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Ecopop verfehlt die Ziele der Initianten

Man kann der Eco­pop-I­ni­tia­tive​ zu­gute hal­ten, dass sie eine “ehr­li­che Ausländerinitiative ist: Sie be­nennt ein genau de­fi­nier­tes Mit­tel, nämlich die Ein­wan­de­rung auf 0.2% der Bevölkerung beschränken, mit dem Ziel, die Landschaftsversch​andelung und Res­sour­cen­ver­brau​ch zu mi­ni­mie­ren. Man kann also das Mit­tel am Ziel mes­sen, dies im Ge­gen­satz etwa zur SV­P-Ein­wan­de­rungs​­i­ni­tia­tive , der wohl die Mehr­zahl ihrer Befürworter zu­ge­stimmt hat, weil sie eine ge­rin­gere Ein­wan­de­rung wol­len, was aber im In­itia­tiv­text gar als Ziel gar nicht fest­ge­legt ist. Die Mas­sen­ein­wan­de­ru​ngs­i­ni­tia­tive legte nur das Mit­tel der einseitigen Re­ge­lung fest, wobei wie­derum der Mehr­zahl der Stimm­be­rech­tig­ten​ klar sein muss, dass un­ab­ge­spro­che­nes​, ein­sei­ti­ges Verändern der Spiel­re­geln in einem bi­la­te­ra­len Verhältnis, wie wir es mit der EU ha­ben, nicht funk­tio­nie­ren kann.

Taugen tut die Ecopop-Initiative aber trotzdem nichts, schlicht, weil ihre nicht geeignet ist, auch nur eines ihrer Ziele zu erreichen.

Bevölkerungswachstum in gewissen Ländern der sogenannten Dritten Welt einschränken? Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass in Ländern, wo der Bildungsstandard steigt, wo die Gleichberechtigung gefördert wird (und Frauen über die Anzahl ihrer Kinder mitentscheiden können), wo das Gesundheitswesen verbessert wird (man also nicht mehr viele Kinder haben muss, um auf das Überleben von wenigen hoffen zu können), und wo Sozialsysteme die Hoffnung auf Altershilfe durch die Enkel ergänzen, das Bevölkerungswachstum von selbst zurückgeht. Verkürzt gesagt: Familienplanung ohne Bildung und intakte Gesellschaft funktioniert nicht, mit Bildung ist sie sowieso selbstverständlich. Das sind aber gerade die Dinge, welche die Schweizer Entwicklungshilfe bereits heute fördern. Wenn nun statt Schulen für Selbsthilfe Kondomabwurfprogramme​ für Dummgebliebene finanziert werden, ist dies einer nachhaltigen Entwicklung sicher nicht förderlich.

Der Zubetonierung der Schweiz entgegenwirken? Auch da setzt die Initiative nicht dort an, wo es wirklich etwas bringen würde: Von 1980 bis 2000 ist die Wohnfläche pro Kopf um 30% gestiegen, die Bevölkerungszahl dagegen nur um 14%. Wenn sie den Landverschleiss über die Bevölkerungszahl eindämmen will, wählt die Initiative also zielgerichtet jene Stellschraube, die kaum etwas nützt. Und dabei sind die Einwanderer, vor allem die aus der ach so übervölkerten Dritten Welt, sogar besonders genügsam: Sie nutzen vorbildlich raumeffizient leerstehende Altbauten und Zivilschutzbunker und schönen uns damit noch die Statistik. Wirkliche Ressourcenschweine sind unter den Einwanderern eigentlich bloss die Superreichen, welche mit ihren Protzvillen die Sonnenhügel zupflastern und mit den Hausfrauenpanzern die Strassen verstopfen. Aber die haben wir ja extra angeworben und belohnen sie noch mit Pauschalbesteuerung, falls sie sich entschliessen sollten, in und für dieses Land nichts zu arbeiten. Will man die Landschaft wirklich schützen, so muss man solche falschen Anreize abschaffen und endlich zu einem Raumplanungsrecht kommen, das Zähne statt Schlupflöcher hat.

Wie weltfremd diese Initiative ist, wird aber spätestens dann vollends offenbar, wenn man sich vor Augen führt, was es bedeutet, wenn die Initiative all die zahlreichen Ein- und Auswanderungsgründe über einen Leist schlagen und in einer Zahl saldieren will: Es kann ja niemand ernsthaft vorschlagen, eine syrische Kriegsvertriebene zurück an den IS zur Versklavung oder an Assad zur Bombardierung zu überstellen, nur weil ihr Quotenplatz bereits von einem rückwandernden Auslandschweizer belegt ist. Man kann dem gescheiterten Auslandschweizer nicht sagen: Einreiseverbot – dein Quotenplatz ist bereits von einer polnischen Geriatrieschwester belegt. Und dem alt gewordenen Urschweizer: Pflegebedürftige müssen ab sofort zum Pflegepersonal nach Polen auswandern, denn die Quote erlaubt nicht, dass das Pflegepersonal ihnen zuhause hilft.

Eine Initiative, die dermassen untauglich ist, ihr eigenes Ziel zu erreichen, kann man nur ablehnen. Sogar unabhängig davon, ob man das Ziel eigentlich teilen würde oder nicht.

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Comments to: Ecopop verfehlt die Ziele der Initianten
  • November 1, 2014

    Es ist schon grotesk, wie sich die ‘Kampflinie’ zu Ecopop mitten durch die Grüne Partei zieht.

    Wer mal eine ‘Wiese’ nach einem ‘open air Concert’ gesehen hat, der weiss man, was eine konzentrierte Menge Menschen dort auf beschränkten Platz anrichtet:

    – Der Rasen ist pfutsch
    – Dreckt und Hinterlassenschaften tonnenweise.
    – Fäklien und Schaden an Pflanzen und Bäumen: grässlich

    Das alles, trotz Aufrufen der Organisatoren, die Dinge in geordneten Bahnen zu halten? Aber ein solches Bild ist genau die Situation, die ECOPOP beleuchtet!

    Hat die grüne Partei je dazu aufgerufen, um Umweltschutzgründen ‘Open Airs’ zu verbieten oder jene bekämpft? Wurde ‘grüne Aktivisten’ vor Ort an solchen Veranstaltungen je bemerkt? NEIN!

    Die aufgeblähte konzentrierte Menge von Menschen in einem kleinen Land, wie die Schweiz soll nicht dafür verantwortlich sein, dass dessen Lebensqualität auch in Sachen Umwelt massiv leidet?

    Und das behauptet ein grüner Doktor aus Zürich im SRF? Ich lege dem nahe, einen Spaziergang durch die nahen Wälder von Zürich zu machen, dann käme er auf die Welt.

    Plastik Flaschen, ALU Flaschen, rote Hundekotsäcke, leere Pommespapiertüten links und rechts der Wege und leere Bierflaschen in Gebüsch, sogar Pneus und alte Möbel.

    Von den nachts aus Autos hinausgeworfenen vollen Abfallsäcken entlang der Kantonsstrasse wollen wir schon gar nicht anfangen.

    Das alles könnte man regulieren? Irrtum, das ist schon reguliert, wird aber nicht nachfassend und ahndend durchgesetzt, weil dazu schlicht das Personal und das Interesse fehlt.

    In der Schweiz sind wir langsam soweit, dass

    – 50% der Bevölkerung arbeitet und die anderen
    – 50% kontrollieren irgendwelche die ‘Regulierungen’.

    Das sich das nicht rechnet, versteht vermutlich sogar ein Grüner. Und das die ‘Regulierungsüberwach​er’ niemals eine Fuss an den Boden bekommen, rechtfertigt deren Zunahme in Sachen Umwelt nicht.

    Es sind einfach zuviele Menschen hier, die auf unsere Umweltwertehaltung pfeifen oder es sich nicht gewohnt sind, sich entsprechend zu verhalten. Wir sind nicht dazu da, eine zunehmende Anzahl von anderen Wertehaltungen umzuerziehen.

    Das ist vergleichbar mit einem multi-kulti Opferstock (= die Schweiz), selbstverständlich nicht abgeschlossen, zur ausdrücklichen Bedienung für alle, selbst wenn die nicht zur Organisation der Opferstöckler gehören!

    Das ist die gespaltene grüne Sehensart zu ECOPOP, die uns dieser Tage auch durch Dr. Bastian Girod (Grüner Master of the Universe) vordiskutiert wurde (gestern im SRF Radio).

    Er schlägt, um bei den Bild zu bleiben, eine regulierte Plünderung des Opferstockes vor, der vor allem ihm nicht gehört und auf den selbstverständlich zahllos weiter zunehmende Menschenmengen grapschen dürfen.

    Aber, wer ‘speist’ den Opferstock, wenn dann um und vor ihm nicht mal mehr ein Standplatz vorhanden ist? Reguliert besteuerte Verrichtungsboxenfrau​en à la Zürich?

    Wie abgefahren ist das eigentlich noch???

