1. Umwelt, Klima & Energie

Der Ausstieg aus der Kernenergie ist technisch machbar

Der BDP wird vor­ge­wor­fen, sie be­treibe eine Wind­fah­nen­po­li­ti​k, weil sie als bürgerliche Par­tei für den ge­ord­ne­ten Aus­stieg aus der Kern­ener­gie ge­stimmt hat. Diese Hal­tung be­ur­teile ich nicht als Wind­fah­nen­po­li­ti​k, son­dern als weit­sich­tige Po­li­tik. Denn das Volk würde bei einer Ab­stim­mung ein neues Kern­kraft­werk ab­leh­nen. In der Ener­gie­dis­kus­sion​ wird auf alle Sei­ten übertrieben: Der Aus­stieg aus der Kern­ener­gie sei nicht möglich, heisst es. Oder es drohe keine Stromlücke. Oder der Atomaus­stieg ist bis 2015 möglich. Das ist alles falsch.

 

Technisch ist der Ausstieg aus der Kernenergie möglich. Die 26 TWh aus den Kernkraftwerken können bis 2050 mit Fotovoltaik, Wind, Biomasse, Kleinwasserkraft und Geothermie ersetzt werden. Gleichzeitig müssen jedoch die Kapazitäten der Pumpspeicherkraftwerk​e ausgebaut werden, da nicht die gesamte Energie als Bandenergie anfällt. Da Mühleberg und Beznau vermutlich früher vom Netz gehen, wird man kaum um Gaskombikraftwerke herum kommen. Die Schweiz tut gut daran, die Versorgungssicherheit​ hoch zu halten und in der Schweiz stets genügend Kraftwerksleistung zu haben. Das Stromnetz der Schweiz muss für dieses neue Versorgungskonzept umgebaut werden. Dies ist technisch über diesen Zeitraum problemlos machbar.

 

Dann ist ja alles kein Problem. Würde man meinen. Wären da nicht der Strompreis und die Gesetze und die Politiker.

 

Da die Produktion des Stroms mit erneuerbaren Energien über viele kleinere Kraftwerke erfolgen wird, erhöhen sich die Produktionskosten des Stromes eindeutig. Ein hoher Strompreis belastet wiederum die Wirtschaft. Das kann niemand wegdiskutieren. Auf der anderen Seite, wenn man sieht, dass Deutschland den gleichen Weg geht, dann hat die Schweiz im Vergleich mit Deutschland keinen Wettbewerbsnachteil. Dass die Schweiz in Umweltfragen im Gegensatz zu osteuropäischen Ländern eine Vorreiterrolle spielt, ist gut und soll so bleiben. Der Umweltschutz ist auch ein Standortfaktor. Der Weg der erneuerbaren Energien und des Energiesparens ist eine Chance für viele KMUs. Das Schweizer Gewerbe wird beim Bau von Anlagen mit erneuerbarer Energie stärker profitieren, als beim Bau eines KKW, bei welchem die grossen Aufträge ins Ausland vergeben werden. Für die Gesamtwirtschaft ist also die Umstellung von Kernkraftwerken auf erneuerbare Energien nicht per se etwas Negatives.

 

Wenn ich oben geschrieben habe, dass der geordnete Ausstieg technisch möglich sei, wollte ich damit keinesfalls gesagt haben, dass er einfach zu realisieren sei. Es braucht grosse Anstrengungen, um dieses Ziel zu erreichen. Ganz freiwillig wird es nicht zu erreichen sein. Gebäudesanierungen und ein hoher Standard an Wärmedämmung für neue Gebäude werden unabdingbar sein. Hierzu braucht es Gesetzesänderungen. Vielleicht haben Sie es bemerkt. Ich habe einen Schwenk auf Wärmeenergie gemacht. Dies weil man die Elektrizität nicht alleine betrachten darf. Man muss die Gesamtenergie betrachten. Es macht keinen Sinn in einem Neubau eine Ölheizung zu installieren. Wenn man einen Liter Öl in einer WKK Anlage zur Stromproduktion und Wärmegewinnung einsetzt, holt man viel mehr Energie heraus. Mit dem Strom betreibt man dann wiederum eine Wärmepumpe und gewinnt so mit der Umgebungswärme noch hinzu. So wird der Stromverbrauch auch in Zukunft weiter steigen. Heizöl, welches früher mit niedrigem Wirkungsgrad verbrannt wurde, wird künftig effizienter zur Stromproduktion mit Restwärmenutzung eingesetzt werden. Gesetzesänderungen braucht es auch im Baubereich. Es darf nicht sein, dass Sonnenkollektoren und Fotovoltaik durch Baugesetze verhindert werden. Einzig in historischen Altstädten sehe ich das ein. Aber auch die Stromleitungen müssen künftig ohne die viel zu langen Bewilligungszeiten gebaut werden können.

