnen, schon gar nicht, wenn ich noch an die heute bekannten Halbwertszeiten denke.

      Ungeachtet dessen verwenden Sie oft den Konjunktiv: könnte, sollte, dürfte. Sie drücken damit selber die Ungewissheit darüber aus, was da noch kommen könnte, sollte, dürfte. Das will ich nicht als Vorwurf verstanden wissen. Aber: Wie Sie sicher auch wissen, wurden die heutigen AKWs für eine Betriebszeit von 40 Jahren gebaut. Wäre man dabei geblieben, hätte man diese also nicht auf 50 Jahre erweitert, wäre Beznau I bereits nicht mehr am Netz und Beznau II sowie Mühleberg hätten in diesem Jahr heruntergefahren werden müssen. Für den Bau eines neuen AKWs ist wiederum mit 15, wohl eher mit 20 Jahren zu rechnen.

      Worauf ich hinaus will: Uns rennt die Zeit davon. Wenn wir rasch um Ersatz aller fünf AKWs besorgt sein wollen, müssen wir heute entscheiden. Wir können sicher nicht bis 2040 warten. Und solange wir eben nicht wissen, was die Zukunft tatsächlich bringt (Sie wissen schon: könnte, sollte, dürfte), erscheint es mir töricht, wieder auf AKWs mit ihrem nur hypothetisch gelösten Abfallproblem zu setzen.

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    • Juli 19, 2021

      Lieber Herr Sprenger

      Nach der Entdeckung der fossilen Brennstoffe und der damit möglichen Industrialisierung hat sich die Menschheit stark vermehrt und unser Wissen und unsere Möglichkeiten sind seither auf einem wesentlich höheren Stand. Die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen wächst jedes Jahr weiter. Auf der folgenden Grafik lag sie 2008 noch bei 82%. Heute liegt sie bereits bei 85% und gleichzeitig erwartet man im Laufe der kommenden Jahrzehnte eine Verdreifachung des Energiebedarfs (Nachholbedarf in den Schwellen- und Industrieländern).
      http://www.bernerschach.ch​/IEA.pdf
      Erdöl und Erdgas werden in den kommenden Jahrzehnten knapp, spekulativen Einflüssen ausgesetzt und folglich zunehmend teuer. Zudem bringen Machtkämpfe um Fördergebiete unvorhersehbare Sicherheitsrisiken in einigen Regionen. Die fossilen Energien schrittweise abzulösen ist ein Riesending. Man kann sich heute noch fast nicht vorstellen, wie die erneuerbaren Energien und die Kernenergie das dereinst gemeinsam schaffen sollen.

      Auch unsere Stromversorgung in der Schweiz wird mit der Ausserbetriebsetzung der AKW zunehmend kritisch. Gemäss meiner persönlichen Abschätzung brauchen wir bei der zu erwartenden stärkeren Nutzung der erneuerbaren Energien bis 2035 ungefähr 7 grosse Gaskombikraftwerke. Selbst die optimistische Voraussage des Bundesamtes für Energie sieht eine grosse Differenz zwischen Strombedarf und möglicher Nutzung der erneuerbaren Energien. Der geplante Rückgang des CO2-Ausstosses bleibt so eine Illusion. http://www.bernerschach.ch/A​KW-Ersatz.pdf

      Momentan geht es vor allem darum, die erneuerbaren Energien zu fördern. Der Photovoltaik möchte ich mit einem sehr grosszügigen Jahresbudget eine Starthilfe geben. Dieses Budget wäre jeweils auf alle eingegebenen Gesuche zu verteilen. Während ich nur Gebäude unter Denkmalpflege schützen würde, sind für die Erstellung von Windkraftanlagen die bestehenden Gesetze nur leicht zu lockern. Die strengen Regeln beim Gewässerschutz würde ich weiterhin beachten. Die tiefe Geothermie hat zwar ein grosses Potential, steht jedoch heute erst am Anfang einer langen Entwicklung und ihr Beitrag ist noch sehr unsicher. Staatskredite wie in St. Gallen sind notwendig. Die Forschung auf dem ganzen Spektrum der Energieversorgung würde ich vermehrt fördern. Zudem müssen wir uns für internationale neuartige Projekte wie Desertec und Offshore-Windparks engagieren. Insbesondere in Griechenland ist das vorhandene Potential zu nutzen. Doch all diese Möglichkeiten der erneuerbaren Energien reichen aus heutiger Sicht nirgends hin. Das sehen wir z.B. bei der stark geförderten Photovoltaik in Deutschland, wo erst ca. 0,7% des Gesamtenergiebedarfs und erst ca. 3% des Stromverbrauchs so abgedeckt werden können.

