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Statement zur 1:12-Initiative für gerechte Löhne

Die Mehr­heit der Kom­mis­sion hat mit ihrem Nein min­des­tens drei grosse Chan­cen ver­passt: Ers­tens eine Chan­ce, der elen­den Ab­zo­cke­rei ein Ende zu set­zen, zwei­tens eine Chan­ce, den Reich­tum in die­sem Land end­lich wie­der an die Men­schen rück zu ver­tei­len und zur ökonomischen Rationalität zurück zu keh­ren und drit­tens die Chan­ce, der De­mo­kra­tie wie­der ihre Glaubwürdigkeit zurück zu geben.

 

Schluss mit der Ab­zo­cke­rei der we­ni­gen auf Kos­ten aller!

Die Ab­zo­cker in den Chef­eta­gen haben in den letz­ten Jah­ren un­sere Wirt­schaft mit gütlicher Mit­hilfe der Mehr­heit die­ses Rates in einen re­gel­rech­ten Selbst­be­die­nungs­l​a­den ver­wan­delt. Während die Produktivität seit 1994 um knapp 20 In­d­ex­punkte ge­stie­gen ist, blieb das Wachs­tum der rea­len Medienlöhne mit 6-7 zusätzlichen Pro­zent­punk­ten weit da­hin­ter zurück. Die Zahl der LohnmillionärInnen hat sich seit 1997 von 2700 auf 11’600 mehr als ver­vier­facht. Die 300 Reichs­ten Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer haben ihr Vermögen seit 2009 um satte 50 Mil­li­ar­den erhöht. Das Re­sul­tat ist be­ein­dru­ckend: Gemäss einer Stu­die der Cre­dit Suisse be­sitzt heute das reichste 1% der Schwei­zer Bevölkerung mehr Reinvermögen als die rest­li­chen 99% zu­sam­men. Und gleich­zei­tig ver­die­nen bis zu 400’000 Per­so­nen we­ni­ger als 3500 Fran­ken pro Mo­nat, 700’000 – 900’000 Men­schen sind von Armut be­trof­fen. Während also die Löhne und Vermögen ganz oben re­gel­recht ex­plo­diert sind und sich eine kleine Min­der­heit zu­neh­mend scham­los am ge­mein­sam er­ar­bei­te­ten Reich­tum be­rei­chert, kämpft die grosse Mehr­heit der Men­schen mit sta­gnie­ren­den oder sogar rückläufigen Ein­kom­men, stei­gen­den Mie­ten, Krankenkassenprämien und Le­bens­hal­tungs­kos​­ten – der Ku­chen wird auf dem Bu­ckel der Nor­mals­terb­li­chen​ von unten nach oben und nicht um­ge­kehrt um­ver­teilt. Die­ser scham­lo­sen Ab­zo­cke­rei auf Kos­ten der gros­sen Mehr­heit will die 1:12 In­itia­tive ein Ende setzen. 

 

Die Wirtschaft braucht mehr Gleichheit!

Zweitens​ bietet die 1:12 Initiative die Chance, sich von einer gescheiterten und ideologisch verblendeten Voodoo-Ökonomie zu verabschieden. Die Ideologie der Ungleichheit hat diesen Kontinent in die grösste wirtschaftliche Krise seit dem zweiten Weltkrieg gestürzt. Es ist eben gerade nicht die Konzentration von Kapital in wenigen Händen, die für den Wohlstand der vielen sorgt. Im Gegenteil – und sie können es inzwischen bei Nobelpreisökonomen wie Joseph Stiglitz und Paul Krugman nachlesen – es ist die Ungleichheit, die Krisen provoziert. Sie überakkumuliert Kapital, dass auf der Suche nach Rendite der Spekulation anheim fällt und sie lässt die Massenkaufkraft zusammenbrechen – Um den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt zu paraphrasieren: Die Abzockerlöhne von heute sind die Spekulationsblasen von morgen und die Krisen von übermorgen. Die 1:12 Initiative sorgt nicht nur für mehr Gerechtigkeit, sie ist auch ökonomisch rational.

 

Geben wir den Menschen die Demokratie zurück!

