1. Umwelt, Klima & Energie

Die Denk-Lücke

Die Stromlücke ist eine Denklücke. Er­fun­den in der Wer­be­ab­tei­lung der Atom­lob­by, soll uns die ver­meint­li­che Strom­knapp­heit gefügig ma­chen für die Fort­set­zung einer ver­fehl­ten Strompolitik.

Dafür ist jedes Mittel recht. Zum Beispiel hat das Nuklearforum Schweiz, der Schweizer Atomlobbyverein, die Dienste von Burson-Marsteller (B-M) in Anspruch genommen. B-M ist eine der grössten PR-Agenturen der Welt, die im Stande ist, Unwahrheiten glaubwürdig zu machen. Zu ihren Kunden gehören der chilenischen Ex-Diktator Pinochet, die US-Regierung für die Reinwaschung des Irakkriegs, sowie Chemiekonzerne für Gentechnologie-, oder neu „Bio-Tech“-Kampagnen.​.

Die Stromproduzenten rechtfertigen sich damit, dass sie für die Stromversorgungssiche​rheit verantwortlich sind. Diese wollen sie mit dem Bau von neuen AKW, gewährleisten. In der Politik sind die Stromkonzerne durch„Parlamentarier unterstützt, welche gutes Geld von der Stromwirtschaft beziehen: Gut 1/3 des Ständerates hat Beziehungen zu ihnen. Auf politisch günstige Rahmenbedingungen sind die Stromkonzerne angewiesen, denn sie wissen, dass die Grossbanken kein Geld mehr für AKW-Abenteuer frei spielen werden.

 

Die Lücke ist ein Mythos

Bereits zum vierten Mal sieht sich die Schweizer Bevölkerung mit der so genannten Stromlücke konfrontiert. Wie heute, ging es auch in den 70ern, den 80ern und 90ern um den Bau von neuen AKW. So schreibt zum Beispiel der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunterneh​men VSE im September 1987: «Die Stromlücke erreicht bis zum Winterhalbjahr 2004/2005 ein Ausmass von 4,3 Mia KWh … Ohne Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Kaiseraugst wird die Lücke sogar 7,2 Mia KWh (ca. AKW Gösgen) betragen». Die Realität ist anders. Kaiseraugst wurde nicht gebaut, was den Bund damals 350 Mio kostete, und niemand musste im Winter 2004/2005 kalten Kaffee trinken.

 

Heute produzieren die in der Schweiz stehenden Kraftwerke ungefähr soviel Strom, wie die Bevölkerung verbraucht (58 Terawattstunden (TWh)). Mit dem Atomstrom-aus Frankreich (+20 TWh), haben wir heute in der Schweiz einen Produktionsüberhang von 2 ½  AKW Gösgen. Rechnen wir sämtliche von Schweizer Stromfirmen im Ausland gebauten oder geplanten Kraftwerke ebenfalls dazu, wird die Schweiz bis im Jahre 2010 mindestens 100 TWh Stromproduktion ihr Eigen nennen dürfen. Wo ist da die Lücke?

Wäre die Angst der Lücke real würden heute Kaffeemaschinen nicht rund um die Uhr angeschaltet sein, auch wenn kein Kaffee bezogen wird und Rasen in Fussballstadien geheizt. Strom ist in Hülle und Fülle vorhanden und wird wegen dem zu tiefen Preis verschwendet!

 

Der​ Strommarkt kennt keine Schweizer Grenze

Aller Voraussicht nach wird die Schweiz bis in zwei Jahren zu 100 % in den europäischen Strommarkt integriert sein. Die Systemgrenze Schweiz gibt es in Sachen Strom nicht mehr. Der Stromhandel blüht. Schon heute erwirtschaftet die Axpo zwei Drittel ihres Milliardengewinns im Ausland. Wird der Strom knapp, steigen im offenen Markt die Preise und die Nachfrage sinkt. Der Strom fliesst dorthin, wo am meisten dafür bezahlt wird. Der Begriff Stromlücke ist unter diesen ökonomischen Gegebenheiten schlicht absurd.