 

Mein Fazit: Würden wir die Techniker die Energiepolitik machen lassen, gäbe es keine Diskussionen darum, ob der Ausstieg machbar sei oder nicht. Es ginge nur darum bis wann er umgesetzt ist. Ich persönlich bin Elektrotechniker und Politiker und sehe, dass es nicht einfach werden wird. Aber ich bleibe dran.

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Comments to: Der Ausstieg aus der Kernenergie ist technisch machbar
  • Juli 2, 2011

    Sehr geehrter Herr Guhl

    Sie schreiben:
    “Technisch ist der Ausstieg aus der Kernenergie möglich. Die 26 TWh aus den Kernkraftwerken können bis 2050 mit Fotovoltaik, Wind, Biomasse, Kleinwasserkraft und Geothermie ersetzt werden.”

    Mit Ihren Zahlen wäre das tatsächlich möglich. Doch die Realität sieht leider anders aus. Es sind bis zur geplanten Ausserbetriebsetzung des letzten Kernkraftwerks (Leibstadt) 2035 unter Berücksichtigung der auslaufenden Verträge mit Frankreich 40.4 TWh zu ersetzen. Das sind die in der Schweiz offiziell geltenden Werte, welche durch das Bundesamts für Energie publiziert werden. Sie sehen in folgender Grafik zusätzlich, dass nur 12,2 TWh bis dann, realistisch abgeschätzt, zu erwarten sind. http://www.bernerschach.ch/A​KW-Ersatz.pdf

    Der grösste Teil wäre demnach nur durch bessere Energieeffizienz zu erreichen. Doch lassen wir uns nicht täuschen: Die Verbesserung der Effizienz findet schon seit einiger Zeit statt und müsste im Stromverbrauch bereits deutlich sichtbar sein. Doch der Stromverbrauch steigt kunjunkturbereinigt seit langem jährlich um drei Petajoule. Es ist vor allem unsere täglich wachsende Infrastruktur, die von uns unbemerkt mehr Energie braucht. Sei es die Neat, die notwendige zusätzliche Stufe der Abwasserreinigung, das im Unterhalt stark vernachlässigte Schienen- und Strassennetz, der ebenfalls vernachlässigte Unterhalt des Wasser- und Abwassernetzes (siehe Beitrag im Beobachter). Diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.
    Realistisch gesehen dürfen wir keinen signifikanten Rückgang unseres Energie- und speziell des Stromverbrauchs erwarten. Vielmehr ist es so, dass schon bisher dank steigender Effizienz der Energieverbrauch weniger stark angestiegen ist und auch in Zukunft weniger stark ansteigen wird.

    Ohne eine zunehmend grosse Zahl von Gaskombikraftwerken ist die „Energiewende“ leider nicht zu erreichen. Auch die Studien des Bundesamtes für Energie und des Paul Scherrer Instituts kommen zum Schluss: ohne Gaskombikraftwerke geht es nicht! Ich selbst schätze, dass es bis 2035 ca. 6 – 10 grosse Anlagen sein werden.

    Der Handel mit CO2-Emissionsrechten ist aus meiner Sicht ein Unsinn. Nehmen wir z.B. das von der BKW letzthin gekaufte Emissionsrecht aus China für die Abdeckung einer Deponie mit starker Methan-Emission. China hat ein für uns fast unvorstellbar grosses Wirtschaftswachstum. Durchschnittlich jede Woche nimmt ein grosses Kohlekraftwerk seinen Betrieb auf. Der CO2-Ausstoss wächst, grob gesehen, proportional zum Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Die Vermeidung von Umweltbelastungen wird von den Chinesen nicht als dringend zu lösendes Problem erkannt. Die korrekte Finanzierung solcher Vorhaben muss in Zukunft über etwas höhere Exportpreise geschehen. Natürlich dämpft das ein wenig dieses horrende Wirtschaftswachstum, doch das ist sogar wünschenswert.

    Die​ BDP ist leider in die politische Nähe der Grünliberalen gerückt. Mein Gedanke, dieser Partei evtl. beizutreten, ist seither nicht mehr aktuell.

