1. Umwelt, Klima & Energie

Von Hintertüren und Technophilisten

Oder warum es trotz­dem nie wie­der ein Atom­kraft­werk geben wird und wir volks­wirt­schaft­lic​h Scha­den nehmen.

 

Wie den Zeitungen zu entnehmen war, will der Ständerat eine Hintertüre für Atomkraftwerke offen lassen, die nur verbrauchte Brennstäbe mit der Lebensdauer von 50 Jahren produzieren und die selbst beim GAU (Grösster Anzunehmender Unfall) leckagefrei bleiben. Die Ständeratskommission sieht für solche Kraftwerke einen Zeithorizont bis 2050.

Mein erster Gedanke war: “Wow!” ..Wow aus verschiedenen Gründen emotionaler und sachlicher Natur. Wow, weil der Ständerat die endgültige Entscheidung zum Ausstieg verzögert. Wow, weil er ziemlich harte Bedingungen fordert. Bedingungen ,die auch 2050 nur schwer eingehalten werden können. Durch diese Verzögerungstaktik können genau die alternative Energien, die gefördert werden müssten, nicht gefördert werden, weil jeder hofft, die Zeit von2035,wenn das letzte Generation 2 Kraftwerk vom Netzt gehen wird, mit Importstrom zu überbrücken und nachher die Generation X Kraftwerke zu bauen, die alle Anforderungen der Ständeratskommission erfüllen werden.

Wow, weil ich nicht glauben kann ,dass der Ständerat nicht gewillt ist, für eine energieunabhängige und damit wirtschaftlich starke und zukunftsgerichtet Schweiz einzustehen. Die Schweiz kann mit dem Szenario nur verlieren und gerade diejenigen, die sich so stark machen für den Atomstrom und gegen die Alternativen sind die Personen, die am meisten Angst haben vor Euroturbos, aber die Wahrheit nicht sehen, dass sie deren Motorlieferant sind, also der Entwicklung Vorschub leisten.  Sonne, Wind und Wasser sind eigene Ressourcen. Woher kommt wohl der Importstrom, das Uran, die Kohle,wenn nicht aus dem Ausland?Jedem wahre Schweizer sollte eigentlich daran gelegen sein die Alternativen zu fördern.

Wenn wir nicht jetzt die Weichen stellen und uns nicht für eine Schweiz einsetzen,in der fast jedes Haus seinen Strombedarf selbst decken kann, verlieren wir wichtige Zeit.

Damit ist kein Wort gegenüber der Forschung gesprochen.Die ETH soll nur weiter forschen und Erkenntnisse sammeln. Aber gleichzeitig soll ihr auch ermöglicht werden, an den Alternativen zu forschen, die volkswirtschaftlich viel sinnvoller sind. Der KEV-Deckel muss weg und Kostenwahrheit sollte so schnell wie möglich erstellt werden.

Die KW-Stunde des Atomstroms ist vom Staat subventioniert, der Endlager/Rückbau-Fond​s der Kraftwerke wird bis zu deren Laufzeitende nur zu 50% gedeckt sein, das Restrisiko trägt der Staat und damit die Bürger. Das ist Subvention in Reinkultur.Trotzdem wird tatsächlich noch behauptet dass Atomstrom billiger als Strom aus alternativen Energien sei?

Ich glaube nicht, dass es je ein Atomkraftwerk geben wird welches die strengen Richtlinien erfüllen wird, aber warum wird dann überhaupt eine Hintertüre offen gelassen und das Risiko eingehen das dann nur an die Generation X gedacht wird und wichtige Gelder und Zeit fehlt um an den Alternativen zu forschen? Dann kann man es gleich lassen. Das ist nicht Lösungsorientiert! Es gilt jetzt die Missstände zu beseitigen und nicht die Probleme einfach immer weiter nach hinten zu und damit an weitere Generationen abzuschieben. Warum wird man bitte Politiker wenn man nicht bereit ist JETZT etwas zu ändern.

Der Forschungsstandort Schweiz würde von einen stufenweisen Austritt aus der Atomenergie profitieren,ebenso die Volkswirtschaft. Ich hoffe, der Ständerat besinnt sich und folgt in der Session doch dem Nationalrat. Dann würde ich auch entzückt: “Wow” sagen aber aus ganz anderen Gründen.

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Comments to: Von Hintertüren und Technophilisten
  • September 1, 2011

    Vielleicht gibt es immer noch zu viele Leute die zur Zeit halt noch in den falschen Verwaltungsräten sitzen?

    Denen muss man die Aussicht auf den Profit den man mit Investitionen in die Erneuerbaren machen kann einfach noch besser verkaufen?

    Und denen die jede Erhöhung einer Staumauer hysterisch entgegentreten muss man vielleicht nachhaltiger klar machen, dass sie sich letzlich selbst im Wege stehen?

    Anklagen bringen nichts. Pragmatisches Berechnen von Kosten und Nutzen kurz-mittel-langfrist​ig schon eher.
    Denn wenn eine Katastrophe nicht gerade vor der eigenen Haustüre passiert, lernt man nix draus.
    Aber wenn man erkennen kann (?), dass man mit Erneuerbaren doppelt gewinnen könnte (realistisch, materiell, nicht ideologisch, denn das ist nicht relevant (!!!)) dann kann man immerhin hoffen!

    Letzlich zählen immer noch die maximalen Profitaussichten und das meint halt nicht Gefahrenminimierung und Gesundheit und Verantwortung den Nachkommen gegenüber – sondern schlicht und einfach den Kontostand.

    Also: Weitermachen!

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