 

Energieef​fizienz schafft Arbeitsplätze

Das sich ab dem Jahr 2020 öffnende Atomloch ist keine Gefahr, sondern eine Chance. Verglichen mit dem fast zehnmal grösseren und bedrohlich nahen Erdölloch ist es ein Kinderspiel, dieses zu füllen. Denn beim Strom haben wir marktfähige und einheimische Alternativen und ein gigantisches Einsparpotenzial. Selbst die Axpo bestätigt in ihren Stromperspektiven, dass das Potenzial der erneuerbaren Energien langfristig ausreicht, um die von ihr prognostizierte Atomlücke zu füllen!

Die Vollversorgung mit sauberem Strom ist keine Frage der Potenziale, sondern eine Frage des politischen Willens und der politisch festgelegten Preise. Solange Atom-, Gas- und Kohlestrom ihre Vollkosten (Klimaschäden, Haftpflicht, Atommüllverwahrung) nicht tragen müssen, sind die Spiesse für die neuen Technologien kurz. Das muss sich nun auch in der Schweiz ändern.

Nur halb so teuer wie der Bau von neuen Kraftwerken sind Effizienzmassnahmen, welche den Energieverbrauch reduzieren. So reichen beispielsweise ein Standby-Verbot, beste Elektrogeräte und effiziente Beleuchtung aus, um Beznau 1 und 2 einzusparen. Ersetzen wir dann noch die 170’000 Elektroheizungen durch Holzheizungen oder Erdwärmepumpen, so können wir auch Gösgen abstellen. Und das schöne dabei: Statt das Geld für Uran und Gas in den Kreml zu schicken, bleibt es in der Schweiz und schafft dauerhafte Arbeitsplätze.

Ausse​rdem muss die Stromdiskussion endlich wieder eine Energiediskussion werden. Strom ist eine Energieverpackung und keine eigentliche Energie, keine Primärenergie. Denn von 100% Primärenergie können nur gerade 52% verbraucht werden. Der Rest verschwindet in Umwandlung, Speicherung und Transport. Das bedeutet, dass der Verbrauch möglichst nahe an der Energiequelle bleiben muss. Das Resultat ist eine dezentrale Energieversorgung, welche mit Erneuerbaren Energien gespiesen wird. Denn nach dem Öl- und Gasloch haben wir nur noch diese. Uran hat nie und nimmer das Potential die fossile Energie zu ersetzen.

 

 

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Comments to: Die Denk-Lücke
  • August 10, 2010

    Einverstanden, die Stromdiskussion muss sich in eine Energiedebatte wandeln.

    Wenn wir das aber tun, müssen wir uns schleunigst bewusst werden, dass sich Erdöl weder schnell noch problemlos ersetzen lässt. Auch 40 Jahre nach der ersten Ölkrise zeigt sich die Weltwirtschaft von Öl so abhängig von keiner anderen Energiequelle. Nichts bestimmt den Alltag von Abermillionen von Menschen so wie Öl.

    Die unbequeme Wahrheit des endlichen Öls: Unsere Ölreserven – das ist für niemanden ein Geheimnis – sind endlich und die Marktreife alternativer Energien lässt sich nicht von heute auf morgen herzaubern.

    Überall – so scheint mir – wird jetzt auf eine Green Economy gesetzt, so, als müsse man nur ganz fest daran glauben, dass die Forscher und Ingenieure weltweit genau zum richtigen Zeitpunkt alternative Energien zur Marktreife bringen werden, die sich als ähnlich fungibel entpuppen wie Erdöl, damit die Menschen in den alten Industrieländern nicht Abschied von ihren gewohnten Lebensformen nehmen und die Mittelschichten in den neuen Industrienationen nicht ihre Hoffnung auf vergleichbaren Wohlstand begraben müssen. Doch beim Übergang von der fossilen Industriegesellschaft​ zu einer nach-fossilen oder solaren Industriegesellschaft​ wird es Friktionen, Konflikte geben, vielleicht sogar eine längere Übergangsphase, in der die radikalen Strukturbrüche von langwierigen, weltwirtschaftlichen Spannungen begleitet werden, bevor sich das neue Zeitalter Bahn bricht.

    Das Thema Energie steht ganz oben auf der Agenda: für Politik und Verbraucher, im In- wie im Ausland. Steigende Preise, Importabhängigkeiten und der Klimawandel lassen die Energiepolitik zur entscheidenden Grösse werden. Wie sieht eigentlich unser Energiemarkt in Zukunft aus?

    Düster steht die Frage im Raum: Wie lange reichen die Ölvorräte noch aus, wenn die Nachfrage weiter klettert?

    Der Nahe und Mittlere Osten entschlüsseln sich als kritische Tankstelle der Welt: Rund 60 % der Erdölreserven weltweiten lagern in nur 5 Staaten des Nahen und Mittleren Ostens.

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  • August 10, 2010

    Der Beitrag von Herrn Burgemeister fasst die heutige Situation einigermassen gut zusammen: Die Situation ist keineswegs gut.

    Was ich aber in Ihrem Beitrag vermisse, Herr Burgermeister, ist der Blick nach vorne: Wir können einen Ausweg finden, wenn wir nur wollen – und sofort anfangen, diesen Ausweg zu realisieren. Lamentieren allein hilft leider nicht.

    Nach meiner Meinung liegt diesen Ausweg vor allem in dem wir vermehrt erneuerbare Formen von Energie einsetzen. Also nicht im Warten auf ein allumfassendes, technisches Meisterwerk, sondern bei sich selber damit anfangen. Und zwar heute noch.

    Anfangen, zum Beispiel, mit folgenden Aktionen:
    – Prüfen, ob ich selber meinen Energiekonsum reduzieren will.
    – Wenn ja, Möglichkeiten aufspüren und umsetzen.
    – Dies nicht mit Verzicht, sondern mit Vernunft.
    – Prüfen wie ich meinen Restbedarf an Energie umweltfreudlich decken kann.
    – Überlegen: “Make or Buy”: Eine eigene Solaranlage? Ökostrom vom EW?

    Dies nur ein paar kleine Anregungen.

    Also selber energetisch werden: Gratis wird die neue Energizukunft nicht sein. Es darf auch im ersten Moment etwas kosten – dafür über längere Sicht sehr günstig werden. Besonders dann, wann die “traditionelle” Energien wie Erdöl, Gas und Nuklearenergie ihre wahren Preise bekommen.

    In diesem Sinn wünsche ich Herrn Burgemeister viel Spass und Erfolg mit seinen künftigen energetischen Umstellungen!

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  • August 11, 2010

    Die Energiefrage in naher Zukunft ist keineswegs gelöst, darin sind wir uns glaube ich alle einig.

    Allerdings erscheinen mir gerade die erneuerbaren Energien (teilweise) als Falle, da sie nicht vollständig und in allen Konsequenzen durchdacht sind.
    Es verhält sich genau gleich wie mit den fossilen Brennstoffen: Solange diese auf der ganzen Welt nur von wenigen Menschen zur Energiegewinnung gebraucht werden, ist alles in bester Ordnung. Sobald aber jeder einzelne ein Auto fährt, eine Ölheizung hat etc führt dies zur Klimaerwärmung.
    Auf die erneuerbaren Energien übertragen bedeutet dies folgendes: Ein Mensch benutzt den Bach hinter seinem Haus zur Energiegewinnung: kein Problem. Sobald aber wiederum alle diese Energiequelle anzapfen (resp den Bach hinter ihrem Haus) führt dies zu massivsten Problemen. (Genau gleich mit Solarzellen die Ressourcen verbrauchen um hergestellt zu werden: wer entsorgt diese? woher kommen die ganzen Materialien? wie lange reicht dort der Vorrat um immer neues herzustellen?)
    Dies alles führt mich zum Schluss, dass die Lösung nicht in der EnergiePRODUKION sondern im EnergieVERBRAUCH zu finden ist. Die Frage darf nicht sein woher wir mehr Energie beziehen, sondern wie wir den Verbrauch reduzieren können.
    Leider ist es halt nun einmal nicht so, dass jeder freiwillig auf die 20-minütige heisse Dusche am Morgen verzichtet. Was wiederum bedeutet, dass die Menschheit auch hier das altbekannte Muster durchgeht: Es muss zuerst richtig schmerzen damit etwas ändert.

    Allgemein bezüglich des Artikels: Es erstaunt mich immer wieder wie diejenigen die am stärksten gegen ein Atomkraftwerk kämpfen keine Probleme mit den Verträgen mit Frankreich haben… wie wird dort der Strom produziert? gemäss wikipedia sind 84% Atomstrom, der Rest ist zumeist Erdgas und erneuerbare Energien. Aber diese Atomkraftwerke sind ja in Frankreich, das heisst dies Interessiert gar nicht. Es würde mich freuen (aber auch erstaunen) wenn mehr global gedacht würde, nicht lokal.

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  • August 11, 2010

    Es stimmt sicher, dass der Markt die “Stromlücke” schliessen wird. Der Strom wird einfach teurer, was sich die Energielobby sicherlich auch bewusst ist. Ebenso stimmt es, dass es noch für 100 Jahre und mehr Ölreserven hat. Es wird zwar schwieriger diese zu erschliessen, was sicherlich einen Einfluss auf den Preis haben wird, aber das Öl wird uns so schnell nicht ausgehen. Ausserdem wird es auch bei der Förderungstechnik neue Innovationen geben, und die Konzerne werden (siehe BP) erhöhte Risiken eingehen, wenn sie im Preiskampf sonst nicht mithalten können.

    ABER: Wir haben auch nicht aufgehört, mit Kerzenlicht zu beleuchten, weil uns das Wachs ausging. Wenn wir vom Öl wegkommen wollen, dann müssen wir attraktivere Alternativen schaffen! Elektrische Autos haben ja schon einige Vorteile. Wenn nun die Batterien etwas besser werden, und es mehr Lademöglichkeiten gibt, steht einem Durchbruch nichts mehr im Wege. Auch zue Heizung von Gebäuden gibt es heute gute ALternativen zu Öl und Gas, zum Beispiel die Geothermie oder Solarheizungen. Aber fast alle Alternativen zu fossilen Brennstoffen brauchen Strom! und wo nehmen wir den her? Es gibt wohl genug Energie aus Wind, Wasser und Sonne um den Planeten zu versorgen, aber die Möglichkeiten in der Schweiz sind leider etwas beschränkt. Und viel der regenerativen Energien lassen sich nicht regeln, was neue Herausforderungen im Zwischenspeichern mit sich bringt.

    Zum Glück gibt es auch hier schon relativ weitentwickelte Lösungsansätze. In den Vereinigten Emiraten (ausgerechnet!) entsteht gerade eine Stadt namens Masdar, welche zu 100% von regenerativen Energien gespiesen werden soll. Die Idee dabei ist, dass das Stromnetz die Nutzer aktiver einbindet, und zum Bsp. Gebäude zu gewissen Zeiten auf gewisse Energieverbräuche verzichten. Man muss ja den Boiler nicht unbedingt dann heizen, wenn es gerade weder Sonne noch Wind hat! Es gibt auch ähnliche Projekte in Europa, USA und Asien. Warum sollte die Reiche Schweiz mit den vielen Pumpspeicherkraftwerk​en nicht auch vorne mitdenken und Lösungen für neue Generationen gestalten? Warum sollten wir uns eine Zukunft schaffen, wo wir abhängig sind von Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus aus dem Nordosten?

    Viellei​cht könnte die Politik Lösungen schaffen in dem sie die Voraussetzungen schafft für Blockheizkraftwerke und andere dezentrale Energieerzeuger (Bsp. Photovoltaik auf Dächern), die in Kombination mit den Pumpspeicherkraftwerk​en das Land (nahezu) Energieautark machen könnten! Leider kenne ich hierzu keine Rechnungen. Aber das starke Lobbying der Energiegiganten lässt mich vermuten, dass es auch Alternativen gäbe…

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    • August 14, 2010

      Gewiss brauchen manche Alternativtechniken Strom. Aber die heutige Stromverschwendung ist gigantisch. Ein Sparpotential von mehreren: Durch meine Mess- und Beratungstätigkeit bei Elektrosmog-Betroffen​en komme ich in viele Haushalte. Was da oft alles konstant auf Standby steht, spottet jeder Beschreibung. Stromsparen ist kaum im Bewusstsein eines Grossteils der Bevölkerung. Dazu müsste der Strom wesentlich teurer werden. Und die wirtschaftlich-politi​sch inszenierte Strom”spar”lampenlü​ge kombiniert mit dem weitherum als lächerlich, ja als kulturelle Schandtat empfundenen Glühlampenverbot trägt nicht zur Glaubwürdigkeit der Bundesbehörden bei. Es ist grotesk, neue Atomkraftwerke zu fordern, bevor man es nicht wagt, die wirklichen Sparpotentiale wirksam anzupacken.

