1. Wahlen

Der lange Weg zur BDP

Die Bürgerlich-Demokratis​che Par­tei der Schweiz wurde am 1. No­vem­ber 2008 in Gla­rus gegründet. Ihre ei­gent­li­che Ge­schichte hat aber mehr als 100 Jahre vor­her be­gon­nen. Wie jeder lange Weg ver­zeich­nete auch der­je­nige der BDP Um­we­ge. Aber die bürgerlich-demokratis​chen Grund­werte haben sich über meh­rere Ge­ne­ra­tio­nen eta­bliert und bewährt. Wer die BDP heute ver­ste­hen will, der muss ihre Wur­zeln und ihre Ge­schichte ken­nen. Denn Zu­kunft braucht Herkunft.

Nachdem sich im Kanton Glarus die Demokraten schon 1902 von den Freisinnigen abgespalten hatten, formierte und organisierte sich im Kanton Graubünden während des ersten Weltkriegs eine Gruppe von sozialliberalen Freisinnigen zur „Jungfreisinnigen Vereinigung Chur“. Sie forderten neben der Demokratisierung des politischen Lebens mit Referendum und Initiative auch eine Demokratisierung der Wirtschaft. Der Flügel der Jungliberalen und Jungfreisinnigen wollte die FDP reformieren und forderte den herrschenden freisinnigen Geld- und Familienadel heraus. Das Establishment möge sich für das Proporzwahlrecht, für das Frauenstimmrecht, für die Arbeitnehmenden und für eine echte Volksarmee einsetzen. Ebenso sollen sich die Freisinnigen nicht mehr mit den Konservativen verbünden, da so die Kluft zwischen Bürgerblock und Arbeiterschaft unnötig vergrössert werde.

Doch die Freisinnigen lehnten die Anliegen der jungen Generation konsequent ab, worauf 1919 offiziell die „Demokratische Partei Graubünden“ gegründet wurde. Die Erfolge liessen kantonal und national nicht lange auf sich warten, und rund 20 Jahre später waren die Demokraten die stärkste Partei in Graubünden.

Zeitlich​ beinahe parallel wurden in den Kantonen Zürich und Bern Bauernparteien gegründet. Im Kanton Bern stiessen schon bald der Gewerbeflügel und die Liberal-Konservativen​ dazu. Die Anstösse zur Gründung waren einerseits die wirtschaftspolitische​n Gegensätze zwischen Bauern und Unternehmern innerhalb der Freisinnigen Partei und andererseits das aus Sicht der Jungen zu wenig energische Auftreten gegen die Sozialisten. Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörte namentlich Rudolf Minger, der dank seiner Wahl in die Landesregierung die „Bernische Bauern- und Bürgerpartei“ 1929 zur Bundesratspartei machte.

Die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) wurde Ende 1936 als gesamtschweizerische Partei gegründet, die Demokratische Partei im Jahr 1941. Beide verstanden sich ursprünglich als Oppositionsparteien gegen den vorherrschenden Freisinn und setzten sich für mehr Demokratie, konkret für den Proporz ein.

1971 schliesslich vereinigten sich BGB und Demokraten zur Schweizerischen Volkspartei (SVP). Sie verstand sich als Partei der Landwirtschaft, des Gewerbes, der freien Berufe – aber auch der Arbeitnehmenden. Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist die damalige Wahl des französischen Namens der Partei: Union démocratique du centre (UDC). Die damalige SVP verstand sich also als Demokratische Zentrumsunion – eine Mittepartei mit sozial-liberalen Elementen.

Mit der stärkeren werdenden Einfluss des so genannten „Zürcher Flügels“ und der Führungsrolle von Christoph Blocher legte die SVP rasant zu und schrieb eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig entfernte sie sich aber ebenso rasant von den ursprünglich sozial-liberalen Elementen und entwickelte sich zu einer rechts-populistischen​ und kompromisslosen Partei.

