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Ecopop, zum letzten

Was mich am meis­ten ärgert an der Dis­kus­sion um die Eco­pop-I­ni­tia­ti­v​e, ist, dass die am häufigsten gehörten Ar­gu­mente ziem­lich schwach sind. Und zwar die der Befürworter wie der Gegner.

 

Da sind einmal die Gegner, die behaupten, die Befürworter seien eine widerliche braungrüne Suppe. Falsch. In den meisten Fällen kann man sehr wohl unterscheiden zwischen den Argumenten der grün motivierten und der braun motivierten Initiativbefürworter;​ Schnittmengen gibt es kaum.

 

Was sagen also die grün motivierten Initiativbefürworter zur globalen Bevölkerungsfrage?

U​ngebremstes Bevölkerungswachstum ist ein Problem. Damit haben sie vermutlich recht.

Was sagen die Gegner: Anderen Völkern vorschreiben zu wollen, wie viele Kinder sie haben dürfen, ist überheblich, besserwisserisch, neokolonial, komplett daneben. Damit haben sie vermutlich auch recht. Aber es schafft das Problem nicht aus der Welt.

Tut es der Vorschlag der Initiative (Familienplanung als Teil der Entwicklungshilfe)?

50 Jahre Erfahrung in der Entwicklungszusammena​rbeit haben gezeigt, dass das Bevölkerungswachstum sofort zurückgeht, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Ein Minimum an Bildung muss vorhanden sein, damit Hilfe in Selbsthilfe übergehen kann.

  2. Ein Minimum an Freiheitsrechten und Gleichberechtigung muss vorhanden sein – damit z.B. die Frauen über die Familienplanung auch mitbestimmen können.

  3. Ein gewisses Sozial- und Gesundheitssystem (staatlich, gesellschaftlich oder privat) ist erforderlich, damit die Leute bezüglich ihrer Altersversorgung mehr erwarten zu können als auf die zufällige Gnade eines der vielen Kinder zu hoffen.

Sind diese Bedingungen erfüllt, so muss man keine Kondome verteilen, weil sich die Leute selber welche beschaffen. Sind sie nicht erfüllt, so nützen auch Kondome nichts. Nun macht der produktive Teil der Entwicklungshilfe bereits nichts anderes, als Massnahmen in diesem Sinn zu fördern. Gelder in Kondome und Pillen umzuwidmen nützt also bestenfalls nichts und schadet schlechtestenfalls bloss, weil sie auf Kosten von Massnahmen vom Typ 1-3 gehen.

Zwischenfazit​: Die Initiative ist bezüglich der Ziele der grün-ecopöplerischen Internationalisten schlicht nutzlos.

 

Was sagen die grün motivierten Initiativbefürworter zur Frage des Heimatschutzes durch Fast-Null-Einwanderun​g? Der Verbetonierung der Landschaft muss Einhalt geboten werden. Und was sagt die Initiative dazu? – Nichts. Die naive Hoffnung der Befürworter ist bloss: weniger Leute, weniger Beton. Dass dies falsch ist, ist offensichtlich: Erstens war der Landverbrauch in den letzten 40 Jahren dreimal höher als das Bevölkerungswachstum.​ Zweitens streben die meisten Einwanderer in die aufgeschlosseneren und kulturell vielseitigeren Städte, nicht ins Einfamilienhüsli-Idyl​l. Drittens ist es den Gartenzwerglischweize​rn, die den Schritt von der Vorstadt-Mietwohnung ins Thuja-Separée schaffen, völlig egal, ob die Mietwohnung nachher wieder besetzt wird oder nicht. Und viertens hat die Erfahrung aus 40 Jahren Raumplanung gezeigt, dass jedes Fleckchen, das überbaut werden darf, mittelfristig auch überbaut wird. Unabhängig, ob teuer oder billig, ob effizient oder ineffizient.

Die Initiative kann also auch hier nicht mit wirksamen Rezepten punkten.

 

Kommen wir zu den braun motivierten Initiativbefürwortern​:

Was sagen die zur globalen Kondommission? – nicht allzu viel, Weltpolitik war noch nie ihr Thema.

Und zur Einwanderungsbeschrän​kung?

In ihrer beschränkten Weltsicht teilen diese Kreise die Menschen in Schweizer und Ausländer, und diese jeweils in die Kategorie der „guten“ und der „schlechten“.

Die guten Ausländer sind diejenigen, welche für die Schweizer nützliche Dinge tun. Also: Probleme lösen in der Informatik, Verbände wechseln und putzen im Spital, Tore schiessen im Fussball, Bier servieren in der Beiz, Füdli schwingen im Club. Daneben sollen sie optisch nicht auffallen, sich ruhig verhalten und nach Gebrauch wieder verschwinden.

Die schlechten Ausländer sind alle anderen. Also nebst ein paar Kravallbrüdern und Sozialhilfebezügern vor allem Asylbewerber.

(Dann gibt es natürlich auch die guten und die schlechten Schweizer. Die guten sind die gleich denkenden, die schlechten alle anderen. Aber das ist hier nicht Thema).

Was macht die Ecopop-Initiative für diese Leute? Sie sehen vor allem die Zahl mit der absoluten Einwanderungsbeschrän​kung, und hoffen: Weniger Nettoeinwanderung führt zu weniger Ausländern, und damit auch zu weniger „schlechte“. Nur: Die Einwanderung setzt sich zusammen aus gescheiterten Auslandschweizern, Arbeitskräften, Steuerflüchtlingen und Asylanten. Genau auf letztere aber wird die Umsetzung der Ecopop-Initiative genau keinen Einfluss haben, weil das Asylrecht auf der Genfer Konvention zum Schutz der Flüchtlinge beruht, und diese über das Non-Refoulement-Prinz​ip Teil des zwingenden Völkerrechts ist. Damit steht sie über der Verfassung. Hohe Flüchtlingszahlen werden nach Annahme der Ecopop-Initiative bloss dazu führen, dass der freie Einwanderungskontinge​nt für die rückkehrwilligen Schweizer und die „guten Ausländer“ auf Null fällt.

Also ein Reinfall total für die Anti-Ausländer-Ecopöp​ler.

Ich wundere mich manchmal, dass ihnen das von den Ecopop-Gegnern nicht öfter vorgerechnet wird. Aber ein bisschen nachvollziehen kann ich es auch: Mit Heimat-Rassisten gemeinsame Sache zu machen, um eine Initiative zu bodigen, die nach Neokolonialismus stinkt, ist ja auch nicht gerade eine attraktive Aussicht.

 

Trotzde​m:  eine Initiative, die weder die grünen noch die braunen Befürwortern ihren Zielen näher bringt, sollte eigentlich auch niemand befürworten.

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Comments to: Ecopop, zum letzten
  • November 27, 2014

    Ewig lassen sich auch die Schweizer nicht dikrminieren. Krankenschwestern ab 50 bekommen keinen Job, Arbeitnehmer ab 40 gehören zum alten Eisen, weil an ihrer Stelle billige Arbeitskräfte aus dem Ausland geholt werden! So geht’s nicht!

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    • Juli 19, 2021

      Hören Sie doch auf mit diesem absurden Schrott Frau Zbinden.

      Wer stellt die Menschen ein? Die Schweizer, welche zu geldgierig sind, um einen gerechten Lohn zu bezahlen.

      Da schieben Sie die Schuld wieder den Ausländern zu, die harte Pflegejobs zu Dumping-Löhnen annehmen, obwohl sie die genau gleich hohen Lebenskosten in der Schweiz haben wie wir alle, Krankenkassen, Mieten, Steuern, Abgaben an die AHV/IV/EL und AL etc.

      Ausserdem hätte es sowieso viel zu wenig Pflegepersonal, die meisten Schweizer sind sich ja zu gut, um überhaupt solche Jobs anzunehmen. Wir sollten diesen Menschen mal DANKE sagen, als immer gegen diese zu hetzen.

      Siehe auch:

      http:​//vime​o.com/112914318​

      S​ollte Ecopop angenommen werden, geht es mit unserem Lande bachab. Aber auch Sie scheinen zu denjenigen zu gehören,die sich auf unlautere Propaganda einlassen, als sich selber mar richtig zu informieren und nicht auf Seiten wie hier oder anderen Verschwörungstheoreti​ker-Plattformen.

      M​ensch ist und bleibt Mensch, egal woher er kommt, damit das mal klar ist, auch Ihnen.

      Und einige dieser Hetzer auf dieser Plattform die sich beklagen, wegen den Ausländern soviele Steuern bezahlen zu müssen beziehen selber Sozialhilfe und lügen auf den sozialen Medien den Menschen was vor, das sie nicht sind. Schweizer – wohlbemerkt.

      Dann sollen die von Ihnen genannten Personen halt den Job auch zu dem Lohn wie Ausländer annehmen, dann haben sie keine Probleme. Aber eben, man will ja was besseres sein.

      Stimmen Sie, wie Sie wollen, falls Sie keine Nachkommen haben, kann Ihnen das ja egal sein. Sollten Sie aber Nachkommen haben, dann schaden Sie diesen mit einem JA enorm. Auch Sie werden noch aufwachen, denken Sie an mich, wenn es soweit ist.

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  • November 27, 2014

    Die Grünen haben nichts gegen diese PFZ getriebene Zuwanderung unternommen, aber in Zürich den Bau von Veloständern verlangt, für diese sie nichts bezahlen wollen.

    Das ist leider der grüne Alltag, Herr Kästli. Sie lassen anscheinend gerne weiter pro Jahr dyanmisierend und steigend > 800000 Menschen in die Schweiz.

    Wo sind die Grünen? Die verdichten und komprimieren durch Schweigen.

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    • Juli 19, 2021

      Arme Frau Noser. Nehmen Sie Ihren Usher nicht mehr?

      Dass Sie intrigant unter meinem Namen vor einiger Zeit hier Eintragungen vornahmen, haben Sie offensichtlich bereits vergessen, nicht wahr.

      Dass Sie weiter Hasstriaden und Namensunterstellungen​ verbreiten, lässt auf ein seltsames Denkgemischen schliessen. Besser wird es nicht mehr, Frau Noser.

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  • November 27, 2014

    Frau Nosers Diffamierungsmorgenst​unden belegen erneut den Tageseintrag.

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    • Juli 19, 2021

      Das schreibt gerade der Richtige, der schon zig Leuten unterstellt hat, sie wären mich und meine volle Adresse hier veröffentlicht hat.

      Ich stehe zu mir, aber ich bin weder EVA Pestalozzi noch zig Leute, die Sie doof angemacht haben wie ich auch nicht das Habegger-Fake war oder diese Pro Diktatur.

      Aber das geht Menschen so, die immer von sich auf andere schliessen. Ernst Wegmann notiert jetzt wieder diesen Namen und kommt evtl. mit einem vorabgespeicherten Text aus dem Busch, dito Beat Gurtner & Co.

      Im Gegensazt zu Ihnen habe ich Zivilcourage und wenn ich es bin, stehe ich auch zu mir, kapiert? Wahrscheinlich nicht, ist ja auch egal, genau so egal, wie Sie es mir sind.

      Ich gönne Ihnen Ihr Hobby Vimentis, auch wenn ich Sie nicht ausstehen kann. Dazu stehe ich voll und ganz.

      So, und jetzt habe ich besseres zu tun…….

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    • Juli 19, 2021

      Frau Noser, lassen Sie es doch ganz einfach, Ihre eigenen früheren ‘Fee-Namen hier aufzuzählen. Besser wird es nicht, auch nicht Ihre erneuten Unterstellungen.

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  • November 27, 2014

    Ich würde sagen zunehmender Wohlstand führt zur Abnahme Fertilität – aus denjenigen Gründen, die Sie Herr Kästli genannt haben. Die fürchertliche Lage in Nord-Afrika macht in dieser Perspektive überhaupt keinen Sinn mehr.

    Wir sollten deshalb zuerst ‘mal dafür sorgen, dass die Gesellschaften in Afrika aufgebaut werden können … ein frommer Wunsch?!

