1. Umwelt, Klima & Energie

Energiedebatte Nationalrat: Wirklich ein Atomausstieg?

Ich lege hier, wie ich es auch in der Na­tio­nal­rats­de­ba​tte ge­macht habe, meine In­ter­es­sen­bin­dun​­gen zum Thema of­fen: Ich bin bei der “Ak­tion für vernünftige Ener­gie­po­li­tik Schwei­z” und beim “­Nu­kle­ar­fo­rum Schwei­z” im Vor­stand tätig. Für die bei­den Ämter ver­diene ich kei­nen ein­zi­gen Fran­ken – damit das auch ein­mal ge­sagt ist.

Was wurde entschieden und was gesagt?

Der Atomausstieg wurde angenommen – wirklich? Eine Motion der SP für den AKW-Ausstieg wurde interessanterweise abgelehnt. Hat das Parlament geschlafen oder was waren die Gründe? Wir bleiben im Dunkeln.
Ebenso spannend ist die Aussage von Bundesrätin Doris Leuthard, die erklärt hat, dass die Schweiz auch künftig Strom importieren wird, das aber einfach zu Marktpreisen. Somit wird die Schweiz über Jahrzehnte hinweg unter anderem AKW-Strom aus Frankreich beziehen. Ist das ein Atomausstieg? Man kann einer Katze im Sack ja auch „Büsi“ sagen.

Eine sehr eindrückliche Erklärung der geistigen Beweglichkeit zeigte die BDP. Man wolle den mittelfristigen Ausstieg aus der Kernenergie. Aber für das Ersatz-AKW in Mühleberg, das langfristig ans Netz gehen sollte, setzte man sich noch bis im Februar 2011 vehement ein – Verwirrung pur.

Die Energieministerin hielt zudem fest, dass zwar die Klimaziele eingehalten werden sollen aber die drohende Stromlücke dennoch mit den CO2-Schleudern Gaskraftwerken gestopft werden muss. Alle Gaskraftwerke werden nun also pro Jahr Millionen von Tonnen CO2 ausstossen, egal ob man das kompensiert oder nicht. Das CO2 ist in der Atmosphäre – basta.

Klar ist hingegen, dass das Verbandsbeschwerderec​ht bei Energieprojekten abgeschafft wird. Die Umweltverbände laufen nach ersten Reaktionen schon jetzt Sturm gegen diesen Entscheid. So ist es halt, wenn die Konsequenzen des Atomausstiegs unterschätzt werden.

Für mich ist es extrem erstaunlich, dass der Bundesrat die utopischen Ideen von Links-Grün schnell über Nacht zum Regierungsprogramm gemacht hat. Die ganze sogenannt historische Debatte könnte sich sehr schnell als historischer Rohrkrepierer erweisen. Selbstkritisch muss ich aber an dieser Stelle auch feststellen, dass die FDP mit ihrer Enthaltung im Nationalrat die Mehrheit für den Atomausstieg geebnet hat. Wer sich der Stimme enthält dient halt immer der Mehrheit, das ist Demokratie.

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Comments to: Energiedebatte Nationalrat: Wirklich ein Atomausstieg?
  • Juni 16, 2011

    Christain Wasserfallen ist wenigstens ehrlich. Schdade politisiert er nicht beid er SVP!

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  • Juni 16, 2011

    Frage an Frau Bundesrätin Doris Leuthard

    Ohne Gaskombi-Kraftwerke als Übergangslösung ist die „Energiewende“ nicht möglich. Das ist uns allen klar. Sie, Frau Bundesrätin, stellten sich und den Sie beratenden Experten die Frage: „Wie viele werden es sein? Es ist ein grosser Unterschied für unseren CO2-Ausstoss und unsere Abhängigkeit vom Erdgas, ob wir zwei oder neun solche Anlagen bauen werden.“

    Wo liegt bei Ihnen Frau Bundesrätin die Schmerzgrenze, ab welcher Sie sagen müssen, die vom BFE veröffentlichten Prognosen sind falsch, wir müssen unseren Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung nochmals überdenken?

    Die von Prognos im Auftrag des BFE erstellten Prognosen für die zukünftige Entwicklung unseres CO2-Ausstosses sagen einen sofort beginnenden starken Rückgang voraus. Grafik: http://www.bernerschach.ch/C​O2-Prognose.pdf Dieser ist nur möglich, wenn wir weiterhin beim Heizen vermehrt Wärmepumpen einsetzen und auf Elektroautos (mit Akku oder Brennstoffzelle) umstellen. Und das braucht Strom!