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    • Juli 21, 2011

      Sehr geehrter Herr Jorns

      Das sind nicht meine Zahlen, das sind die Zahlen des energie trialog. Diese Zahlen wurden von einer breiten Gruppe aus Staat, Wirtschaft, Umweltverbände und Wissenschaft erarbeitet.

      Wenn Sie die Stromimporte aus Kernkraftwerken berücksichtigen, so müssten Sie auf der anderen Seite die Stromexporte aus unsern Pumpspeicherkraftwerk​en ebenso berücksichtigen.

      Dass die Einsparungen bei der Energieeffizienz durch Stromsparen durch den Zuwachs eliminiert wird, da gehe ich mit Ihnen einig. Ich gehe auch mit Ihnen einig, dass es wohl kaum ohne Gaskombikraftwerke gehen wird. Hier müssen Sie jedoch den Gesamtenergieverbrauc​h ansehen: Der grösste Teil der neuen Häuser wird mit Wärmepumpen versehen. Diese ersetzen also Öl- und Gasheizungen. Aus dem Gas wird eine wesentlich grössre Energiemenge gewonnen, wenn man es in einem Gaskombikraftwerk verstromt und zusätzlich die Wärme gewinnt. Dadurch, dass bei der Wärmepumpe 2/3 oder mehr Energie aus der Umwelt oder dem Boden gewonnen wird, ergibt sich eine wesentlich bessere Nutzung des Gases.

      Noch ein Kommentar zur Nähe zwischen Grünliberalen und BDP: Ich spreche nun nur aus Erfahrung aus dem Grossen Rat des Kantons Aargau: Die Grünliberalen im Aargau stimmen sehr oft zusammen mit Grün und SP, sind also Links positioniert. Die BDP hingegen ist klar Mitte Rechts positioniert.

      Freundliche Grüsse
      Bernhard Guhl

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    • Juli 22, 2011

      Sehr geehrter Herr Guhl

      Wir haben allen Grund, die vom Bundesamt für Energie publizierten Daten als Grundlage unserer Politik zu nehmen. So wie das auch Frau Bundesrätin Leuthard, der Gesamtbundesrat und das Parlament machen. Selbstverständlich wird bei den von Prognos im Auftrag des BFE mit viel Aufwand erstellten Prognosen auch der Stromexport aus der Pumpspeicherung berücksichtigt. Dabei dürfen der teure Spitzenstrom und der billige Importstrom nur in Energieeinheiten und nicht mit den Handelspreisen gemessen werden.

      Dass Sie auch den Gesamtenergieverbrauc​h betrachten, ist sicher richtig. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass ein grosser Teil unseres Energieverbrauchs bereits im Ausland stattfindet. Die Produktion und der Transport des mengenmässig grossen Imports und die Förderung sowie Verarbeitung der von uns verbrauchten Brennstoffe fallen dabei stark ins Gewicht.

      Es ist sinnvoll, hin und wieder auch einen Blick auf den Gesamtenergieverbrauc​h der Menschheit zu werfen. Dieser zeigt uns ganz klar: Langfristig können wir die den stark wachsenden Anteil der fossilen Brennstoffe des ebenfalls stark wachsenden Energieverbrauchs ohne die Kernenergie-Nutzung nicht schaffen. http://www.bernerschach.ch/I​EA.pdf

      Leider sind wir bei der Entwicklung der Nukleartechnik noch nicht sehr weit. Es sind nur etwa 12 Nationen ernsthaft bemüht, in diesem Bereich Fortschritte zu erzielen. Die Schweiz ist fast nur noch bei der Kernfusion stark engagiert. Zwar wird mit ITER die Produktion von Energie erstmals möglich sein, doch für die kommerzielle Stromproduktion hat die Kernfusion erst in der zweiten Jahrhunderthälfte Bedeutung. Der Brennstoff für die Kernfusion ist praktisch unbegrenzt. http://www.iter.org Die Entwicklung von inhärent sicheren Reaktoren der 4. Generation wird, falls die Anstrengungen nicht wesentlich vergrössert werden, noch bis ca. 2030 dauern. Diese Reaktoren können nicht mehr überhitzen, also keine grossen Unfälle mehr verursachen, können aus den heute als „Atommüll“ bezeichneten „verbrauchten“ Brennstäbe noch 50 Mal mehr Energie als bisher gewinnen, können auch während vielen tausend Jahren das auf der Erde häufig vorhandene Thorium nutzen und erzeugen radioaktive Abfälle, welche nur noch wenige Jahrhunderte gelagert werden müssen. Eine absolut sichere „Verpackung“ ist für diese Zeitspanne problemlos möglich.