Im Dezember 2007 wählte das Parlament die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf anstelle von Christoph Blocher in den Bundesrat. Die SVP-Fraktion verlangte daraufhin ultimativ den Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf und Samuel Schmid, der mit 201 Stimmen wiedergewählt worden war. Mit dem anschliessenden Ausschluss ihrer beiden Bundesratsmitglieder verletzte die SVP-Fraktion das verfassungsmässige Wahlrecht des Parlaments. Diese Missachtung der Verfassung ist heute sogar in den Statuten der SVP Schweiz verankert.

Wenig später schloss die SVP Schweiz auch die ganze Sektion der SVP des Kantons Graubünden aus. Mit der anschliessenden Gründung der Bürgerlich-Demokratis​chen Partei der Schweiz (BDP) fanden die ursprünglichen Werte der ehemaligen BGB und der Demokraten endlich wieder eine Heimat. Die BDP definiert sich heute als gesellschaftsliberale​ und innovative Partei der bürgerlichen Vernunft. Sie bezieht nicht nur moderne und zukunftstaugliche Positionen, sondern zeichnet sich insbesondere durch eine sachliche Lösungsorientierung aus.

 

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Comments to: Der lange Weg zur BDP
  • September 17, 2015

    Mitte-Parteien ohne mehrheitsfähige Lösungen

    Leider sind die Mitte-Parteien in der Schweiz nicht in der Lage, zu grossen und komplexen politischen Problemen mehrheitsfähige Lösungen durchzusetzen. Dazu müssten sie sich fallweise mit einer Polpartei verständigen oder eigenständige Initiativen ergreifen. Beides wollen oder können sie nicht. So bleibt es denn vielfach bei Abstimmungen bei einem die Lösung blockierenden „Soo nicht!“

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    • Juli 19, 2021

      Zur den Mitte.-Parteien kann man die BDP nun wirklich nicht zählen. Die BDP ist eine Mini Partei von SP’s Gnaden, ohne deren Stimmen wäre uns Eveline Widmer-Schlumpf erspart geblieben und die BDP gäbe es gar nicht.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Schneider
      KEINE der Parteien ist alleine in der Lage, irgendwelche Lösungen alleine durchzusetzen. Egal worum es geht – es sind IMMER Allianzen gefragt. Jedenfalls in der politischen Kultur der Schweiz von 1918 bis 2003.

      Und da gibt es leider nur eine Partei, welche negativ heraussticht und sich solchen Allianzen immer wieder verschliesst wenn es nicht zu 100 Prozent nach ihrem Willen geht.
      Und dadurch wird diese Partei immer mehr Teil des Problems als Teil der Lösung!

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    • Juli 19, 2021

      Mitte ist woanders. Die BDP ist bloss ein Abklatsch der SVP, etwas feministischer, sicher. Doch sie zieht bloss Wähler von den richtigen Mitteparteien ab. Vielleicht gewollt.

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    • Juli 19, 2021

      Wäre es nicht sinnvoller, sich innerhalb der CVP, FDP oder anderen Parteien, die relativ in der Mitte stehen, zu engagieren? Mit der BDP gibt es nun einfach eine Kleinpartei mehr, die nicht viel zu sagen hat.

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  • September 17, 2015

    Der Kommentar mag zwar in vielem stimmen-als ganzes stimmt er kaum. Nebst der “alten”FDP, der BGB
    gab es ja auch den Landesring, welcher nicht unaehnliche Ziele verfolgte. Die Abspaltung von der SVP zur BDP war – vor allem in/um Frau Widmer-Schlumpf war alles andere als bürgerlich/demokratis​ch/gradlinig-
    und kaum ein politisches Glanzstueck.
    Und eben diese Gradlinigkeit, Klarheit in vielen sachfragen – fehlt der jetzigen BDP. mal sehen , wie’s
    nach den wahlen aussieht.

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    • Juli 19, 2021

      Naja, Herr wil vonier

      Hier von “Abspaltung” zu sprechen ist eines (technisch gesehen war es das wohl), dies aber als Negatives der neuen Gruppierung anzuhängen nicht wirklich korrekt. Es war die SVP, welche ihre ultimativen Forderungen nicht durchsetzen konnte und die Wahl des vom Volk gewählten Parlaments nicht akzeptieren wollte.

