1. Umwelt, Klima & Energie

Förderabgabe & Gebäudeenergieausweis​: Mieter profitieren

Die Ener­gie­po­li­tik ist ein zen­tra­les po­li­ti­sches und wirt­schaft­li­ches Feld. Klimaerwärmung, Res­sour­cen­knapp­he​it und –verschleiss sowie Um­welt­ver­schmut­zu​ng zwin­gen uns zum Han­deln, ge­rade auch aus der Sicht der Wohn- und Lebensqualität.

Der Mieterinnen- und Mieterverband hat eine kohärente Politik in Fragen der Wohnqualität zu den Verbandszielen erklärt, dazu gehört auch die Energiepolitik. Es sind aber nicht nur die Sorgen um die energie- und klimapolitische Zukunft, welche den MV veranlassen, zu den Energieabstimmungen Stellung zu beziehen, sondern als Interessenvertretung der Mieterschaft ganz besonders auch die Preisentwicklung der Heizkosten. Die Preise für fossile Energieträger sind zwar nach einem zwischenzeitlichen Hoch gesunken, doch der aktuelle Preistrend zeigt nun wieder nach oben. Die Erdöl- und Erdgaspreise werden mittel- bis langfristig aus verschiedenen Gründen weiter ansteigen. Auch die Stromerzeugung wird teurer werden – egal ob wir aus der Atomenergie aussteigen oder nicht. Bezahlen müssen diesen Anstieg gerade auch die Mieterinnen und Mieter via Heizkosten.

Rund 30 Prozent der in die Schweiz importierten fossilen Energien werden für Heizung und Warmwasser beim Wohnen verbraucht. Das ist ein gewichtiger Teil des CO2-Ausstosses. Die Mieterinnen und Mieter sind deshalb wichtige Akteure beim Energiesparen und der Verminderung des CO2-Ausstosses. Der Anreiz funktioniert im Wohnbereich durch die heutige Regelung der Abrechnung der Heiz- und Warmwasserkosten nach gemessenem Verbrauch. Ein höherer Energiebezug führt zu höheren Kosten. Nach der Einführung der CO2-Abgabe, die diesen Effekt noch verstärkt, wächst der Sparanreiz im Energiebereich zusätzlich. Denn dadurch wird nicht einfach das Heizen noch teurer, sondern jene, die mit Raumwärme und Warmwasser sorgfältig umgehen, werden unter dem Strich durch die Rückvergütung mehr im Portemonnaie haben.

Doch leider können die Mietenden nicht in allen Bereichen selber zu einem tieferen Verbrauch beitragen. Ob in ihrem Wohnhaus viel oder wenig Energie verbraucht wird, hängt massgebend auch von der Gebäudehülle und der Heiztechnik ab, für welche die Vermieter zuständig sind. Das Interesse daran, dass Vermieterinnen und Vermieter Anreize für energetische Gebäudesanierungen erhalten, ist aus Mietersicht deshalb gross. Denn langfristig wirken sich energetische Gebäudesanierungen punkto Lebensqualität, aber auch betreffend Nebenkosten positiv für die Mietenden aus.

Viele Bauten aus der Hochkonjunktur von 1950 bis in die 70er Jahre sind energetisch schlecht, bieten aber preisgünstigen Wohnraum. Es ist zentral, dass Gebäudesanierungen mit Fördergeldern unterstützt werden, denn so werden die Sanierungskosten für die Eigentümer/innen gesenkt, was auch zu niedrigen Mietzinsaufschlägen nach wertvermehrenden Sanierungen führt. So ist sichergestellt, dass die energetisch notwendigen Sanierungen auch sozial abgefedert sind.

Für die Finanzierung der Förderung energietechnischer Gebäudesanierungen, wie es das revidierte kantonale Energiegesetz vorsieht, ist eine Förderabgabe auf dem Stromverbrauch unabdingbar. Durch die Förderabgabe werden die Haushalte minim belastet, nämlich mit zwei bis maximal fünf Franken pro Monat. Gleichzeitig garantiert eine Förderabgabe die Umsetzung der energetisch sinnvollen Massnahmen im Wohnbereich.

Nebst der Förderabgabe ist für die Mieterinnen und Mieter wichtig, dass ein obligatorischer Gebäudeenergieausweis​ eingeführt wird. Mieterinnen und Mieter erleben in Zeiten hoher Energiepreise nicht selten unliebsame Überraschungen bei den Nebenkosten. Für die Mieterinnen und Mieter ist ein Gebäudeenergieausweis​ (GEAK), der über die Energieeffizienz eines Gebäudes Auskunft gibt und damit in diesem Bereich Transparenz schafft, eine wichtige Information, um die zu erwartenden Nebenkosten abschätzen zu können.

