1. Gesundheitswesen

Schluss mit mittelalterlicher Gesundheitspolitik!

Wollen wir tiefere Krankenkassenprämien?​ Die Ant­wort lau­tet ja, wenn wir uns ge­sund fühlen und nein, wenn wir ge­rade ans Kran­ken­bett ge­fes­selt sind. Dann wol­len wir auf ein­mal die bestmögliche Ver­sor­gung mit Ge­sund­heits­leis­tu​n­gen, was natürlich sei­nen Preis hat. Ein­zig die Kran­ken­kas­sen sind wi­der­spruchs­frei an tiefe­ren Kos­ten im Ge­sund­heits­we­sen in­ter­es­siert, da sie jedes Jahr ihren überwiegend ge­sun­den Ver­si­cher­ten die immer bes­ser und teu­rer wer­den­den Ge­sund­heits­leis­tu​n­gen über Prämienerhöhungen ver­mit­teln müssen. Die Überbringer schlech­ter Bot­schaf­ten hat­ten schon immer einen schwe­ren Stand. Daher ver­wun­dert es kaum, dass mit der Ein­heits­kran­ken­ka​sse ein um­fas­sen­des Köpferollen auf der po­li­ti­schen Agenda steht.

Mittelalterli​ches Denken bleibt nach wie vor salonfähig. Viele Zeitgenossen meinen noch immer, freie Märkte umfassend bändigen und die Marktteilnehmer z.B. aus sozialpolitischen Gründen entmündigen zu müssen. Markteingriffe provozieren aber immer Ungleichgewichte und somit neue Probleme, die wiederum Interventionen erfordern. Unser Gesundheitswesen ist hierfür exemplarisch: Die verordnete Einheitsprämie führt zur Risikoselektion und diskriminiert daher gesundheitlich benachteiligte Personen. Dagegen wurde ein Risikoausgleich geschaffen, der aber nur unzureichend funktioniert. Hinzu kommen ein überladener Katalog mit medizinischen Grundleistungen und 26 Gesundheitsdirektoren​, die sich mit der gesundheitspolitische​n Gesamtplanung in ihren Kantonen abmühen.

Über ein Drittel aller Versicherten ist heute auf Prämienvergünstigunge​n angewiesen. Höchste Zeit also, das Gesundheitswesen umzukrempeln. Einheitsprämie, Risikoausgleich, Vertragszwang und staatliche Spitalplanung haben im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren. Eine moderne Gesundheits- und Sozialpolitik nutzt Marktkräfte, um sich zu alimentieren. Die Kontrolle oder Ausschaltung von Märkten mittels Interventionen ist hingegen kräftezehrend und hinterlässt zu viele Opfer – insbesondere die Freiheit.

People reacted to this story.
Show comments Hide comments
Comments to: Schluss mit mittelalterlicher Gesundheitspolitik!
  • Oktober 14, 2011

    Zitat: “Viele Zeitgenossen meinen noch immer, freie Märkte umfassend bändigen und die Marktteilnehmer z.B. aus sozialpolitischen Gründen entmündigen zu müssen.”

    Bei den Krankenkassen von einem “freien Markt” zu reden, zeugt von wenig Kompetenz (sowohl bezüglich “freier Markt” als auch bezüglich KK). Das Leistungsangebot ist standardisiert (Grundversicherung), somit ist es ein Witz, überhaupt verschiedene Prämienhöhen (sogar bis zu Faktor 3 unterschiedlich) zu haben. Und alle Kunden sind Zwangskunden (obligatorische KV). Ausserdem finden zwischen den KKs Ausgleichszahlungen statt. Und auf der Leistungsseite kann sowieso nicht von einem freien Markt gesprochen werden — im Gesundheitswesen wäre das auch im wahrsten Sinne fatal. Denn dann gilt: Wer nicht “lohnt” bzw. zuwenig Geld hat, den lässt man sterben.

    Report comment
    • Juli 19, 2021

      Die Grundversicherung umfasst tatsächlich einen sehr umfassenden Leistungskatalog, der gelegentlich einmal etwas entrümpelt werden müsste. Eine minimale Grundversicherung zwangsweise durchzusetzen macht aber Sinn, da jeder im Krankheitsfall mit dem Nötigsten versorgt werden soll. Daran möchte ich nicht rütteln. Standardisierte Leistungsangebote erfordern aber nicht unbedingt einheitliche Prämien. Die Krankenkassenprämien ergeben sich im Prinzip aus den Verhandlungen der Versicherer mit den Leistungserbringern im Gesundheitswesen. Ferner spielt auch eine wichtige Rolle, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Versicherter Gesundheitsleistungen​ in Anspruch nehmen muss. Da diese Wahrscheinlichkeiten bzw. Risiken je nach Person unterschiedlich sein können, ergibt sich hieraus indirekt die oft und zu Recht beklagte Jagd nach guten Risiken.