Das vielleicht wichtigste, was die 1:12-Initiative will, ist diesem Land die Demokratie wieder zurück zu geben. Ich wurde von meinen Eltern und in der Schule in dem grossen Versprechen und in der Überzeugung erzogen, dass in diesem, meinem Land das Volk das letzte Wort hat – immer. Und, dass diese grossen Werte von Freiheit und Demokratie mit ihrer festen Verankerung in der Geschichte – 1848 die Bundesverfassung, 1918 der Generalstreik, 1971 das Frauenstimmrecht – die unerschütterliche Grundlage unserer Gesellschaft bilden. Heute hat die rechte Mehrheit in diesem Saal in Zusammenarbeit mit dem Finanzplatz und den grossen Kapitalinteressen diese Demokratie regelrecht verkauft und demontiert. Freiheit und Demokratie gilt nur noch für die Bonzen und Banken, alle anderen sollen gefälligst buckeln, schweigen und gehorchen. Und wehe der, die es wagen sollte auch nur von einer gerechten Verteilung der Steuerlast oder eben anständigen Löhnen unten und oben zu träumen, dem drohen wir mit Arbeitsplatzverlust, Sozialabbau und Delokalisierungen. Sie haben es tatsächlich fertig gebracht, dass sich ein ganzes Volk systematisch dem Willen von ein paar Superreichen, Abzockern und ihren politischen Wasserträgern unterwerfen muss. Heute haben Sie die grosse Chance der Demokratie ihre Glaubwürdigkeit zurück zu geben. Geben Sie sich einen Ruck, vergessen sie die Millionenspenden in ihre Parteikassen, stehen sie einmal für die Mehrheit der Menschen ein, dafür, dass in diesem Land wieder für alle die gleichen Spielregeln gelten – die Menschen haben es verdient! 

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Comments to: Statement zur 1:12-Initiative für gerechte Löhne
  • Oktober 3, 2012

    Herr Nationalrat Cédric Wermuth, SP,

    Mir ist das zu einfach. Einfach die zugegeben „Abzocker Löhne“ anprangern, das noch in der Privatwirtschaft, ist billiger Populismus, mehr nicht.
    Wenn man offen und ehrlich über Löhne diskutieren möchte, und da gewisse Grenzen setzen möchte, „In Staatsbetrieben“, sicher nicht in der Privatwirtschaft, gehört die Leistung die Arbeit mit einbezogen in diese Diskussion.

    Ich kann nicht einfach daherkommen, und jedem für angeblich gleiche Arbeit einen Einheitslohn bezahlen. Ist die Arbeit und Leistung gleich, ist das Recht, gleicher Lohn für gleiche Arbeit gerechtfertigt.

    Üb​rigens, wenn man zu meiner Zeit eine nur Handwerkslehre gemacht hat, wurden von speziell Gymnasium und Studierenden gesagt, so Volksmund, der lernt ja nur Handwerker. Dementsprechend sind dann die Löhne auch für nur Handwerker angepasst worden, logisch nach unten.

    Also erst einmal nachlesen, da Sie jung sind, dafür können Sie nichts, wie sind die Löhne und Arbeitsrechte erst gestiegen, was geschah dass trotz Gewerkschaften die Löhne wieder gesunken sind, dass man sogar von minderwertigen Handwerksarbeiten gesprochen hat welche „nur“ noch Ausländer machen, und so weiter und so fort.

    Alle, (also die Eltern von heute Jungen) inkl den Linken, Netten und Bürgerlichen haben dazu beigetragen, dass diese „Abzockerei“ möglich wurde. Mit einem Gesetz verbieten? Nein, das wäre Kommunismus pur.

    Mehr die Arbeiten und Arbeiter wertschätzen, auch wenn es wie eben einer geschrieben hat, Stammtisch Menschen sind, einfacheren Gemütes…

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  • Oktober 3, 2012

    Das ist purer link-Ro-Grüner NEID! Jeder darf soviel verdienen wie er will und kann. Da kann ich ja gleich in die DDR gehen! OHHH Sorry die gibts ja nicht mehr. Na dann Kuba oder Nordkorea da verdienen alle gleich viel, nämlich NICHTS!

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  • Oktober 3, 2012

    übrigens , ich verdiene unter fr. 3000.– als angestellter (60%) kein 13er monatslohn, keine gratifikation! etwas verdiene ich noch als selbständiger. aber mir reicht das, ich brauche ganz sicher keine sp die mir irgendwelche vorschriften macht. es reicht schon das ihr marxisten es durchgebracht habt, das ein grosser teil der angestellten einen beitrag an die gewerkschaften abliefern müssen, ja müssen! auch wenn sie nicht einer gewerkschaft angeschlossen sind.

