1. Sozialpolitik & Sozialsysteme

Der AHV geht es gut!

Allen Un­ken­ru­fen zum Trotz: Der AHV geht es gut, sie steht auf so­li­den Grund­la­gen. In den letz­ten zehn Jah­ren wuchs der Stand des AH­V-­Fonds von 21,7 auf 42,3 Mil­li­ar­den Fran­ken. Auch 2009 gab es einen Miliardenüberschuss. Statt der pro­gno­s­ti­zer­ten De­fi­zite kam im Durch­schnitt ein jährlicher Po­si­tivsaldo von zwei Mil­li­ar­den Fran­ken her­aus. Darin ein­ge­rech­net ist der Ver­lust von 2,3 Mil­li­ar­den Fran­ken im Kri­sen­jahr 2008. Die­ses Minus ergab sich aus dem An­la­ge­re­sul­tat, Grund war die Fi­nanz­kri­se.

Was besonders interessant ist: Auch 2008 war das Ergebnis aus der Versicherung – eingegangene Beiträge minus ausbezahlte Rentenleistungen – positiv. Das wird voraussichtlich in den nächsten Jahren so bleiben. Für mich bedeutet das: Die Abbaumassnahmen, wie sie mit der 11. AHV-Revision geplant waren, sind nicht nötig. Die Mehrheit des Parlaments hat diese Vorlage schon aus finanztechnischer Optik zurecht versenkt.

Aus sozialpolitischer Warte stellt sich die Aufgabe noch ganz anders. Der Bundesrat hat mehrfach versprochen, das Rentenalter so zu flexibilisieren, dass auch untere und mittlere Einkommen sich früher pensionieren lassen können. Mit der Ablehnung der 11. AHV-Revision kann dieses Versprechen nun endlch umgesetzt werden. Auch sagt die Bundesverfassung in Art. 112, dass die Renten den Existenzbedarf angemessen zu decken hätten. Davon sind wir um einiges entfernt. Die Leistungsziele sind neu zu definieren.

Die Zukunft der AHV hängt im wesentlichen von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Sie entscheidet über die finanzielle Stabilität der AHV, zum einen durch die Entwicklung der Lohnsumme, zum andern durch die Zahl der Erwerbstätigen. Wichtig ist daher, dass genügend Arbeitsplätze geschaffen werden und alle arbeiten können, die arbeiten wollen.

Die Alterung der Bevölkerung stellt für die AHV eine lösbare Aufgabe dar. Statt über Einschnitte bei den Leistungen sind Korrekturen auch über die Beiträge möglch. Darüber nachzudenken, halte ich für richtig. Für Massnahmen ist es aber jetzt zu früh.

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Comments to: Der AHV geht es gut!
  • Oktober 12, 2010

    Sehr geehrter Herr Schelbert,

    Die Politik muss endlich aufhören, uns Wählern Sand in die Augen zu streuen.

    Langfrist​ig wird es richtig eng, warnt Fritz Zurbrügg, Leiter der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Denn ungeheuere Sozialkosten werden auf die Schweiz zurollen. Die AHV hat wahrscheinlich einen riesigen Geldbedarf, und wer die Kosten der Alterspflege schultert, weiss niemand. Ohne Reformen – etwa ein höheres Rentenalter – werde es kaum gehen, glaubt Zurbrügg. Daneben plädiert er für Fiskalregeln, um die Sozialversicherungen im Lot zu halten. Sie ähneln der Schuldenbremse. Das soll helfen, ein Ziel des Bundesrats zu erreichen: Die Staatsquote, also das Verhältnis von Ausgaben und Bruttoinlandprodukt (BIP), darf nicht mehr steigen.

    Wir unterschätzen die Notwendigkeit, dass wir länger arbeiten müssten!

    Die demographischen Herausforderungen betreffen nicht nur die soziale Sicherheit, sondern ebenso die Bereiche Gesundheit und Pflege, Arbeitsmarkt, Bildung und Familienpolitik, Migrations- und Integrationspolitik, Raumordnung, Agglomerations- und Verkehrspolitik sowie staatliche Institutionen.

    Ric​htig, die Zukunft der AHV hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab und die wiederum von der erwerbsfähigen Bevölkerung. Die aber wird in einer alternden Gesellschaft gewaltig unter Druck stehen.

    Darüber müssen wir nachdenken – heute, nicht erst morgen!

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  • Januar 26, 2011

    Sehr geehrter Herr Schelbert
    Weshalb mussten wir dann für die 11. Revision Abstimmen, wenn ja alles so gut ist? Die Zukunft der AHV hängt von den wirtschaftlichen Entwicklungen ab?
    Die Firma BAT und einige andere Firmen werden es vermutlich auch nicht mehr lange in der Schweiz aushalten! Tia Keine Zigaretten-Alkohol Auto- gebühren.
    Nur noch den Steuerzahler, wie eine Gans ausnehmen. Ganz Ganz Toll!!!!!! Immer nur die Finanz krise ist an allem Schuld.:-)
    Freundlic​he Grüsse

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  • Februar 24, 2011

    Für das Alter muss man sich darauf einstellen, dass die AHV uns nicht mehr finanzieren kann, dass die Pensionskassen den Umwandlungssatz extrem senken.

    Ich jedenfalls rechne nicht mit einer AHV-Rente wie es sie heute gibt, eher mit weniger bis nichts.

    Eines ist sicher, ich muss mindestens bis 67 arbeiten, da ich mit einer Einzelrente nicht existieren kann, da meine Frau auch nicht so “zwäg” ist wird mir nicht anders übrig bleiben als bis zum AHV-Alter meiner Frau zu arbeiten. Aber eben ob’s dann überhaupt noch Geld gibt ist unklar.

    Politiker reden immer alles schön, sind aber immer am Erfinden neuer Steuern und Abgaben. Ich traue den Politiker schon lange nicht mehr¨über den Weg!

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  • Februar 24, 2011

    Gut, wir müssen also länger arbeiten. Ich habe noch nirgends Konkretes gehört darüber, wie das gehen soll.

    – Schon seit längerem finden Menschen gegen die 50 nur noch schwer Arbeit, weil man sie wegen ihres Alters und den damit verbundenen Mehrkosten nicht mehr einstellt. Wie also sollen sie bitte Geld verdienen?

    – Wie sollen Handwerker, die schwere körperliche Arbeit verrichten länger als bis 65 arbeiten können, wenn sie mit 50 schon nahezu “verbraucht” sind?
    Sage man mal einem ehrlichen Elektriker, Maurer, Maler, Gerüstbauer, er solle bis 70 weiter auf dem Bau herumkriechen – er wird anfangen zu weinen!!!

    – Wie sollen die jungen Lehrabgänger Stellen finden, wenn die Alten diese Arbeitsplätze nicht freimachen können/dürfen, weil sie gezwungen sind, weitere 5 – 10 Jahre zu arbeiten (falls man sie lässt), um dann evtl. kurz vor ihrem Ableben noch ein paar Franken AHV beziehen zu können.
    Von der AHV wohlgemerkt in die sie mit grossem Vertrauen ein Leben lang eingezahlt haben!

    Ich bin nur schon wegen der paar Fragen hier mehr als neugierig wie das mit der Erhöhung des Rentenalters gehen soll?

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    • Februar 24, 2011

      Herr Schelbert fordert ja auch gar keine Erhöhung des Rentenalters.

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    • Februar 24, 2011

      Tja, tut er nicht. Beschäftigt aber anscheinend einige Bürger trotzdem. Ist auch nicht verwunderlich, weil uns andauernd vorgejammert wird, dass wir – wenn wir nicht länger arbeiten – am Ende ohne AHV-Renten da stehen und jämmerlich zugrunde gehen werden. Überalterung der Gesellschaft etcetera….

      Ich zitiere Herrn Schelbert: “Die Zukunft der AHV hängt im wesentlichen von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Sie entscheidet über die finanzielle Stabilität der AHV, zum einen durch die Entwicklung der Lohnsumme, zum anderen durch die Zahl der Erwerbstätigen. Richtig ist daher, dass genügend Arbeitsplätze geschaffen werden und alle arbeiten können die arbeiten wollen.”