    Uebrigens​ finde ich die Einwanderung auch zu hoch: Das beste Mittel dagegen wäre eine Verkleinerung Finanzmarktes Schweiz. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Euro zu retten: Bitte macht doch erst ‘mal eine bessere Politik!

    Uebrigens​: Mehr Wachstum und weniger Zuwanderung miteinander ist leider nicht möglich

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    • Juli 19, 2021

      “Es ist nicht unsere Aufgabe, den Euro zu retten”

      Wenn der Euro immer schwächer wird und der Franken immer stärker, wird die Krise auch uns treffen. Die Schweiz ist ein Exportland, das hauptsächlich in die EU exportiert. Wenn wir den Euro nicht stützen, werden unsere Produkte für die Euroländer unbezahlbar und entsprechend nicht mehr gekauft.

      Wir würden uns also selber schaden, wenn wir sagen “das geht uns nichts an, macht ihr mal selber”.

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  • November 27, 2014

    Richtig Herr Kästli. Gut gesagt. Mein NEIN liegt schon lange bleischwer auf der Gemeinde.

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  • November 27, 2014

    Mein Ja liegt bereits goldschwer per Couvert beim Abstimmungsbüro. 🙂

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  • November 28, 2014

    Da hat es viel Interessantes in Ihrer Analyse, Herr Kästli, obwohl die Bezeichnungen „grün- (=brav)“ resp. „braun (=Hitler)- motiviert“ etwas zu sehr von Stereotypien triefen.

    Man könnte ja neutraler von Leuten sprechen, die umweltschützerisch motiviert sind und von anderen, die vor allem die Migrationsproblematik​ als prioritär bewerten.

    Ausserde​m beurteilen Sie in Ihrem Essay nur die Befürworter der Initiative und vergessen, dass sich wohl mindestens soviele ablehnende Stimmen finden werden, die sich auf die genau gleichen Motivationen stützen, jedoch zu anderen Schlüssen kommen.

    Ich selber kann der Initiative aus beiden Motivationsgründen nicht zustimmen:

    Wenn man den Respekt vor anderen Kulturen und deren Bevölkerungszusammens​etzung und deren ethischen Vorstellungen ebenfalls zu den Umweltbelangen zählt, so führt der in der Initiative vorgesehene Gender-Mainstream-Exp​ort (als Familienplanung getarnt) zu einer Verödung der Vielfalt menschlicher Ausprägungen.

    Im Bereich der Migrationsproblematik​ ist die Initiative kontraproduktiv. Sie torpediert die soeben mit der Masseneinwanderungsin​itiative wiedergewonnene Souveränität über die Regelung der Einwanderung in die Schweiz.

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  • November 28, 2014

    Zitat: “50 Jahre Erfahrung in der Entwicklungszusammena​rbeit haben gezeigt, dass das Bevölkerungswachstum sofort zurückgeht, wenn drei Bedingungen erfüllt sind etc etc etc”

    Im Prinzip Ja. Aber die Erfahrung der letzten 50 Jahre hat auch gezeigt, dass schnelles Bevölkerungswachstum wirtschaftliche und politische Stabilität untergräbt, und zwar so dass die genannten drei Bedingungen nicht etabliert ausreichend werden konnten.

    Kurz gesagt: Wegen dem hohen Bevölkerungswachstum konnte die Ausgangslage für den Rückgang des Bevölkerungswachstums​ nicht geschaffen werden.

    Folge: 1 Milliarde mehr Menschen pro 12 Jahre. Theoretisch hätten die Entwicklungsexperten gewusst wie, aber in der Praxis hat es nicht funktioniert.

    Und noch was zum Revidieren: Kondom-Denken ade, Kondome müssen erst mal beim Mann drüber, geht in der Regel dort wo es die Regel sein sollte mal gar nicht. Die Bill-Melinda-Gates-Fo​undation stellt deshalb 1 Milliarde Verhütungs-Injektione​n bereit, weil das a) der praktikable Weg ist und b) die Bill-Melinda-Gates-Fo​undation nicht auf eine Abstimmungs-Mehrheit warten muss, sondern einfach mal x-100-Millonen Dollar für Fortschritt einsetzen kann.

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