      Klar haben Sie Recht, Herr Sprenger, in meinem obigen Beitrag findet man einige “könnte”, “sollte” und “dürfte”. Doch diese Konjunktive sind heute leider im ganzen Bereich der Energieversorgung nicht zu umgehen.

      Es ist offensichtlich, wir brauchen alle drei: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Kernenergie (inkl. Kernfusion). Auch so wird es sehr schwierig sein, die fossilen Brennstoffe schrittweise abzulösen.

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    • Juli 19, 2021

      Lieber Herrn Jorns

      Da öffnen Sie ein ganz neues Spektrum, denn – da stimme ich Ihnen durchaus zu – wir haben nebst dem Ersatz der AKWs auch noch “das andere Energieproblem” zu lösen, nämlich jenes der fossilen Brennstoffe. Energie aus Erdölprodukten machten im 2010 gemäss BFE 54 Prozent des Endenergieverbrauchs aus (Elektrizität übrigens “nur” 24 Prozent) und sie neigen sich dem Ende zu und das ungeachtet dessen, ob man nun an den Klimawandel glaubt und CO2 vermindern will oder ob man daran nicht glaubt.

      Die Lehre, die wir aus dieser fossilen Energiequelle ziehen sollten, ist doch die, dass wir nicht wieder auf eine Energiequelle setzen sollten, deren Ende a) absehbar ist (mit entsprechendem Mehraufwand werden inzwischen bereits die weniger reichhaltigen Uranerz-Vorkommen abgebaut) und deren Vorhandensein und Gewinnung uns b) erneut vom Ausland abhängig macht. Darum halte ich die Sonnenenergie für äusserst sinnvoll, denn erstens kann sie lokal gewonnen werden und zweitens gibt es sie so lange, wie es Leben auf diesem Planeten gibt.

      Soviel zum Grundsätzlichen. Nun zum Umstieg: Der weitaus grösste Teil der Bevölkerung ist sich nicht einmal des eigenen Strombedarfs in kWh bewusst. Wie will man da eine Veränderung bewirken, wenn dafür kein Bewusstsein da ist?

      Doch selbst wenn sich dessen viel mehr Menschen bewusst wären: Das BFE ist heute nicht in der Lage mir zu sagen, wie viele kWh denn pro Haushalt und Person verbraucht werden, sodass ich als Stromkonsument wenigstens eine Richtgrösse hätte und mich an etwas orientieren kann (gehöre ich zu den grossen Stromverbrauchern?). Es schafft es nur, den Gesamtstromverbrauch (wovon die Haushalte nur rund 31 Prozent ausmachen) durch die Gesamtbevölkerungszah​l zu dividieren (mehr dazu hier: http://bit.ly/wFJnuI)​.

      Darum wäre es meiner Ansicht nach ein erster, wichtiger Schritt, dieses Bewusstsein schon einmal zu erhöhen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Sprenger, damals, als man wollte, dass das Volk zur Atomkraft ja sagen solle, damit man es anschliessend davon abhängig machen zu können, versprach man dem Volke laut und deutlich VOR der Abstimmung, dass man die AKWs in der Schweiz sofort abstellen würde, wenn man bis 1990 keine Endlager gebaut hätte. NACH der Abstimmung wollte natürlich die Atom-Mafia nichts mehr wissen von diesem Versprechen, die bürgerlichen Lakaien dieser Atom-Mafia sorgten dafür, dass ein unverbindliches “Gewähr”-Spielchen getrieben werden konnte, bei dem das Volk dereinst dann die Kosten zu tragen haben wird! Denn die angeblichen Rücklagen für die Lagerung reichen nach Ansicht der unabhängigen Experten nie und nimmer dafür aus. Und diejenigen, die dieses mafiöse Geschäft angerichtet haben, werden dann längstens nicht mehr da sein. Das ist klar, das verstehen die unter “Verantwortung übernehmen”!

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  • März 15, 2012

    DEN ATOMAUSSTIEG MIT ZEITLICHER VERZÖGERUNG WIEDERRUFEN

    Sehr geehrter Herr Nationalrat Fluri

    In der Bevölkerung ist in den letzten zwei Wochen der Eindruck entstanden, dass der Atomausstieg als Ablenkung dient um die alten Kernkraftwerke länger betreiben zu können. Die Sicherheitsdiskussion​ wurde damit auf die Technologie-Ebene verschoben und der Bezug zu den aktuellen Risiken der bestehenden Kraftwerke wurde soweit wie möglich weggelassen.