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    • August 14, 2010

      Lieber Herr Schlegel, ich bin 100% mit Ihnen einverstanden. Nicht nur zuhause, sondern auch bei den Zweckbauten kann man mit dem heutigen Wissen sehr viel Energie einsparen. Dies beginnt bei der Architektur (Südausrichtung, Beschattung, Isolation, Thermoaktive Bauteile etc.) geht weiter über die Ausstattung (Belüftung mit Wärmerückgewinnung, Blockheizkraftwerk etc.) und den Betrieb (Monitoring, Nachtabsenkung, Aktive Mitarbeit der Nutzer). In der Schweiz sind wir diesbezüglich jedoch recht weit!

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    • August 23, 2010

      Herr Schlegel, ich bin einverstanden mit allem, was Sie sagen, ausgenommen der letzte Satz. Wir sind in der Schweiz erst am Anfang. Viele kleinkarierte Vorschriften und Einschränkungen lassen Bauherren manchmal verzweifeln.

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    • Februar 22, 2011

      Es ist ganz einfach Strom zu sparen: importieren wir alle energieintensive Produkte wie Aluminium. Öffnen wir die Grenzen für Migraten nur, wenn wir auch genug Strom haben um alle AKWs abzuschalten und keinen Atomstrom mehr aus Frankreich importieren müssen. Und vergessen wir nicht im grenznahen Ausland zu tanken. Und was spricht gegen Holzverbrennung zur Stromgewinnung? Auch ein paar grosse Staumauern könnten nicht schaden…

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  • August 14, 2010

    Vimentis sollte Politiker-Blogs nur veröffentlichen, wenn sie bei den Fakten bleiben. Der Beitrag von G.Müller beschränkt sich auf üble Nachrede und sachunkundige Behauptungen.

    1. Die Stromlücke ist keine “Erfindung der Werbeabteilung der Atomlobby” und wurde insbesondere nicht von der in inkriminierender Weise dargestellten Firma Burson-Marsteller “erfunden”. Es waren weitsichtige Exponenten der Stromwirtschaft, die schon vor gut zehn Jahren darauf hinwiesen, dass nach dem Betriebsende der KKW Beznau und Mühleberg und dem Auslaufen der Lieferverträge mit Frankreich die schweizerische Stromproduktion den Bedarf nicht zu decken vermag. Die seitherige Entwicklung bestätigt diese Voraussagen und damit die Notwendigkeit neuer Kernkraftwerke.
    2. Die Stromlücke ist auch kein Mythos, wie Müller im Rückblick auf das nichtgebaute KKW Kaiseraugst behauptet: statt in der Schweiz wurde “Kaiseraugst” zweieinhalb mal in Frankreich gebaut, sonst hätte es im zitierten Winter 2004/2005 wohl Schlimmeres als nur kalten Kaffee gegeben. Und nicht zu vergessen: stromintensive Branchen, namentlich die Aluminiumindustrie, haben die Schweiz wegen des zu teuren Stroms verlassen!
    3. Der Strommarkt kennt – im Gegensatz zu Müllers weltfremder Behauptung – sehr wohl Grenzen: das westeuropäische Verbundnetz ist ursprünglich nur für den Ausgleich unvorhergesehener Ausfälle konzipiert und kann schon das jetzige Handelsvolumen nur knapp bewältigen. Selbst die Stromlieferverträge mit Frankreich sind durch das “Engpass-Management​” (“Bewirtschaften” der knappen Leitungskapazitäten) in Frage gestellt. Auf die Lieferung von Strom aus im Ausland errichteter Produktion zu zählen, wäre fahrlässig – die Kraftwerke wurden denn auch für die dortige Versorgung und den dortigen Handel gebaut.
    Fazit: wegen der Stromleitungsengpässe​ gibt es keinen freien europäischen Strommarkt, auf den man sich verlassen kann.
    4. Die schweizerische Stromversorgung ist entgegen Müllers Behauptung nicht eine Frage der “politisch festgelegten Preise”, resp. der “gleich langen Spiesse”. Die Kernenergie deckt – im Gegensatz zu fast allen anderen Energien -sämtliche Kosten von der Wiege bis zur Bahre. Bei der Windenergie z.B. sieht das anders aus: finanziert mit Zusatzkosten für die Stromkonsumenten(Eins​peisevergütung), Erschliessungsleitung​en finaziert durch die Elektrizitätsunterneh​mungen, Reservestrom dito, Management der durch den unregelmässig anfallenden Windstrom malträtierten Netze: dito, Stillegung wohl durch den Steuerzahler etc.
    5. Wir brauchen alle vernünftig einsetzbaren Quellen zur Sicherstellung unserer Stromversorgung. Die Vernunft gebietet die Berücksichtigung ökonomischer und ökölogischer Aspekte. Einzelne Energien – wie die Kernenergie – als des Teufels auszuschliessen, widerspricht der Vernunft!