      Diese Trotzhaltung wurde zum Kernthema der aktuellen SVP – so habe ich bisher noch nicht etwas positives aus dieser Partei zur Person von Frau Widmer-Schlumpf gelesen – obwohl sie sachlich sehr stark im Sinne der SVP agierte.
      Im Gegenteil – von Seiten der SVP werden Sachthemen immer mehr pesonalisiert und den Bundesräten/Bundesrät​innen angehängt: Sie hätten ein Chaos, würden die Schweiz verkaufen etc.
      Am Ende wird es DIESE Haltung sein, welche die politische Kultur der Schweiz zerstört!

      Ob aber die BDP als “Anständige Form der SVP” eine Zukunft haben wird, wird sich zeigen müssen.

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    • Juli 19, 2021

      Was der BDP Präsident Landoldt elegant ausgelassen hat ist, die BDP Gesinnung hat sich schon vor der Abwahl langsam aber sicher aus der SVP verabschiedet. Im Kanton Bern in den Delegiertenversammlun​gen der SVP war da seit einiger Zeit zu spühren, dass sich da etwas vorbereitet. Eine Gruppe von Politikern und Mitläufer sind durch Ihre Auftritte in den Delegiertenversammlun​gen aufgefallen.

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    • Juli 19, 2021

      Wenn man davon ausgeht, dass man eine “richtige Gesinnung” haben kann, dann muss man die Geschehnisse damals schon so interpretieren.

      Ta​tsache ist, dass es innerhalb der SVP einen sog. “Berner Flügel” gab und einen “Zürcher Flügel”. Indem die SVP die demokratische Entscheidung des gewählten Parlaments verwarf und die extremen Positionen des “Zürcher Flügels” nicht mehr vertreten sah im Bundesrat haben sie sich des Berner Flügels entledigt und die Sektionen ausgeschlossen, welche eine gemässigte Position vertraten. Zurück blieb der “Zürcher Flügel”.

      Und dieser Zürcher Flügel war schon immer mehr auf die “Rechtgläubigkeit” aus denn auf demokratische Entscheide.

      Insofe​rn zeigt uns das Lehrbeispiel BDP sehr gut wie die SVP damals als Ganzes getickt hat – und auch immer noch tickt.

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    • Juli 19, 2021

      J. Wolf, gelungene verdrehung von Tatsachen. Das wird der BDP jedoch nichts nützen anlässlich der Wahlen am 18. Oktober 2015. Sazu wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

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    • Juli 19, 2021

      OK – vielleicht lassen Sie uns auch noch Ihre Version dieser “verdrehten Tatsachen” wissen?

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    • Juli 19, 2021

      Herr Wolf

      Was ist daran falsch, wenn eine Partei ein klares Bild definiert und dieses auch so erwartet von den Mitgliedern? Ist das stur? Nein einfach konsequent. Es sei hier offen gelassen, ob das nun die richtige Haltung sei oder nicht.

      Es ist keineswegs stur, wenn man klare Linien setzt und auch einer EWS dies so erklärt. Trötzelig ist es aber, wenn man dann einfach den “Stuhl” packt, welchen mal dank der Partei erhalten hat und diesen dann überträgt auf eine andere Gesinnung.

      Da sollte man schon fair bleiben und sich neu definieren lassen, ob dieser Stuhl, den sie belegt auch in der neuen Definition für sie bestimmt ist.

      Alles andere hier zu diskutieren ist unnötig. Auch wer wann irgendwann welche Partei war sich abgesplittet hat, oder welche aus wem entstanden ist. Es ist auch falsch, dass sich Herr Landolt nun mit “alten” Federn schmückt. “Seine” Partei ist nun einmal nicht so alt, wie er es darstellt. Es wird auch ein Grund haben, warum diese Partei eine Splittergruppe wurde…. weil sie mit der “Mutterpartei” nicht mehr einverstanden ist. Diese dann aber zu benutzen um sich als “Bewährt” zu deklarieren ist falsch, denn aus dem Grund der Nichteinigkeit hat man sich abgesplittert und soll oder kann sich nun neue “beweisen” unter dem neuen Leitbild.

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    • Juli 19, 2021

      Zitat Rohner: “die BDP Gesinnung hat sich schon vor der Abwahl langsam aber sicher aus der SVP verabschiedet”.

      Da​s Gegenteil ist der Fall, Herr Rohner. Als nicht mehr so junger Berner sollten Sie eigentlich die gleichen Erfahrungen haben wie ich, nämlich die Zeit der Bauern-Gewerbe- und Bürgerpartei BGB zu Zeiten von Rudolf Gnägi, ehemals Regierungsrat und Nationalrat und später Bundesrat. Die BGB vertrat eine konservative Weltanschauung, und ihre Wählerschaft waren die Bauern, die Gewerbetreibenden und der konservative Mittelstand.

      1971 fusionierte die BGB mit den Demokratischen Parteien von Glarus und Graubünden zur SVP. In den 1990er-Jahren wandelte sich die SVP unter Einfluss der Zürcher Sektion und des Parteistrategen, Nationalrats und späteren Bundesrats Christoph Blocher zu einer wirtschaftsnahen rechtspopulistischen Partei. Ihre Kampagnen und Referenden prägen häufig die politische Agenda, vor allem in Fragen der Migration und der Rolle der Schweiz zu Europa und zur Welt. Auch Sozialwerke, welche die BGB früher aus staatspolitischen Gründen mitgetragen hat, werden von der SVP heute angegriffen (Scheininvalide, Sozialschmarotzer).

      Sie sehen also, Herr Rohner, dass sich nicht die “BDP-Gesinnung” aus der SVP verabschiedet hat, sondern dass die SVP die Wurzeln ihrer Vorgängerin, der Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), vergessen hat. Die BDP steht meiner Meinung nach der ehemaligen “Mutterpartei” BGB näher als die SVP.

      Und nein: ich wähle die BDP nicht, sowenig wie die SVP.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Schweizer – was am Top-Down-Ansatz falsch sein soll?
      Ganz einfach: ALLES!

      Eine Unternehmung können Sie so aufbauen. Aber nicht etwas, das eigentlich von den Mitgliedern getragen werden soll. Egal, ob es sich um einen Verein oder eine Partei handelt. Das was einen Verein und eine Partei ausmacht sind die einzelnen Mitglieder. Und diese sollten die Strategie und die Ziele definieren und nicht ein kleiner Club, der während der Wahl-Arena ultimativ eine bestimmte Person in den Bundesrat fordert

      Und bei einer Partei ist es noch wichtiger – hier geht es um die Demokratie die schlussendlich das gesamte Land führt. Und wenn schon die Gruppierungen, welche bestimmen was in der Schweiz Gesetz wird nicht demokratisch sondern autokratisch geführt werden, dann läuft einiges schief. Und gerade die SVP sieht sich ja gerne als Hüterin der direkten Demokratie. Als aber die SVP-Spitze 2003 darauf angesprochen wurde ob Hr. Blocher denn von der Parteibasis als Bundesrat vorgeschlagen worden sei musste der damalige Parteipräsident Ueli Maurer einräumen, dass die SVP gar keine solche Möglichkeit hätte, die Parteibasis über einen solchen Vorschlag abstimmen zu lassen.

      Soviel zur Demokratie in der SVP!

      Und zum Umgang mit Frau Widmer-Schlumpf:
      Der​ SVP-Übervater C.B. wurde von der demokratisch dafür legitimierten Vereinigten Bundesversammlung nicht wiedergewählt. Unter anderem wegen des konsequenten Brechens des Kollegialitätsprinzip​s [1]. Und das nachdem die Partei dem Schweizer Parlament gedroht hatte. Anstelle dieser Person wurde jemand anders aus der SVP gewählt, da der SVP dieser Sitz ja zustand. Die SVP konnte aber nicht zetern dass ein amtierender Bundesrat abgewählt wurde, weil sie selber vier Jahre vorher das selbe Spiel mit Frau Metzler durchgezogen hatten. Also konnten sie nur noch Druck auf die demokratisch gewählte Person aufbauen indem sie diese ultimativ vor die Wahl stellten: Nichtannahme der Wahl oder Ausschluss. [2]