      1. Die wirtschaftliche Entwicklung ist seit einiger Zeit und wohl auch längerfristig eher sehr instabil. Logischerweise also auch die finanzielle Stabilität der AHV. Demzufolge müsste also auch die Entwicklung der Lohnsumme auf wackeligen Füssen stehen – oder wie? Die Zahl der Erwerbstätigen (sein wollenden und sein müssenden) hingegen dürfte eher steigen.

      2. Wie will man bei einer wohl längerfristig instabil bleibenden wirtschaftlichen Entwicklung (auch unter der Bezeichnung Krise bekannt) “Arbeitsplätze schaffen damit alle arbeiten können die wollen”?

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  • September 1, 2011

    AHV neu finanzieren statt Rentenalter erhöhen!

    Die von Avenir Suisse favorisierte Idee, das Rentenalter zu erhöhen, um die Finanzierung der AHV mittel- und langfristig sicherstellen zu können, ist eine politische Illusion. Die Stimmbevölkerung wird einer solchen Lösung nie zustimmen, da ein seit langem versprochener Altersrücktritt mit 64 resp. 65 Jahren zu den politischen Prioritäten der Leute gehört.
    Da für die Flexibilisierung des Rentenalters gesamtschweizerisch kaum je eine mehrheitsfähige Lösung gefunden wird, sind branchenbezogene Lösungen erfolgversprechender.​ Dies hat die Baubranche erkannt. Sie ermöglicht über eine Stiftung, welche mit 1,3% Arbeitnehmer- und 4% Arbeitgeberbeiträgen finanziert wird, die vorzeitige Pensionierung der Bauleute mit 60 Jahren. Dies ist auch die Lösung für eine Flexibilisierung des Rentenalters allgemein. Diejenigen Branchen, in denen Leute mit einer hohen körperlichen und/oder psychischen Arbeitsbelastung tätig sind, sollen Branchenkassen alimentieren, aus denen ein vorzeitiger Ruhestand finanziert werden kann.
    Bei der Finanzierung der Renten wird immer wieder auf das abnehmende Verhältnis Beitragszahlende/Rent​enbezüger hingewiesen. Ganz vergessen wird dabei, dass im Gegenzug die „Jugendlast“ (Verhältnis Jugendliche/Erwerbsbe​völkerung) abnimmt. Wenn die abnehmende Kinderzahl auch durch eine absolute Kostensenkung bei den Ausbildungskosten begleitet wäre, könnte für die Alterssicherung mehr Geld aufgewendet werden.
    Deckungslück​en bei der AHV können neben den lohnbezogenen Beiträgen auch durch andere Finanzquellen gedeckt werden. Zu denken ist dabei an Erhöhungen der Beiträge von Bund und Kantonen (auch mittels Kompensation in anderen Aufgabenbereichen), an eine neue Erbschafts- und Schenkungssteuer, einen Sondersatz für Luxusprodukte bei der Mehrwertsteuer, AHV-Beiträge auf Kapitaleinkommen, eine Finanztransaktionsste​uer, etc.. Daneben sind Teilrentenvarianten bei der gleitenden Pensionierung zu fördern.
    Heute sind die Renten der Leute in den tiefen und mittleren Lohnkategorien ungenügend. Auch für diese müssen neue AHV- und/oder BVG- Finanzierungslösungen​ gesucht werden.

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    • Juli 18, 2021

      Herr Schneider, da kann ich ihnen nur zustimmen. Auch macht es keinen Sinn das Rentenalter generell zu erhöhen. Dies aus folgenden Gründen:

      Erstens ist es für ältere Leute sehr schwierig bei Arbeitsverlust eine neue Stelle zu finden.

      Zweitens macht es keinen Sinn so lange die Arbeitslosenrate so hoch ist. Die hohe Arbeitslosenrate bedeutet für mich, dass es genügend Arbeitskräfte hat in der Schweiz. Somit besteht hier gar kein Bedarf.

      Wenn man eine Erhöhung des Rentenalters in Betracht zieht, muss auch die Wirtschaft dahinterstehen und entsprechende Massnahmen ergreifen um die Zusätzlichen Arbeitskräfte zu beschäftigen.

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