    PS: ich darf nicht mehr in grossbuchstaben schreiben das sei (laut vimentis) zu agressiv! hahahahahhahahahhhhaa​aaaaaa welcome back in the ussr!

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  • Oktober 3, 2012

    Ich wäre eigentlich auch der Ansicht, dass ein zwölffacher Lohn des
    am wenigsten Verdienenden die obere Grenze sein sollte; dass es Löhne
    gibt, die das Hundertfache ausmachen, dünkt mich ein Irrsinn. Doch
    können wir mit schweizerischer Innenpolitik nichts ausrichten, denn
    die Unternehmen mit einer solchen Kultur sind globalisiert. Dem-
    nach nützt die vorgeschlagene Schweizer Regel 1 : 12 überhaupt nicht,
    wenn die übrige Welt nicht mitzieht. Würde die Regel nur bei uns
    eingeführt, so erwüchse der Schweiz Schaden, denn die Bezüger dieser
    immensen Lohnsummen –es ist ja offensichtlich auch eine Elite– würden
    nur mehr Stellen im Ausland antreten und ihre Steuern eben dort entrichten.
    Damit könnten auch die betreffenden Unternehmen ihre Zelte bei uns
    abbrechen. Das ist eine äusserst plausible Erklärung dafür, dass der
    Initiative mehrheitlich mit Skepsis begegnet wird, und es ist unerklärlich,
    weshalb die Urheber und Befürworter dieses Vorstosses den von mir
    beschriebenen Sachverhalt einfach ignorieren.

    Die Mehrheit der zuständigen Kommission hat sich zur Gegnerschaft
    gesellt​, und zwar in einer durchaus demokratischen Ausmarchung,
    doch Herr Wermuth lässt mit seiner Anspielung auf eine verpasste
    Glaubwürdigkeit der Demokratie durchblicken, dass für ihn
    demokratisch gefällte Beschlüsse nur als solche zu gelten haben, wenn
    sie in seinem Sinne ausfallen.

    Herr Wermuth unterbreitet auch Zahlen aus z.T. ziemlich obskuren
    Erhebungen und Statistiken. So enthalten etwa die 400’000 Leute mit
    weniger als 3500 Franken Monatslohn u.a. auch sämtliche Studenten
    (worunter viele Kinder vermögender Eltern), Hausfrauen, Zuchthäusler
    und Auszubildende ab einem gewissen Alter, ferner alle die Angestellten,
    die durchaus zufrieden sind mit ihrer niedrigen Entlöhnung oder deren
    Leistungen ganz einfach nicht mit höheren Löhnen gerechtfertigt ist. In
    den angeblich 700’000-900’000 von Armut Geschlagenen sind auch jene
    enthalten, deren geldliches Einkommen zwar bescheiden ist, die sich aber
    mit Naturalbezügen (z.B. die Landwirte) ganz gut über Wasser halten
    können. Es soll Erhebungen geben, die nur die Geldeinnahmen
    fokussierten hätten , womit gar Besitzende von Kapital mit kleinen oder
    gar keinen Renditen zu den armen Leuten gezählt worden seien!

    Ein ganz anderer Aspekt: Herr Wermuth würde ganz bestimmt eine Stelle
    antreten, wo er monatlich 100’000 Franken erhielte, und mit ziemlicher
    Sicherheit würde er dieses Salär auch beziehen. Da ihm dieses Glück
    versagt bleibt, will er wenigstens dafür sorgen, dass es auch für andere
    verunmöglicht wird. Mit dieser Charakterisierung ist der Sozialist auch
    schon umfassend und abschliessend definiert.

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  • Oktober 3, 2012

    Früher waren klassische Kapitalisten die Geldgeber und haben im eigenen Interesse darauf geachtet, dass ihre Angestellten, also die Verwaltungsräte und das Management, sich nicht allzu viel vom Kuchen abschneiden. Aber das ist Vergangenheit, denn heute stimmen die Grossaktionäre in der Regel für höhere Boni. Das ist nicht überraschend, denn heute haben nicht mehr die klassischen Kapitalisten das Sagen sondern die höheren Verwaltungsbeamten der Banken, Versicherungen, Pensionskassen usw. Die höheren Geld-Verwaltungsbeamt​en achten darauf, dass die höheren Verwaltungsbeamten der einzelnen Firmen gut versorgt sind, denn sie bilden zusammen eine vom Rest der Bevölkerung immer stärker abgesonderte neu entstandene Kaste.