      Und seit diesem Tag trötzelet die SVP wie ein Kleinkind und lässt keine Möglichkeit aus, die als «sehr valable Kandidatin» (Zitat Ueli Maurer 2003) bezeichnete und demokratisch gewählte Person zu diskreditieren, persönlich anzugreifen und so weiter. Die neue Bundesrätin bekam sogar Morddrohungen. So etwas kann man wohl in einer Bananenrepublik machen – aber in einem zivilisierten Staat (zu dem ich die Schweiz absolut zähle!) geht so etwas absolut nicht.

      Und nein – ich werde die BDP auch nicht wählen. Aber nicht, weil sie entstehen musste wegen einer persönlichen Fehde der SVP-Führung sondern weil mir deren politischen Positionen nicht passen!
      Und dass ich auch nicht die SVP wähle, das konnten Sie sich garantiert schon denken!

      Quellen:​
      [1] http://www.swissinfo.​ch/ger/ein-votum-gege​n-die-person-blocher/​162182
      [2] http://www.taz.de/!51​89972/

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    • Juli 19, 2021

      J Wolf, was Sie hier in Sachen Abwahl von Bundesrätin Metzler erzählen ist ein absoluter Mumpiz. Die Vertreter der CVP haben Frau Metzler kläglich im Stich gelassen, um alle Stimmen dem EU Tourbo alt Bundesrat Deiss zu geben im Wisse, dass dieser bald danach aus dem Bundesrat sich verabschieden wird. Im Hinblick bei dessen ausscheiden bei der Ersatzwahl dann BRin Leuthardt zu wählen. Mit der SVP hatte dieses Manöver wenig bis nichts zu tun. Bleiben wir bei der Wahrheit.

      BRin EWS hat die SVP hinterhältig für den Rauswurf von CB hintergangen. Herr Wolf, wir kennen die Geschichte, umsonst hockte EWS wärend den Wahlen nicht schon umringt siegesssicher von srf und Zeitungsleuten im Zug nach Bern. Sie wissen dies natürlich auch und versuchen immer wieder diese Geschichte zu verdrehen.

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    • Juli 19, 2021

      Ja, Herr Rohner – wenn man einen solchen Schock wie den politischen Tod des Retters der Nation verkraften muss, dann kann die Wahrnehmung schon ein bisschen leiden. Sie sagen, Sie würden die Geschichte kennen – aber offensichtlich nur die Teile, die Ihnen ins Weltbild passen oder von der SVP entsprechend serviert wurden. Das kann schon mal passieren.

      Das was sie schreiben bezüglich dem “im Stich lassen” von Frau Metzler kann man tatsächlich in der Berichterstattung über diesen Tag lesen. Dass es um CVP-Interne rängeleien ging etc. Aber ob die CVP so weit nach vorne schaute in der Planung (wie Sie es vermuten) bis nach dem Abgang von Herrn Deiss darf mit einem grossen Fragezeichen versehen werden.
      Aber darum ging es mir gar nicht.

      In meinem Text oben ging es mir eigentlich darum zu zeigen, dass der Kurzzeit-Bundesrat der SVP durch den Bruch von ungeschriebenen Regeln zu seinem Posten kam [1] – und durch die erneute Anwendungen dieser Regelbrüche wieder gehen musste. Also dummerweise genau durch die selben Manöver die die SVP vier Jahre vorher selber durchzog. Also war es diesbezüglich schwierig, sich deswegen zu beschweren. Also konzentrierte sich seither die ganze Wut der gesamten Partei auf die “Königsmörderin”.
      Wü​rde sich ein Teenager so verhalten, würde man sagen er sei halt noch nicht reif genug für das Leben – aber bei einer Partei, die zu einem grossen Teil aus Menschen besteht, welche von behaupten, sie hätten Lebenserfahrung muss man so ein Verhalten schlicht und einfach “MOBBING” nennen. Und das hat sich bis heute nicht geändert – ist aber sehr charakterisierend für diese Partei. So werden immer wieder missliebige Bundesräte persönlich angegriffen und persönlich haftbar gemacht für alles mögliche. Halt so richtig im “Pubertät-Style” wenn man es harmlos ausdrücken möchte – in der drastischeren Version würde man von “Mobbing” und “Verleumdung” sprechen.

