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Schweizer Qualität dank Goldreserven

Alan Green­span, ehe­ma­li­ger Präsident der US-No­ten­bank, ver­fasste im Jahr 1966 eine kleine Schrift mit dem Titel „Gold und wirt­schaft­li­che Freiheit“. Darin hob er den Wert der Gold­re­ser­ven als Schutz für den ein­zel­nen Bürger und des­sen Er­spar­nisse her­vor. „Ohne Gold­stan­dard be­steht keine Möglichkeit, Er­spar­nisse vor einer Kon­fis­ka­tion durch In­fla­tion zu schützen.“ Treffend ent­larvte Green­span die ei­gent­li­chen Mo­tive für eine Auf­he­bung des Gold­stan­dards: „Die Feind­schaft gegen den Gold­stan­dard in jeg­li­cher Form durch eine wach­sende Zahl von Wohlfahrtsstaat-Befür​wortern wurde von einer ganz an­de­ren Ein­sicht ver­ur­sacht – nämlich der Er­kennt­nis, dass der Gold­stan­dard un­ver­ein­bar ist mit chro­ni­schen Haushaltsdefiziten.“

 

Wie Recht Greenspan doch hatte: Rund 5 Jahre später, am 15. August 1971, kündigte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Bindung des Dollars an Gold auf. Weshalb? Nixon brauchte mehr Geld, um den Vietnam-Krieg finanzieren zu können. Der Goldstandard und damit die Bindung an finanzpolitische Verantwortung verunmöglichten es, ständig neues Papiergeld zur Finanzierung neuer Ausgaben erhältlich zu machen. Der Wegfall des Goldstandards als Disziplinierungsinstr​ument der US-Politik leitete einen damals unvorstellbaren Kurszerfall des Dollars und insoweit eine faktische Enteignung der Sparer ein. Im Jahr 1971 hatte ein US-Dollar einen Wert von 4.30 Schweizer Franken. Heute erhält man für einen Dollar nicht einmal mehr einen ganzen Schweizer Franken.

 

Unüberle​gter Ausverkauf von Gold

In der Schweiz blieb die Goldbindung der Währung zunächst in der Verfassung bestehen. Sie wurde erst mit Annahme der neuen Bundesverfassung am 18. April 1999 sowie dem darauffolgenden Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel (WZG) rechtlich aufgehoben, faktisch bestand sie allerdings schon vorher nicht mehr. Immerhin hatte die bisherige Rechtslage zur Folge, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Goldreserven unter dem Marktpreis bewerten musste und jedenfalls nicht ohne weiteres verkaufen konnte. Diese Vorgabe hatte heilsame Auswirkungen: Sie verhinderte, dass die Goldreserven zum Spekulationsobjekt wurden. Denn unmittelbar nach dem Wegfall der gesetzlichen Vorgaben um die Jahrtausendwende begann die SNB, als „überschüssig“ taxierte Goldreserven zu verkaufen. Im Durchschnitt stiess die SNB pro Handelstag eine Tonne Gold ab. Heute machen die Goldreserven weniger als die Hälfte der Menge vor Annahme der neuen Bundesverfassung aus. Rückblickend muss dieser Goldausverkauf als überstürzt betrachtet werden, im Vergleich mit dem heutigen Goldpreis verkaufte die SNB die Reserven damals fast zu Discount-Preisen.

 

Mit dem Erlös aus den Goldverkäufen wollte der Bundesrat unter anderem die Stiftung „Solidarische Schweiz“ ins Leben rufen. Die Stiftung war eine Konzession an die US-amerikanischen Kreise, welche die Schweiz in den 1990er Jahren aufgrund angeblicher Verfehlungen im zweiten Weltkrieg mit Drohungen und Milliardenklagen erpressten. Der Verdacht liegt damit nahe, dass die Goldverkäufe der SNB auch aus politischem Druck erfolgen sollten. Das Schweizervolk lehnte die Schaffung einer solchen Stiftung im September 2002 schliesslich ab.

 

Goldinitiativ​e: Schutz der schweizerischen Unabhängigkeit

Hier setzt die Goldinitiative an, über die wir am 30. November 2014 abstimmen. Die Schweizer Goldreserven sollen mindestens 20% der Aktiven der SNB ausmachen und unverkäuflich bleiben. Die SNB wird damit vor politischem Druck geschützt, Volksvermögen zu veräussern. Zudem sollen künftig alle Goldreserven in der Schweiz gelagert werden. So wird verhindert, dass Schweizer Goldreserven im Ausland plötzlich als Druckmittel gegen die Schweiz eingesetzt werden können. Heute lagert die Schweiz immerhin 30 % ihrer Goldreserven im Ausland (10% in Kanada; 20 % in Grossbritannien). Die Goldinitiative schützt damit – anders als Bundesrat und Parlament behaupten – die Unabhängigkeit der Schweiz ebenso wie der Nationalbank. Die Notwendigkeit solcher zusätzlicher Schutzmassnahmen ist ungebrochen, steht die Nationalbank doch auch heute regelmässig unter politischem Druck von innen und aussen: Die Unabhängigkeit der SNB wird beispielsweise auf die Probe gestellt, wenn SP-Nationalrat und unia-Gewerkschafter Corrado Pardini öffentlich eine Anhebung des Mindestkurses CHF/Euro auf 1.40 verlangt. Latent gefährdet ist die Unabhängigkeit der SNB ebenfalls aufgrund der gesetzlich vorgesehenen Ausschüttung von Nationalbankgewinnen an Bund und Kantone. Die Aussicht auf sprudelnde Einnahmen der SNB löst politischen Erwartungsdruck aus.

