1. Sonstiges

Klamauk und Parteiinteresse verdrängen Parlamentsarbeit!

In ihrer Me­dien­mit­tei­lung vom 10. Juni erklären die jung­frei­sin­ni­gen,​ dass wir den Ein­druck nicht los­wer­den, dass die SVP mit der Unterstützung der Mo­tion Baet­tig “Er­leich­terte In­te­gra­tion grenz­na­her Re­gio­nen als Schwei­zer Kan­to­ne” sich ent­we­der einen gro­ben Scherz er­laubt oder aber einen ra­di­ka­len Kurs­wech­sel einschlägt. Die Mo­tion Baet­tig wurde in den Me­dien breit dis­ku­tiert, da viele be­kannte Ex­po­nen­ten der SV­P-Frak­tion den Vor­stoss unterstützen. Wenn häufig sol­che Mo­tio­nen ein­ge­reicht wer­den, brau­chen wir uns nicht zu wun­dern, dass die drin­gen­den und wich­ti­gen Geschäfte nur schlep­pend vor­an­kom­men! Hier sorge ich mich nicht nur um die Qualität der Schwei­zer Po­li­tik, son­dern auch um das An­se­hen im Ausland.

 

Die Idee der Motion ist im Grundsatz, dass neue Regionen der Schweiz beitreten könnten. Dazu wird, gleich einem Menue im Restaurant, eine Auswahl an potentiellen neuen Kantonen geboten. Die Schweiz als Kind im Bonbonladen, das sich nicht entscheiden kann? Absurd. Damit gibt sich nicht nur die SVP freiwillig zum Abschuss frei, sondern schadet der Schweizer Politik im Gesamten. Wie die Recherchen verschiedener Tageszeitungen ergeben, ruft das Ansinnen bei den ausländischen Regierungen vor allem Gelächter hervor. Dies torpediert das Image der Schweizer Politik aufs Gröbste – flicken müssen es andere.

 

Lustig an der Geschichte ist, dass die Idee entweder ein Witz oder ein ultraradikaler Wechsel der politischen Linie der SVP ist. So setzt sich die SVP stets lautstark gegen die Personenfreizügigkeit​ ein, würde allerdings mit einem Zuzug von beispielsweise Baden-Württenberg problemlos eine Masseneinbürgerung befürworten. Auch wetterte die SVP aufs Heftigste gegen den “Deutschen Filz” an Schweizer Universitäten. Millionen von Deutschen, die plötzlich zu integrieren wären, würden aber offensichtlich keine Probleme mit sich bringen. Wird die SVP, selbst erklärte Gralshüterin der Schweizer Werte und der Neutralität, fortan zur “Neugestaltenden Kraft Europas?”. Man darf gespannt sein.

 

Traurig an der Geschichte ist, dass diese Effekthascherei symptomatisch wird. Die SVP stellte etwa beim UBS-Staatsvertrag ihre Parteipolitik in den Vordergrund. Man wird den Eindruck nicht los, dass gewisse Parteien um jeden Preis vor allem Redezeit in Fernsehen und Zeilen und Bilder in der Zeitung wollen. Diese Profilierung löst die Probleme nicht, im Gegenteil. Auch wenn bald Wahljahr ist, wünschen sich die jungfreisinnigen, dass die Bundeshausfraktionen die wichtigen Geschäfte seriös behandeln. Motionen à la Baettig dürfen selbstverständlich nach getaner Arbeit diskutiert werden – aber in der Gartenbeiz! Prost Schnapsidee!

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Comments to: Klamauk und Parteiinteresse verdrängen Parlamentsarbeit!
  • Juni 13, 2010

    Das vertreibt den Stimmbürger und er bleibt am Wahltag lieber zuhause als einigen Clowns die Stimme zu geben. Solche Aktionen vertreiben mehr Stimmbürger als mit dem besten Staatskundeunterricht​ gewonnen werden können.

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    • Juli 11, 2010

      @ Hans Meier dannwäre es besser die grossen Parteien ab zu wählen und die kleinen Parteien den Vortritt lassen wäre doch eine Idee

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  • Juli 13, 2010

    Ich kann es verstehen, dass die SVP lieber die Leute mit der dazugehörigen Infrastruktur in der Schweiz haben will. Wird ein deutsches Bundesland eingebürgert, so bleiben die Leute dort wo sie sind. Jetzt sind alle Einwanderer in Zürich und kämpfen mit um jede freiwerdende Wohnung und um jeden Parkplatz.

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