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Grüne Wirtschaft und schöpferische Zerstörung

Man kann nicht Elek­tro­auto fah­ren und AKWs ab­stel­len – so die erste Re­ak­tion auf die Elek­tro­mo­bi­litäts​­för­de­rung der Stadt St.­Gal­len. Doch: 1000 Elek­tro­au­tos spa­ren 100 Mio Liter Erdöl jähr­lich und benöti­gen höchs­tens 6 Mio kWh/Jahr – so viel So­lar­strom wird be­reits heute auf den Dächern der Stadt ge­ern­tet. Als Ge­nos­sen­schaft Solar St.­Gal­len in­ves­tie­ren wir gerne zur Ver­viel­fa­chung die­ser So­lar­strom­pro­duk­​ti­on. Er­gän­zend macht das BHKW-En­ga­ge­ment von SGSW Sinn. Wär­me-­Kraft­kop­pe­​lung – am bes­ten mit Bio­masse – er­laubt das Strom­tan­ken auch wenn die Sonne nicht scheint. Soll­ten die Au­to­bat­te­rien einst an Leis­tungs­fähig­keit​ ein­büs­sen, haben sie noch immer aus­rei­chend Ka­pa­zität, um im sta­tionären Ein­satz den So­lar­strom vom Tag in die Nacht zu ver­schie­ben – so­weit das nötig wä­re.

Eine grüne Wirtschaft schafft Verlierer und Gewinner: Während die Rheintaler-Firma Brusa als Elektro-Auto-Zuliefer​er aufblüht, bangen duzende Zündkerzen- und Abgasklappen-Herstell​er um ihre Zukunft. “Schöpferische Zerstörung” nennt es der Ökonom Daron Acemoglu, wenn eine technische Neuerung etablierte Geschäftspraxis bedroht. Dass sich bislang profitierende Kreise gegen Neuerungen wehren, ist ein altes Phänomen und nachvollziehbar. Eine Politik, die von einer wohlhabenden Elite geprägt wird, lässt schöpferische Zerstörung nicht zu; aber letztere treibt das Wachstum in einer chancen-offenen Demokratie.

Für eine grüne Wirtschaft, welche auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft ausgerichtet ist, braucht es nicht Zwang, aber es fehlen ökonomische Anreize. Diese würden bei Annahme der Initiative geschaffen. Ein Ja ist kein Zwang, sondern ein Zeichen chancen-offener Demokratie. Insofern ist auch eine “liberale” Argumentation gegen die nationale Energiestrategie 2050 alles andere als liberal. Sind grünliberale die besseren Liberalen? Wenn “die Liberalen” mit den Referendum-Plänen der SVP sympathisieren, würde ich dies klar mit Ja beantworten.

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Comments to: Grüne Wirtschaft und schöpferische Zerstörung
  • September 16, 2016

    Eine saubere feinstaub- und abgaslose Atomenergie statt technisch zu perfektionieren, abzuschaffen, entbehrt jeglicher Logik der Ökologie und Ökonomie. Es wird uns zurück ins Mittelalter katapultieren, aber nicht ohne zuvor Milliarden von Geldern nutzlos aus Privathaushalten abzuziehen und die Kaufkraft weiter zu schmälern.

    ZITAT «Insofern ist auch eine “liberale” Argumentation gegen die nationale Energiestrategie 2050 alles andere als liberal.»
    Im vorherrschenden Neoliberalismus wird inzwischen alles als liberal etikettiert, was promoviert werden soll, im Irrtum, das Wort sei noch immer positiv besetzt. Ist es nicht; im Gegenteil, Assoziationen zu Raubtierkapitalismus und Sozialdarwinismus als Globalisierungsproduk​t sind weitaus treffender.

