1. Gesellschaft

Die Sommerzeit – bald abgeschafft?

Die Som­mer­zeit: Ein längst überlebtes Mo­dell des Ener­gie­spa­rens, ein Überbleibsel aus ver­gan­ge­ner Zeit und gegen den Volks­wil­len (Ab­stim­mung 1978) im Jahre 1981 in der Schweiz trotz­dem eingeführt…Warum ist diese Re­ge­lung immer noch da? Die Po­li­tik ver­schliesst ihre Augen vor den wis­sen­schaft­li­che​n Er­kennt­nis­sen. Laut „Bild der Wissenschaft“ (4/2010) würde die Ab­schaf­fung der Som­mer­zeit die meis­ten Men­schen gesünder, schlauer und fit­ter ma­chen. Doch die Po­li­tik ist unfähig, diese Tat­sa­chen an­zu­er­ken­nen und be­dient sich sogar zwei­fel­haf­ter Stu­di­en. So auch der Bun­des­rat in sei­ner Ant­wort auf meine Mo­tio­nen betr. „Abschaffung der Sommerzeit“. Meine er­neute An­frage an den Bun­des­rat hat er­ge­ben, dass sich die­ser tatsächlich auch eines Be­rich­tes der EU-­Kom­mis­sion vom 23.11.2007 be­dient. Es han­delt sich dabei um eine Stu­die aus Finn­land, wel­che in den Jah­ren 2003/2004 die Aus­wir­kun­gen der Zeit­um­stel­lung im Monat März auf den mensch­li­chen Körper un­ter­sucht. Die Stu­die wurde mit nur 10 Per­so­nen durchgeführt! Durch die Som­mer­zeit-Um­stel­​lung gibt es auch mehr Unfälle mit Tie­ren. Das sagt der deut­sche Jagd­schutz­ver­band.​ Das Un­fall­ri­siko steigt durch die Zeit-Um­stel­lung schlag­ar­tig an, da Rehe und an­dere Pflan­zen­fres­ser in den frühen Mor­gen­stun­den auf Fut­ter­su­che sind. Sie können nicht wis­sen, dass wir Men­schen plötzlich eine Stunde früher zur Ar­beit fah­ren… Übrigens: Der rus­si­sche Präsident machte mit der Zeit­um­stel­lung kur­zen Pro­zess und tat das, was für sein Land nützlich ist, – er schaffte die Win­ter­zeit für immer ab und damit ist auch Schluss mit der be­las­ten­den Zeit­um­stel­lung! Auch die zuständige EU-­Kom­mis­sion war nahe dar­an, die Som­mer­zeit ab­zu­schaf­fen. Die Ab­stim­mung en­dete mit einer Pat­t-­Si­tua­tion, wie mir ein EU-­Ab­ge­ord­ne­ter im persönlichen Gespräch mit­teil­te. Nur nicht auf­ge­ben! Die Tage der Som­mer­zeit sind gezählt, denn ihre Geg­ner­schaft wächst von Jahr zu Jahr. Und eines Ta­ges, wenn die EU ihre Ent­schei­dung gegen die Som­mer­zeit­re­ge­lu​ng trifft, dürfen wir in der Schweiz auch ge­hor­sam wie­der nach­zie­hen. Warum kann nicht auch ein­mal die Schweiz ein Zei­chen set­zen und sich in die­ser Sache als Vor­rei­ter betätigen?

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Comments to: Die Sommerzeit – bald abgeschafft?
  • Mai 7, 2011

    “Die Po­li­tik ver­schliesst ihre Augen vor den wis­sen­schaft­li­che​n Er­kennt­nis­sen.”
    ​”Doch die Po­li­tik ist unfähig, diese Tat­sa­chen an­zu­er­ken­nen und be­dient sich sogar zwei­fel­haf­ter Stu­di­en.”

    Die Aussagen wäre glaubwürdiger, wenn sie nicht aus dem Mund einer Homöopathin kommen würden.

