1. Sicherheit & Kriminalität

Weltweit bedrohliche Sicherheitslage – Bald Krieg?

                     ​                     ​                     ​                     ​                                 12.02.2016

Ein Überblick:

 

WELTWEIT​ BEDROHLICHE SICHERHEITSLAGE – BALD KRIEG?

Die Zunahme der Spannungen in der Welt beschleunigt sich, die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Krieges nimmt zu. Zahlreiche Konflikte sind „Stellvertreter-Krieg​e“, d.h. andere Mächte bekämpfen sich dort indirekt, indem sie ihnen genehme Konfliktparteien unterstützen. Sie könnten leicht zu Kriegen zwischen den Hauptakteuren führen.

Was auch zu berücksichtigen ist: Wenn sich gegen ein autoritäres oder diktatorisches Regime eine Opposition bildet, die dieses stürzen will, dürfen wird nicht naiv annehmen, ihre Mitglieder bestehe aus waschechten Demokraten und Verteidigern der Menschenrechte. Im Gegenteil: Sie sind ebenfalls Träger der autoritären, korrupten und oft gewalttätigen Kultur ihres Landes.

Es gibt Leute, die im Zeitalter der Globalisierung meinen, weit entfernten Konflikte berührten uns nicht. Sie vergessen die z.B. in Kalifornien 1914 und 1939 bei Kriegsausbruch geführten Gespräche von Eltern mit ihren Söhnen am Frühstückstisch, die erleichtert meinten, der Krieg sei so weit weg, dass die USA damit nichts zu tun hätten – und wenige Jahre später fielen diese Söhne auf den Schlachtfeldern Europas.

Und schliesslich: Länder gehen nicht „lieb“ miteinander um, sondern vertreten, oft völlig rücksichtslos, ihre Interessen.

Ohne hier weiter auf die Ost-West-Frage einzugehen oder diesem oder jenem Lager die Schuld zuzuweisen, sollen hier nur Fakten genannt werden.

 

Wahrscheinl​ichkeit eines Krieges in naher Zukunft

In den letzten Jahren haben neben Michael Gorbatschow auch Helmut Schmidt, Claude Juncker und Egon Bahr, gewarnt, es könne wieder einen Krieg geben. Bahr forderte deshalb dringend einen neuen „Westfälischen Frieden“, den ersten grossen, gesamteuropäischen Frieden, der 1648 den 30-jährigen Krieg, sowie den 80-jährigen Unabhängigkeitskrieg Hollands beendete und der Eidgenossenschaft formell die Unabhängigkeit brachte.

Viele, die die Möglichkeit eines Krieges nicht wahrhaben wollen, weisen darauf hin, bei den Genannten (und den Verfasser) handle es sich um alte Leute („Ewiggestrige“), die die Welt nicht mehr verstünden. Nun sind neue Warner dazu gestossen, denen man das nicht unterstellen kann. Ende Januar 2016 hat der Schwedische Oberbefehlshaber laut GIARDINO (zitiert aus „Epoch Times“) gesagt: „Durch das derzeitige globale Umfeld und die von den Politikern getroffenen strategischen Entscheide kommen wir zum Schluss, dass wir in ein paar Jahren im Kriegszustand sein werden“. Er hält sogar den 3. Weltkrieg für möglich. Und Anfang Februar 2016 meinte der norwegische Oberbefehlshaber, „Ich denke, wir müssen bereit sein zu kämpfen ……Europa kann nicht länger erwarten, in Frieden und Sicherheit zu leben….“

 

USA/NATO​

Die USA haben ihr strategisches Hauptinteresse auf den Pazifik verlegt (Eindämmung Chinas) und 60% ihrer militärischen Mittel dorthin verschoben. Im Oktober 2015 übten zwei US Flugzeug-trägerflotte​n im indischen Ozean den „Krieg gegen China“, wie die BBC berichtet, und zwar laut dem kommandierenden US Admiral, „in einem der Kommunikation verwehrten Umfeld“. Einige Länder (d.h. China, Russland) hätten die Fähigkeit, die Kommunikation über Satelliten auszuschalten.