    “Atoma​usstieg” ist der neue “Jugendschutz”

    Erd​öl ist ein Naturprodukt sowie auch dessen Verbrennung natürlich ist. Die industriell hergestellten chemischen Verbindungen aus Erdöl, wie bspw. Plastik sind hingegen tatsächlich ein Verbrechen gegen der Natur und hätte bereits in den 1970ern oder noch früher verboten werden müssen. Doch die Gier überwog.

    Heute ist es zu spät. Die gesamte Erde ist längst damit in Micro- und Nanopartikelgröße verseucht, insbesondere unsere Nahrungsmittel-Ressou​rcen. Spätestens bei der kommenden Hungersnot sollte man den opportunistischen grün-schwarzen Stimmungsmachern nur noch Geldscheine zu essen geben.

    Elektroauto​s sind eh nur eine Modeerscheinung, kurzzeitig für einige wenige lukrativ, für andre ein kurzzeit-geschichtlic​hes Statussymbol des Gutmenschentums; als Demonstration der Zugehörigkeit einer grünen Welle, die ebenso trügerisch ist, wie die Schädlichkeit von Passivrauch, ausschließlich von Tabak – Oder sind Dieselabgase inzwischen zum Medikament arriviert? Diese Spielchen haben mehr mit einer Skizze eines Kunstmalers zu tun als mit Klima- oder gar Umweltschutz.

    ZITA​T «Eine Politik, die von einer wohlhabenden Elite geprägt wird, läßt schöpferische Zerstörung nicht zu; aber letztere treibt das Wachstum in einer chancen-offenen Demokratie.»
    Dieser Witz war gut! War es nicht die Elite des 19. und 20. Jahrhunderts, ist es nicht die Elite, die bis heute darauf gesch****** hat?

    ZITAT «Ein Ja ist kein Zwang, sondern ein Zeichen chancen-offener Demokratie.»
    Auch wenn Sie Ihre Neusprech-Definition einer bisher unbekannten Regierungsform namens “chancen-offene Demokratie” nicht mitteilen, kann man glaublich ohne großes Risiko der Blamage annehmen, daß dies wieder irgend so eine politische Worthülse ist, die die Demokratie (Demos + Kraten) weiter schwächen soll.
    In einem aber gebe ich Ihnen recht, Herr Lüthi, der Zwang und die Abzocke kommen erst NACH dem JA!

    Abschließend bin ich der persönlichen Meinung, daß mehrheitlich das kostenintensive “Grünzeugs” für die stattfindende Erosion des Mittelstandes verantwortlich ist. Sind Sie und Ihre Auftraggeber bereit, auch nach zehn oder zwanzig Jahren für die daraus entstehenden gesellschaftlichen Konsequenzen geradezustehen?

    Ca​rolus Magnus

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    • Juli 19, 2021

      >Sind Sie und Ihre Auftraggeber bereit, auch nach zehn oder zwanzig Jahren für
      >die daraus entstehenden gesellschaftlichen Konsequenzen geradezustehen?

      Ic​h weiss nicht, von welchen Auftraggebern Sie sprechen (wenn es eine finanzstarke Solarlobby gäbe, würden nicht die grünen Giftschlangen dominieren… Ich arbeite ingenieurs-mässig für Bürgerbeteiligungs-Ge​nossenschaften). Aber ja, ich bin bereit, dafür gerade zu stehen – wenn Sie anderseits bereit sind, die Konsequenzen zu tragen, wenn wir nicht auf erneuerbare Energien umsteigen. Erhalte ich auch eine Erfolgsbeteiligung bei positiven Konsequenzen im Vergleich Atom-Szenario?

      China finanziert zwar das (teure) AKW Hinkley Point, baut jedoch viel mehr und schneller Solar- und Windkraft zu. Was spricht dagegen? Saisonal ergänzen sie sich die erneuerbaren; sofern es noch Mehrkosten gibt, sind dies Zahlungen an Arbeiter – und keine Knappheitsrenditen an Spekulanten (und Terror-Finanzierer).

      Die “Industrie-Elite” hat sich erst im Verlauf vom 19.Jahrhundert entwickelt – der Adel hätte diese Entwicklung nur zu gerne unterdrückt. Mir ist die entstandene Erdöl-Oligarchie auch sehr unsympathisch; und das Sozialismus-Bashing der Ökonomen mag ich auch nicht – immerhin ist’s ein gut gemeinster Problemlösungsansatz.​ Doch gewisse Überlegungen aus Daron Acemoglu’s Buch “Why Nations Fail” über die wachstumshemmende Angst vor schöpferischer Zerstörung finde ich spannend. Nur vernachlässigt er den Aspekt vom Erfolgsfaktor Energiezugang, der in Ian Morris “Why the West Rules” besser beschrieben ist.

      Ja, Atomkraft wäre schon toll, aber ich möchte einfach wirklich nicht dafür haften. Und während Erneuerbare stets preiswerter werden, wird Hinkley Point immer teurer… Jedenfalls ist die zugesicherte Atomstrom-Vergütung mit 92.5 GBP/MWh höher als die Windkraft-Vergütung. Und wie gesagt, im Winter weht der Wind, im Sommer scheint die Sonne, und zumindest in der Schweiz haben wir genug puffernde Wasserkraft – wo ist das Problem?

      Für ein Update zum Stand der erneuerbaren Energien kann ich http://www.ren21.net/gsr empfehlen, auf Seite 81 von diesem Global Status Report finden Sie eine interessante Kostenübersicht.

      Mit sonnigen Grüssen
      Heini Lüthi

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    • Juli 19, 2021

      «China finanziert zwar das (teure) AKW Hinkley Point, baut jedoch viel mehr und schneller Solar- und Windkraft zu.»
      China hat eine ganz andre Topografie, viel mehr Platz und die Wüste wandert im Eiltempo auf Peking zu. Dort geflügelte Turmbauten hinzustellen würde Sinn machen, nicht aber in der Schweiz, das inzwischen touristisch einem Disneyland gleicht.
      Und China hat eines begriffen, womit wir Westler noch heute Berührungsängste haben, nämlich das “Sowohl, Als Auch”. Warum geht es in der Schweiz immer um “Entweder, Oder”, damit etwas in die Gänge kommt?

      Auch Großbritannien baut zurzeit (oder in Planung) AKW-Anlagen, die 7% des britischen Strombedarfs in Zukunft abdecken sollen.
      Wir liegen geo- und meteorologisch im Westwindgürtel. Mit einem Atomstopp schützen wir somit im Falle eines nicht zu erwartenden GAUs bestenfalls die Deutschen und Österreicher. Den Ängstlichen sei deshalb mitgeteilt, daß die rund 65 AKWs in Frankreich, das intelligenterweise weiterhin auf Atomstrom setzt, seinen zwar nicht zu erwartetenden, aber dennoch mit winzigem Restrisiko möglichen Fall-Out dann direkt in die AKW-freie Schweiz blasen würde.
      Schon das zehnjährige technische Forschungsmoratorium,​ das vor dem “Ausstieg” oktroyiert wurde zeugt von wenig Weitsicht.
      Ich versichere Ihnen, die Gefahr eines Tsunamis ist in der Schweiz zu 100% nicht gegeben. Deshalb sollten AKWs mit japanischer Technologie aufgestellt werden, und die alten endlich abgeschaltet werden.

      HAFTUNG: Niemand haftet für AKW Unfälle, nicht mal Versicherungen. Auch das Wetter oder Klima läßt sich nicht versichern.

      Auftra​ggeber: Politiker sind dem Einfluß von rund 200 Lobbyisten mit Eintrittskarte zur Wandelhalle ausgesetzt. Etliche Parlamentarier sitzen in Verwaltungsratsgremie​n ein und machen die wirtschaftlichen Gesetze dort gleich selbst. Zu welcher Gruppe Sie gehören, weiß ich allerdings nicht. Ich weiß aber, daß man im Parlament hauptsächlich untereinander mit JA- und NEIN-Stimmen handelt. Es ist ein regelrechter Basar und läßt gut verstehen, weshalb Informationen zu den Abstimmungen der Parlamentarier nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Man stemmt sich seit vielen Jahren vehement dagegen, was heißt, daß es offenbar etwas zu verstecken gibt, und das nicht zu knapp, gemessen am Widerstand.

      Ich gehe mit Ihnen bzgl. der schöpferischen Zerstörung zwar schon lange einig, nicht aber mit dem Objekt, das zerstört werden soll. Insbesondere, da der Schnellschuß aus der Hüfte des, während weniger Monate aus vier Damen bestehenden Bundesrats stattfand, als alternative Technologie (Wind, Solar) noch gar nicht aus dem Prototyp-Stadium heraus war, und das Speicherproblem ist auch noch nicht gelöst. Es existiert ja noch nicht einmal ein intelligentes Konzept. Hautsache aussteigen, Hauptsache, es wird nicht geraucht.

      Abschlie​ßend weise ich noch auf das technische Chaos in Deutschland hin. Dort dauerte die Euphorie des sogenannten Atomausstiegs Merkels gerade mal ein Jahr. Heute ist dieses Thema auf der Tabu-Liste der deutschen Medien.

      Carolus Magnus

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    • Juli 19, 2021

      Der Austausch freut mich. Ich wohne in St.Gallen; da netterweise die Österreicher kein AKW haben und jenes im Rheintal verhindert wurde, betrifft es mich persönlich vermutlich nicht, wenn sich die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung dem Atomrisiko aussetzen will. Wird einfach etwas teuer, wenn wir neue Ost-West-Verkehrswege​ durch die Alpen bauen müssen, weil das Schweizer Mittelland kontaminierte Zone ist. Kostenschätzung Fukishima-Folgen 140 Mrd CHF, 100’000 Personen sind auch noch nach 5 Jahren evakuiert – und im Umkreis der CH-AKW wohnen deutlich mehr Leute…

      > HAFTUNG: Niemand haftet für AKW Unfälle, nicht mal Versicherungen.

      Ja, das ist ein Problem. Deshalb würde ich das Risiko möglichst bald vermeiden. Die Initiative zum geordneten Atomausstieg regelt eine maximale Laufzeit – sie AKW werden nicht von heute auf Morgen abgestellt. Und heute haben wir ganz einfach zu viel Kraftwerke am Netz – deshalb die tiefen Strompreisen, bei denen weder AKW noch erneuerbare Energien wirtschaftlich betrieben werden können.

      > alternative Technologie (Wind, Solar) noch gar nicht aus dem Prototyp-Stadium
      > heraus war,

      Ich war bereits einige Jahre vor Fukushima schon in China zum Bau von Solarfabriken – das waren Milliardeninvestition​en und alles andere als Prototyp-Versuche. Dem ren21-Global Status Report können sich selbst ein Bild vom Status der Erneuerbare Energie Industrie machen – von den Volumen her kann man vielleicht eher die AKW-Industrie als Prototyp-Bau bezeichnen 🙂

      > und das Speicherproblem ist auch noch nicht gelöst.

      Wind, Wasser, Solar ergänzen sich saisonal. Sie mögen die Elektromobilität nicht, und ich bin auch kein Fan der Batterien. Aber die Batterie-Kapazitäten,​ die ggf. in Elektro-Auto-Flotten aufgebaut wird, ist riesig. Sobald ihre Leistung für den mobilen Einsatz nicht mehr genügt, können sie problemlos noch stationär zur Tag/Nacht-Pufferung eingesetzt werden. Second-Life, relativ nachhaltig.

      Technisch lässt sich das lösen. Ökonomisch ist es aus meiner Sicht der Weg des geringsten Risikos. Es ist eine Frage vom politischen Willen.

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