1. Bildung & Forschung

Mehr Bildung für alle – berufliche und akademische Bildung!

Akademische Bil­dung oder be­ruf­li­che Bil­dung? Gym­na­sium oder Leh­re? Die Bil­dungs­de­batte ent­brannte kürzlich neu, ausgelöst durch eine wenig fun­dierte Pu­bli­ka­tion der Aka­de­mien Schweiz unter dem Titel Weiss­buch.

Klar ist, das duale System, die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, ist ein nationaler Trumpf. Unser differenziertes Bildungssystem mit höherer schulischer Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen einerseits und mit den Berufsausbildungen andererseits bringt uns grosse Standortvorteile. Da die duale Ausbildung neben der Schweiz nur in Deutschland und Österreich existiert, werden statistische Ländervergleiche oft falsch interpretiert. Tatsache ist, dass wir weltweit die geringste Jungendarbeitslosigke​it haben, Zahlen, von denen der Pisa-Spitzenreiter Finnland nur träumen kann. Unsere arbeitsmarktorientier​te Bildung ist somit eine zentrale Stütze der Schweizer Wettbewerbsfähigkeit.​ Daher dürfen die duale Berufsbildung nicht gegen die akademische Ausbildung ausgespielt werden. Es gilt aber unser System zu optimieren und zu stärken. Denn die Schweiz befindet sich in einem Wettbewerb, in einem Bildungswettbewerb mit der ganzen Welt, insbesondere auch mit aufstrebenden Ländern wie Indien und China. Dazu müssen wir uns rüsten mit Mitteln, mit Leistung und mit Qualität.

Leider wurde die nationale Bildungsstrategie Harmos in mehreren Kantonen abgelehnt, obwohl mehr als 86% der Schweizerinnen und Schweizer am 21. Mai 2006 dem neuen Bildungsverfassungsar​tikel zugestimmt haben. Harmos wird die Ausbildung unserer Kinder stärken, auch mit einer frühen Einschulung. Die Frühförderung bringt mehr Chancengleichheit, gerade auch für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Eigenartigerweise kämpfen die Harmos-Gegner, an vorderster Front die SVP, gegen nationale Bildungsstandards und gleiche Lernziele. In der Berufsbildung haben wir diese nationale Harmonisierung schon lange. Dort hat der Bund die strategische Steuerung und Entwicklung und die Qualitätssicherung. Er sorgt für Vergleichbarkeit und Transparenz der Angebote im gesamtschweizerischen​ Rahmen, er erlässt die über 200 Verordnungen über die berufliche Grundbildung und genehmigt die Prüfungsordnungen und Rahmenlehrpläne der höheren Berufsbildung. Während das duale System unter Führung des Bundes voll und ganz akzeptiert wird, bestehen bei den gleichen Kreisen grosse Bedenken gegen eine nationale Steuerung der obligatorischen Schule. Doch Konsequenz und Logik im politischen Verhalten ist nicht einforderbar. Für die CVP aber gilt: Wir stehen zu unseren bewährten Strukturen und verschliessen uns andererseits nicht den neuen Herausforderungen. Das duale System darf und soll weiter entwickelt werden. Und Harmos verdient eine zweite Chance – in den Kantonen mit ablehnenden Entscheiden.

Mehr Bildung ist daher das beste Rezept, um die vielen Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

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Comments to: Mehr Bildung für alle – berufliche und akademische Bildung!
  • Juni 6, 2010

    Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein, dass das duale System eine Stärke der Schweiz ist, die Schweiz sich in einem starken Bildungswettbewerb befindet und wir uns weiterentwickeln müssen.
    Ich glaube aber nicht, dass alleine die Definition nationaler Bildungsstandards die Bildung verbessert wird. Was es zusätzlich braucht ist ein Qualitätsmanagement, welches misst wie gut ein Lehrer oder eine Schule die nationalen Ziele erfüllt. Jeder weiss, dass es Lehrer gibt bei denen man viel mehr lernt als bei anderen und alle gängigen Studien im Bildungsbereich sagen, dass primär der Lehrer Qualitätsunterschiede​ in der Bildung erklärt.

    Möchte man die Bildung daher wirklich verbessern, sollte man meiner Meinung nach aufhören darüber zu diskutieren, wer wo mehr Geld erhält. Man sollte erst ein sauberes Qualitätsmanagement einführen. Misst man die Qualität erhält der Lehrer ein direktes Feedback und kann daraus lernen und die Politik weiss, wo das heute bereits eingesetzte Geld auch wirklich was bringt und wo nicht.

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  • Juni 6, 2010

    Wer kann dem nicht zustimmen, wohl niemand! Die Probleme liegen im Detail. Das wie würde mich interessieren.

    Zum Bildungsstandard: Welchen Standard? Wer ist dafür verantwortlich? Wer definiert den Standard?
    Unis: Ist die Politik, d.h. Mittelvergabe des SNF standortfördernd? Erfüllen die Unis die Ansprüche der Wirtschaft?

    usw….

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  • Juni 6, 2010

    In der Tat ist es so, dass die Schweiz mit dem dualen Bildungssystem erhebliche Vorteile verglichen mit anderen Ländern hat. Jedoch ist es nun einmal auch so, dass wir in unserer (wie auch in jeder anderen) Gesellschaft leistungsstarke und leistungsschwache Schülerinnen und Schüler haben. Jeder dieser Lernenden hat das gleiche Recht, seinem Bedürfnis entsprechend gefördert zu werden, sowohl in der Volksschule als auch in der Wirtschaft bzw. auf der Universitätsstufe. Bei einigen Kindern mag eine Frühförderung durchaus angebracht sein, jedoch werden andere Schüler durch die frühere Einschulung möglicherweise überfordert.

    Anstelle weiter über die Vor- und Nachteile von Harmos zu streiten sollte man sich überlegen, ob nicht unser integratives Schulsystem zu einer Verschlechterung unserer Schulen beiträgt. Oft ist es in Klassen mit 24 Schülern schlicht nicht möglich, auf jeden einzeln einzugehen, auch wenn jeder Klasse für einige Stunden pro Woche eine Heilpädagogin zur Verfügung steht. Dies hat zur Folge, dass die Lehrperson das schulische Niveau nach unten anpasst, wobei die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler auf der Strecke bleiben. Falls weitergefahren wird wie bisher, werden weitere Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Diese Schulen müssen dann die Eltern selbst berappen und die Kantone bzw. Gemeinden sind fein raus.

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  • Juni 9, 2010

    Einverstanden – in der Bildung finden wir die Rezepte, um die uns harrenden Herausforderungen meistern zu können.

    Nun, zur Bildung gehört aber auch die Erziehung und dort sollten wir uns an Friedrich Fröbel erinnern: Bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein.

    Diesen Grundsatz scheinen wir mehr und mehr zu vergessen.

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