      Mein Interesse an einem Beitritt zur BDP ist erst wieder da, wenn die Partei gewillt ist, sich über Energiefragen objektiv zu informieren und verschiedene Standpunkte zu diesem Thema unter den Parteimitgliedern akzeptiert werden.

      Meine an Frau Bundesrätin Doris Leuthard gestellte Frage bleibt bestehen, und ich werde sie vor der Debatte im Ständerat über den Atomausstieg auch noch publizieren:

      Ohne Gaskombi-Kraftwerke als Übergangslösung ist die „Energiewende“ nicht möglich. Das ist uns allen klar. Sie, Frau Bundesrätin, stellten sich und den Sie beratenden Experten die Frage: „Wie viele werden es sein? Es ist ein grosser Unterschied für unseren CO2-Ausstoss und unsere Abhängigkeit vom Erdgas, ob wir zwei oder neun solche Anlagen bauen werden.“

      Wo liegt bei Ihnen Frau Bundesrätin die Schmerzgrenze, ab welcher Sie sagen müssen, die vom BFE veröffentlichten Prognosen sind falsch, wir müssen unseren Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung nochmals überdenken?

      Die von Prognos im Auftrag des BFE erstellten Prognosen für die zukünftige Entwicklung unseres CO2-Ausstosses sagen einen sofort beginnenden starken Rückgang voraus. Grafik: http://www.bernerschach.ch/C​O2-Prognose.pdf Dieser ist nur möglich, wenn wir weiterhin beim Heizen vermehrt Wärmepumpen einsetzen und auf Elektroautos (mit Akku oder Brennstoffzelle) umstellen. Und das braucht Strom!

      Gleichzeiti​g sagt das BFE (Prognos) einen spürbaren Rückgang des Stromverbrauchs voraus. Grafik: http://www.bernerschach.ch/S​tromszenarien.pdf Ob die bereits seit einiger Zeit stattfindende Effizienzsteigerung und unser in Zukunft hoffentlich zunehmend umweltbewusste Stromkonsum den von den vielen Wärmepumpen und den Elektroautos verursachten Mehrverbrauch kompensieren können und bei vermutlich weiterhin steigender Bevölkerungszahl sogar noch einen Verbrauchsrückgang ermöglichen, ist heute nicht voraussagbar.

      Es lässt sich heute auch noch nicht sagen, ob die optimistische Einschätzung der Folgen von Fukushima durch unseren Nuklearexperten Dr. Emmanuel Egger vom ABC-Labor Spiez sich in den kommenden Jahren bestätigen wird. Bekanntlich sind nach ihm die am stärksten bestrahlten Tepco-Mitarbeiter deutlich weniger krebsgefährdet als Raucher. Falls sich dies bestätigen sollte, wäre zudem eine Rückkehr der umgesiedelten Bewohner nach einer Dekontaminierung des ca. 30 km langen und bis zu 5 km breiten Gebietes mit der stärksten gemessenen Strahlung nicht auszuschliessen. Die japanische Regierung wird im Januar das Volk orientieren. Karte mit Vergleich zu Tschernobyl: http://www.bernerschach.ch/T​schernobyl-Fukushima.​pdf

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    • Juli 22, 2011

      Sehr geehrter Herr Jorns

      In der Sommersession hat der Nationalrat mehreren Vorstössen der BDP zur Energiepolitik zugestimmt. Unter anderen:

      – Inventar über verhinderte Kraftwerkprojekte für Strom aus erneuerbarer Energie:
      http://www.​parlament.ch/d/suche/​seiten/geschaefte.asp​x?gesch_id=20113419

      -Energieeffizienz bei der öffentlichen Beleuchtung:
      http://​www.parlament.ch/d/su​che/seiten/geschaefte​.aspx?gesch_id=201134​15

      -Ersatz von Elektroheizungen
      htt​p://www.parlament.ch/​d/suche/seiten/gescha​efte.aspx?gesch_id=20​113424

      -Abschaffun​g von verbrauchsfördernden Sondertarifen für
      Haushalte mit Elektroheizungen und Elektroboilern:
      http​://www.parlament.ch/d​/suche/seiten/geschae​fte.aspx?gesch_id=201​13416

      -Einführung von progressiven Energie- und
      Netznutzungstari​fen:
      http://www.parl​ament.ch/d/suche/seit​en/geschaefte.aspx?ge​sch_id=20113422

      -M​ehr Strom und weniger CO2. Ersatz fossiler Grossfeuerungen:
      htt​p://www.parlament.ch/​d/suche/seiten/gescha​efte.aspx?gesch_id=20​113427

      Die BDP setzt sich also ein, für eine neue Richtung in der Energiepolitik. Aber es braucht im Parlament eine Mehrheit.