      Und auch Ihre Wahrnehmung der Reise der damals frisch gewählten Bundesrätin nach Bern ist somit typisch: Sie bezeichnen diese Fahrt als “siegessicher” um es als arrogant darzustellen. In Tat und Wahrheit war diese Reise am Tag NACH der Wahl. Sie war also schon gewählt und sie reiste nach Bern um die Wahlannahme zu erklären. Sie war also schon gewählt und durfte sich auch darüber freuen. Nichts davon, dass sie sich bereits WÄHREND der Wahl so gezeigt hätte.

      Und in EINEM Punkt können Sie sich sicher sein: Hätte die demokratisch gewählte neue Bundesrätin die Wahl abgelehnt – der “Regierungs- und Oppositionsführer in Personalunion” wäre garantiert NICHT am Tag darauf für weitere vier Jahre gewählt worden. Definitiv nicht. Weder vom gewählten Parlament noch von einer (von der SVP mal ins Auge gefassten) Volkswahl.
      Einfach gar nicht!

      Ergänzung​en:
      [1] die ungeschriebenen Regeln wonach ein gewählter Bundesrat nicht abgewählt wird und dass der vereinigten Bundesversammlung immer zwei offizielle Kandidaten vorgestellt werden.

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    • Juli 19, 2021

      J. Wolf, Ihre Version über die Reise von EWS am Nachwahltag ist erstunken und erlogen. EWS ist wärend der Wahl in Bern umramt von srf mit Joutnalisten im Zug nach Bern gereist, wo ihr mitgeteilt wurde, dass sie gewählt ist. Dort wurde sie durch ihre Parteikollegen empfangen. Sie hat sich eine Annahme oder den Verzicht des Bundesrastamt auf den nächsten Tag bedingt. Sie können ruhig weiter ganze Romane verfassen. Erwarten Sie aber nicht von mir, dass ich Diese noch weiter lese und auch darauf eingehe.

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    • Juli 19, 2021

      Hallo Herr Rohner

      Sie haben eine Behauptung aufgestellt, ich habe ein Behauptung aufgestellt, keiner konnte sie bisher belegen. Ich habe die Situation aus meinem Gedächtnis rekonstruiert – Sie wahrscheinlich auch.
      Doch Sie haben Glück: Ich konnte beim SRF den Beitrag finden, den Sie möglicherweise gemeint haben [1]. Somit gestehe ich ein, dass ich mit meinem Roman falsch gelegen bin.

      Wäre es aber nicht ein ungleich grösserer Erfolg für Sie gewesen, wenn Sie meine Behauptung einfach mit dem Satz hätten wegwischen können: “Schauen sie mal da nach: Sie war schon während der Wahl unterwegs nach Bern”. Haben Sie aber nicht. Schade.

      Aber auch wenn Sie bezüglich dem Zeitpunkt der Reise vollumfänglich Recht haben – Im gesamten Beitrag kann ich nirgends sehen, dass Frau Widmer-Schlumpf irgendwann einmal “siegessicher” dagesessen wäre. Wenn Sie das so behaupten, ist das Ihre persönliche Interpretation eines Bildes. Und nichts weiter.

      Und nochmals: das Parlament hätte jede andere Person gewählt – aber nicht die Person, welche nun auf die selbe Art gehen musste wie sie gekommen ist: durch die Abwahl eines amtierenden Bundesrates. Es hätte auch irgendeine andere Person aus der SVP sein können. Der Anspruch der SVP auf einen Sitz war unbestritten zu diesem Zeitpunkt, aber die Person hat schlicht und einfach nicht gepasst.
      Weder im Bundesrat noch im Parlament noch sonstwo in diesem Staat.
      Und er passt auch heute noch nirgends hin.
      Nicht in einer Demokratie.
      Nicht in der Schweiz.
      Nein!