Nach der Auflösung des Warschauer Paktes hat der Westen die NATO nicht aufgelöst, sondern ist militärisch, auch mit seinen Raketen und Raketenabwehrsystemen​, immer näher an Russland herangerückt. Jetzt wird noch Montenegro in die NATO aufgenommen.

Die NATO rüstet auf. Die USA bezeichnen Russland als grösste Bedrohung. Sie schicken vermehrt schweres Kriegsmaterial und Truppen nach Europa, prioritär in frühere Sowjetrepubliken. Präsident Obama hat beantragt, das Budget für militärische Massnahmen in Europa zu VERVIERFACHEN (auf 3.5 Milliarden $). Gleichzeitig arbeiten sie an neuen Waffen, darunter hyperschnellen, höchstpräzisen mit konventionellen Sprengköpfen, die jedes Punktziel irgendwo auf der Erde innert einer Stunde (!) treffen und zerstören können.

In den USA wurden von mehreren Kongressmitgliedern und zahlreichen Experten schwerste Bedenken gegen die neuen Waffen geäussert, da sowohl China wie auch Russland in der Abwehr solcher Waffen nicht auf der Höhe seien. Der US Congress Research Service schrieb am 6. Februar 2015 darüber unter dem Titel: „DIE MÖGLICH-KEIT EINES MISSVERSTÄNDNISSES BEI EINEM CPGS MISSILE EINSATZ u.a.: Kritiker behaupten, dass diese Nationen unter solchen Umständen zum Schluss kämen, keine Option zu haben, als mit ihren eigenen ATOMWAFFEN zu antworten“.

(CPGS: Conventional Prompt Global Strike. Nationen: China und Russland. Umstände: Der Einsatz ab den USA von CPGS-Waffen. Übersetzt vom Verfasser).

Die USA haben vor einigen Jahren den Anti-Ballistic Missile Vertrag mit Russland 30 Jahre nach dessen Inkraftsetzung gekündigt. Er gab den beiden Mächten die Sicherheit, in einem Konflikt zurückschlagen zu können (Gleichgewicht des Schreckens“). 2015 – wegen der Krise um die Ukraine – haben die USA auch die Finanzierung und Zusammenarbeit bei der Vernichtung der chemischen und Nuklearwaffen Russlands eingestellt (Nunn-Lugar Cooperative Threat Reduction Programm). Im Verlauf dieser mehr als 20 Jahre dauernden Zusammenarbeit wurden 7600 russische atomare Sprengköpfe, mehr als 4100 Tonnen chemischer Kampfstoffe, 2600 atomare Einsatzmittel vernichtet und Dutzende von Anlagen zur Herstellung dieser Mittel stillgelegt. In einem Bericht vom 1. August 2014, stellte das US Energiedepartement fest, Russland habe weltweit immer noch am meisten Nuklearwaffen und waffenfähigen atomaren Sprengstoff (Plutonium und höchst angereichertes Uran). Diese Mittel seien in zahllosen Gebäuden und Bunkern im ganzen Land gelagert und könnten in die Hände geschickt agierender terroristischer Gruppen fallen.

Die ehemaligen US Senatoren Richard G. Lugar und Sam Nunn, haben als seinerzeitige Initianten dieses Gesetzes am 25. 01 2015 in der Washington Post unter Hinweis auf dieses Arsenal und die Zugriffsmöglichkeiten​ durch Terroristen aufgerufen, diese

„Zusammenarbeit​ der Vernunft“ wieder aufzunehmen, denn es läge im Interesse der USA und Russlands, einem terroristischen Angriff mit dort entwendeten atomaren Mitteln vorzubeugen. Ihrem Aufruf wurde nicht Folge geleistet.

 

Mittel- und Südamerika

Auch dort gibt es natürlich Spannungsherde, darunter grosse wirtschaftliche. Die USA betrachten den Kontinent als ihren Hinterhof. Es gibt aber immer mehr Länder, die sich dagegen wehren. Diese Weltgegend wird aber in näherer Zukunft für Europa nicht bedrohlich werden, sofern Russland oder China dort nicht mit substantiellen militärischen Mitteln einzelne Ländern unterstützen, eigene Stützpunkte einrichten, oder gegen die USA gerichtet Raketen aufstellen. China ist in gewissen Ländern sehr aktiv am Aufkaufen von Boden und Lagerstätten von Rohstoffen, aber tritt nicht militärisch auf und mischt sich gemäss seinen eigenen Vorgaben nicht in die Innenpolitik ein. Von dort muss Europa wegen der Distanzen vorläufig auch keine grosse Völkerwanderung befürchten, obschon die Treiber, Armut und Gewalt, auch dort verbreitet sind.

 

Russland

Russ​land hat vor mehr als einem Jahr klargemacht, dass es beim Einsatz von CPGS-Waffen die USA massiv mit Nuklearwaffen angreifen werde.Als Antwort auf die Kündigung des Nunn-Lugar Vertrages hat Russland zudem die Zusammenarbeit in verschiedenen West-Ost- Gremien aufgekündigt, die den Abbau von Spannungen förderten und der Vertrauensbildung dienten, darunter die Zusammenarbeit mit den USA zur Förderung der nuklearen Sicherheit.

Russland fühlt sich durch die USA/NATO bedroht und modernisiert und rüstet seine Streitkräfte auf. Mehrere hohe US Militärs haben schon besorgt auf die Leistungsfähigkeit seiner modernsten Kampfflugzeuge, Panzer und anderer Waffen hingewiesen. Immer wieder wurden in den beiden letzten Jahren sehr grosse Verbände (bis zu 155’000 Mann pro Fall), innert dreier Tage aus dem Stand in grosse Manövern zum Einsatz gebracht und dabei manchmal über weit mehr als tausend Kilometer verschoben.

Russland hat verschiedentlich – bis in die letzten Tage – sehr deutlich vor der weiteren Installation von bedrohlichen Waffen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gewarnt und betont, es werde das nicht ohne Gegenmassnahmen hinnehmen, wobei Präsident Putin unterstrich, er werde versuchen, diese Probleme friedlich zu lösen, aber wenn das scheitere, militärisch dagegen vorgehen. (Als im letzten Jahrhundert die Sowjetunion auf Kuba, d.h. vor der Haustüre der USA, Nuklearraketen installierte, drohten die USA mit Krieg. Die Raketen wurden dann sofort wieder abgezogen). Vor wenigen Tagen teilte Russland auch noch mit, es habe lange gehofft habe, mit dem Westen eng zusammenzuarbeiten, sei aber wegen der seitherigen Entwicklung daran nicht mehr interessiert und orientiere sich nach Asien.

Ebenfalls in den letzten Wochen hat Russland darüber informiert, es werde im Westen, also gegen Europa gerichtet, wegen der Bedrohung durch die NATO, 3 weitere Divisionen aufbauen und zudem 5 zusätzliche Nuklearwaffen-Regimen​ter in Stellung bringen. Und vor wenigen Tagen kam noch die Meldung dazu, es werde ebenfalls in seinem westlichen Verteidigungssektor, die in der Vergangenheit berühmte 1. Garde-Panzerarmee wieder aufbauen.

Schliesslic​h baut Russland, mit Blick auf die dortigen Rohstoffe und zur militärischen Sicherung im hohen Norden Stützpunkte auf. Wegen der Klimaerwärmung ist das davor liegende Meer jetzt jährlich im Sommer einige Monate lang eisfrei. Laut SS Strategische Studien ist die Route von Tokio nach Rotterdam um 40% kürzer, als der Weg durch den Suezkanal. Diese bietet seiner Marine wie auch der Handelsflotte einen grossen Vorteil. Die Nord-Ost-Passage lässt sich im Kriegsfall leicht sperren, während sich Russland und China auch auf diesem Weg gegenseitig unterstützen können.

 

Asien (ohne China)

Das Problem Nordkorea ist bekannt.