    In den letzten Jahrzehnten hat sich eine neue Aristokratie gebildet. Diese operiert nach eigenen Regeln und ist immer darauf bedacht, dass sie nicht zu kurz kommt. Es ist eine bischen wie früher beim alten Adel. Herkunft und Geld werden immer wichtiger. Es ist entscheidend seinen MBA an der richtigen Uni zu machen, das ist zwar teuer (der hohe Preis dient als Selektionsinstrument)​, aber es lohnt sich, denn so erkauft man sich den Zutritt zu einem bestimmten Beziehungsnetz (Ah! MBA an der …! Wie ich damals!), dieses Vitamin B++ ist entscheidend für eine schnelle Karriere.
    Aber immerhin, der neue Adel ist etwas offener als die alte Aristokratie, wer beziehungslos ist aber gut und das Glück hat jemandem mit den richtigen Beziehungen zu begegnen, kann sehr schnell auftsteigen. Aber diese Aufsteiger sind die Ausnahme. Viele der neuen Aristokraten sind nicht wirklich gut, sie haben nur einen reichen Papa.
    Dementsprechen​d gilt: Diese Form der Kaderselektion ist langfristig gesehen schlecht für die Unternehmen, die Wirtschaft und die Schweiz.

    Früher gab es den hohen und niederen Adel. Auch heute gibt es wieder zwei Untergruppen, den nationalen und den internationalen Neu-Adel. Die beiden Machtsphären sind recht gut getrennt, aber es gibt Ueberschneidungen und dadurch einen gewissen Austausch durch Aufstieg und Niedergang.
    Neuen Adel gibt es übrigens nicht nur in der Privatwirtschaft, auch beim Staat greift er langsam aber sicher um sich. Zwei aktuelle Beispiele: Die überhöhten Löhne der Chefs gewisser staatsnaher Betriebe und die Skandale im staatlichen Beschaffungswesen.


    Fazit: Die 1/12-Initiative ist zu begrüssen!
    Dadurch wird die Refeudalisierung der Schweiz zwar nicht verhindert aber doch immerhin ein bischen behindert. Es gibt noch mehr zu tun!

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  • Oktober 3, 2012

    Die 1/12-Initiative ist überfällig:

    Heute bezieht das höhere Kader Phantasiegehälter in einer Höhe ohne direkten Bezug zur eigenen Leistung. Diese Leute bezeichnen sich selber zwar als Unternehmer, aber sie sind in der Regel nichts anderes als höhere Verwaltungsbeamte mit direktem Griff in die Portokasse.
    Behauptu​ng: die allermeisten Manager liessen sich problemlos durch Leute mit vernünftigen Lohnforderungen ersetzen, ohne dass die Firma dadurch Schaden nimmt. Es gibt zwei Ausnahmen: klassische Unternehmertypen, die keine eigene Firma gründen wollen, sondern lieber ein bereits bestehendes Unternehmen übernehmen (z.B. Hayek und Blocher) und Leute mit einem riesigen Beziehungsnetz, denn ohne dieses Netzwerk kann ein interkontinentaler Konzern heute nicht mehr funktionieren.

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  • Oktober 3, 2012

    Immerhin liefert mir die SP relemässig Argumente sie NICHT zu wählen.

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  • Oktober 4, 2012

    Sehr geehrter Herr Wermuth,

    Darf ich Ihnen einige Fragen stellen? Wo beginnt bei Ihnen die Abzockerei? Was verstehen Sie eigentlich darunter? Warum versteift sich die hier diskutierte Initiative auf 1:12 und nicht auf 1:5, oder 1:50 oder 1:100. Das alles scheint mir doch sehr willkürlich. Sie argumentieren, den Reichtum in diesem Land endlich wieder den Menschen zurückzuerstatten. Welche Menschen meinen Sie? Und was verstehen Sie unter der Rückkehr zur ökonomischen Rationalität in diesem Zusammenhang? Überhaupt nicht begreife ich Ihren dritten Punkt, nämlich, dass die Mehrheit der Kommission die Chance, der Demokratie wieder ihre Glaubwürdigkeit zurückzugeben, verspielte.

    Überal​l auf dieser Welt tummeln sich Politiker, die uns einflüstern, alle Probleme durch noch mehr Politik, noch mehr Machtausübung, noch mehr Gesetze und Regulierungen, lösen zu können. Staatlicher Zwang, und vor allem der Zwang zum Guten oder was immer die Politiker für das Gute halten, macht Vielfalt zur Einfalt und zeitigt damit auch für die Gemeinschaft destruktive Wirkungen.

    Ich möchte Ihnen einen einfachen Wegweiser mitgeben: Menschen arbeiten, wenn es sich lohnt zu arbeiten und Verantwortung zu schultern, und sie entwickeln tolle Ideen, wenn sie deren Umsetzung reizt.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Willy Burgermeister

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    • Juli 19, 2021

      Wenn Menschen nur dann arbeiten, wenn es sich lohnt, wieso haben wir dann so viele Working Poor, Herr Burgermeister?

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrte Frau Votava,

      Wir sind bei Begrffen wie “Working Poor” sehr schnell bei der Hand. Können Sie mir erklären, was Sie unter “Working Poor” in der Schweiz eigentlich verstehen?

      Mit freundlichen Grüssen,
      Willy Burgermeister

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrter Herr Burgermeister
      Workin​g Poor ist ein neudeutscher Ausdruck für Erwerbsarmut. Darunter versteht man in der Schweiz Personen, welche in einem armen Haushalt leben. der mindestens über ein volles Erwerbspensum verfügt und trotzdem durchschnittlich nur ein Einkommen von 15% unter der Armutsgrenze hat. Gemäss Bundesamt für Statistik waren dies im Jahre 2006 146’000 Personen, jeder 5.davon lebte in einem Haushalt mit zwei Vollzeitstellen. Neuere Zahlen liegen leider noch nicht vor.
      Man unterscheidet zwischen Working Poor und Tieflohnstellen. So kann z.B. eine Frau eine Tieflohnstelle ausüben und trotzdem nicht zu den Working Poor zählen, da ihr Ehemann einen rechten Zahltag nach Hause bringt. Es versteht sich aber von selbst, dass Working Poor vorwiegend in Tieflohnstellen tätig sind. Dazu gehört u.a. das Gastgewerbe, Reinigungsdienste, aber auch Einzelhandelsfirmen (sogenannte Ich-AG’s).
      Natürlich ist es mir unmöglich, hier vollumfänglich zu antworten. Wenn Sie noch Fragen haben, empfehle ich Ihnen die Website http://www.bfs.admin.ch, die leider nicht up to date ist. Auch bei Wikipedia gibt es einen interessanten Beitrag.
      Ich hoffe, Ihnen mit dieser Antwort geholfen zu haben und verbleibe
      mit freundlichen Grüssen
      Inge Votava

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    • Juli 19, 2021

      @Herr Selk
      Von den 140’00 Working Poor (Stand 2006) lebte jeder 5. in einem Haushalt, in dem zwei Personen voll erwerbstätig waren. Arbeit schont also vor Armut nicht! Finden Sie, dass die Serviertochter, die Ihren Kaffee serviert nichts wert ist? Und wie ist es mit den Kassiererinnen bei unseren Grossveteilern? Sind die Putzfrauen, die unsere Büro’s und dergl. reinigen nichts wert?
      Und umgekehrt: Nehmen wir einmal die Swissair. Waren die Verwaltungsräte und Philppe Brugisser mit ihrer verfehlten Hunter Strategie ihre doch recht grossen Honorare wert? War Mario Corti sein Abgangshonorar wert? Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen.
      Wenn wir den Sozialdarwinismus frönen, stellen wir uns mit der Tiefwelt auf eine Stufe und sind es nicht Wert, Menschen genannt zu werden.

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrte Frau Votava,

      Vielen Dank für Ihre Antwort.

      Sie sprechen von vielen “Working Poors” in der Schweiz und nennen eine Zahl von 146’000 Personen. Das sind weniger als 2 % der Gesamtbevölkerung. Natürlich befinden sich die Betroffenen in einer bitteren, bedauerlichen Lage. Trotzdem dürfen wir die Relationen nicht aus den Augen verlieren. Es wird immer reichere und ärmere Menschen geben. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir könnten die Menschheit einebnen.