      In meinem Artikel habe ich nie gesagt, dass ich kein Vertrauen in die Schweizer Kernkraftwerke habe. Ich bin überzeugt, dass diese Werke alles daran setzen, dass kein Unglück passiert. Das Restrisiko bleibt jedoch.
      Ich habe auch nicht behauptet, dass es einfach werden wird, diese enorme Strommenge zu ersetzen. Ich sage nur, dass es technisch machbar ist, und das ist es – bis 2050.

      Freundliche Grüsse
      Bernhard Guhl

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    • Juli 22, 2011

      Benedikt Jorns sagte Vor 2 Stunden

      Sehr geehrter Herr Guhl

      Die Vorstösse finde ich alle gut und dafür habe ich Ihnen zugestimmt.

      Die Machbarkeit der “Energiewende” ist bis 2050 nach meinen Abschätzungen nicht möglich. Nachdem ich an der Uni Mathematik, Physik und Volkswirtschaft studiert habe und mich schon seit langer Zeit mit der Energieversorgung befasse, fühle ich mich auch nicht ganz inkompetent, um diese Meinung zu vertreten. Es ist zudem zu bedenken, dass Strom nur 24% des Schweizer Energieverbrauchs ausmacht (weltweit 17%) und der Stromanteil in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen muss. Dazu wird noch die Produktion des Energieträgers Wasserstoff hinzukommen, der entweder mit Strom oder auf vergleichbare Weise wie bei der Stromproduktion produziert werden muss.

      Falls meine Prognose falsch sein sollte, würde ich das sofort eingestehen und meine Meinung ändern. Diese Bereitschaft erwarte ich jedoch auch von der Gegenseite. Überprüfen kann man die Voraussagen mit der Anzahl notwendig werdenden Gaskombikraftwerke. Bis 2035 werden nach meiner Abschätzung 7 bis 10 grössere Gaskombi-Kraftwerke in der Schweiz gebaut werden müssen. Das ist eindeutig zuviel. Wo liegt für Sie, Herr Guhl, die Grenze, bei deren Erreichung Sie sagen müssen, “Halt Stopp, ohne AKW geht es offenbar nicht”? Solange die Bereitschaft nicht vorhanden ist, die objektive periodische Überprüfung des zu gehenden Weges festzulegen und so etwas wie eine “Ausstiegsklausel aus dem AKW-Ausstieg” besprochen wird, bin ich ein vehementer Gegner der “Energiewende” und betrachte diese als Wunschdenken ihrer Befürworter.

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  • Januar 6, 2012

    Es ist sicher besser auf dem Weg zu den erneuerbaren Energien die Umwelt einige Jahre lang mit Gaskombikraftwerken zusätzlich zu belasten und danach dafür 100%ig saubere Energie produzieren zu können, als weiterhin tickende Zeitbomben zu betreiben!

    Den Naturgewalten sind wir nun einmal nicht gewachsen, wenn es hart auf hart kommt, und ehrlich gesagt ist es sicher viel gravierender, wenn wir ein paar Jahre lang die Umwelt zusätzlich belasten, als wenn eine Naturkatastrophe (die immer und überall stattfinden kann!) Teile des Landes unbewohnbar macht.

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    • Juli 19, 2021

      Entschuldigung, ich meinte es natürlich umgekehrt:

      Den Naturgewalten sind wir nun einmal nicht gewachsen, wenn es hart auf hart kommt, und ehrlich gesagt ist es sicher viel WENIGER gravierend, wenn wir ein paar Jahre lang die Umwelt zusätzlich belasten, als wenn eine Naturkatastrophe (die immer und überall stattfinden kann!) Teile des Landes unbewohnbar macht.