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  • Mai 7, 2011

    Glücklich das Land, das keine anderen Probleme hat. Aber wenn man sonst schon nichts zu vermelden hat, dann ist es ja vielleicht dienlich.

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  • Mai 7, 2011

    Ja, Frau Estermann, im Prinzip wäre ich auch für die Aufhebung der Sommerzeit – aber:
    – diese ist nicht nur vom bitterbösen BR durchgeboxt worden, der seit eh und je alles grundfalsch macht, sondern vielmehr von den Banken und globalen Wirtschaft. Beides sind happige SVP Sponsoren und sehr sehr abhängig von Europa. Die Kosten eines Alleinganges würden diese nie tragen, sondern bloss wir das Volk. Leider muss ich sagen, dass die allermeisten SVP-Ideen sehr lasch ausgedacht sind.

    Eher wäre ich ein Favorit für mehr Selbständigkeit der Kantone: sprich, eigene Währung, eigene selbständige nicht-vernetzte Banken, …. und warum nicht: eigene Zeit. zB: TGFr wäre ein Hit und TG-Zeit wäre für die Landwirte hier sehr gut.

    Aber vielleicht können Sie mal der SVP den Vorschlag machen, ein richtiges Berg-Bauern Konzept auszuarbeiten. Irgendwie sind diese Menschen zu arm und von Ihrer Partei wahrgenommen zu werden. Ich meine etwas mehr als bloss Plakate drucken. Etwas in der Richtung, wo die Bergbauern-Hilfe nicht mehr benötigt wird. Klar, da gibt es kein schnelles Geld zu holen – aber zur SVP gehört das Thema ganz eng. PS: Bergbauern leben nicht auf dem Herrliberg.

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  • Mai 7, 2011

    Frau Estermann, ich bin ein wenig entäuscht von ihnen. Dies ist wirklich nicht ein Thema das es zu Diskutieren gibt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

    Erstens ist die Arbeitszeit in vielen Bereichen die letzten Jahre flexibilisiert worden. Somit können viele Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten beim Wechsel anpassen wenn sie möchten. Andere Branchen wie z.B. der Strassenbau müssen sich generell dem Wetter und dem Tageslicht anpassen, egal ob mit oder ohne Sommerzeit.

    Zweite​ns bin ich ja auch nicht dafür, dass wir jedesmal die Entscheide von der EU übernehmen. Aber dieser Punkt wird sicher nicht von uns Schweizern definiert werden und dies ist auch egal. Schlussendlich sollte in Zentraleuropa überal die gleiche Zeit herrschen, damit ein vernünftiger Handel und Verkehrsfluss möglich ist. Dies ist viel wichtiger als Sommerzeit oder nicht.

    Drittens gibt es im Moment viel Wichtigeres um das man sich kümmern sollte: Bevölkerungspolitik, Energie, Schuldenabbau des Bundes und der Kantone, ungesundes Wachstum der Bürokratie usw.

    Es kommt mir vor als ob vor den Wahlen alle Angst haben sich öffentlich zu wichtigen und eventuell auch unbeliebten Themen zu äussern. Somit verlagert man sich auf Unwichtiges, oder solche Themen bei denen im Volk eine klare Meinung herrscht. Schade, dass durch die Wahlen wichtige Probleme wieder verzögert und hinausgeschoben werden. Unser System ist ja sonst schon langsam an sich. Dies ist auch gut so, damit pragmatische Lösungen gefunden werden. Aber wegen den Wahlen die Diskussion von gewisse Themen auszusetzen ist sicher nicht gut für unser Land.

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  • Mai 7, 2011

    Immer wieder wird behauptet, die Sommerzeit sei gegen den Volkswillen eingeführt worden. Das ist überhaupt nicht so! Das Volk war mit grosser Mehrheit für diese Umstellung.