Entscheidend für den Erfolg des Gebäudeenergieausweis​es ist aber, ob er bei jeder Vermietung einer Wohnung zwingend vorgelegt werden muss. Sobald die Mieterinnen und Mieter die Einsichtnahme zuerst verlangen müssen, ist die Transparenz nicht mehr gewährleistet. Es braucht deshalb eine privatrechtliche Verankerung mit zwingender Vorschrift, diesen bei Abschluss eines Mietvertrages vorzuweisen. Das werden wir auf Bundesebene vorantreiben.

Die andere Voraussetzung, damit der GEAK ein griffiges Instrument ist, ist das Obligatorium. Mit der freiwilligen Einführung wird leichtfertig eine grosse Chance vertan, da absehbar ist, dass nur Eigentümerinnen und Eigentümer von energetisch guten bis sehr guten Wohnliegenschaften einen Energieausweis bestellen werden. Wer wird schon freiwillig den schlechten energetischen Zustand seines Gebäudes dokumentieren und seinen Mietenden offenlegen wollen?

Der Mieterinnen- und Mieterverband des Kantons Bern begrüsst also die Anstrengungen des Kantons Bern für eine nachhaltige Energiepolitik und unterstützt sämtliche Massnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien, für mehr Energieeffizienz und einen sparsamen Umgang mit Energie. Nur durch den Einsatz aller Beteiligten wird es gelingen, uns aus den vielfältigen Abhängigkeiten von Megafirmen und dem politischen Wohlverhalten der rohstoffreichen Länder zu befreien. Denn wir dürfen nicht vergessen: Erdöl, Erdgas und auch Uran kommt vorwiegend aus undemokratischen und politisch labilen Ländern und Regionen in deren Abhängigkeit wir uns energiepolitisch begeben haben.

Mit Überzeugung steht der Mieterinnen- und Mieterverband des Kantons Bern für ein Ja zum revidierten Energiegesetz ein und hofft, dass die Berner Stimmbevölkerung am 15. Mai 2011 einen vorbildlichen energiepolitischen Akzent beim Wohnen setzen wird.

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Comments to: Förderabgabe & Gebäudeenergieausweis​: Mieter profitieren
  • Mai 13, 2011

    Grundsätzlich gebe ich ihnen Recht Frau Allemann. Trotzdem muss man mit der ganzen Sache vorsichtig sein. Ein Punkt darf nicht ausser acht gelassen werden. Jede energetische Sanierung zieht auch eine generelle Sanierung mit sich. Dies ist ja Grundsätzlich auch gut. Aber und hier ist das grosse Aber: es gibt in unserer Gesellschaft auch Leute die auf kostengünstigen Wohnraum angewiesen sind. Eine Gesammtsanierung bedeutet aber auch immer eine Erhöhung des Mietzinses. Dies auch wenn der energetische Anteil subventioniert wird. Im heutigen Umfeld mit dem rasannten Bevölkerungswachstum welches die Mieten schon heute drastisch nach oben drückt, geraten mit dieser Förderung wieder einmal die kleinen (nämlich die finanziel schwachen Mieter)unter die Räder.
    Wie gesagt, grundsätzlich haben sie recht. Aber vergessen sie dabei nicht, es braucht auch kostengünstige Altwohnungen.

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  • Mai 14, 2011

    Nichts für ungut, aber die meisten Vermieter lassen keine Gelegenheit aus die Miete bei der ersten Gelegenheit zu erhöhen, so auch bei energiespar bedingten baulichen Änderungen.
    Wenn man dann beim Mieterverband klagt wenn man eine günstige Wohnung hat und eine Erhöhung der Miete anfechten will heisst es was man überhaupt will, die Wohnung wäre ja immer noch günstig.

    Auch wäre eine gewisse Skepsis an der Klima- und Co2 “Religion” angebracht, wir sind ja noch nicht mal in der Lage das Wetter auf längere Zeit vorherzusagen, nun möchte der Mensch auch noch das Klima selbst steuern, dies finde ich viel bedenklicher als ein paar wenig isolierte Häuser in einem Land das global die Grösse eines Stecknadelkopfes hat. Sehr empfehlenswert eine Sendung von Joachim Bublath, vom ZDF leider nicht mehr vorhanden, aber unter folgendem Link noch konsumierbar:

    http​://www.youtube.com/wa​tch?v=TM0lbKLwdGk

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  • Mai 15, 2011

    Sehr geehrte Frau Allemann

    Ihnen fehlt irgendwie der Bezug zur Realität.