      [1] http://www.srf.ch/pla​y/tv/schweiz-aktuell/​video/eveline-widmer-​schlumpf-ist-gewaehlt​?id=8e6459fd-2ceb-4f7​9-b3b7-70812f118fa4

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    • Juli 19, 2021

      J. Wolf, EWS konnte siegessicher im Schnellzug sitzen. Zum Zeitpunkt der Bilder im Zug war schon bekannt, dass die durch Rotgrün und CVP organisierte Abwahl von CB und die Wahl von EWS geglückt war.

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  • September 19, 2015

    ..Wurzeln und Geschichte??…Die BDP hat Wurzeln und Geschichte??..das ist aber neu!!…das ist die EWS-Partei!…wenn diese Frau ihre “Schuldigkeit”getan hat,…gibt es auch keine BDP mehr..!.eine Partei,die gegründet wurde,um einen “gestohlenen”Bundesra​tsitz zu erben,damit man am Spiel von Macht und Einflussnahme teilhaben kann,hat von Beginn weg faule Wurzeln.Darum wird sie wieder verschwinden,so rasch,wie Sie gekommen ist.

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    • Juli 19, 2021

      Tja Herr Wolfensperger

      Wenn​ ich das so lese von der Geschichte, müsste die BDP älter sein als die SVP. Denn diese ist auch nur dank der “alt BDP” entstanden. So zumindest wird es dargestellt.

      EWS soll sich erst mal entscheiden, ob sie nochmals antreten möchte. Aber vielleicht gibt es die gleiche Rochade wie anno letztes Mal. Man errinnere sich an die unfaire Rochade die diese Frau gemacht hat, und sich dabei einen Sitz erklaut hat.

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    • Juli 19, 2021

      Bernhard Ecklin, zu Ihrem Beitrag muss gesagt sein: “Hart aber Fair”, so ist es.

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  • September 22, 2015

    die BDP wurde am 1.11.2008 gegründet. Vorher gehörten die liberal denkenden SVP’ler zur Mutterpartei SVP. Da Widmer-Schlumpf sich in die Landesregierung wàhlen liess, gegen den Willen der SVP Fraktion, entschloss dann die SVP Schweiz die ganze Bündner SVP auszuschliessen. So suchte diese einen neuen Namen BDP = Bürgerlich Demokratische Partei. Unterstützung fand sie auch bei der SVP Bern und Glarus.Durch ihren Sitz im Bundesrat, verlor Christoph Blocher sein Bundesratsmandat. Dies war im Interesse der SVP Bern, Glarus und Graubünden. Es war ein abgesprochener Deal.
    E. Widmer – Schlumpf glänzt nicht durch besondere Leistungen in Bern. Sie macht ihr Arbeit korrekt und verantwortungsvoll. Es fehlt ihr an Auftreten und Charisma.

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  • September 25, 2015

    Ja, diese Text ist vollständiger so echt historisch!

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  • Oktober 6, 2015

    BDP = Bürgerlich???

    Also​​ in der Studie(siehe Link) von Herr Bosshart welche das Abstimmungsverhalten im Nationalrat aufzeigt, zeigt sich ein ganz anderes Bild, dort ist die BDP bereits weit links der Mitte!

    https://w​ww.vim​entis.ch/dialo​g/reada​rticle/wie-de​r-nation​alrat-tickt-​wenn-es-u​m-die-wurst​-geht/?jum​pto=166439​

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  • Oktober 21, 2019

    Der lange Weg zur BDP und das schnelle das schnelle Ende er BDP. Die BDP lösst sich mit jeder Wahl etwas mehr auf, spätestens mit dem Rücktritt des letzten noch amtierenden Parlamentarier ist diese Partei Tod.

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  • Oktober 22, 2019

    Die CVP und GLP haben sicher noch Platz in ihrer Fraktion.

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