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  • August 16, 2010

    Es gibt Sie längst, die “Freie Energie” als Alternative zu Atomkraftwerken und Windkraftwerken, welche unsere Natur verschandeln. Nur leider kümmert sich niemand darum in unserem schönen Land. Sowohl in China wie in Russland sind solche Kraftwerke bereits in Auftrag gegeben.
    Es wäre auch an unseren Politikern sich damit auseinander zu setzen. Ausführliche Informationen dazu können Sie gerne hier herunterladen. http://www.help4you.li/artik​el/drszabo_magnetmot.​pdf

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    • Februar 22, 2011

      Die Information ist aus dem Jahre 2007! Jetzt haben wir 2011. Wo kann ich diese Maschine kaufen?

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    • Februar 22, 2011

      Hallo Herr Steiner,
      das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber es gibt eine Vielzahl von Webseiten (auch neuer) dazu. Geben Sie bei Google ein: “Prof. L. I. Szabo”

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    • Februar 24, 2011

      Es gibt immer wieder Leute, die glauben irgendwo im Internet das Perpetuum Mobile gefunden zu haben. Nur weshalb hat sich etwas so Gewinnbringendes nicht sofort weltweit verbreitet?

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    • Februar 24, 2011

      Alternative Techniken sind keine “Perpetuum mobile” und sie könnten längst angewendet werden, würde deren Weiterentwicklung nicht durch Oel- und Elektrolobby verhindert. Dazu gibt es genügend Beispiele.

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  • Oktober 16, 2010

    Liebe LeserIn
    Wir sollten uns einmal in die AXPO-Rolle versetzen. Seither verlief alles
    wie geschmiert. Uranpellets rein, Geld raus. Nun geht das so nicht mehr lange, weil die Anlagen sichtbar altern. Ganz davon abgesehen, dass die Urangewinnung in “fernen” Ländern Umweltschäden anrichtet. Der Konzern sieht diese Lücke auf dem Papier auf sich zukommen, dafür kann der Staat aber nicht in Haftung genommen werden, oder doch wie bei den Banken geschehen? Es ist ja die selbe Verflechtung zwischen den Politikern, Parteien und Strukturen.
    Also wird der Staat dazu instrumentalisiert für das System zu weibeln.
    Too big to fail? Wir sind aber nicht ohne Energie, das ist der springende Punkt. Ohne die Sonne würden wir hier gar nicht existieren, keine Pflanze würde wachsen. Was wir aber veranstalten, um es bequem zu haben, ist aber ein Raubbau an Ressourcen und am Klimazustand. Beides geht zu Lasten der Zukunft unserer Kinder. Was einst als Öl oder Kohle sicher im Boden lag, wird in kurzer Zeit in der Atmosphäre für lange Zeit deponiert. Uran wird durch technische Prozesse zu Plutonium verwandelt, mit riesigen Risiken.
    Die natürlichen Energiequellen zur umweltschonenden Produktion von Strom sind bekannt. Sie liegen im Land und genügend vor der Atlantikküste.
    Wer sich hier Claims reserviert hat auch in Zukunft sauberen Strom.
    Nebenbei bemerkt: Schon seit 1996 ist bekannt, dass sich ganz Europa mit Windstrom versorgen lassen würde. Damit sind wir in einer glücklichen Lage, die Energie geht nicht aus.
    Die Weichen auf erneuerbare Energien sind in EU-Europa gestellt.
    Dass wir zukünftig mit höheren Stromkosten rechnen müssen ist ein offenes
    Geheimnis. Uran wird nicht billig bleiben, weil damit politischer Druck ausgeübt werden kann und andererseits sind grosse Investitionen in die Modernisierung in die Infrastruktur zu tätigen. Unsere Stromnetze sind veraltet und ineffizient.
    Sie müssen dringend auf einen grösseren Austausch mit Nachbarstaaten eingerichtet werden, das geht aber nur unter der Erde, was aber sicher machbar ist.
    Wer einen Gotthardtunnel bauen kann, der wäre doch gut beraten gewesen gleich eine HGÜ mit einzuplanen und viele Freileitungen über die Berge wären überflüssig geworden.

