1. Umwelt, Klima & Energie

Die Selbstausrottung des Menschen – Wieso tut keiner was?

Der Club of Rome hat 40 Jahre nach sei­nem Be­richt „Die Gren­zen des Wachstums“ von 1972 einen neu­en, er­schre­cken­den Be­richt über die Ent­wick­lung der Mensch­heit in den nächsten vier­zig Jah­ren veröffentlicht. Auch in die­sem Be­richt ste­hen wie­der die Gren­zen des Wachs­tums im Zen­trum – al­ler­dings nicht mehr die­je­ni­gen des fi­nan­zi­el­len Wachs­tums.

 

„Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben“, sagte Jorgen Randers, bereits vor 40 Jahren Mitwirkender beim Club-of-Rome-Bericht,​ bei der Präsentation der Ergebnisse in Rotterdam.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts gemäss focus online:

 

1.    Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt langsamer als erwartet. Um das Jahr 2050 wird das weltweite BIP nur 2,2 Mal größer sein als heute. Der Grund: Der Produktivitätszuwachs​ nimmt ab, da viele Volkswirtschaften ihr Entwicklungspotenzial​ ausgeschöpft haben. Außerdem sinkt die Zahl der Geburten, da immer mehr Menschen in Städten lebten und die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können. In den Megastädten bedeute ein Kind, einen Mund mehr zu füttern statt eine Hilfe mehr auf dem Acker, so Randers.

 

 2.    Der Siegeszug Chinas wird weitergehen. Außerdem werden Brasilien, Russland, Indien und Südafrika in ihrer Entwicklung voranschreiten.

 

3​.    Die Weltbevölkerung wird kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden ihren Höchststand erreichen und dann zurückgehen. Doch die Not wird zunehmen: Mit drei Milliarden Menschen, die in Armut leben, rechnet der Club of Rome im Jahr 2052.

 

4.    Der Klimawandel wird voranschreiten. „Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus wie Wälder und Meere absorbieren können“, klagt Randers. Nach seinen Schätzungen wird sich der Klimawandel in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dramatisch verstärken und dadurch viel Leid verursachen. „Die negativen Auswirkungen werden deutlich sein“, warnt Randers. Mit katastrophalen Ausmaßen rechnet er aber nicht vor 2052.

 

5.    Der Meeresspiegel wird um 0,5 Meter höher sein, das Arktiseis im Sommer verschwinden und das neue Wetter wird Landwirte und Urlauber treffen.

 

6.    Die Treibhausgasemissione​n werden erst 2030 ihren Höhepunkt erreicht haben. Das ist aus Randers Sicht zu spät, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, was als eben noch akzeptable Marke angesehen wird. „Das Ausbleiben von engagierten und konsequenten Reaktionen der Menschheit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf einen gefährlichen Pfad der sich selbst verstärkenden globalen Erwärmung bringen.“


7.    Wegen des Klimawandels wird es mehr Dürren, Fluten und verheerende Wirbelstürme geben. „Und im Jahr 2052 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken“, fährt Randers fort. „Der sich selbst verstärkende Klimawandel wird die Sorge Nummer eins sein.“ Das Treibhausgas Methan werde aus der auftauenden Tundra entweichen und die Erde weiter aufheizen, worauf noch mehr Permafrostboden in der Tundra auftaue.

 

Hatte der Club of Rome nicht schon vor 40 Jahren Recht? Hat das Bestreben nach ungebremstem Wachstum, nach Expansion, nach immer mehr und immer schneller und die Idee, den Wert von dem, was man gewinnt mit Zinsen und Zinseszinsen immer weiter zu steigern, ja künstlich neue Werte zu schaffen – haben all diese Bestrebungen nach Vermehrung und Wertsteigerung das Wirtschaftssystem wie es heute existiert nicht zumindest an die Grenzen seiner Kapazität gebracht?

 

Nun gut, den Kapitalismus gibt’s noch, doch ich glaube niemand behauptet, dass er gerade eine Blütephase durchlebt – mit welchen Problemen dieses System zu kämpfen hat muss ich hier ja wohl nicht weiter ausführen.

 

Nun geht es aber um andere, weit bedrohlichere Grenzen, die der Mensch in seiner blindwütigen Sucht, immer einen Schritt weiterzukommen, immer noch mehr zu besitzen, weitere Rekorde zu brechen und seine Gattung über den gesamten Planeten (und m.E. auch über alle anderen Planeten, sollte er je die Möglichkeit dazu kriegen – interessantes Buch zu diesem Thema übrigens „Exponentialdrift“ von Andreas Eschbach) zu verbreiten zu überschreiten droht, was seinen unausweichlichen Untergang zur Folge hätte. Objektiv betrachtet reiten wir uns – entschuldigen Sie den Ausdruck – mit wehenden Fahnen und unter freudigen Jubelrufen in die Scheisse. Denn das auch der Parasit Mensch nicht ohne Wirt leben kann ist selbstverständlich – und genau diesen sind wir am zerstören.

 

Meine Überlegungen zu diesem Thema sind genereller Natur: Einmal ganz abgesehen von Abstammung, Land, Rasse, Sprache, politischer Einstellung, Alter oder Bildungsniveau: Wieso ist die hochentwickelte Spezies Mensch, die sich – vor dem Hintergrund der kosmischen Zeitrechnung betrachtet – innert kürzester Zeit zur dominierenden Spezies nicht nur auf dem eigenen Planeten sondern im ganzen bekannten Universum entwickelt hat, wieso ist diese hochintelligente und technologisch weitentwickelte Spezies nicht fähig, den eigenen Untergang aufzuhalten, anstatt ihn freudig voranzutreiben?

 

U​m dies noch auf die Politik zu beziehen, da es ansonsten ja kaum auf diese Plattform gehören würde:

Vor diesem Hintergrund ist es mir unverständlich, wieso es eine Partei wie die Grünen überhaupt gibt. Sollte nicht jeder, der ein Interesse daran hat, dass auch die nachfolgenden Generationen die Vorzüge einer intakten Umwelt geniessen können, automatisch grün sein? Und sollte nicht grundsätzlich jeder eben dieses Interesse haben?

 

Ich weiss, was ich nun sage – respektive schreibe –, ist idealistisch, um nicht zu sagen utopisch. Aber angesichts dieser globalen Bedrohung, die nur abgewendet werden kann, wenn die Menschheit als Ganzes sich darum bemüht, sie abzuwenden – angesichts dieser globalen Bedrohung müsste doch auch der Dickkopf Mensch einsehen, dass es an der Zeit ist, zusammenzustehen und die Gefahr, die jedem von uns droht, gemeinsam zu bekämpfen?!

 

Noch ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Punkten:

 

  1. Ich denke, dass das Entwicklungspotenzial​ der Volkswirtschaften eines der kleineren Übel ist – das Entwicklungspotenzial​ der Menschheit an sich ist erschöpft, wenn wir nicht sorgsamer mit unseren Ressourcen umgehen.
  2. Dumm nur, sind wir keine Chinesen. Doch global gesehen ist dies nur eine Verlagerung des Problems, welches sich m.E. zusätzlich noch verschärfen wird, wenn die Chinesen den Status des Schwellenlands hinter sich lassen und dank dem wirtschaftlichen Wachstum denken, sie können sich eine höhere Geburtenrate wieder leisten.
  3. Diese Prognose glaube ich nicht ganz. Wie im Artikel erwähnt, habe ich das Gefühl, dass es noch deutlich länger gehen wird, bis wirklich der Höchststand erreicht ist und dass wir bis dann die zweistellige Milliardengrenze erreicht haben.
  4. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie wenig heute dagegen unternommen wird.
  5. Mein Urlaub inklusive Bräunen am Strand unter der karibischen Sonne ist in Gefahr? Na umso mehr müssen wir etwas unternehmen!
  6. Randers​ Kommentar sagt eigentlich alles. Die Auswirkungen des Temperaturanstiegs um über zwei Grad Celsius sind ein Teil der angesprochenen Bedrohung.
  7. Und diese werden einmal mehr die Ärmsten dieser Welt am härtesten treffen. Wirklich sozial und nachhaltig, unsere Denkweise.

 

Lieb​e Mitmenschen: Es ist an der Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder! Es ist an der Zeit, dass jeder Einzelne von uns seinen ökologischen Fussabdruck unter die Lupe nimmt und zu reduzieren versucht. Es ist an der Zeit, dass wir politische Vorstösse in die Richtige Richtung lancieren und diese auch durchsetzen. Es ist an der Zeit, vernünftig zu werden.

 

Ich hoffe, dass ich Ihnen die Problematik, welcher wir schon bald gegenüberstehen werden und welche für uns alle offensichtlich sein sollte, klar und deutlich aufzeigen konnte und dass Sie sich einmal mehr ins Gedächtnis rufen, dass ein jeder von uns seinen Teil zum Untergang dieser Erde beiträgt, indem er nichts tut.

 

Dazu noch ein Zitat aus einem Lied der deutschen Rockband „Die Ärzte“, das mir gerade in den Sinn gekommen ist, die Definition des Begriffs „Nachhaltige Entwicklung“ sowie einen Link zur „Initiative für eine grüne Wirtschaft“, die einen ersten Schritt in die richtige Richtung darstellt und um diesen Artikel auf dem Vimentis-Blog unter Bezugnahme auf die „nationale Politik“ auch noch zu rechtfertigen.

 

„E​s ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist – es wär’ nur deine Schuld wenn sie so bleibt!“

 

„Eine nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

 

Initiati​ve für eine Grüne Wirtschaft

 

Die Volksinitiative für Grüne Wirtschaft fordert den Umbau der heutigen Wegwerfwirtschaft zu einer umweltfreundlichen und gerechten Kreislaufwirtschaft. Das Ziel der Initiative ist, den ökologischen Fussabdruck der Schweiz auf eine Erde zu reduzieren.