 

Euro-Devisen​ als Klumpenrisiko

Schlie​sslich ist die Unabhängigkeit der Nationalbank heute aufgrund der milliardenschweren Euro-Devisen in Frage gestellt: Im Gefolge der Finanzkrise erhöhte die SNB ihre Devisenbestände massiv, um den Franken zu schwächen und namentlich die Exportindustrie zu stützen. Die Bilanzsumme der SNB beträgt derzeit über eine halbe Billion Franken, 90 % davon bestehen aus Devisenanlagen. Die SNB hortet allein Euro-Devisenanlagen im Wert von umgerechnet über 210 Milliarden Fr. (Stand: Ende 3. Quartal 2014). Ende des Jahres 2009 waren es noch umgerechnet ca. 55 Milliarden Fr. Mit Blick auf derartige milliardenschwere Euro-Reserven besteht das Risiko einer Abhängigkeit der Nationalbank von der Kursentwicklung einer fremden Währung. Die Forderung der Goldinitiative nach einem Mindest-Goldanteil von 20% gewährleistet, dass die SNB nicht mehr (aus politischem Druck) unbeschränkt Devisen anhäuft, ohne gleichzeitig über eine solide Sicherheit – Gold – zu verfügen.

 

Trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und des Deflationsrisikos auf dem europäischen Festland gilt es überdies zu bedenken: Wenn sich Europa wirtschaftlich zu erholen beginnt, wird die SNB nur mit Mühe die in den letzten Jahren massiv ausgedehnte Geldmenge an Schweizer Franken wieder rechtzeitig reduzieren können, ohne gleichzeitig die Konjunktur im eigenen Land abzuwürgen. Längerfristig droht eine massive Inflation. Ausreichende Goldreserven können hier das Vertrauen in die Währung stärken bzw. erhalten und den Sparer vor einer inflationsbedingten faktischen Enteignung schützen.

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Comments to: Schweizer Qualität dank Goldreserven
  • November 27, 2014

    True, true, man!

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  • November 28, 2014

    Was hat schweizer Qualität mit Goldreserven zu tun?

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    • Juli 19, 2021

      Die Goldreserven, Herr Kneubühl, stellen die Qualität dar, mit welcher die Schweiz in der Vergangenheit gewirtschaftet hat, um über ebendiese Reserven zu verfügen.

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    • Juli 19, 2021

      Was ist mit dem Gold der Eidgenossen von Schlachten im Mittelalter gegen fremde Vögte? Wurde dieses Gold verscherbelt?

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    • Juli 19, 2021

      Herr Kneubühl

      Das ist wohl ein anderes Thema. Da müssten Sie auch andere Länder in Bezug nehmen, heute noch, welche 3. Weltstaaten ausbeuten und dann sich als Grosshelfer wieder preis tun.

      Und nur so Nebenbei, auch ich habe einen Teil von diesem Gold in der SNB vermutlich geliefert. Auch mein ehemaliges Zahngold dürfte heute da eingeschmolzen liegen. Gefragt hat man mich auch nicht, wird nun die SNB und das Volk auch für diese ungefragte Entnahme von Gold aus der Wirtschaft verurteilt?

      Es ist übrigens nicht nur der Eidgenosse, welcher die Erde ausbeutet für sich und seine “Gier”. Der Mensch tut das und schon früher als im Mittelalter.

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  • November 29, 2014

    Die 2. sogenannte repräsentative GFS-Umfrage vom 19.11.2014 prophezeit eine 47 % Ablehnung und eine 38 % Zustimmung der Gold Ini (15 % unschlüssig). In bin gespannt, um wie viel die Umfrageergebnisse daneben liegen.

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    • Juli 19, 2021

      Es ist schon zu Hoffen, dass die Unschlüssigen noch den richtigen Weg eingehen werden. Ansonsten dürfen wir den hämischen Gesichter der SNB entgegensehen, wenn sie unsere letzten Reserven auch noch verschleudern. Die Bilanz der SNB explodieren lassen und dann das Volk die Gewinnoptimierung der Wirtschaft ausbaden darf.

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    • Juli 19, 2021

      GFS-Umfragen, Herr Brunner, liegen à la longue schampar oft daneben…

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