    Schade, dass wir uns im Klein – Klein verlieren.
    Thomas Leitlein

    Präsident​ FWA
    http://www.windenergie-​heitersberg.ch

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  • Februar 22, 2011

    Da wir vom Erdöl wegkommen und CO2 mindern wollen, braucht es zwangläufig zwei neue AKW’s. Wir wissen, dass wir pro kW Alternativstrom aus Windräder bzw. Fotovoltaik je ein konventionelles Kraftwerk mit der gleichen Leistung für die Ausfälle brauchen. Nun Geistert für den AKW-Ersatz in den alternativen Köpfen die Idee von Gross-Gaskraftwerken die dann fröhlich viele Millionen Tonnen CO2 produzieren. Logisch sind ja viele Politiker in den Verwaltungsräten der Energieproduzenten und -Verteilern.

    Wir können nun sagen, der Strom muss teurer werden was den Verbrauch einschränkt, die Arbeitplätze auslagert und die Energie den Gutverdienern vorbehält, so lässt sich vorzüglich Energiepolitik betreiben.

    Seit Jahrzehnten stöhnen wir unter der Subventionsmilliarden​ der Bauern, nun bemühen sich Alternative und deren Politiker uns weiszumachen, dass wir dies jetzt auch brauchen um die Hersteller von Photovoltaik- und Windräderanlagen mit Milliardenbeträgen zu subventionieren. Diese fressen uns die Haare vom Kopf ohne das Energieproblem zu lösen. Nur bezahlen darf es wie immer das Volk! So wie es aussieht werden wir uns eine Industrie heranzüchten die wir zum grössten Teil finanzieren müssen, dabei profitieren nur die Politiker die diese Interessen vertreten.

    Die Politik kann das Energieproblem nicht lösen, sie verschärfen es nur wie wir mit dem jetztigen Strommarktgesetz schmerzlich erleben. Die Politiker machen die Gesezte lediglich für die globalen Energie- und Hochfinanz, das Volksinteresse wiegt überhaubt nichts!

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  • Februar 24, 2011

    Ich habe eine Frage:
    Wie kann man überhaupt über den Bau von neuen AKW’s diskutieren, solange man das Entsorgungsproblem nicht gelöst hat?

    Solange es zur Entsorgung dieses hochgefährlichen Mülls keine vernünftigen, machbaren, sicheren Lösungen gibt, bin ich total dagegen das neue Atomkraftwerke gebaut werden!

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    • Februar 24, 2011

      Der Bau von AKW’s wird diskutiert, weil die Schweiz es bisher nicht fertiggebracht hat innert nützlicher Zeit und zu bezahlbaren Kosten Alternativen auf die Beine zu stellen. Und die Sparappelle haben gar nichts gefruchtet. Zudem haben wir uns komittet jeden EU-Ausländer, der Arbeit findet, in die Schweiz aufzunehmen. Brauchen diese keinen Strom? Und die sauberen Elektroautos? Die Grüne sind so verlogen: wollen die Personenfreizügigkeit​, wollen “saubere” Elektroautos. Aber der Strom kommt vom Weihnachtsmann.

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    • Februar 24, 2011

      Klar sind die Grünen verlogen – es sind Politiker!