    Gleichzeiti​g sagt das BFE (Prognos) einen spürbaren Rückgang des Stromverbrauchs voraus. Grafik: http://www.bernerschach.ch/S​tromszenarien.pdf Ob die bereits seit einiger Zeit stattfindende Effizienzsteigerung und unser in Zukunft hoffentlich zunehmend umweltbewusste Stromkonsum den von den vielen Wärmepumpen und den Elektroautos verursachten Mehrverbrauch kompensieren können und bei vermutlich weiterhin steigender Bevölkerungszahl sogar noch einen Verbrauchsrückgang ermöglichen, ist heute nicht voraussagbar.

    Es lässt sich heute auch noch nicht sagen, ob die optimistische Einschätzung der Folgen von Fukushima durch unseren Nuklearexperten Dr. Emmanuel Egger vom ABC-Labor Spiez sich in den kommenden Jahren bestätigen wird. Bekanntlich sind nach ihm die am stärksten bestrahlten Tepco-Mitarbeiter deutlich weniger krebsgefährdet als Raucher. Falls sich dies bestätigen sollte, wäre zudem eine Rückkehr der umgesiedelten Bewohner nach einer Dekontaminierung des ca. 30 km langen und bis zu 5 km breiten Gebietes mit der stärksten gemessenen Strahlung nicht auszuschliessen. Karte mit Vergleich zu Tschernobyl: http://www.bernerschach.ch/T​schernobyl-Fukushima.​pdf

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    • Juli 18, 2021

      @Julian Bieri: Der Handel mit CO2-Emissionsrechten ist aus meiner Sicht ein Unsinn. Nehmen wir Ihr Beispiel: China hat ein für uns fast unvorstellbar grosses Wirtschaftswachstum. Durchschnittlich jede Woche nimmt ein grosses Kohlekraftwerk seinen Betrieb auf. Der CO2-Ausstoss wächst, grob gesehen, proportional zum Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Nicht nur das Abdecken von Deponien mit Methan-Produktion, auch die Vermeidung vieler anderer Umweltbelastungen wird von den Chinesen nicht als dringend zu lösendes Problem erkannt. Die korrekte Finanzierung solcher Vorhaben muss in Zukunft über etwas höhere Exportpreise geschehen. Natürlich dämpft das ein wenig dieses horrende Wirtschaftswachstum, doch das ist sogar wünschenswert.

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  • Juni 20, 2011

    Die “Wende” (Rückkehr zur Vernunft) ist möglich – mit Zuckerbrot und Peitsche. Wie damals beim Katalysator fürs Auto.
    Ob der Stromverbrauch eine gottgegebene Grösse ist wie das Wetter, sei einmal in Frage gestellt – zum Beispiel, wenn leerstehende Ferienwohnungen elektrisch geheizt werden, nur weil sichs der Besitzer leisten kann.
    Konkret hiesse das, einerseits Anreize für umweltverträgliche Energeierzeugung, andererseits Straftarife nach kurzer Übergangsfrist für Energiefresser wie Warmwasserboiler oder zu alte Kühlschränke, die sich problemlos durch bessere Geräte ersetzen lassen.
    Billiger Strom à discretion dürfte noch sehr teuer werden – nur leider nicht für uns, die wir ihn jetzt zum Billigtarif verbraten.

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  • August 30, 2012

    Gestern wurde in den Nachrichten klar aufgezeigt, wie Politiker in Bern klar und brutal den Deckel auf der Weiterentwicklung der Sonnenenergie halten und die gute Entwicklung möglichst unterdrücken wollen. Und Wasserfallen ist da voll dabei. Es sind genug Gesuche im Moment hängig von Privaten, um Atomkraftwerke in der Schweiz abschalten zu können. Wasserfallen ist dagegen. Herr Wasserfallen, sorgen Sie endlich mal dafür, dass die tatsächlichen Kosten für die Versorgung unseres Atommülls auf den Tisch kommen und zwar dalli! Und keine geschönten. Anschauungsunterricht​ in der BRD! Dann reden wir weiter über die “günstige” Atom-Energie! Aber eben, die FDP-Moral war schon oft: Der Gewinn den Reichen, die Zeche zahlt das Volk!

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    • Juli 19, 2021

      Der Beitrag von 10vor 10 war äusserst einseitig und falsch zugleich.

      Die erwähnten 5 TWh durch die Förderung sind nicht zu erzielen. Ein Drittel bis zu Hälfte der Projekte wird erst gar nie erstellt und bei der Photovoltaik fällt sowieso nur ein Bruchteil an. Nur bei der Biomasse wuden Projekte zurückgezogen in der Grösse von 1.1 TWh!!!. Zudem liefert ein AKW das ganze Jahr Strom. Bei der Photovoltaik ist im Winterhalbjahr wenig zu haben und der Wind ist unstetig.

      Leider strahlte 10 vor 10 meinen Lösungsvorschlag nicht aus um die Warteliste zu deblockieren: Kleinanlagen (kleiner 10kW) nur noch mit einem einmaligen Zustupf fördern statt 25 Jahre Subventionierung über KEV. Der Ansatz wurde ünrigens von der Nationalratskommissio​n angenommen!

