1. Sicherheit & Kriminalität

Frieden schaffen mit Waffen?

Misrata droht ein wei­te­res Sym­bol zu wer­den für das Schei­tern internationaler
Friede​nsbemühungen mit Waf­fen. Wer bis­her ein Bei­spiel für sol­ches such­te, wurde unter dem
Namen Sre­bre­nica fündig. Das Di­lemma ist ver­mut­lich unlösbar und läuft immer nach dem
gleichen Mus­ter ab. Ir­gendwo ent­steht aus ir­gend­wel­chen Gründen ein be­waff­ne­ter Kon­flikt. Wenn
die Welt­ge­gend für die In­dus­trie­na­tio­ne​n in­ter­essant ist, fin­den Bil­der von getöteten Ba­bies und
Frauen den Weg in die Me­di­en. Es ist von Kriegsgräueln und Massa­kern die Rede. So­fort steigt mit
diesen Be­rich­ten der Druck auf die Po­li­ti­ker, „etwas zu unternehmen“. Sol­che Wünsche aus der
Bevölkerung können mit­hel­fen, in­nen­po­li­tisch an­ge­schla­ge­nen Staats­len­kern Pro­fil zu ge­ben. So
war Frank­reichs Präsident Sar­kozy einer der ers­ten, der ein militärisches Ein­grei­fen in Libyen
forderte und sogar be­reit ware, seine ei­ge­nen Trup­pen dafür ein­zu­set­zen. Krieg war schon immer
ein pro­ba­tes Mit­tel, um von Pro­ble­men im Lan­des­in­nern ab­zu­len­ken und die Kraft der Bevölkerung
auf ein ge­mein­sa­mes, übergeordnetes Ziel zu bündeln. Aber was ist genau das Ziel? Es scheint im
Fall von Li­byen ein­mal mehr darum zu gehen „etwas zu unternehmen“. Un­sere Ge­sell­schaft erträgt
sichtbare Gräuel nicht. Man will Gutes tun. Dass es nicht gehen wird, nur aus der Luft, quasi
chirurgisch, unter La­bor­be­din­gun­gen​ Gad­dafi und seine En­tou­rage aus­zu­bom­ben und seinen
Truppen den Mumm ab­zu­kau­fen, dürfte in­zwi­schen jedem klar ge­wor­den sein. So lange sich die
Truppen im of­fe­nen Gelände auf der Ver­schie­bung be­fin­den, können sie mit Flug­zeu­gen und
Helikoptern ver­nich­tet wer­den. Kom­men sie in die Städte, ist das unmöglich. Aus­ser­dem kommen
die humanitären Krie­ger ins Di­lem­ma, dass auch Gad­da­fis Trup­pen aus Men­schen be­ste­hen. Wer
könnte genau aus­ein­an­der­hal­te​n, wer im Bos­ni­en- und Ko­so­vo-­Krieg die Bösen und die Lieben
waren? Ser­ben, Kroa­ten, Al­ba­ner alle verübten Gräuel. Bürgerkriege wer­den mit den jeweils
vorhandenen Mit­teln aus­ge­tra­gen. Ihr Treib­stoff ist der Hass. Wenn Men­schen sich has­sen, setzen
sie alles dar­an, den an­de­ren aus­zu­rot­ten. Auch wenn wir das nicht wahr­ha­ben wol­len, ti­cken alle
Menschen gleich. Des­halb ist es auch il­lu­so­risch, davon aus­zu­ge­hen, es gebe in Eu­ropa nie wieder
Krieg. Jetzt schi­cken die Bri­ten die ers­ten of­fi­zi­el­len Aus­bil­der nach Li­by­en. Der nächste Schritt
wird sein, die Re­bel­len mit mo­der­nen Waf­fen auszurüsten und wenn damit die Lage nicht bereinigt
werden kann, wer­den Bo­den­trup­pen ein­ge­setzt. Gad­dafi ist of­fen­sicht­lich militärisch nicht
ungeschickt und seine Trup­pen sind loy­al. Er ge­niesst Rückhalt in sei­nem Clan. Wenn es nicht
gelingt, ihn zu de­sta­bi­li­sie­ren,​ wird das ein übler Kon­flikt vom Typ Af­gha­ni­stan, an der Schwelle zu
Europa. Wird er getötet, haben wir einen zwei­ten Irak. Den Ar­meen der Welt geht die Ar­beit nicht
aus.

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Comments to: Frieden schaffen mit Waffen?
  • April 21, 2011

    Da sie an den Frieden mit Waffen nicht glauben, müssten sie im Parlament für die Armeeabschaffung eintreten.

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