      Mit freundlichen Grüssen,
      Willy Burgermeister

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  • Oktober 4, 2012

    Selbst als gut Bürgerlicher muss ich mein generelles Einverständnis mit dem von C. Wermuth Gesagtem erklären. Ob nun das etwas knappe 1 : 12 – Verhältnis das Richtige ist oder ob man nicht etwas höher gehen dürfte (1 : 16) bleibe dahingestellt. Realität in der Schweiz ist, dass die Lohnentwicklung im Kader vielerorts aus dem Ruder läuft und dass die Nutzniesser allzuoft diese Entschädigungen nicht verdienen. Es wird viel von Verantwortung geschwäztzt, diese dann aber von den hoch Entlöhnten im entscheidenden Moment nicht wahrgenommen. Das ganze birgt erhebliche soziale Sprengkraft. Stossend ist ausserdem, dass Abzockerlöhne sogar von staatlichen Unternehmen gezahlt werden !

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    • Juli 19, 2021

      Herr Selk, da mit steigendem Niveau der Position die Lohnentwicklung fast exponentiell vonstatten geht, ist mit Kader das höhere Kader gemeint. Aber nicht nur das höchste. Die Abzockerei beginnt nämlich schon 1 – 2 Stufen darunter, vor allem in grösseren und internationalen Firmen. Das Abzockerproblem stellt sich bei den berühmten KMUs eher nicht, vor allem nicht bei den KUs, dem Rückgrat der Wirtschaft.

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  • Oktober 5, 2012

    Wenn die 1/12-Initiative so funktioniert wie geplant, werden die tiefen Löhne möglicherweise ein bischen steigen, aber kaum sehr viel, denn es ist sehr einfach die Tieflohnarbeit auszulagern und bei einer neugegründeten Tochterfirma extern einzukaufen. Es kann sogar soweit kommen, dass Billiglohnarbeit ins Ausland ausgelagert wird. Dies führt zu einer entsprechenden Erhöhung der bereits jetzt herrschenden Massenarbeitslosigkei​t.
    Hier liegt das Problem! Die hohen Saläre würden weniger stören, wenn alle Arbeitswilligen eine Arbeit hätten.

    Die effektive Arbeitslosenrate dürfte bei etwa 10% liegen, eher mehr als weniger. Dieses Problem wird durch die 12-Initiative nicht gelöst sondern eher noch verstärkt.

    Den Arbeitslosen bringt diese Initiative nichts!

    2011 gab es, umgerechnet in Vollzeitstellen:
    152​’000 Erwerbslose gemäss ILO
    88’000 Unterbeschäftigte
    24​0’000 Total
    http://www.bfs​.admin.ch/bfs/portal/​de/index/themen/03/03​/blank/key/unterbesch​aeftigte.html

    2011​ gab es:
    238’333 IV-Rentner
    http://ww​w.bsv.admin.ch/dokume​ntation/zahlen/00093/​00426/index.html?lang​=de
    Hinzu kommen etwa:
    200’000 Sozialhilfeempfänger

    http://www.skos.ch/d​e/?page=themen/faq/in​dex.php
    Dazu kommen noch viele arbeitswillige Menschen die sich mit Gelegenheitsjobs nur so durch’s Leben schlagen oder vom Einkommen ihrer Familienangehörigen leben.
    Viele dieser Menschen wären (wenigstens teilweise) arbeitsfähig und auch ausgesprochen arbeitswillig!

    Wie​viele Arbeitslose gibt es in der Schweiz tatsächlich?
    Offizie​ll 240’000, dazu dürften noch 200’000 nicht anerkannte Arbeitslose kommen. Das macht total 440’000 Menschen auf Arbeitssuche.
    Zum Vergleich, in der Schweiz gibt es:
    4.4 Millionen Erwerbstätige
    http:/​/www.bfs.admin.ch/bfs​/portal/de/index/them​en/03/02/blank/key/er​werbstaetige0/teilzei​t.html

    Die Arbeitsloserate beträgt also etwa 10%. Das ist für die Betroffenen ein Katastrophe und für den Steuerzahler eine enorme Belastung, denn mit einer tieferen Arbeitslosenrate hätte jeder Beschäftige mehr Geld zur Verfügung, weil die ihm abgezogenen Sozialabgaben und Steuern entsprechend tiefer wären.

    Wie lässt sich dieses Problem lösen?