 

Mehr Infos: auf http://www.gruene.ch oder auf http://www.grueneinit​iativen.ch.          ​

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Comments to: Die Selbstausrottung des Menschen – Wieso tut keiner was?
  • Mai 11, 2012

    Lieber Herr Graf

    Ich stimme voll und ganz mit Ihnen überein, dass die Menschheit als Ganzes kopflos handelt und sich die Lebenssituation für Millionen von uns in den nächsten Jahren (noch) drastisch verschlimmern wird. Den Glauben und das Vertrauen in Politik und Wirtschaft habe ich allerdings längst verloren und erhoffe wenig Unterstützung von dieser Seite. Und auch bei jedem einzelnen von uns erkenne ich wenig Begeisterung für ein ressourcenschonendes,​ verantwortungsbewusst​es Handeln. Viele von uns wissen doch gar nicht (mehr), wie ein einfaches, genügsames Leben aussieht. (Nur schon diese Worte erscheinen wahrscheinlich den meisten wie aus einer fernen Zeit.) Ich bin gerade deshalb froh um jede Form von Engagement von Individuen oder Gruppierungen auf persönlicher oder gesellschaftlicher Ebene. – Und: Wir können nur uns selbst an der Nase nehmen!
    Herzliche Grüsse
    E. Graf

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  • Juli 26, 2012

    Dem Planeten kann es nur recht sein, wenn er uns los hat.

    Ich sehe da kein Problem.

    Wenn wir in die Erdgeschichte schauen, hat es schon immer Klimaveränderungen gegeben, der Meeresspiegel war mal 80 Meter höher als Heute aber auch schon niedriger, z.B. vor ca 10’000 Jahren, da konnte man von England zu Fuss nach Kontinentaleuropa, oder über die Beringstrasse, oder was heute das Mittelmeer ist war mal eine Salzwüste.

    Die Erde ist kein toter Steinbrocken, von dem müssen wir uns verabschieden, die Erde hat ihre Geschichte mit extremen Veränderungen, und was Früher war kann auch in Zukunft kommen.
    Die Menschen meinen immer sie müssten allem ihre Meinung aufdrücken und befehlen. Aber die Erde wird keine Befehle entgegennehmen sie wird machen was in ihrem Ablauf steht. Da wird auch mit Geld nichts zu machen sein!

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrter Herr Grimm

      Sie haben sicherlich Recht, wenn Sie sagen, dass die Erde schon früher extremen klimatischen Schwankungen ausgesetzt war, Eiszeiten, Überschwemmungen oder eben auch die von Ihnen beschriebenen Schwankungen des Meeresspiegels sind heute gut dokumentiert.
      Der grosse Unterschied ist für mich allerdings, dass diese Klimaveränderungen, um es in Ihren Worten auszudrücken, “im Ablauf der Erde standen”. Sie entstanden über einen langen Zeitraum und aufgrund natürlicher Kreisläufe und gaben so verschiedenen Lebewesen, die für die weitere Existenz einer lebendigen Erde unabdingbar sind, die Möglichkeit, sich den veränderten Umständen anzupassen und zu überleben.
      Der Mensch aber hat seit Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine rasante technische Entwicklung durchgemacht. Diese Entwicklung hat sicherlich viele grossartige Erfindungen hervorgebracht, die das Leben der Menschheit ungemein erleichtern und zu grösserem Wohlstand für alle führen. Die Erde jedoch litt und leidet massiv unter den explosionsartig angestiegenen Eingriffen in ihren „natürlichen Ablauf“.

      Sei dies das Co2, die Wälder, die gerodet werden, die Treibhausgase und der damit verbundene Ozonabbau, der Raubfang in den Weltmeeren und die damit verbunden Zerstörung ganzer Ökosysteme, die Auslöschung ganzer Arten, die zuvor Jahrtausende nebeneinander zu existieren vermochten, das regelrechte Aushöhlen von Bergen auf der Suche nach Mineralien und Edelsteinen – die Liste könnte man ziemlich lang werden lassen. Ganz zu schweigen von der verheerenden Wirkung von atomaren oder biochemischen Waffen für die Natur, sollten diese irgendwann tatsächlich im grösseren Stil zum Einsatz kommen.

      Ich äussere einfach das Bedenken, dass unserer Erde – gerade weil sie kein toter Gesteinsbrocken ist – sich von solchen Eingriffen nicht zu erholen vermögen wird. Der Mensch zerstört in seiner Gier nach Wachstum seine eigenen Existenzgrundlagen und wird nicht damit aufhören bis nichts mehr übrig ist, wenn wir nicht heute schon für morgen handeln.

      Mit freundlichen Grüssen,

      Daniel Graf

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