1. Finanzen & Steuern

Ganz schwierig

Die Frankenstärke und deren Ur­sa­che in der Ver­schul­dungs­si­tu​a­tion vie­ler Staa­ten be­ur­teile ich als min­des­tens so schwie­rig und her­aus­for­dernd wie die ver­gan­gene Fi­nanz­kri­se, mit der UBS-Ret­tung als Höhepunkt. Es war zu er­war­ten, dass die Na­tio­nal­bank rea­giert, nach­dem in den USA vor­erst eine Lösung bezüglich Zahlungsfähigkeit ge­fun­den wurde und der Fran­ken trotz­dem stärker no­tier­te.

Die Lockerung der geldpolitischen Zügel ist vermutlich zur Zeit die geeignetste Massnahme, die von der Nationalbank ergriffen werden konnte. Aus meiner Sicht darf ein moderater Teuerungsschub und eine Erhöhung der Überhitzungserscheinu​ngen im Bau- und Immobilienmarkt in Kauf genommen werden, um unsere Exportindustrie nicht zu einer Verlagerung ihrer Tätigkeit ins Ausland zu bewegen.

Entgegen vieler politischen Forderungen beurteile ich es als richtig, dass der Bundesrat auf eigene Aktivitäten verzichtet. Der Ball liegt klar bei der Nationalbank. Im Rahmen der von der CVP geforderten Sondersession wird es möglich sein, alle zur Zeit herum gebotenen Wunderheilmittel in ihren Wirkungen im Detail darzustellen. Bereits heute ist absehbar, dass viele der präsentierten Vorschläge mit zu gewichtigen Nachteilen verbunden sind, um sie um zu setzen. Auch in der letzten Rezession wurde vom Bund grössere Aktivitäten gefordert. Heute sind wir dankbar, dass die Schweiz keine Konjunkturprogramme a​uf Pump lancierte.

Ich bin überzeugt, dass sich Bundesrat und Nationalbank unter den gegebenen Umständen  und trotz der sehr negativen Auswirkungen des starken Fankens bis heute adäquat verhalten haben. Wir müssen aber registrieren, dass in den heute vernetzten Finanzmärkten die Schuldenwirtschaft bedeutender Staaten auch Auswirkungen auf die Schweizerische Volkswirtschaft hat.  Aus meiner Sicht müssen wir bereit sein, diesen Preis für unsere Souveränität und eigenständige Geldpolitik zu bezahlen.

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Comments to: Ganz schwierig
  • August 5, 2011

    Der Bundesrat kann dafür sorgen, dass die Importpreise sich den neuen Währungsgebenheiten anpassen. Es kann nicht sein, dass wir von (ausländisch) kontrollierten Importeuren und Hersteller abgezockt werden.

    Wenn die Schweizer Industrie billiger einkaufen kann, so kann sie den starken Franken besser ertragen.

    Hingegen​ sind Massnahmen der SNB sowieso wirkungslos. Da glauben wirklich ein paar Wenige, die kleine Schweiz könne die Weltmärkte beeinflussen.

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    • Juli 18, 2021

      Sie haben recht, die SNB kann nicht sehr viel gegen die Frankenstärke unternehmen. Aber und hier kommt das grosse aber!

      Wie weit könnte die Schweiz die Frankenstärke nutzen und versuchen, daraus Kapital zu schlagen? Gibt es keine Möglichkeit, mit der Stärke des Frankens einen Gewinn zu erwirtschaften? Diesen Gewinn könnte man danach einsetzen um die Probleme des starken Schweizerfrankens in der Schweiz abzuschwächen.

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    • Juli 18, 2021

      Die Schweiz profitiert schon seit Jahren von sehr, sehr tiefen Zinsen. Die Industrie kann in der Schweiz viel kapitalintensiver betrieben werden. Mit genügend Kapitaleinsatz (in Maschinen) konnte beispielsweise die Swatch Uhrwerke billiger und besser produzieren als der Rest der Welt.

      Unsere Altersvorsorge ist um einiges sicherer als die der EU-Länder und der USA.