    Ihrem Text entnehme ich sinngemäss, wenn dann die heikle Zeit für den Weiterbetrieb der drei Kraftwerke in Mühleberg und Beznau vorbei ist können die politischen Kräfte wieder über den Neubau von Kernkraftwerken diskutieren. Aus meiner Sicht sollte bereits jetzt der Neubau von Beznau III in Betracht gezogen und der Bevölkerung vorgelegt werden. Wir benötigen genügend Strom für die Industrie, den öffentlichen Verkehr und die Bevölkerung. Der Rückbau von Mühleberg sowie Beznau I und II soll zeitlich gestaffelt werden.

    In allen Planungsvarianten ist zu bedenken, der Weiterbetrieb der drei alten Kernkraftwerke liefert wenig Strom und bedeutet ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Mensch und Umwelt.

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  • März 15, 2012

    Sehr geehrter Herr Fluri

    Zu Ihrer Sicht der Energiepolitik habe ich den “Daumen nach oben” gedrückt. Zu einigen der von Ihnen erwähnten Punkte möchte ich nachfolgend noch Ergänzungen anbringen.

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    Die​s zu möglichen Reaktorunfällen in der Schweiz:
    Nach den Ereignissen in Three Mile Island und in Tschernobyl wurden die bestehenden Kernkraftwerke (Generation II) mit zusätzlichen Sicherheitssystemen nachgerüstet und es wurden neue KKW (Generation III) entwickelt, welche auch dann den Reaktor bei einer kritischen Störung automatisch herunterfahren, wenn die Stromzufuhr ausfallen sollte (so genannt passive Systeme). Das Risiko einer Kernschmelze dürfte bei diesen neuen Reaktoren äusserst klein sein, und wenn es doch einmal soweit kommen sollte, ist nach Einschätzung der Entwickler die radioaktive Verseuchung auf das Reaktorgebäude beschränkt. Eine derartige Ausbreitung von radioaktivem Staub wie sie in Tschernobyl geschah, ist grundsätzlich nur bei dem dort eingesetzten Reaktortyp möglich.
    Die Reaktorunfälle in Fukushima zeigen den möglichen Worst-Case für Leichtwasserreaktoren​: Starkes Erdbeben, Zerstörungen durch Überflutung, totaler Stromausfall, komplettes Versagen der Kühlung, kein angemessenes Notfallmanagement, schlechtest mögliche Lagerung der ausgedienten Brennstäbe, mehrere Reaktoren verstrahlen sich gegenseitig und geben eine konzentrierte Strahlungsbelastung ins Hinterland ab.

    Folgende Erkenntnisse zeichnen sich nach den Reaktorunfällen in Fukushima ab:

    1. Die Verbesserungen der Sicherheit bei den neusten Reaktoren der 3. Generation gehen in die richtige Richtung. Nach der Beurteilung der Experten würde die Radioaktivität bei einem Unfall wie in Fukushima im Reaktorgebäude zurückgehalten.

    2.​ Die Standortwahl beim Bau von neuen Reaktoren ist wesentlich kritischer zu beurteilen, als es bisher der Fall war. Wichtig sind insbesondere die Erdbebensicherheit, keine Überflutungsgefahr.

    3. Neben den Vorgaben vom ENSI braucht es auch international festgelegte und kontrollierte Vorgaben.

    4. Die Forderung nach Inhärenz bei der Entwicklung von Reaktoren der 4. Generation hat hohe Priorität (Überhitzungen von der Auslegung her nicht mehr möglich). Es ist heute noch zu wenig bekannt, dass schon in wenigen Jahren erstmals inhärente Mini-Reaktoren in grosser Zahl industriell produziert werden. Sie sind für den Einsatz in der Schweiz äusserst interessant, nicht zuletzt weil die bei Kernreaktoren grosse Abwärme (etwa zwei Drittel der produzierten Energie) fürs Heizen von nahen Siedlungen verwendet werden kann.

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    Zur Endlagerung radioaktiver Abfälle möchte ich auf meine nachfolgend zu findende Antwort an Herrn Sprenger verweisen.

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    “​Einfach wird es sicher nicht sein, den heute von der Kernenergie produzierten Strom zu ersetzen. Jedenfalls kann in Anbetracht der Klimaproblematik nun nicht leichthin auf Gaskombi-Kraftwerke ausgewichen werden.”

    Dazu Bundesrätin Doris Leuthard nach den Reaktorunfällen in Fukushima. Sie wollte von ihren Experten wissen, mit wie vielen Gaskombi-Kraftwerken beim Verzicht auf Ersatz-AKW zu rechnen sei: “Ich will wissen, sind es zwei oder sind es neun”. Und Leuthard weiter: “Es ist leichtsinnig, zu verlangen, dass die Schweiz auf die Kernenergie verzichten soll.” Wie Recht Sie damals hatte!
    Doch dann kam dieser sagenhafte Parteitag der CVP, unsere Energieministerin sass wieder wie früher gut gelaunt neben Christoph Darbellay. Doch leider hatte sie nun das “grüne Fieber” gepackt.

    Ganz grob geschätzt, rechne ich bei einem Atomausstieg bis 2035 mit ca. 7 grossen Gaskombi-Kraftwerken.​ Damit wären wir in der Weltrangliste des Weltenergierates sicher nicht mehr wie heute der “Nachhaltigkeits-Wel​tmeister” und würden vom heute ersten Platz ziemlich weit nach hinten durchgereicht. Gaskombikraftwerke wünschen wir nicht!

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrter Herr Jorns

      Sie sind mathematisch gut ausgebildet und verstehen auch einiges von Statistik. In den letzten 30 Jahren haben sich Reaktorunfälle in den USA, in der Ukraine (UDSSR) und in Japan ereignet. In diesen Gebieten befinden sich mehr als 60% der Kernreaktoren. Eine grosse Anzahl befindet sich aber auch in Europa. Statistisch gesehen ist die Gefahr gross, dass das nächste Ereignis in Europa eintritt.

      Natürlich kann eingewendet werden, dass sich die Ereignisse nicht an Statistiken halten sondern vom menschlichen Verhalten abhängen. Die Vorgehensweise in unserer Umgebung nehme ich aber als nicht sehr sicherheitsorientiert​ wahr. Die Nachrüstungen werden kostenorientiert getätigt und lange herausgeschoben. In der Statistik kann auch das Alter mit einbezogen werden. Dann sieht es für die Kraftwerke an den Standorten Cattenom, Fessenheim, Beznau und Mühleberg nicht gut aus. Aus meiner Sicht sollten diese vier Standorte stillgelegt und der Energieausfall mit Kernkraftwerken der aktuellen Technik und der entsprechend höheren Leistung ersetzt werden.

      Ihre Meinung zu diesen Argumenten interessiert mich.

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrter Herr Oberholzer

      Ihre Einschätzung der heutigen Kernenergie-Nutzung ist durchaus berechtigt. Ich selbst bin für eine offene, ehrliche Beurteilung und eine Risikoabschätzung der in Betrieb stehenden AKW durch Experten. Letztendlich soll ein sich auf diese Beurteilung stützender demokratischer politischer Entscheid gefällt werden, sei dies für den weiteren Betrieb der im Einsatz stehenden oder für den Bau von neuen Kernkraftwerken.

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  • März 16, 2012

    Das Stromloch ist ein Problem, wenn wir es mit Gaskraftwerken stopfen, erhöht dies die CO2-Emission, die wir ja eigentlich senken sollten, Solarstrom ist bis auf weiteres zu teuer, die ganze Schweiz mit Windrädchen zupflastern ist auch nicht zu empfehlen, jedes noch so kleine Bächlein für ein Miniwasserkraftwerk zu stauen bringt es auch nicht.

    Fazit: wir müssen den Stromkonsum reduzieren.
    Wie geht das?
    Jeder Einzelne verbraucht weniger. Mit diesem eigentlich vernünftigen Verhalten ist erfahrungsgemäss nicht zu rechnen.

    Wir reduzieren die Anzahl der Konsumenten. Das geht, wenn auch langsam, weil jedes Jahr einige zehntausend Ausländer die Schweiz verlassen. Es genügt, wenn wir die Zuwanderung auf das absolut Notwendige begrenzen. In der Schweiz gibt es sehr viele Arbeitslose, diese können und müssen wieder vollständig in den Arbeitsprozess integriert werden.
    Ausserdem gibt es sehr viele ausländische Sozialhilfeempfänger.​ Es spricht nichts dagegen, wenn diese die Schweiz nach einer gewissen Zeit verlassen müssen.

    So wird die Bevölkerung langsam schrumpfen. Der Stromkonsum wird langsam sinken. Das gleiche gilt für die Umweltverschmutzung, die CO2-Emission und die Mieten. Der Druck auf die Umwelt wird genauso abnehmen wie das Staurisiko auf den Strassen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Müller,
      das wird aber ziemlich unbequem, denn wenn die alle weg sind, müssen wir Dinge wie Klo putzen, Müllabfuhr, Kanalreinigung, Hilfsarbeiten auf dem Bau usw. wieder selber erledigen. Und auf die satten Steuergelder der pauschal besteuerten Ausländer verzichten.
      Dazu kämen noch rund 700’000 Auslandschweizer, die konsequenterweise zu uns zurückkehren müssten.
      Dürften dann Feriengäste aus dem Ausland, wenn sie hier sind, unseren Strom verbrauchen? Darf die Industrie, wenn sie Waren produziert, die für den Export sind, das mit einheimischen Strom tun?
      Ich vermute, sich aus Stromspargründen vom Ausland abzukoppeln, wäre ein Schuss in den eigenen Ofen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Paulsen

      “wenn die alle weg sind,”
      Es geht nur darum die Zahl der vom Sozialstaat lebenden Ausländer zu reduzieren und nicht darum die Einwanderung vollständig zu verbieten.

      “Dinge​ wie Klo putzen, Müllabfuhr, Kanalreinigung, Hilfsarbeiten auf dem Bau usw. wieder selber erledigen.”
      Man findet für jeden wirklich jeden Job Schweizer. Aber nur dann, wenn der Lohn stimmt.

      Die meisten Auslandschweizer sind Doppelbürger (500 000). Viele sind nach einigen Jahren in der Schweiz in ihre Heimat zurückgekehrt und geniessen dort den Lebensabend.

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    • Juli 19, 2021

      Richtig Herr Müller, und als Nebeneffekt würde eine Mindestlohinitiative hinfällig!

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  • März 17, 2012

    Es ist richtig, dass in der Schweiz Tsunamis und Erdbeben der Magnitude 9 vermutlich nie eintreten werden.
    Was man aus dem Unfall in Fukushima hingegen für die Schweiz lernen könnte, wenn man wollte, wäre dies:
    – Unfälle treten auf, weil Risiken vergessen wurden oder aus rein wirtschaftlichen Gründen als unwahrscheinlich klassifiziert worden sind. Dort wurde eine Tsunami-Warnung ignoriert, hier wurde aus wirtschaftlichen Gründen beschlossen, die Risse im Reaktorbehälter des KKW Mühleberg seien harmlos.
    – Weder Japan noch die Schweiz sind eine Bananenrepublik oder ein Drittweltland.
    In Japan hat nach der Kernschmelze im AKW überhaupt nichts mehr funktioniert. In der Schweiz dürfte das nicht anders sein.
    – Die totale Katastrophe, nämlich die Evakuierung von Tokio, wurde verhindert durch günstigen Wind und eine Anhebung des maximal zulässigen Grenzwertes, nicht durch bauliche Massnahmen der AKW-Betreiber. Auch das ist in Mühleberg und in vielen anderen KKWs so.
    – In Japan sind hunderte Quadratkilometer auf Jahrzehnte hinaus unbewohnbar geworden. Die Entschädigungen für die betroffene Bevölkerung ist lächerlich gering. Auch bei uns wäre das so – auch bei uns gibt es keinen Fonds, der mehr als nur symbolische Entschädigungen bezahlen könnte.
    Dazu kommt der ganz normale Wahnsinn des normalen Betriebes, nämlich Abfälle anzuhäufen, die man nach heutigem Erkenntnisstand nicht los wird.
    Und das alles, weil es so angenehm ist, billigen Strom zu haben.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Paulsen Jens

      Zugegeben, es ist nicht einfach, sich ein möglichst umfassendes und objektives, neutrales Bild der zukünftigen Energieversorgung zu machen. So sind zwar meine Kenntnisse aus den besuchten Vorlesungen über Kernphysik und Reaktorphysik eine nützliche Grundlage, um die Kernenergienutzung zu verstehen. Doch musste ich mich über viele Jahre stets neu informieren und kritisch mit all den publizierten Informationen auseinandersetzen. Dass ich zu ganz andern Schlüssen über die Energieversorgung und die zu erwartenden Entwicklungen komme als Sie, können Sie z.B. in der unten angegebenen Auswahl meiner bisherigen Vimentis-Beiträge sehen.

      Auch die Situation in Fukushima sieht gemäss meinen Recherchen ziemlich anders aus, als Sie in Ihrem Beitrag beschreiben:

      Regie​rungssprecher Edano stellte am 18. Dezember 2011 bei einem Treffen mit den Verantwortlichen der 11 Gemeinden innerhalb der Sperrzone und der Evakuierungszonen den Rückkehrplan der Regierung vor. Das Konzept sieht folgende Gliederung:

      • Gebi​ete mit einer jährlichen Belastung unter 20 Millisievert pro Jahr. Dort ist eine Rückkehr der evakuierten Bewohner in naher Zukunft wahrscheinlich.
      • Ge​biete zwischen 20 und 50 Millisievert, in denen eine Rückkehr erst nach mehreren Jahren möglich sein wird.
      • Gebiete mit Werten über 50 Millisievert pro Jahr, die nicht innerhalb von fünf Jahren auf einen Wert von 20 Millisievert fallen und damit offiziell über Jahrzehnte nicht mehr bewohnbar sind. Hier plant die Regierung das Mieten oder den Aufkauf von Gebieten – potentiell für die Lagerung von kontaminiertem Material.

      Die alte Regelung soll am 1. April aufgehoben werden. Minister Goshi Hosono, verantwortlich für die Aufgaben um die Atomkrise, zeigte sich gegenüber der Asahi Shimbun zuversichtlich. Die ersten Flüchtlinge könnten bereits im Frühjahr oder Sommer in ihre Ortschaften zurückkehren.

      Die Evakuierungsaufforder​ungen für bewohnbare Gebiete werden entsprechend des Fortschritts der Dekontamination in Bereichen, in denen sich Kinder aufhalten, sowie der Geschwindigkeit des Wiederaufbaus der Infrastruktur jeweils phasenweise erfolgen.

      Die Auswirkungen der im vergangenen Jahr freigesetzten Strahlung sind gemäss Professor Christoph Reiners, Strahlenmediziner am Uniklinikum Würzburg, niedriger als ursprünglich befürchtet. Es habe in Fukushima nicht einen einzigen Strahlentoten gegeben, berichtete er. Die Folgen der Reaktorkatastrophe seien wesentlich geringer als in Tschernobyl.

      Der Ort Fukushima war nie evakuiert. Es gibt viele Ortschaften auf der Erde, welche von Natur aus höhere Radioaktivität aufweisen. Evakuiert sind zurzeit noch Futaba (6’430 Einw.), Okuma (11’511), Namie (19’360), Tomioka (14’847) und Naraha (7’367). Wahrscheinlich wird im Laufe der kommenden Monate dieses Gebiet schrittweise wieder zu einem grossen Teil als bewohnbar erklärt. Für schwangere Frauen gilt weiterhin besondere Vorsicht.

      Siehe auch: http://www.bernerschach.ch/V​imentis-Benedikt-Jorn​s.pdf

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    • Juli 19, 2021

      Kennen wir zur Genüge! Auch bei Tschernobyl verkündigten Atom-Wissenschafter, dass es nur glaub 35 Tote gegeben habe. Und dass man Menschen in Gebiete zurückschickt, in denen nur dank nachträglicher Anhebung der Toleranzgrenze niemand gefährdet ist, ist logisch: Wohin soll man auch mit den Evakuierten? Japan ist voll. Von den Strahlenopfern redet keiner, die es geben wird, sie werden an Krebs oder sonst etwas sterben, das wird in de Statistiken der Atom-Industrie nicht erscheinen. Eventuelle Opfer bisher verschwanden wohl einfach auch unter den Tsunami-Opfern, das war praktisch.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Jorns,

      ich zitiere Sie:
      “Mit Kernfusionsreaktoren und mit inhärenten (= nicht überhitzbaren) Kernreaktoren sind zwar Unfälle wie in vielen Industrieanlagen immer noch möglich. Doch sind solche Ereignisse bereits von der Auslegung der Reaktoren her nicht so, dass Evakuierungen wie in Fukushima notwendig sein könnten. Folgen wie in Tschernobyl sind bereits bei unseren Leichtwasserreaktoren​ gar nicht möglich. Der „Atommüll“ schliesslich wird zum grössten Teil kurze Halbwertszeiten haben und kaum ein unlösbares Problem sein.”
      Die genau gleichen Geschichten hat man schon bei der AKW-Einführung in den 50er Jahren gehört, dann wieder zum schnellen Brüter, dann zum Kugelhaufenreaktor …
      In der EDV-Branche nennt man sowas “Vaporware”, arbeiten kann man aber nur mit Dingen, die in der Realität funktionieren. Den Unterschied zwischen “funktioniert im Labor” und “funktioniert draussen” haben die Leute zuletzt in Fukushima am eigenen Leib erfahren. Und auch das AKW Fukushima war bis zum 11. März 2011 gemäss den Betreibern “sicher”
      Lesen Sie doch einmal folgenden Artikel:
      http://de.w​ikipedia.org/wiki/Lis​te_von_Unfällen_in_ke​rntechnischen_Anlagen​
      Die Unfälle treten genau so auf, wie es rein statistisch zu erwarten ist, mal gibt es Perioden mit wenig, dann wieder solche mit gehäuften “Ereignissen”.
      Nun​ ist es ein erprobtes Verfahren statistischer Schönrechnerei, jeden Unfall als Einzelfall zu betrachten, und so das “Restrisiko” beliebig klein zu halten. Eigenartigerweise machen das die grossen Versicherungskonzerne​ nicht – es gibt keine Versicherung, die das Schadenrisiko eines AKWs zu bezahlbaren Prämien abdecken würde. Warum wohl nicht? Rechnen können die nämlich sehr gut.

      Die Frage, die sich stellt, bevor man auf dem Niveau der Technik weiterdiskutiert, wäre folgende:
      Ist eine Technik zulässig, die, ich wiederhole es, Hunderte von Quadratkilometern auf Jahrzehnte unbewohnbar macht, die eine unbestimmte, aber möglicherweise sehr grosse Zahl von Menschen umbringen oder unheilbar krank machen kann (und dies auch regelmässig tut), und die im regulären Betrieb Abfälle erzeugt, deren Beseitigung zur Zeit ungelöst ist und die man deshalb grosszügig und “verantwortungsbewus​st” den nächsten Generationen überlässt?
      Jede Gemeinde erlässt eine Baubewilligung nur, wenn der Gesuchsteller einen Anschluss ans eine Kläranlage nachweisen kann oder eine gleichwertige Lösung auf eigene Kosten erstellt. Alles andere wäre unverantwortlich. Warum soll diese Regel bei AKWs nicht gelten?

      Ich zitiere Sie nochmals: “Es ist mir klar, dass ich hier schreiben kann, was ich will, die „Grünen“ können ihren „Glauben“ nicht plötzlich beiseite legen. Sie haben vielfach schon gar nicht die Fähigkeit, Aussagen in ihr Gehirn rein zu bringen, die nicht ihrer tief verwurzelten Denkweise entsprechen.”
      Ich bin nicht Mitglied einer “grünen” Partei, aber ich verfüge über etwas Lebenserfahrung und über ein eigenes Gehirn – wenn die Tatsachen eine andere Sprache sprechen als das Hochglanzpapier, dann ziehe ich meine Schlüsse aus dem, was passiert ist, egal wieviele hochdotierte “Experten” mir das Gegenteil einreden wollen.

      Mit freundlichen Grüssen,
      J. Paulsen

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  • März 19, 2012

    Markus Schnelli

    Sehr geehrter Herr Fluri

    Zum Glück gibt es noch Parlamentarier, die sich gegen den überhasteten Ausstiegsentscheid wehren. Herzlichen Dank für Ihr Engagement.

    Natürlich wäre es gut, wenn wir ohne Risiko Strom in Hülle und Fülle produzieren könnten, sodass schlussendlich die ganze (immer noch wachsende) Menschheit Energie im westlichen Stil verschleudern könnte…. Leider ist dem nicht so, denn jede Produktionsart birgt enorme Risiken. Seien es Abhängigkeitsrisiken (Erdöl, Gas, Kohle, Uran, Wasser, Sonne, Wind u.a.) oder Katastrophenrisiken (Bruch einer Staumauer, Einsturz einer Kohlegrube, Gasexplosion, Atomunfall, Explosion einer Oelplattform, Lärmschädigungen durch Rotoren u.a.).

    Und weil dem so ist, macht es wirklich keinen Sinn auf die so wichtige Energiequelle leichtfertig zu verzichten. Ich bin überzeugt, dass die Kernkraftwerke der nächsten Generation nochmals viel sicherer werden und vor allem auch, dass es in Zukunft eine Lösung geben wird, welche das Atommüllproblem entschärft, indem ein wesenlicher Teil des bestehenden Mülls verarbeitet bzw. wieder aufbereitet wird.

    Andererseits bin ich überzeugt, dass der ganze Westen (nicht nur die Schweiz) umgehend anfangen sollte, Energie vernünftig zu verbrauchen. Und weil dies leider nicht freiwillig geschieht, bedarf es wohl einer markanten Energiepreis-Erhöhung​. Die entsprechenden Mehrerträge könnten dann für Sanierungsmassnahmen v.a. an privaten Gebäuden eingesetzt werden.

    Herr Fluri, kämpfen Sie bitte weiter. Ich bin überzeugt, dass die Windfähnchen im Parlament sich gelegentlich wieder in Ihre Richtung drehen werden.

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    • Juli 19, 2021

      Ja, Herr Schnelli, wir entschärfen das Atom-Müll-Problem bereits. Wir senden den Dreck nach Russland, wo er unter freiem Himmel lagert und vor sich hin strahlt, lassen ihn teilweise aufbereiten – wobei ja gerade da der schlimmste Dreck anfällt und übrigbleibt!! – das ist für uns einfach die billigste Lösung, weit weg, aus den Augen, geht uns nichts mehr an, und ob die Menschen dort leiden, verstrahlt werden ist doch unseren Herren in den weissen Mäntelis in den AKWs doch egal, die sind das ja von Tschernobyl vielleicht gewohnt…..

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  • März 19, 2012

    Sehr geehrter Herr Fluri,

    Besonnenhei​t auch in der Energiepolitik, einverstanden – allerdings verwandelte sich der Atomausstieg in der Zwischenzeit zu einer Frage von Ethik und Gewissen und mir scheint, dass die Politik eine derart gelagerte Auseinandersetzung nie wird entwirren können. Eine Ernüchterung macht sich also breit. Wir sind uns wohl alle einig, dass die Energiewende nur mit einer gemeinsamen Anstrengung auf allen Ebenen der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft gelingen wird. Diesen Gedanken eines Gemeinschaftswerkes an den Anfang aller Überlegungen zu stellen, wie die Energieversorgung in unserer Volkswirtschaft in den kommenden Jahren ohne Kernkraftwerke zu bewerkstelligen ist, ist alles andere als abwegig. Denn unabhängig von einzelnen Lösungsansätzen steht eines klar und deutlich fest: Den Folgen wird sich niemand entziehen können. Die Energiewende betrifft jeden – wahrscheinlich sogar härter als viele glauben. Schafft es die Politik nicht, die „Herzen und Hirne“ der Menschen zu erreichen und die Bevölkerung zum Mitmachen zu animieren, wird das ganze Projekt scheitern.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Willy Burgermeister

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  • März 20, 2012

    Mit einer vernünftigen Ausländerpolitik wäre der Strombedarf wesentlich kleiner, denn in der Schweiz fehlen etwa 400-500’000 Arbeitsplätze. Für eine Begründung dieser erschreckend hohen Zahl, siehe mein Kommentar unter:
    http://www.vi​mentis.ch/d/dialog/re​adarticle/zersiedelun​g-auch-im-mittelland-​bekaempfen/

    Wenn man davon ausgeht, dass es für die meisten arbeitslosen Schweizer einen Arbeitsplatz gäbe, der von einem Ausländer besetzt wird, leben also etwa 450’000 arbeitslose bzw. auf Kosten arbeitsloser Schweizer beschäftigte ausländische Arbeitskräfte in der Schweiz, die von der Wirtschaft nicht benötigt werden. Bei einer Erwerbsquote von 60% macht das zusammen mit den Familien etwa 750’000. Das sind knapp 10% der Bevölkerung.
    Es ist offensichtlich: Wenn diese Ausländer nicht in der Schweiz leben würden, wäre der Strombedarf entsprechend kleiner.

    Es gibt also sehr viel Spielraum für eine langsame Reduktion des Ausländeranteils. Es geht ja nicht darum alle diese von der Wirtschaft nicht benötigten Ausländer an die Grenze zu stellen. Das wäre unfair!
    Wie sieht eine vernünftige Ausländerpolitik aus?
    Wer Arbeit hat, kann bleiben.
    Wer keinem Arbeitslosen die Arbeit wegschnappt, darf kommen.
    Wer Sozialhilfe bezieht, muss nach einer gewissen Zeit in die Heimat zurück kehren.

    Diese einfachen Massnahmen führen nicht nur zu einem entsprechend geringeren Atomstromverbrauch sondern zusätzlich zu tieferen Kosten im Sozialwesen.

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  • April 15, 2012

    http://www.spiegel.de​/politik/ausland/0,15​18,827295,00.html

    ​Na dann beurteilen Sie mal nüchtern und ohne Steuergelder verschwenden zu wollen!
    Politisch sollten Sie sich mal dahinterklemmen und die unsinnig stromverschleudernden​ Speicherheizungen ersetzen lassen! Schliesslich wurde den Besitzern solcher Anlagen lange genug subventionierte Energie zur Verfügung gestellt. Speicherheizungen weg und sofort 1 AKW abstellen! Das geht! Aber die Politik muss wirklich Energie sparen wollen!

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