    Um das zu verstehen, muss man wissen, wie unsere direkte Demokratie funktioniert. Nach der von Ihnen erwähnten Volksabstimmung, welche eine Mehrheit gegen die Umstellung brachte, entschlossen sich die westeuropäischen Staaten um uns herum, die Sommerzeit einzuführen. Damit änderte sich die Situation für die Schweiz unerwartet rasch. Der Bundesrat und das Parlament waren ganz klar der Meinung, dass die Schweiz mit ihrer internationalen Vernetzung des Eisenbahnnetzes die Sommerzeit mit Vorteil gleichzeitig einführen müsse. Auch ich selbst und alle Mitmenschen, die ich kannte, kamen zu diesem Schluss. Der Entscheid wurde, wie das bei uns üblich ist, dem fakultativen Volksreferendum unterstellt. Doch die darauf folgende notwendige Unterschriftensammlun​g gegen den Entscheid war ein totaler Flop. Rasch wurde von den Unterschriftensammler​ erkannt, dass praktisch das ganze Volk nun hinter der Einführung stand und die verlangte bescheidene Zahl von Unterschriften unmöglich zusammengetragen werden könnte.

    Übrigens ist eine Studie in Finnland mit wesentlich grösserem Unterschied zwischen den Taglängen im Sommer und im Winter ohne grossen Aussagewert für die Schweiz. Die Zeitumstellung bringt zwar die ursprünglich erhoffte Energieersparnis nicht, doch wird sie von vielen Leuten sehr geschätzt. Ich zähle mich selbst auch zu ihnen.

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  • Mai 8, 2011

    Es ist schon faszinierend, wie sich die Sommerzeit-Gegner immer wieder um geografische Realitäten foutieren.

    Südafri​ka kennt eine Zeitzone. Vom östlichsten Punkt, der im Krüger Nationalpark liegt, bis zum westlichsten Punkt beträgt die Differenz in Längengraden 15 Grad und 53 Minuten. Das ergibt eine Zeitdifferenz von gut 62 Minuten. Also beim gleichen Stundenschema, das über dem ganzen Land liegt, beträgt die mittlere Tageslichtdifferenz etwas über eine Stunde.

    So, und nun sagt man, Südafrika sei halt ein großes Land. Deshalb folgt hier ein sehr einfach nachvollziehbares Beispiel aus Europa. Zwischen der Elsässer Hauptstadt Straßburg und der bretonischen Hafenstadt Brest beträgt die Differenz 12 Längengrade und 23,5 Dezimalminuten. Das entspricht einer Zeitdifferenz von 49 Minuten. Somit beginnt in Frankreich – vom Tageslicht her gesehen – der Tag am Rhein fast eine Stunde früher als im französichen Département Finistère.

    Glaubt eigentlich jemand ernsthaft, die Elsässer würden an der Tatsache, daß bei Ihnen die Tageshelle eine Stunde früher eintritt als am bretonischen Atlantik so sehr leiden, wie es Frau Estermann uns Schweizern weismachen will?

    Glückliches Land, dessen Parlamentarierinnen keine andern Probleme haben!

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  • Mai 9, 2011

    Ich finde das Anliegen legitim…

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  • Mai 9, 2011

    Ich habe die Zeitumstellung auch nicht so gerne und finde die Sommerzeit dauert im Herbst zu lange, Ende September sollte auf Winterzeit umgestellt werden.
    Aber hier sehe ich Probleme mit dem öffentlichen Verkehr und den Fahrplänen wenn die Schweiz eine andere Zeit hätte als die Nachbarländer.

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  • November 15, 2014

    “Übrigens: Der rus­si­sche Präsident machte mit der Zeit­um­stel­lung kur­zen Pro­zess und tat das, was für sein Land nützlich ist, – er schaffte die Win­ter­zeit für immer ab und damit ist auch Schluss mit der be­las­ten­den Zeit­um­stel­lung!”
    ​​
    Es gibt bei den Zeitbezeichnungen KEINE Winterzeit, Frau Estermann. Es handelt sich um die “Mitteleuropäische Zeit” (MEZ) bzw. die “Universal Time Coordinated” + 1 Stunde (UTC+1).

    http://de​​.wikipedia.org/wiki/​M​itteleuropäische_Ze​it​

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