      Und die Schweizer findet man über all auf der Welt am Ferien machen, können sich als Rentner ein paar Monate Spanien leisten etc.

      Nur etwas gefällt mir gar nicht: dass wir auf die Vorteile bei den Importen verzichten und uns abzocken lassen. Wir zahlen 20% mehr fürs Benzin, 100% mehr für Zeitschriften etc.

      Die SNB kann natürlich jederzeit Euro und USD kaufen und spekulieren, dass die erwähnten Währungen stärker werden. Nur war es hirnrissig dies beim Eurokurs von 1.45 zu machen, bei vermuteter Kaufkraftparität.

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    • Juli 18, 2021

      Herr Keller, warum Devisen kaufen? Diese sind nicht inflationsgeschützt und liegen keinen realen Werten zu Grunde. Wenn man es richtig betrachtet, sind Devisen eigentlich nur eine Glaubenssache. Dies ist ja deutlich bei der Stärke des Schweizerfrankens zu erkennen. Es kann aber auch in die andere Richtung gehen.

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    • Juli 18, 2021

      Devisen sind Glaubenssache, genauer Vertrauenssache. Reale Werte sind aber auch Vertrauenssache, in der Geschichte gab es so manche Enteignungen.

      Ich meine nur, dass wenn die SNB Devisenkäufe macht, einfach nicht so hirnrissig sein darf, dies bei Kaufkraftparität zu machen. Hätte sie das Pulver nicht schon früher verschossen, so wäre jetzt der günstige Zeitpunkt für eine Devisenmarktintervent​ion gewesen.

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  • August 5, 2011

    PANIK BEI DEN WIRTSCHAFTSPARTEIEN

    Die Wirtschaftsparteien fordern Einschnitte beim Staat. Der hohe Frankenkurs führt zu diesem sehr seltsamen Zeitungsbericht.
    htt​p://www.tagesanzeiger​.ch/schweiz/standard/​Starker-Franken-SVP-u​nd-FDP-fordern-Einsch​nitte-beim-Staat-/sto​ry/22486934

    Ich empfehle mehr Tugend und Glaubwürdigkeit von allen Parteien:
    – Der Franken muss stabilisiert werden.
    – Zu tiefe Löhne sind zu korrigieren.
    – Die Mindestlöhne sollen sofort schweizweit eingeführt werden.
    – Die Einwanderung soll sofort kontrolliert und begrenzt werden.
    – Bundesrat Schneider-Ammann soll zurücktreten.
    – Der Staat soll funktionstüchtig bleiben.

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  • August 5, 2011

    POLITIK IST VIEL EINFACHER, WENN MAN SICH IN DEN DIENST DER BEVÖLKERUNG STELLT!

    Sehr geehrter Herr Ständerat Graber

    So schwierig ist die Situation nicht. Die Politik scheint sich bereits in ruhigen Zeiten an der Überforderungsgrenze zu bewegen.

    Das Rezept heisst: Demokratie bedeutet Politik für die Bevölkerung
    Kompliziert wird es wenn Sie sich für die Parteieinkünfte, für die Sprachregelungen und zusätzlich in jeder Situation zugunsten der Unternehmen verhalten wollen. Dies können Sie der Bevölkerung einfach nicht erklären. Dann gelten Sie schnell als unqualifiziert und widersprüchlich.

    Hier nochmals meine Empfehlung: Politik ist viel einfacher, wenn man sich in den Dienst der Bevölkerung stellt!

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  • August 5, 2011

    Herr Graber, ich gebe ihnen Recht, dass man sehr Vorsichtig mit Massnahmen gegen die Frankenstärke sein muss.
    Was ich aber nicht verstehe ist, dass die ganze Debate immer nur von den negativen Aspekten des starken Frankens spricht. Alle sprechen davon, dass der Schweizerfranken geschwächt werden muss. Dabei glaube ich nicht, dass es für die Schweiz effektive Massnahmen gibt um den Franken zu schwächen.

    Meine Fragen an alle:

    -Gibt es keine Vorteile für die Schweiz mit einem starken Schweizerfranken.