    Das Sozialsystem wird umstrukturiert:
    Zusä​tzlich zum Arbeitslosengeld wird eine Arbeitslosenhilfe eingeführt (z.B. 70% des Minimallohnes). Anspruchsberechtigt sind alle arbeitsfähigen Schweizer, die sich beim RAV anmelden. (Wer vorher kein Arbeitslosengeld bezogen hat, muss die Kontrollbedingungen während 6 Monaten erfüllen bevor Geld ausbezahlt wird.) Ausländer erhalten keine Arbeitslosenhilfe sonst würde die Attraktivität der Schweiz für ausländishce Einwanderer zu stark zunehmen.

    Arbeitsl​osengeld und Arbeitslosenhilfe werden durch eine Lenkungsabgabe finanziert:
    Die Arbeitgeber bezahlen nur für die von ihnen beschäftigten Ausländer. Schweizer sind gratis. Die Arbeitnehmer zahlen gar keine Beiträge. (Die Nettolöhne bleiben jedoch konstant.)
    Die Höhe der Lenkungsabgabe sinkt mit der Aufenthaltsdauer.
    Di​e Lenkungsabgabe wird erhöht (gesenkt), wenn die Arbeitslosenrate im Vorjahr grösser (kleiner) als war 0.5%.
    Ein Ueberschuss geht an IV und AHV.
    So werden IV und Sozialhilfe entlastet.
    Für die Arbeitgeber ist die neue Finanzierungsform des Arbeitslosengelds kostenneutral. Für die neue Arbeitslosenhilfe werden sie jedoch stärker zur Kasse gebeten.

    Durch die Lenkungsabgabe werden die Ausländer teurer als die Schweizer und die alteingesessenen Ausländer billiger als die Neueinwanderer. Es ist also damit zu rechnen, dass die Arbeitslosenrate langsam sinkt, weil die Nachfrage der Arbeitgeber nach Neueinwanderern zurück geht.

    Es ist offensichtlich, dass Lenkungsabgabe und Arbeitslosenhilfe die EU-Bürger diskriminieren, wenn auch nur indirekt. Die EU wird trotzdem protestieren. Aber gibt es eine andere Möglichkeit das Problem der Massenarbeitslosigkei​t zu lösen?

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    • Juli 19, 2021

      Wenn Sie mit Ausländern Neuzuzüger in den ersten 2 Jahren meinen, kann man darüber diskutieren. Wenn sie in der zweiten Generation in der Schweiz geborene meinen, dann wollen Sie – wie die Nazis die Juden – Leute aus unserer Mitte aussortieren und zu Bürgern zweiter Klasse machen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Karl Müller,
      sie können bei den 440’000 noch etwa 100’000 IV Empfänger dazurechnen, die, gäbe es geeignete Arbeitsplätze auch etwas mehr Arbeiten könnten. Also sind wir mit Garatie bei über 500’000 Menschen. also bei mehr als den 10%.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Nabulon
      Einverstande​n! Ich wollte auf der sicheren Seite bleiben.

      Herr Buchmann

      Wer die schweizer Mitbürger und die ausländischen Mitbewohner unterschiedlich behandeln möchte, ist also (wie) ein Nazi. Das ist eine Verharmlosung der Nazi-Gräuel.

      Zur Erinnerung:
      Die nationalen Sozialisten haben 6 Millionen Juden ermordert.
      Die internationalen Sozialisten haben 100 Millionen Menschen ermordert.

      http://​de.wikipedia.org/wiki​/Holocaust#Gesamtzahl​en_j.C3.BCdischer_Opf​er
      http://de.wikiped​ia.org/wiki/Schwarzbu​ch_des_Kommunismus#Li​ste_von_Opferzahlen_u​nd_Massenverbrechen

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    • Juli 19, 2021

      Richtig, und bitte vergessen Sie nicht:
      Die demokratischen USA haben in Ostasien töteten 30 Millionen Menschen ermordet(v.a. Japan, Korea, Vietnam)
      Die nationalistischen Europäer haben hunderte Millionen von Schwarzafrikanern als Sklaven verschleppten.