Auch Indien und Pakistan sind Atommächte. Beide verfügen über weitreichende Atomwaffen. Die Spannungen reichen bis zur Zeit der Unabhängigkeit zurück, die von beiden Völkern nicht als solche gefeiert, sondern „Teilung“ („Partition“) genannt wird. Damit ist die Aufteilung der ehemaligen britischen Kolonie gemeint, als Millionen von Menschen umkamen und weitere Millionen in den jeweils anderen neuen Staat flüchteten. Beide Staaten beanspruchen Kashmir, durch das die Waffenstillstandslini​e verläuft, an der von Zeit zu Zeit gekämpft wird. Zudem hat Pakistan ein viele tausend Quadratkilometer umfassendes, von Indien beanspruchtes Gebiet China übergeben. Im letzten Jahrhundert führten Indien und Pakistan zwei längere Kriege gegeneinander.

Zahlre​iche andere Staaten Asiens haben auch untereinander, nicht nur mit China, sich konkurrierende territoriale Ansprüche, besonders Anrainer des Südchinesischen Meers.

Singapur (Fläche wie Kt. GLARUS, Bevölkerung 5.5 Mio.), unterhält die grösste Armee Südostasiens. (220’000 Mann (Miliz), 130 Kampfflugzeuge, 19 Kampfhelikopter, 182 Kampfpanzer Leopard, zahlreiche Überwasserkriegsschif​fe und U-Boote).

 

China

China steht als aufstrebende Grossmacht in Konkurrenz zu den USA. Seine Streitkräfte werden gegenwärtig auf 2.2 Millionen Mann reduziert. Es rüstet massiv auf. Sein Verteidigungsbudget entspricht kaufkraftmässig in etwa demjenigen der USA. Es verfügt über alle denkbaren Truppengattungen, von Gebirgstruppen bis zu strategischen Atomwaffen, eine bedeutende Flotte und Luftwaffe.

China hat zudem spezielle Raketen gegen die US-Flugzeugträger entwickelt (von der US Marine „Carrier killers“ genannt), die im Konfliktfall bis zu den vorgelagerten Inseln Japan-Taiwan-Philippi​nen die amerikanischen Flugzeugträger-Flotte​n möglicherweise fernhalten und ausserhalb, im Pazifik, ernsthaft bedrohen können. Seine Luftwaffe hat begonnen, zwischen den japanischen Inseln hindurch weit in den Pazifik hinaus zu fliegen.

Es hat verschiedentlich erklärt, eine Unabhängigkeitserklär​ung durch das von den USA unterstützte Taiwan sei ein Kriegsgrund.

Die chinesische Parteipresse hat die USA davor gewarnt zu glauben, bei einem regionalen Konflikt im Raum der vorgelagerten Inseln bis ins Südchinesische Meer ungestraft taktische Atomwaffen einsetzen zu können. China würde sofort mit seinen atomaren Interkontinentalraket​en die grossen Zentren an der Ostküste der USA und mit seiner im Pazifik patrouillierenden, atomar bewaffneten, weltweit zweitstärksten U-Boot Flotte die Westküste der USA angreifen.

Das Land hat mit allen Nachbarn, von Südkorea   bis Indonesien und Indien Territorial-streitigk​eiten, ausser mit Russland, mit dem sie beigelegt wurden. Mit Indien und Vietnam führte es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Grenzkriege. 2013 drangen nochmals chinesische Truppen auf indisches Gebiet vor. Dieser Konflikt wurde friedlich beigelegt.