      Die Befürworter der AKW’s lügen genauso über die ungeklärten Entsorgungsprobleme des AKW-Mülls hinweg, wie die Grünen über die Konsequenzen der PFZ, die wir uns in Bezug auf unsere Versorgung und Lebensqualität in diesem Land so eigentlich nicht leisten können.

      Ich frage nochmal: Was machen wir mit dem durch den Betrieb der AKW’s entstehenden radioaktiven Müll? Alle wollen Strom – aber keiner will dieses Gift in seiner Nähe gelagert haben!

      (Auch die “Wiederaufbereitung​” der Brennstäbe in Russland ist keine Lösung, sondern wie man erfährt, nur ein ganz schlimmes Verbrechen an den Menschen die dort damit leben müssen.)

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  • Februar 24, 2011

    Nachtrag: Unter den Stichworten “freie”Energie” findet man immer mehr Veröffentlichungen über Forschungsprojekte etc.
    Sollten wir uns nicht erstmal damit intensiver befassen?
    Das bräuchte nach meiner Meinung viel weniger Mut und Risikobereitschaft, als weiterhin – nach dem Motto: nach uns die Sintflut – mir doch egal! – weiterhin radioaktiven Müll anzuhäufen.

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  • Februar 24, 2011

    Die Frage ist: Wollen wir Atom in der Schweiz produzieren und die Bedingungen und Preise selbst diktieren, oder wollen wir lieber Atomstrom oder Strom aus Gas, Braunkohle etc. aus dem Ausland importieren und die Produktionsbedingunge​n und Preise nicht kontrollieren.

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    • Juli 18, 2021

      Sie reden, als ob das Uran bei uns auf den Bäumen wachsen würde. Uran wird im Ausland abgebaut, im Ausland angereichert und auch die Brennstäbe werden im Ausland aufbereitet. Also Grossteil der Arbeitsplätze im Ausland. Keine einheimische Energie.

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  • April 7, 2011

    Run auf Ökostrom: Geld aus höheren Tarifen für Ökostrom muss ausschliesslich für Kapazitätsausbauten bei eneuerbaren Energien genutzt werden!

    Wenn nur der Strom der bestehenden Ökostrom-Kapazitäten (Wasserkraft, Wind-, Sonnen- und Biogasenergie) teurer an Ökostrom-Kunden verkauft wird, haben wir nicht viel gewonnen. Diese Kapazitäten werden auch ohne neue Ökostrom-Kunden genutzt und erneuert. Die jetzt einsetzende zusätzliche Nachfrage nach Ökostrom muss zwingend über den Bau von neuen Anlagen der erneuerbaren Energien abgedeckt werden, damit der Umsteigeeffekt spürbar wird.

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  • April 11, 2011

    Energie sparen: Eine Sisiphus-Aufgabe!

    ​Wenn wir Energie sparen, sparen wir auch Geld. Was machen wir aber mit dem gesparten Geld? Wir geben es anderweitig für Konsumgüter aus, was wiederum Energie – z. B. „graue Energie“ – braucht oder wir bringen es den Banken und Versicherungen, wodurch diese in die Lage versetzt werden, Geld auszuleihen für Investitionsgüter, deren Produktion, Betrieb und Unterhalt wiederum Energie braucht. Das einzig wirksame Mittel gegen zu hohen
    Energieverbrau​ch ist die Reduktion des Einkommens für diejenigen Bevölkerungsschichten​, die sich das leisten können oder wollen. Weniger Einkommen, dafür mehr Freizeit; das ist doch auch eine Lebensperspektive.! Die materialistische Gesellschaft in den reichen Ländern wird abgelöst werden, entweder freiwillig oder aufgrund von Verteilungs-,
    Ressou​rcen- oder Umweltproblemen, die wir zwangsweise lösen müssen.

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  • Juni 9, 2011

    Ist die bürgerliche Mehrheit in der Schweiz unfähig vorauszudenken?

    Er​dbeben und Hochwasser waren schon vor dem Atom-Crash von Fukushima eine Bedrohung für die AKWs in der Schweiz. Dass sich die politische Mehrheit in der Schweiz immer erst bewegt, wenn ein Anstoss vom Ausland her kommt – siehe auch das Bankgeheimnis – ist ein Zeichen für mangelnde Sensibilität und Voraussicht.

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