      Kurz, gemordet haben alle Systeme schon, nur bei den Soviets, die Sie als Sozialisten bezeichnen, war es eigentlich nicht Mord sondern Misswirtschaft, die zu den Toten führte. Aber worum es mir geht:
      Möglich waren alle historischen Völkermorde immer nur darum, weil es gelang, eine Gruppe von Menschen als „nicht-Menschen“ oder „Untermenschen“ zu deklarieren, wonach das Morden in Ordnung sei. Am schockierendsten ist es, wenn diese Unterteilung in der eigenen Mitte einer Gesellschaft geschieht. Also nicht anonyme Fremde in der Ferne werden als Untermenschen deklariert, sondern Menschen in unserer Gesellschaft, aufgrund von angeborenen Eigenschaften, an denen sie nichts ändern können. Das taten bisher nur die Nazis, mit dem Teil der Deutschen, die jüdisch waren. Sie schlagen nun das gleiche vor, mit dem Teil der Schweizer, die keinen Schweizerpass besitzen(sofern sie mit Ausländern nicht nur Neuzuzüger meinen).
      Mit Morden hat das nichts zu tun, das unterstelle ich Ihnen auch nicht.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Buchmann

      Gewissen Aussagen muss ich widersprechen:

      “w​ie die Nazis die Juden – Leute aus unserer Mitte aussortieren und zu Bürgern zweiter Klasse machen.”
      Es wird niemand aussortiert und ausserdem:
      Ausländer​ sind keine Bürger zweiter Klasse sondern gar keine Bürger. Sie sind Mitbewohner.
      Die später ermordeten Juden waren keine Ausländer sondern Deutsche mit einer anderen Religion.

      “Gruppe​ von Menschen als „nicht-Menschen“ oder „Untermenschen“ zu deklarieren, wonach das Morden in Ordnung sei”
      Niemandem wird das Menschsein abgesprochen.
      Es wird lediglich unterschieden zwischen Schweizern und Ausländern.

      “mit dem Teil der Schweizer, die keinen Schweizerpass besitzen”
      Alle Schweizer haben einen Schweizerpass.
      Wer keinen Schweizerpass hat, ist kein Schweizer.

      “nur bei den Soviets, die Sie als Sozialisten bezeichnen”
      Die Sovjets bezeichneten sich selber als Sozialisten. UdSSR bedeutet: “Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken”.

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  • Oktober 6, 2012

    Ich finde die Initiative gut, weil sie recht moderat ist. Es geht ja nur um das Verhältnis innerhalb eines Unternehmens. Das heisst ja nicht, dass der CEO von Nestlé dann nur 12 mal soviel verdient wie seine Putzfrau. Diese wird ja von einem anderem Unternehmen angestellt. Daher wird die Initiative nicht völlig gleichmacherisch wirken. Was sie bewirken wird, ist dass top Kader allesamt ihr tatsächliches Einkommen veröffentlichen müssen, da sonst die Einhaltung nicht überprüft werden kann. Und das ist gute Transparenz.

    Der einzige Nachteil sehe ich darin, das traditionelle Familienunternehmen viel weniger geübt sind, verschachtelte Strukturen aufzubauen, um verschiedene Arbeitstypen in verschiedene Unternehmen zu strukturieren. Daher wird es dort u.U. schwierig für Gründer von mittelgrossen GmbHs. Diese werden sich wohl in AGs umwandeln müssen, denn dort können Familienbetriebe sich anstelle von Lohnzahlungen einfach Gewinn ausschütten. Damit hätten sie immer noch die Möglichkeit, die Früchte ihres Unternehmens zu ernten.

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  • Oktober 6, 2012

    Mein zweiter Kommentar:

    Eine Initiative die wegen 2 bis 3 -dutzend Leute gemacht wird ist idiotisch. Das ist ungefähr die Anzahl Abzocker die wir haben. Ansonsten befinden sich die Managementlöhne im EU-Vergleich im unteren drittel. Oder anders ausgedrückt. In kaum einem anderen Land sind die Lohnunterschiede so tief wie in der Schweiz.

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    • Juli 19, 2021

      … und wie schnell sind diese 2-3 dutzend internationale Manager im Ausland angestellt?

      Es gibt aber auch viele Besitzer von Firmen, die sich hohe Löhne auszahlen. Diese werden zukünftig einfach stattdessen Dividende Zahlen und so gleich noch die ALV vermeiden, sofern dort die obere Beitragslimite aufgehoben wird.

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    • Juli 19, 2021

      Da gibt noch eine Alternative die Manager sollen das Vermögen hier behalten und sie selber können verschwinden und wir bauen eine Kollektivwirtschaft auf dann hat die ganze Erpresserei ein Ende.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Selk,

      es ist äusserst infam, demokratisch gewählte parteien als Handlanger der UDSSR zu bezeichnen, nichts anders machen Sie hier. Ich glaube mit rechtsideologischer Politik wurden bedeutend mehr Menschen umgebracht. Sie die allein die zwei Weltkriege.

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