Chinas Anspruch auf das Südchinesischen Meer reicht von der Südspitze des kontinentalen Chinas aus rund 1500 km weit in den Süden. Dort baut es künstliche Inseln mit Häfen und Flugplätzen. Das südchinesische Meer ist vom Verkehrsaufkommen her die wichtigste Wasserstrasse der Welt. Die Anrainer und die USA können diesen Anspruch auf keinen Fall akzeptieren. Deshalb durchkreuzen immer wieder US Flugzeuge oder Kriegsschiffe den von China beanspruchte Bereich mit der Begründung, sich im internationalem Raum zu bewegen. Für diesen Bereich hat die chinesische Parteipresse klar formuliert, unter welchen Bedingungen sich China militärisch engagieren werde. Es werde sich zurückhalten, falls die USA nur mit dem Säbel rasseln wollten, aber sobald es ernst gelte, werde es scharf schiessen. Dort kann es bald, wenn sich China stark genug fühlt, zu gefährlichen Zwischenfällen kommen.

Obschon Russland und China keine Militärallianz abgeschlossen haben, führen die beiden zahlreiche gemeinsame Manöver aller Waffengattungen durch. Jedermann erinnert sich noch an das gemeinsam Scharfschiessen chinesischer und russischer Kriegsschiffe im Mittelmeer vom letzten Sommer (2015). China weiss, trotz seiner durch die Vergangenheit begründeten Vorbehalte gegenüber Russland, dass es das nächste Ziel nach einem eventuellen US Sieg gegen Russland wäre. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass die beiden in einem grösseren Krieg zusammen kämpfen werden.

 

Die Gefahr eines unabsichtlich ausgelösten Atomkrieges

Hier muss eine Klammer aufgemacht werden: Wohl nur wenige Menschen sind sich bewusst, wie gross das Risiko eines unabsichtlich oder durch einen technischen Fehler ausgelösten Atomkrieges ist. Michael Gorbatschow, der selber eine Zeitlang die Entscheidungsbefugnis​ hatte, um über den Einsatz von Nuklearwaffen zu entscheiden, schrieb am 9. Januar 2015 im Spiegel, wörtlich: „Wenn einer die Nerven verliert, werden wir die nächsten Jahre nicht überleben“. Und einer der bekanntesten US Experten, Ted Postol, sagte am 25. Januar 2015 im Boston Globe, schon eine kleine Fehleinschätzung könne zum nuklearen Armageddon führen.

Es ist hier nicht der Platz, das zu begründen. Nur ein Punkt: Die Vorwarnzeit, d.h. die Zeit, die den Entscheidungsträgern bleibt, um nach einer Alarmierung über einen gegnerischen Angriff über einen eigenen Atomwaffeneinsatz zu befinden, beträgt laut US Quellen heute weniger als 3 Minuten. Jedermann kann sich vorstellen, was das konkret bedeutet, auch im Falle eines Fehlalarms, z.B. wenn Obama gerade eine Schule auf dem Land besucht oder Putin schlafend im Bett liegt: Es bleibt keine Zeit für eine fundierte Entscheidung. In der Vergangenheit kam die Welt mehrmals an den Rand einer nuklearen Katastrophe. Heute ist diese Gefahr wegen der Weiterentwicklung dieser Waffen viel grösser geworden.

Die Gruppe GIARDINO, deren Mitglieder sich mit der Entwicklung der sicherheits-politisch​en Lage befassen, hat in einem ausführlichen Brief von 18. Februar 2015 dem Bundesrat mit konkreten Begründungen vorgeschlagen , dieses punktuelle Thema den zuständigen internationalen Gremien als äusserst dringlich vorzulegen. Der Bundesrat bestätigte GIARDINO schriftlich, dass er dieses Risiko und die Dringlichkeit des Handelns auch sehe. Im Namen der Schweiz hat Bundesrat Didier Burkhalter in seiner Stellungnahme vom 27. April 2015 vor dem Gremium zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen einen Abschnitt eingebaut, in dem er darauf hinwies, das die angestrebte weltweite nukleare Abrüstung nicht schnell zu haben sei, aber das oben erwähnte Risiko vordringlich in Angriff genommen werden müsse: „Une première étape urgente est de nous focaliser sur la réduction progressive des risques nucléaires“. Er kündigte dann an, die Schweiz werde zusammen mit Schweden, Neuseeland und der Organisation „Global Zero“ innert einer Wochen konkrete Vorschläge zur Reduzierung des Alarmierungsniveaus, d.h. Massnahmen für eine Verlängerung der Vorwarnzeit unterbreiten. Es geht laut ihm u.a. darum, den Bereitschaftsgrad von 1800 (!) innert Minuten einsatzbereiter Atomwaffen herabzusetzen. (Der Verfasser weiss nicht, ob die Démarche von GIARDINO zu diesem Antrag geführt hat.)

 

Mittlerer Osten

Der Mittlere Osten muss wohl nicht besonders erwähnt werden. Wie ein Krebsgeschwür frisst sich der Krieg in immer mehr Länder. Dabei sind zahlreiche, sich gegenseitig bekämpfende Lager entstanden, die nicht nur von dort beheimateten mittleren Mächten, sondern auch von den Grossmächten unterstützt werden. Laut CNN, zitiert in der Wochenschau der Fricktaler Offiziersgesellschaft​, üben gegenwärtig 150’000 Mann der Armeen Saudi-Arabiens, des Sudan, Bahreins und Ägyptens eine Intervention in Syrien. Die NATO wird darüber entscheiden, ob diese grosse Armee den Kampf aufnehmen soll.

Ein direkter kriegerischer Zusammenprall der dort eingreifenden Westmächte und Russlands könnte auch auf Europa übergreifen. Von dort werden weiterhin Ströme von Einwanderern, vermischt mit extremen muslimischen Kämpfern, nach Europa wollen.

 

Afrika

In Nordafrika wird immer noch gekämpft. Dort kann die Lage rasch noch ernster werden. Immer mehr Führungskräfte und Kämpfer des Islamischen Staates wandern – zum Teil aus dem militärisch bedrängten Islamischen Staat – in Libyen in den Raum um Sirte ein.

Afrika südlich der Sahara kämpft mit zahlreichen grossen Problemen. Hier die wichtigsten:

  • Korrupte​, ineffiziente, oft offen oder versteckt autoritären Regierungen und Verwaltungen.
  • Eine immer noch rasch wachsenden Bevölkerung (Niger: pro Frau rund 5 Geburten, Schweiz rund 1) und in absoluten Zahlen der wachsenden Teil sehr armer Menschen (Kenia 1970 rund 7 Millionen Armer, heute rund 20 Millionen).
  • Bis zu Kämpfen führende Stammesfehden. Vermehrt gewalttätiger Islam (z.B. Boko Haram).
  • Verletzlichke​it bei Dürreperioden und Naturkatastrophen. Das Vordringen der Wüsten nach Süden, die Ausbreitung des Mülls und die Verseuchung der Gewässer.
  • Schwache Wirtschaftsleitung, Ineffizienz gekoppelt mit schlechten, nicht flächendeckenden Bildungssystemen. Etc.

Es gibt keine militärische Bedrohung Europas aus Afrika, dagegen wird die Völkerwanderung von dort noch zunehmen und andauern (falls Europa dagegen keine drastischen Massnahmen ergreift). Dazu besteht die Gefahr des Einschleusens von Terroristen.

 

Weiter​e Spannungsfelder

Neben​ diesen grossen Spannungsfeldern gibt es eine Unzahl anderer, die – jedes für sich oder im Verbund – zu gewalttätigen Auseinandersetzungen innerhalb oder zwischen den verschiedenen Mächten führen, bzw.im Fall zwischenstaatlicher Konflikte, diese noch verstärke könnten. Um nur einige zu nennen:

  • Der Terrorismus, bis hin zu grossmassstäblichen Anschlägen und/oder vielen, gleichzeitig an verschiedenen Orten stattfindenden. Der Islamische Staat hat kürzlich mitgeteilt, bald werde es Anschläge geben, die 09/11 und Paris unbedeutend erscheinen liessen.
  • Die gigantische Verschuldung der Staaten (USA rund 19’000 Milliarden $) und die Möglichkeit eines Zusammenbruchs.
  • Die wieder zunehmenden Spannungen zwischen den Staaten im Balkan.
  • Die in absoluten Zahlen immer noch wachsende Weltbevölkerung (heute jährlich um 82 Millionen), wovon ein grosser Teil bitterarm ist.
  • Die Völkerwanderung aus den armen in die reichen Länder.
  • Die rasch abnehmende Fläche landwirtschaftlich nutzbaren Bodens. (z.B. hat China seit 1978 200’000 Quadratkilometer verloren. Es hat heute noch 1’200’000 Quadratkilometer, und braucht beim gegenwärtigen Bevölkerungsstand 1’120’000). China und die internationalen Konzerne besitzen und kaufen weiter riesige Flächen in Afrika und anderswo auf. Laut dem Folio der NZZ befand sich schon 2011 eine Fläche entsprechend derjenigen Westeuropas in deren Händen. Millionen von Kleinbauern werden dadurch in die weltweit wachsenden Slums der Grossstädte vertrieben,
  • Der Kampf um Rohstoffe und der massive Aufkauf von Lagerstätten durch China und die grossen Konzerne,
  • Die zunehmende Wasserknappheit.
  • Die Klimaerwärmung mit möglichem Anstieg des Meeresspiegels.
  • Die totale, weltweit immer weitere Bereiche erfassende Abhängigkeit vom elektrisch-elektronis​chen System
  • Die sich ausbreitenden grossen Verbrechersyndikate.

 

Bisher unbeantwortete Fragen zur Armee

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurde unsere Armee auf einen Drittel ihrer damaligen Grösse reduziert. Mit der WEA soll sie nochmals auf die Hälfte reduziert werden. Bis jetzt wurde nur über Geld geredet. Es wurden nie die einzigen wirklich wichtigen Fragen beantwortet. Die Eidg. ParlamentarierInnen sind aufgerufen, diese Fragen dem Bundesrat und der militärischen Führung zu stellen, bevor sie irgend einen Entscheid über die Armee fällen.

 Muss die Armee im Falle grosser Spannungen in Europa oder eines militärischen Konfliktes folgende, für das Land überlebenswichtige Bestandteile schützen und verteidigen können – unter Umständen gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum? Wie viele und was für Verbände sind dafür notwendig, im Neutralitätsfall zudem noch unter Berücksichtigung von Ablösungen?

  • Falls nicht selber angegriffen, fremden Mächten die Nutzung unseres Luftraumes und Territoriums, sofern nötig gewaltsam verwehren („Neutralitätsschutz“​), wie uns das die europäischen Mächten als Gegenleistung für die Anerkennung der Neutralität auferlegt haben?
  • Die strategisch höchst wichtigen, sehr leistungsfähigen Nord-Süd Alpentransversalen (Gotthard, Lötschberg-Simplon), die Ost-West Transversalen und den darüber liegenden Luftraum?
  • Den Flughafen Kloten, die drei Militär- und anderen Flugplätze?
  • Die grossen Verkehrsknotenpunkte (z.B. Olten)?
  • Die grossen Treibstofftanklager und andere Lagereinrichtungen (z.B. Basler Rheinhäfen)?
  • Die grossen Kraftwerke, vordringlich die A-Kraftwerke, und Schaltanlagen (z.B. Laufenburg)?
  • Die wichtigsten Brücken?
  • Die zentralen Speicher und Knotenpunkte der elektronischen Kommunikation?
  • Die wichtigsten Zentren der Regierungstätigkeit auf eidgenössischer und kantonaler Stufe?
  • Die grossen Eintrittspforten zur Schweiz? (z.B. Basel, Genf, Chiasso)
  • Die Schweizer Bevölkerung, auch die in den Alpen?
  • Die kritischen Anlagen der Armee?
  • Eingedrungene Gegner in anderen, nicht geschützten Teilen vernichten?

Es zeigte sich dann rasch, dass mit der WEA nur ein kleiner Bruchteil dieser Schutz- und Verteidigungsaufgaben​ übernommen werden kann. (Siehe dazu den hervorragenden Artikel von Korpskommandant Dominique Andrey in der „Military Power Revue 02/2013: „Quelques considérations sur l’emploi de nos forces terrestres.“ Der Autor verzichtete wohl aus Loyalität darauf, über die „Weiterentwicklung“, den Umfang und die Ausstattung der dafür benötigten Armee zu reden. Als Berater von Bundesrat Guy Parmelin darf er diesem sicher seine Meinung offen sagen.).