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  • November 2, 2016

    Schlecht dargestellt: Bei Annahme der Initiative müssen Ende 2017 drei (!) AKWs abgestellt werden. Die dadurch entstehende Stromlücke beträgt 8 TWh. Wind und Solar haben 2015 total nur 1.2 TWh produziert. Es ist also völlig ausgeschlossen, dass wir den fehlenden AKW-Strom durch Erneuerbare in dieser kurzen Zeit ersetzen können. Da auch neue Kraftwerke in so kurzer Zeit nicht gebaut werden können gibt es nur eine Lösung: Stromimport. Dies bedeutet aber Atomstrom aus Frankreich oder Atom/Kohle/Erneuerbar​e-Strom aus Deutschland. In jedem Fall also keine Umwelt-Verbesserung, sicher aber eine Verschlechterung unserer Versorgungssicherheit​, denn wir werden noch stärker als bisher auslandabhängig vor allem im Winter, wenn der Strom knapp und deshalb teuer ist.

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    • November 2, 2016

      Ich denke nicht, dass sich unsere Versorgungssicherheit​ verschlechtert. Wenn die AKWs ausgeschaltet werden müssen, erhöht das den Druck in erneuerbare Energien zu investieren. Dies wiederum erhöht längerfristig unsere Versorgungssicherheit​ massiv. Oder kommt unser Uran aus der Schweiz?

      Die Umweltbilanz, wird sich ebenfalls in ein paar Jahren verbessern, insbesondere der radioaktive Abfall darf nicht mehr als nötig zunehmen. Da haben wir bis heute keine Lösung und seien wir ehrlich: Es wird auch nie eine gute geben.

      Vor allem gewinnen wir aber eines: Die Sicherheit in unserem Land. Die ist zur Zeit nicht garantiert. Beznau 1 ist seit einem Jahr vom Netz. Von einer Technologie, bei der das Restrisiko weder versichert noch verantwortet werden kann, sollte man sich langsam verabschieden.

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    • November 3, 2016

      Versorgungsicherheit in der Stromerzeugung bedeutet, dass von Sekunde zu Sekunde rund um die Uhr die Balance zwischen Angebot und Nachfrage mehr oder weniger ausgeglichen ist. Bei grösseren Schwankungen droht ein Blackout, was für unsere Wirtschaft katastrophal wäre. Zusätzlich aber ist der Winter die kritische Jahreszeit, dann, wenn die Wasserkraft nur gut 40% ihres Gesamtertrages liefert und die neuen Erneuerbaren an bestimmten Tagen praktisch gar nichts. Ob wir in solchen trüben Wintertagen, wo unser Bedarf am grössten ist, in jedem Fall aus den Nachbarländern Strom importieren können, ist nicht gesichert: die garantierten Abnahmeverträge mit Frankreich laufen aus und Deutschland will ganz aus der Atomtechnologie aussteigen, was bedeutet, dass auch sie dann zu wenig Strom haben (oder noch mehr Kohlekraftwerke laufen lassen). Teuer wird es sowieso.

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    • November 7, 2016

      Herr Martin Schlumpf hat im Prinzip alles aufgelistet. Er zeichnet alles richtig auf, wobei für das Volk nur negative Alternativen zum Zuge kämen. In seiner Darstellung sehe ich keine Zahlen. Als sehr wichtigen Hinweis; müssten bei Abschaltungen für eine 4-köpfige Familie minimale jährliche Mehrkosten von Fr. 3.200.00 pro Jahr gerechnet werden.

      Zusätzlich​: Wo ist die Quelle für den Mehrverbrauch für E-Velos und E- Autos die in den nächsten Jahren bestimmt auf unseren Strassen in vermehrtem Masse anzutreffen sind und ihren Strom zusätzlich fordern!

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  • November 3, 2016

    Atomenergie? Da bisher nur “strahlende” Atomkraftwerke gebaut worden sind, so wird mit Annahme dieser Vorlage gleichzeitig die Forschung nach “nichtstrahlenden” Atomkraftwerken verunmöglicht!
    Über die effektiven Kosten der Energieumwandlung in elektrische Energie wird nirgends ein zuverlässiger Vergleich aufgezeigt. Bestimmt muss erwartet werden, dass für elektrische Energie von verschiedenen Bezügern zukünftig viel mehr bezahlt werden muss. Diejenigen, welche dann die Mehrkosten abwälzen können, dürften die Gelegenheit benützen, um aufzurunden. Folge: Teuerungsschub fürs gemeine Volk!

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  • November 3, 2016

    Es ist nicht möglich, sich ein objektives Bild der Problematik zu machen. Ich denke, wir sollten die Drohung der Atomlobby vor hohen Folgekosten für den Steuerzahler nicht allzu ernst nehmen und dem Fortschritt eine Chance geben. Nur davon reden bringt nichts. Wenn die innovative Schweiz es nicht kann, wer soll es uns denn vormachen?

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