      Deutsc​hland: Ohne Beschränkung läuft das Fördersystem aus dem Ruder: Dort sind rund 110 Milliarden Euro eingesetzt, die wenig Strom liefern und ggf. beim Netzausbau fehlen. Zudem sind massive Kohlestrom Reserven nötig um den Fall abzudecken, wenn keine Sonne scheint und der Wind nicht bläst. CO2-Ausstoss dieser neuen Kohlestrom Kraftwerke: Rund 1.2 Mal gesamter Ausstosse der Schweiz!

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    • Juli 19, 2021

      Herr Wasserfallen, Sie als AKW-Vertreter sollten besser mal dafür sorgen, dass die “Reserven”, die für den AKW-Rückbau zur Verfügung stehen sollen, dannzumal reichen. Dies nach den Zahlen aus der BRD! Sie versuchen eben nur, via Verknappung der Mittel jegliche Alternativlösung im Keime abzuwürgen. Wir haben Milliarden Subventionen in die Entwicklung der Atom-Industrie gepumpt, aber bei Alternativenergien wollen Sie kneifen. Klar, da kann die Atom- und Energie-Industrie nichts verdienen dran. Jedes Kabel zum Haus, das der Bürger kappen kann, macht ihn unabhängiger und das passt einem FDP-Politiker eh nicht. Gewinne schrumpfen, dicke Verwaltungsratshonora​re fallen weg. Bei der Atomkraft hingegen muss der Bürger am Ende noch die dicke Zeche bezahlen! Und das ist der FDP und den Atom-Bonzen doch total egal!

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    • Juli 19, 2021

      Ja, Herr Selk, das Problem sind nicht weniger Solaranlagen, die gebaut werden, sondern die vom Staat hoch subventionierte chinesische Konkurrenz! So billig kann keine europäische Firma produzieren, zumal die Politik in Europa wie in der Schweiz der Solarnutzung jeden möglichen Stein in den Weg legt. Solarnutzer sind schlechte Kunden für die Elektro- und Atom-Mafia!

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    • Juli 19, 2021

      Na ja, Herr Selk, die AKW-Betreiber zocken ja schon viel länger und brutaler ab. Es ist im übrigen etwas vom Wenigen, was ein Hausbesitzer im eigenbewohnten Haus in der BRD absetzen kann. Schauen Sie nur mal, was jetzt dann der Bürger mit seinen Steuern dazu beitragen muss für den ersten Rückbau eines AKWs! Klar, reichen unsere Rücklagen in der CH auch bei weitem nicht aus. Zahlen wird dann der Steuerzahler wieder müssen, wie er ja auch die Hauptlast bei einem AKW-Unfall zu zahlen hat, falls er es überlebt. Und das ist rechts-rechts-Politik​ in der CH! Dass Sie da noch anderen den Abzocker unterjubeln wollen, ist purer Hohn!

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    • Juli 19, 2021

      5 TWh ist nichts, ist Leerlauf? So viel Strom könnte man in der CH momentan erzeugen lassen durch Private. Diese Gesuche liegen auf. Wär doch was, oder?
      Über die Strompreise in der BRD sag ich nichts, wenn man liest, wer sich dort eine goldene Nase verdient, sind das jedenfalls nicht die kleinen Stromerzeuger!
      Einen AKW-Unfall sehne ich nicht herbei, das ist eine böse, beleidigende Unterstellung, die Ihre Hilflosigkeit bei diesem Thema wohl kaschieren soll. Ich schliesse auch keine Autounfallversicherun​g ab, um dann einen Unfall hervbeizusehnen. Tatsache ist, dass die AKW-Betreiber nur Bruchteilchen eines Schadens decken und versichern müssen, den Löwenanteil hat das Volk zu tragen! Das ist so und nur solche indirekte Subventionen machen die Atom-Energie angeblich billig und günstig. Genau auch wie bei den Abbruch- und Entsorgungskosten! Auch da wird einmal das Volk zur Kasse gebeten. Ob die heutigen Befürworter dann noch Verantwortung übernehmen? Wie auch?

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    • Juli 19, 2021

      Und jetzt, das Dunkel lichtet sich! Auf, all ihr Befürworter der Atom-Industrie, spendet für die darbende, arme Atom-Lobby, rettet sie und spendet genug Geld, dass nicht jetzt noch der kleine Steuerzahler die Still-Legung der Schrott-Reaktoren und die Lagerung der Atom-Abfälle berappen muss. Es ist zum Kotzen! Ich habe festgestellt, dass diverse bisher glühende Atom-Fanatiker still und heimlich ihre Blogs gelöscht haben! Die Ratten verlassen das Schiff!

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