 

Die Schweizer Armee, die Sicherheitslage und Folgerungen

Es kann nicht bestritten werden, dass sich die Welt in einer extrem gefährlichen Lage befindet. Einerseits wegen des tiefen Grabens und des Abreissens zahlreicher Brücken zwischen Ost und West, andererseits wegen der zunehmenden gegenseitigen Droh-ungen und der an Kriegszeiten erinnernden Massnahmen („Sanktionen“ aller Art), sowie wegen der Potenz der grossen Armeen und der beschleunigten Aufrüstung und schliess-lich wegen der immer kürzer werdenden Vorwarnzeiten.

Welche​ Schlussfolgerungen muss die Schweiz aus dieser sicherheitspolitische​n Weltlage ziehen?

  • Die Schweiz muss der Tatsache ins Auge blicken, dass ein Krieg in naher Zukunft möglich ist.
  • Die Schweiz muss zur Kenntnis nehmen, dass ein eventueller Krieg gegen unser Land kein niedlicher Krieg am Bildschirm in geschützten Räumen oder gepanzerten Fahrzeugen sein wird. Er wird am Boden, aus der Luft und dem Weltraum durch massiven Einsatz bedeutender, sehr schneller Verbände mit Unterstützung durch starke Luftstreitkräfte und unter Einsatz äusserst präziser, wirkungsvoller Waffen, einschliesslich Fernwaffen, Cyberkrieg, möglicherweise in Zusammenarbeit oder Koordination mit aus dem Ausland finanzierter und gesteuerter Gruppen geführt werden.

            Denkbar sind auch massive Terrorattacke oder auf unser Land überschwappende grossflächige, mit Gewalt verbundene, flächendeckende Zusammenbrüche in der europäischen Nachbarschaft, die dann unter Umständen von fremden Mächten auf unserem Territorium bekämpft oder unterstützt werden. Kann unsere Armee solche Lagen unter Kontrolle bringen und wie und wie viele Truppen bräuchte sie dafür?

  • Die Schweiz muss sich eingestehen, dass die durch rein finanzielle Vorgaben bestimmte Beurteilung der Sicherheitslage und der Umfang sowie die Mittel der WEA Weiterentwicklung der Armee mit der Realität nichts zu tun haben. Die WEA ist völlig unverantwortlich. Damit wird die Sicherheit unseres Landes aufs Schwerste gefährdet. Unsere Menschen werden praktisch wehrlos den denkbar schlimmsten Gräueln, Leiden und Gefahren ausgesetzt .

Die WEA ist abzulehnen, der heutige Mannschaftsbestand aufrecht zu erhalten und sofort die Planung des Wiederaufbaus einer verfassungsmässigen Armee aufzunehmen.

Unabhängig von dieser Planung ist sofort die Mobilisierung innert zweier Tage wiederherzustellen, die rasch möglichste Dezentralisierung der Ausrüstung vorzunehmen, die Beschaffung einer vorläufig minimalen Kampfausrüstung für die jetzt nicht ausgerüsteten Truppen, und die sofortige Evaluation eines geeigneten Kampfflugzeuges an die Hand zu nehmen, sonst ist unser Land in den nächsten Jahren praktisch wehrlos.

 

ES EILT SEHR!

               ​                     ​                     ​                     ​                     ​      Gotthard Frick, Bottmingen

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Comments to: Weltweit bedrohliche Sicherheitslage – Bald Krieg?
  • Februar 12, 2016

    Sie erwähnen zwar Laufenburg bei unseren Kraftwerken, hätten da besser Mühleberg, Gösgen, Leibstadt erwähnt. Und was schlagen Sie dazu vor? IS-Angriffe auf ein KKW sind ja auch möglich. Abstellen? Sofort?

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