    ​-Wie kann ein starker Schweizerfranken positiv genutzt werden um unsere Wirtschaft zu unterstützen.

    -Kan​n der starke Schweizerfranken nicht auch eine Chance sein um über entsprechende Investitionen einen Ertrag zu erwirtschaften. Dieser Ertrag könnte danach genutzt werden um die Nachteile eines starken Frankens in der Schweiz abzuschwächen.

    M​eine Frage noch einmal: Kann der starke Schweizerfranken nicht positiv genutzt werden?

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    • August 6, 2011

      Roland Steiner

      Sie fragen: “Wie kann ein starker Schweizerfranken positiv genutzt werden um unsere Wirtschaft zu unterstützen? “

      Hier ein diskutierbarer Vorschlag:

      Zur Zeit ist der Schweizer Franken in seiner Kaufkraft etwa 30% zu hoch bewertet. Gemäss wissenschaftlichen Studien ist das bei einem freien Wechselkurs die höchste bisher beobachtbare Abweichung. Wir können also z.B. in den Euro-Ländern sehr günstig einkaufen. Dies betrifft nicht nur Waren sondern auch Firmenbeteiligungen.

      Zinslose Darlehen der Nationalbank an unsere Unternehmungen für zur Zeit günstige, unsere eigene Produktion ergänzende Investitionen im Euro-Raum könnten den Wechselkurs zum Euro wieder etwas korrigieren. Der Vorteil der vorgeschlagenen Lösung wäre eine Volumenerhöhung der Geldmenge ohne gleichzeitige Erhöhung der Inflationsrate. Solche Investitionen fördern eine sinnvolle, langfristige Ausrichtung unserer Wirtschaft.

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    • August 9, 2011

      Ich begrüsse Ihren Vorschlag, Herr Jorns. Ganz sicher soll die Nationalbank nicht Euro aufkaufen und einen Wechselkurs fixieren. Das hat uns schon einmal in die Rezession gebracht.

      Ueberhau​pt: Wieso spricht man immer von einem starken Franken? Ich bin nicht der Meinung, dass der Franken so überbewertet ist. Es ist eher so, dass der Euro nichts mehr wert ist.

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  • August 9, 2011

    SEHR GUT STEUERBARE INTERESSENVERTRETER

    Sehr geehrter Herr Ständerat Graber

    Das flexible Wechselkurs-System wurde von Menschen geschaffen und hat in der Theorie die Eigenschaft die Stärke der Volkswirtschaft abzubilden. Es gibt Vorteile und Nachteile. In der Praxis sind die Spekulationsbeträge grösser als die realitätsorientierten​ Gelder. Als Steuerungsinstanz wurde die Nationalbank eingesetzt.

    Die Politik hat zwei grundlegende Verhaltensweisen:
    1. Sie hat die Sache im Griff. Manchmal gibt sie mit vorausschauenden Worten die Richtung vor. Dies wird von der Bevölkerung so erwartet. Die Persönlichkeiten werden dafür in das Parlament gewählt.
    2. Sie hat die Sache NICHT im Griff. Die Persönlichkeiten erzählen, es sei schwierig oder gar unmöglich. Sehr oft fehlen ihnen selbst die Kenntnisse um die Funktionsweise des Systems zu erklären. Diese Experten sind für die Bevölkerung unbrauchbar und nutzlos. Für die Wirtschaftsverbände hingegen sind gerade diese Persönlichkeiten sehr gut steuerbare Interessenvertreter.

    Die von der CVP geforderte Sondersession hat meine Unterstützung.

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  • August 11, 2011

    Wenn die SNB etwas tun will, dann jetzt!

    Tiefe Börsenkurse, starker Schweizerfranken

    => Die SNB soll Geld drucken und in den ausländischen Börsen investieren.

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  • September 22, 2011

    Endlich gibt es auch Politiker die die Frankenstärke nutzen wollen:

    http://www​.tagesanzeiger.ch/sch​weiz/standard/Man-kan​n-ja-auch-mal-von-den​-Chinesen-lernen/stor​y/13025398

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