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Grüne Wirtschaft: Ein grosser Befreiungsschlag

Der Auf­bruch in die Grüne Wirt­schaft kos­tet Mut – doch ein mut­lo­ses “wei­ter so” kos­tet uns die Zu­kunft. Des­halb soll­ten die Stimm­be­rech­tig­ten​​ die In­itia­tive am 25. Sep­tem­ber auf jeden Fall annehmen.

Die Schweizer Wirtschaft ist erfolgreich. Ihre Unternehmer_innen sind einfallsreich und einsatzfreudig, dabei aber gleichzeitig solide und zuverlässig. Es ist diese Balance, die vielen Menschen in der Schweiz schon seit Langem einen sehr hohen Lebensstandard ermöglicht. Aber es gibt auch eine andere Seite: Die Schweizer Wirtschaft ist verschwenderisch. Ihre Unternehmen verbrauchen zu viel Fläche, zu viel Wasser, zu viel Wald, erzeugen zu viel CO2 und Stickoxide. Hochgerechnet nimmt die Schweiz dreimal mehr Ressourcen für sich in Anspruch, als die Welt verkraften kann. Diese Wirtschaft beraubt uns langfristig unserer Lebensgrundlage.

Endl​​ich ein grosser Wurf

Dieser Befund ist nicht strittig. Die Wirtschaft und der Bundesrat sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. Deswegen hat die Schweiz bereits einige Anstrengungen unternommen, um ihren ökologischen Fussabdruck zu verkleinern. Sie hat zum Beispiel die Energiewende eingeleitet. Dadurch konnte der CO2-Ausstoss aus unserer Energieerzeugung verringert werden, wie WWF und Greenpeace erst kürzlich gerade bestätigten. Die Schweiz hat auch das Klimaschutzabkommen von Paris unterzeichnet und sich damit für weitere Reduzierungen verpflichtet. Und dennoch: Das alles reicht nicht. Wir brauchen nicht mehr Mosaiksteinchen, wir brauchen endlich ein Gesamtbild.

Daher setzt die Initiative Grüne Wirtschaft auf einen mutigen grossen Wurf mit klar nachprüfbaren Zielen. Nur so lässt sich wirklich ein Unterschied machen. Bund, Kantone und Gemeinden erhalten die Pflicht, für einen umweltschonenden und sparsamen Rohstoffeinsatz zu sorgen. Bis zum Jahr 2050 soll der Ressourcenverbrauch der Schweiz ihre natürliche Kapazität nicht mehr übersteigen. Diese Vorgabe ist für uns so etwas wie die Garantie zum Überleben. Und die gehört genau da hin, wo auch die anderen grundlegenden Ziele unseres Zusammenlebens stehen: In die Bundesverfassung. Denn sie ist das stärkste rechtliche Mittel, das wir haben im Kampf gegen die grössten Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, haben.

Grüne Wirtschaft ist wirtschaftliche Chance

Und doch sind viele ängstlich, dass wir mit einer Grünen Wirtschaft unseren Lebensstandard nicht halten könnten. In Wirklichkeit steht unsere Lebensweise aber nicht durch die Grüne Wirtschaft auf dem Spiel, sondern durch die heute vorherrschende, oft ineffiziente Produktionsweise. Ein Beispiel: Was die Fabriken heute in Richtung Müllhalde verlässt, sind verschwendete Ressourcen. Gäbe es Technologien, um diese Ressourcen aufzubereiten und Märkte, um sie zu vertreiben, würde der Müll zu Mehrwert. Das macht ökologisch und ökonomisch Sinn. Deswegen sollen mit der Initiative gleichermassen die Erforschung neuer Technologien und neue Geschäftsmodelle gefördert werden. Beides zusammen könnte der Schweizer Wirtschaft einen neuen Schub geben – ähnlich wie der Atomausstieg in Deutschland. Dort arbeiten im Sektor der erneuerbaren Energien heute 400’000 Menschen. Bezogen auf die Schweiz gleicht das 40’000 Jobs.

Die Volksinitiative Grüne Wirtschaft öffnet hier ganz neue Wege. Aber sie schreibt keinen zwingend vor. Denn der Verfassungstext ist so offen gehalten, dass über die einzelnen Schritte später auf demokratische Weise entschieden werden kann. Eine “Öko-Diktatur” braucht also niemand zu fürchten. Im Gegenteil: Die Initiative wäre ein Befreiungsschlag. Sie gibt uns Werkzeuge in die Hand, damit wir heute schon die Schweiz der Zukunft aktiv gestalten können – anstatt hinterher unter Zugzwang zu geraten. Wir können es uns gar nicht leisten, diese Chance am 25. September nicht zu nutzen.


Diesen Text habe ich auch auf meinem Blog veröffentlicht. Er steht somit unter einer CC BY-ND 4.0 Lizenz.

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