      Die Jagd nach guten Risiken ist aber kein marktwirtschaftliches​ Phänomen, sondern die Folge eines staatlichen Eingriffs in Gestalt der Einheitsprämie bzw. Kopfprämie. Die pro Prämienregion und Altersgruppe festzulegende Einheitsprämie ist ein klassischer Fall von Preismanipulation, die praktisch in jedem Fall negative Folgeerscheinungen provoziert.

      Ich möchte die Auswirkung der Einheitsprämie am Beispiel eines Supermarktes skizzieren: Ein Supermarkt hat nun auf einmal die staatliche Vorgabe, bei allen Kunden denselben Betrag einzukassieren (Einheitsprämie), egal was und wie viel der Kunde einkauft. Logischerweise bevorzugt der Geschäftsführer nun jene Kunden, die mit kleineren Warenkörben an der Kasse anstehen, da diese unter der neuen Regelung bessere Margen abwerfen. Kunden mit sehr grossen Warenkörben (bzw. Versicherte mit hohem Krankheitsrisiko) versucht der Geschäftsführer hingegen zu meiden, da er bei diesen Kunden seine Ware unter Einstandspreis verkaufen muss, was für den Supermarkt existenzbedrohend ist.

      Warum sollte für Krankenkassen nicht gelten, was heute für jeden Supermarkt selbstverständlich ist? Jeder bezahlt für seinen Warenkorb den entsprechenden Wert bzw. den vollen Preis aller eingekauften Artikel. Für jemand, der ein höheres Krankheitsrisiko hat, ist das Leistungsversprechen der Krankenkassen wertvoller als für jene, die praktisch nie Gesundheitsleistungen​ beanspruchen. Daher gehen individuell abgestimmte Preise bzw. Krankenkassenprämien grundsätzlich in Ordnung. Die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken gälte weiterhin, aber neu nur noch pro Risikogruppe. Es darf natürlich niemand gezwungen werden, Daten offenzulegen, die eine Einschätzung über seine individuellen Gesundheitsrisiken ermöglichen. Es spricht aber nichts gegen eine freiwillige Selbstdeklaration. Eine sozialpolitische Intervention via Prämienmanipulation drängt sich nicht auf, da bei Weitem nicht alle Personen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko finanziell bedürftig sind. Gezielte Unterstützungen für die Armen machen mit Sicherheit mehr Sinn.

      Ich möchte mich bei Ihnen abschliessend noch für das korrekte Zitieren einer meiner Aussagen bedanken 😉

      Report comment
  • Oktober 15, 2011

    Da von einem freien Markt zu reden ist pervers. Die Kunden sind da die Kranken und Verletzten! Wen mich die Sanität verletzte aus dem Auto zieht, hole ich doch nicht verschieden Rettungsangebote ein. Das Spital ist mir dann in diesem Moment ebenso egal. Der Kunde bestimmt in diesem System nichts! Er ist den Leistungserbinger ausgeliefert.

    Das ganze muss effizient und kostengünstig erbracht werden. Dazu gehört eine ehrliche staatliche Kontrolle. Solange jedoch zu viele gekaufte Politiker ihre Geldgeber die Gewinne ermöglichen, wird sich nichts ändern. Das zweite wäre die Abschaffung des Kantönligeistes. Da stehen viel zu viel Spitäler rum. Wir brauchen zudem nur ein Transplantationszentr​um für die Schweiz. Ich glaube wir haben in etwa 5 bis 6. Politiker sind jedoch nicht fähig sich auf einen Standort zu einen. Warum nicht zum Beispiel in Biel? Zweisprachig und +- für alle gleich erreichbar.

    Report comment
    • Juli 19, 2021

      FALSCH! Die Kunden sind die Versicherten und nicht die Kranken oder Verunfallten. Auf der Anbieterseite stehen die Krankenversicherer, welche in Zusammenarbeit mit den Leistungserbringern im Gesundheitswesen für die Bereitstellung des von den Versicherten gewünschten Angebotes (Ärzte- und Spital-Leistungen) verantwortlich sind. So und nicht anders sähe die Marktlösung aus. Eine Vielzahl von staatlichen Eingriffen führte zur heute unbefriedigenden Situation im Gesundheitswesen. Höchste Zeit also, etwas mehr Marktwirtschaft zu wagen.

      Im Übrigen teile ich aber einige Ihrer Einschätzungen im zweiten Abschnitt 😉

      Report comment

Write a response

Neuste Artikel

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

  1. Ja und unser Bundesrat ist ebenfalls dabei zusammen mit der EU unser liberales Waffengesetz "pragmatisch" zu zerstören. BR Sommaruga am…

Vimentis Login

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu