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Facebook, Apple und Ecopop

Was haben Fa­ce­book, Apple und Eco­pop mit­ein­an­der zu tun, mögen Sie sich fra­gen – sie ha­ben: kürzlich war den Me­dien zu ent­neh­men, dass so­wohl Fa­ce­book als auch Apple ihren Mit­ar­bei­te­rin­nen​ das Ein­frie­ren von Ei­zel­len be­zah­len wol­len. Rein ökonomisch ge­se­hen tun sie damit das Rich­ti­ge: gut aus­ge­bil­de­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen​ soll der Druck ge­nom­men wer­den, sich zwi­schen Kar­riere und Kin­dern ent­schei­den zu müssen. Das Pro­blem ist, dass eine sol­che ökonomistische Sicht schlicht zu kurz ge­dacht ist.

Und damit sind wir bei Ecopop. Zu kurz gedacht haben nicht etwa in erster Linie die Initianten, sondern leider eine ganze Reihe wichtiger Stimmen in Wirtschaft und Politik: über Jahre hinweg wurde das hohe Lied der Wirtschaft gesungen und man vergass dabei geflissentlich, dass Wirtschaft nicht ein Zweck für sich ist, sondern dazu dienen soll, die Bedürfnisse nach Gütern und Dienstleistungen zu befriedigen.

Wer nun einer Wirtschaft, die sich leider zum Teil aus gesellschaftlicher Verantwortung gelöst hat, beikommen will, indem direkt anti-wirtschaftliche Massnahmen getroffen werden sollen, denkt ebenso zu kurz, wie diejenigen, welche die Lösung in einer noch entfesselteren Wirtschaft sehen. Die Schweizer Stimmbürger haben diesbezüglich offensichtlich viel mehr verstanden, als man gemeinhin wahrhaben will: Initiativen wie “1:12”, Mindestlohn und andere wurden verworfen, Minder’s Abzockerinitiative angenommen. Warum? Weil das Volk offenbar sehr genau spürt, was in Richtung Hinderung oder gar Zerstörung der Wirtschaft geht – und darum inakzeptabel ist – und was in Richtung Mässigung geht, was offensichtlich erwünscht ist.

Und Mässigung ist auch ein Thema bei Ecopop. Natürlich nützt es nichts, wenn die Welt um uns herum anders funktioniert, und wir in der Schweiz als “Insel der Glückseeligen” unbebautes Land und idyllische Zustände geniessen (interessanterweise sind es exakt die Kreise, die das betonen, die uns seit Jahrzehnten weismachen wollen, in der Schweiz noch etwas CO2 einzusparen sei sehr wirksam!). Der Reiz der Ecopop-Initiative liegt in der freiwilligen Selbstbeschränkung, welche selbstverständlich auch negative Wirkungen auf “die Wirtschaft” hätte – aber das sind heutzutage viele Leute bereit in Kauf zu nehmen!

Genau diese “Wirtschaft” hat ihnen schon vor der EWR-Abstimmung den Untergang prophezeit. Resultat? Es geht uns heute viel besser als allen anderen Ländern um uns herum. Masseneinwanderungsin​itiative? Der nächste Untergang – wird behauptet. Sache ist, dass sich die Wirtschaft sehr wohl darauf einstellen kann, auch mit weniger Arbeitnehmern in der Schweiz auszukommen, und z.B. arbeitsintensive Produktionsprozesse an andere Orte zu verlagern. Das tut sie übrigens heute schon kräftig – Produktionsstätten von Schweizer Firmen überall in der Welt lassen grüssen, aber auch z.B. ganze Buchhaltungszentren in Indien. Personenfreizügigkeit​ zentral für unsere Wirtschaft? Ein Irrtum – die Personenfreizügigkeit​ mit der EU ist eine krasse Diskriminierung aller qualifizierten Arbeitnehmenden aus anderen Ländern und unsere Wirtschaft ist darauf angewiesen, die besten Leute weltweit zu bekommen.

Und das bekommt sie auch, wenn wir weiterhin ein attraktives Land sind, das weder überbevölkert ist, noch ständig im Stau steht, das sich nicht einseitig auf bilaterale Verträge mit der EU abstützt, sondern in – selbst gesetzten! – Grenzen offen ist für die ganze Welt… und das vor allem nicht vergessen hat, dass es sich schon immer gelohnt hat, den Zaun nicht zu weit zu stecken (Bruder Klaus). Vor diesem Hintergrund habe ich sehr viel Verständnis für alle, die der Ecopop-Initiative zustimmen, auch wenn diese – das gebe ich zu – auch seltsame Forderungen beinhaltet, und v.a. die Probleme nicht wirklich löst.

Patrick Hafner, Basel

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Comments to: Facebook, Apple und Ecopop
  • November 23, 2014

    Die Schweiz als ‘Insel der Glückseligen’?

    Übernehmen Sie einfach sang- und klanglos solche linken Phrasen? Wenn es der Schweiz bisher gut ging, dann dank harter Arbeit und zwar oft härter als bei Vielen in der der ringsum EU! Sonst wäre es nicht so!

    Leider hat die EU mit der PFZ ein fulminantes Eigengoal geschossen und reibt sich selbst die Augen über die Folgen, deren ‘Management’ sie nicht mehr im Griff hat.

    Die Schweiz ist, NOCH, ein selbstbestimmtes Land. Um es auch mit einer Phrase zu sagen ‘selbstbestimmter Eigenentscheidungssta​at’!

    LEIDER ist die Wirtschaftsentwicklun​g in Sachen PFZ aus dem Ruder gelaufen.

    Die Linke hat jahrelang gegen die Phase Sturm gelaufen: ‘weniger Staat, mehr Freiheit’!

    Was war die Folge in allen Bereichen? Nicht die Ursachen bekämpfen, sondern verwaltend und regulierend die Probleme vor sich herschieben, bei explodierenden Sozialkosten, mit Verteilung an Menschen, die oft keinen Rappen dafür geleistet oder bezahlt haben.

    Es ist völlig unannehmbar, die Schwiez als ‘Insel der Glückseligen’ zu desavuriernen, wenn man damit einverstanden ist, dass pro Jahr >80’000 Menschen in die Schweiz kommen dürfen.

    Die Folge ist u.a.:

    – Verdichtetes Überbauen (für wen?)
    – Verkehrschaos auf dem Schweizer Strassennetz
    – SBB Sardinen mit permanenten technischen Ausfällen.

    Ich nenne das eine Komprimierung der Schweiz bis es zur Expolsion kommt, spätestens bei den Folgekosten. Linker Fallenstacheldraht mit Barackendenken.

    ECOPOP JA.

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  • November 23, 2014

    Herr Hafner sie werden erstaunt sein dass ich diese Meinung fast in allen Punkte teile. Nur bei der Mindestlohn oder 1;12 Initiative habe ich eine andere Meinung denn dort hat das Volk eher der Angstmacherei von der Wirtschaftsseite hereingefallen. Auch muss ich Ihnen sagen mich wundert dies nicht dass viele SVP Sektionen dafür gestimmt haben denn mit der hetze die eure Partei betrieben hat. man sollte auch in der SVP sich Überlegen wenn dieser Worst Case eintrifft.

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