    Wenn Sie in Zürich eine Wohnung suchen, dann sind Sie froh, dass sie aus den 300-400 Bewerber ausgewählt werden. Da kann Ihnen der Vermieter den schlechtesten Ausweis vorzeigen. Sie werden die Wohnung trotzdem nehmen.

    In der Schweiz haben wir eine Kostenmiete. Daher wird der Vermieter die Kosten für die Bewirtschaftung des Energieausweises vollumfänglich auf den Mieter überwälzen. Bei jeder Änderung an der Bausubstanz muss ein neuer Ausweis erstellt werden. Zudem muss der Energieausweis auf die einzelnen Wohnungen aufgeschlüsselt werden. Eine etappierte Renovation – so dass die Mieter in den Wohnungen bleiben können – wird verhindert. Folge wird sein, dass man lieber die Häuser abreisst und neu aufbaut. Pech für deren Mieter.

    Die Nebenkosten des Vorjahres sind zudem ein viel besserer Indikator für die zu erwartenden Nebenkosten, als irgendwelche Energieeffizienzkoeff​izienten und Labels. Die Zertifikate werden zudem immer mit einer Standard-Innen-Temper​atur berechnet, unabhängig, ob der Vermieter die Räume auf 30 Grad heizt im Winder oder nicht.

    Wenn ihre Szenarien ja eintreffen, da werden die Energiepreise automatisch zu einer besseren Energieeffizenz führen.

    Weshalb den Mietern eine Mieterhöhung für etwas Kontraproduktives zumuten?

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  • Mai 18, 2011

    Wenn wir vom Atomstrom wegkommen wollen, müssen wir noch viel grössere Anstrengungen zum Energiesparen unternehmen.

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  • Mai 19, 2011

    Ein obligatorischer Gebäudeenergieausweis​ produziert wieder Bürokratie und Kosten. Klar will die SP solch ein unnützes und nichtsagendes Papier einführen, hat es doch die EU erfunden und was von diesen Bürokraten kommt ist automatisch für die SP gut.

    Die SP will sich auch als Steuererhöhungs-, neue Steuern- und Abgabenpartei profilieren um damit uns Arbeitern auch noch den letzten Rest aus dem Portemonaie herauszuklauben. Es geht der SP einfach nicht gut, wenn die arbeitende Klasse noch über etwas Restgeld verfügt, darum müssen noch viele Abgaben und Steuern erfunden werden!

    Übrigens, auch unser Block wurde saniert, mit neuen Fenstern, Isolierung, Umbau von Küche und Bad, aber für das brauchte es nicht neue Steuern, Abgaben und Gebäudeenergieausweis​, es war auch so teuer genug!

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  • Juni 8, 2011

    Wenn wir Ener­gie spa­ren, spa­ren wir auch Geld. Was ma­chen wir aber mit dem ge­spar­ten Geld? Wir geben es an­der­wei­tig für Konsumgüter aus, was wie­derum Ener­gie – z. B. graue Ener­gie – braucht oder wir brin­gen es den Ban­ken und Ver­si­che­run­gen als Spar­geld, wo­durch diese in die Lage ver­setzt wer­den, Kre­dite zu geben für Investitionsgüter, deren Pro­duk­tion, Be­trieb und Un­ter­halt wie­derum Ener­gie brau­chen. Das ein­zig wirk­same Mit­tel gegen zu hohen Ener­gie­ver­brauch ist die Re­duk­tion des Ein­kom­mens für die­je­ni­gen Bevölkerungsschichten​, die sich das leis­ten können oder wol­len. We­ni­ger Ein­kom­men, dafür mehr Frei­zeit: das ist doch auch eine Le­bens­per­spek­ti­v​e! Die ma­te­ria­lis­ti­sche​ Ge­sell­schaft in den rei­chen Ländern wird abgelöst wer­den, ent­we­der frei­wil­lig oder auf­grund von Ver­tei­lungs-, Res­sour­cen- oder Um­welt­pro­ble­men, die wir zwangs­weise lösen müssen.

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  • Dezember 5, 2011

    Vergessen wir nicht die Eiszeit ob da schon jemand ans Klima gedacht hat???

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