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    • Juli 19, 2021

      Gar nicht so abgefahren, Man muss nur einsehen, das in Politik und Wirtschaft Gesetze Ethik Moral Anstand Richtungstreue Respekt vor dem Gesetz und dem Wähler absolut nicht vorkommen. Die Wirtschaft bezahlt – die Wirtschaft befiehlt – und damit laufen alle Parteien egal welche Ideologie sie sich auf die Fahnen geschrieben haben alle an derselben Leine.
      Das heisst, die Direktiven erlassen immer dieselben, egal wer sich vorne auf der Bühne aufplustert.
      Deshalb​ findet man die Grünen und auch die Linken brav in der Reihe mit Mitte – Rechts, nicht nur in dieser wichtigen Frage.

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  • November 3, 2014

    Ja, aber Sie müssen als Grüner nicht jeden der in die Schweiz läuft willkommen heissen. Das ist ja das, was bei Ihnen immer wiedersprüchlich ist. Sagen Sie doch mal den Jungen aus dem Balkan, dass sie nicht immer mit dem 15-jährigen BMW 6 oder 7 mal am Bahnhof St. Gallen durchkurven müssen um den Auspuff zu testen.

    Das wäre mal Umweltpolitik, die es zu erwarten gilt. Ecopop ist sowieso vom Himmel her geholt. Eine Initiative zum abschmettern.

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    • Juli 19, 2021

      “Sie müssen als Grüner nicht jeden der in die Schweiz läuft willkommen heissen”

      Lieber Felix Kneubühl,
      das mache ich gar nicht. Gerade die Auspufftester vom Bahnhof St. Gallen, aber auch verschiedenste Sorten von Ressourcenverschwende​rn können mir gestohlen bleiben. Unabhängig übrigens ob vom Balkan oder nicht.

      Nur ist das nicht das, worüber wir abstimmen werden. Bei solchen Abstimmungen ist wichtig, dass wir die Fragen beantworten, die uns gestellt werden. Und nicht die, von denen wir gerne hätten, dass sie uns gestellt werden.

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    • Juli 19, 2021

      Der Initiant Buehler hat uns nie Fragen gestellt, wie wir Ecopop sehen. Ständig hat er unsere Kantonsräte und weitere Amtsträger in ihren Voten unterbrochen und viel mehr Zeit dazu verwendet, um uns seinen wissenschaftlichen Brei aufzutischen. Weder an der Delegiertenversammlun​g der glp Schweiz noch an der Mitgliederversammlung​ des Kantons St. Gallen liess er Gegenwind zu. Er hat uns pausenlos seine Schlussfolgerung, die er als Ecopop bezeichnet, aufgezwungen.

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  • November 7, 2014

    “Es kann ja niemand ernsthaft vorschlagen, eine syrische Kriegsvertriebene zurück an den IS zur Versklavung oder an Assad zur Bombardierung zu überstellen, nur weil ihr Quotenplatz bereits von einem rückwandernden Auslandschweizer belegt ist. Man kann dem gescheiterten Auslandschweizer nicht sagen: Einreiseverbot – dein Quotenplatz ist bereits von einer polnischen Geriatrieschwester belegt. Und dem alt gewordenen Urschweizer: Pflegebedürftige müssen ab sofort zum Pflegepersonal nach Polen auswandern, denn die Quote erlaubt nicht, dass das Pflegepersonal ihnen zuhause hilft.”

    Es ist etwas Zynisch hier solche Aussagen zu platzieren. Sie Wissen ganz genau, dass Asylsuchende NICHT in diese Quote fallen. Und Rückwandernde Schweizer haben einen offiziellen Pass. Diese haben auch in Abwesenheit Rechte welche Sie diesen nicht verwehren können oder dürfen. Wobei zu sagen ist, dass wohl kaum mehr zurück kommen werden, als sie auswandern. Dass das ein “gemachtes” Problem der heutigen Politik ist sollte Sie nachdenklich stimmen.

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  • November 9, 2014

    Der Titel ist etwa genauso gut wie: Die Grünen verfehlen die ursprünglich vorgegebenen Ziele anlässlich ihrer Parteigründung.
    War da nicht mal was? Mir ist in Erinnerung geblieben das man unsere Existenzgrundlage, die Natur, schützen wollte ????
    Mittlerweile ist man soweit gekommen das man allen Ernstes behauptet 80’000 Zuwanderer im Jahr würden das Land und die Bewohner (auch natürliche Wesen) keineswegs belasten und man könnte das Land und die Bewohner durch verdichtetes Wohnen problemlos vor Verdichtungsstress schützen!
    Dieser Irrsinn ist absolut genial und macht die Grüne Partei, im Kielwasser der SP und der Mitte/Rechts Parteien einträchtig im Dienste der Wirtschaftsinteressen​ in einer Reihe marschierend total glaubwürdig!
    Danke es ist immer wieder beeindruckend wie schnell Masken fallen können während diejenigen welche sie gerade verlieren es nicht mal merken!

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