1. Umwelt, Klima & Energie

Wie viel ist uns der Atomausstieg wert?

Der Aus­stieg aus der Atom­ener­gie kos­tet uns gemäss Be­rech­nun­gen der Schwei­ze­ri­schen Ener­gie­stif­tung in den nächsten 25 Jah­ren mehr als 100 Mil­li­ar­den Fran­ken. Dies be­deu­tet, dass jeder Haus­halt mit mo­nat­li­chen Mehr­kos­ten von 10 bis 15 Fran­ken zu rech­nen hat.

Auf den ersten Blick scheint dies ordentlich viel Geld zu sein, ABER so viel muss uns der Ausstieg mindestens wert sein, denn die Risiken und das ungelöste Abfallproblem wiegen viel schwerer.

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Comments to: Wie viel ist uns der Atomausstieg wert?
  • Juni 5, 2011

    Die Schweizerische Energiestiftung hat vorgegebene Zielvorstellungen, welche sie sich selbst und auch uns Bürgern durch „Berechnungen“ als erreichbar darstellen will. Diese Denkweise führt uns zu falschen Annahmen. Was wir im Moment nicht gebrauchen können, sind die leider sehr zahlreichen Träumer, welche meinen, wir könnten unter verschiedenen Szenarien auslesen. Wir müssten uns nur entscheiden, in welche Technologie wir unser Geld investieren wollen. Das ist Unsinn! Wir brauchen alle drei: Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Kernenergie.

    Es geht nicht nur darum, unsere Stromversorgung in den kommenden Jahrzehnten abzudecken. Die schrittweise Ablösung der fossilen Brennstoffe ist wesentlich schwieriger als viele Menschen sich das vorstellen. Selbst alle nicht fossilen Energien zusammen haben heute noch nicht den Hauch einer Chance, den immensen und immer noch wachsenden Verbrauch der fossilen Energiequellen dereinst abzulösen. Zudem ist Erdöl ein für die Menschheit wichtiger Rohstoff für die Produktion von vielen Produkten geworden.

    Hier eine Grafik der weltweiten Energieversorgung: http://www.bernerschach.ch/I​EA.pdf

    Ohne die Weiterentwicklung sowohl der erneuerbaren Energien wie der Kernenergie-Nutzung geht es nicht. Die Reaktortechnik ist leider erst am Anfang einer langen und schwierigen Entwicklung. Den Brennstoff Uran nutzen wir heute sehr schlecht, erst 2% der von uns nutzbaren Energie wird in den heutigen Reaktoren verbraucht. Unser “Atommüll” enthält nicht nur die restlichen 98% sondern unnötigerweise auch sehr langlebige problematische Radionuklide. Die Nutzung von Thorium-232 ist noch nicht weit voran geschritten und Plutonium-239 nutzen wir erst spurenweise mit nicht ganz kleinem Risiko in MOX-Brennstäben. Die Forschung in der uns praktisch unbeschränkt zur Verfügung stehenden Kernfusion macht heute die grössten Fortschritte, doch ist hier der zu gehende Weg noch sehr weit.

    Doch auch bei den Neuen Erneuerbaren Energien sind wir in der Entwicklung noch gar nicht weit. So bringen wir z.B. mit der Nutzung der tiefen Geothermie erst ein beängstigendes kleines Erdbeben in Basel zustande. Beim Beginn der Bohrungen neben dem Triemlispital in Zürich schwärmt Bundesrat Moritz Leuenberger schon von 30% Stromerzeugung durch Geothermie bis 2050. Schön wär’s! Unser Energieminister ist sich wohl nicht bewusst, dass erst 0,061% des weltweiten Primärenergieverbrauc​hs mit Geothermie abgedeckt werden (siehe Wikipedia). Bei der Nutzung von Solarenergie sind die Probleme ganz andersartig. Hier geht es bekanntlich darum, eine möglichst hohe Nutzungseffizienz zu erreichen. Bei der Photovoltaik hat man in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Doch ihr Beitrag an die Stromversorgung ist selbst im „Photovoltaik-Paradie​s“ Deutschland trotz unbeschränkter Einspeisevergütung erst knapp 2%. Der Beitrag an die Gesamtenergieversorgu​ng erst 0,4%. Grosse Hoffnung hat man vor allem im Bereich der Solarthermie. Heute blickt man in Richtung Sahara. Plötzlich wird die Wüste zu einem potentiellen Energielieferanten, selbst für uns Europäer. „Desertec“ soll das Unmögliche möglich machen. Wir warten optimistisch gespannt auf die Dinge, die da kommen werden.

    Sie sehen, Herr Löffel, die „Berechnungen“ der Schweizerischen Energiestiftung bewegen sich in einem sehr schwierig zu beurteilenden Gebiet. Zahlen wie die erwähnten 100 Milliarden Franken für den Atomausstieg in der Bevölkerung zu streuen, dient unseren objektiven Entscheidungen in der Energiepolitik überhaupt nicht.

    Für uns Schweizer ist der Blick nach Österreich sinnvoll. Wir haben eine vergleichbare Nutzungsmöglichkeit der Wasserkraft und sind ebenfalls ein kleiner Staat inmitten Europas. Österreich hat keine Atomkraftwerke, ist dafür zunehmend importabhängig (inkl. Atomstrom) und nutzt in starkem Mass fossile Brennstoffe zur Stromproduktion. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamtenergieversorgu​ng ist etwas höher als bei uns. Die nach dem Atomausstieg zu beobachtende erfreuliche Entwicklung der erneuerbaren Energien ist in den letzten 15 Jahren leider ins Stocken geraten. Wenn wir in der Schweiz unseren Strom in Zukunft vermehrt mit Gas produzieren und zudem lieber Atomstrom aus Frankreich importieren wollen, ist uns das möglich. Ich selbst möchte es lieber nicht.

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    • Juni 29, 2011

      Österreich ist dagegen frei von der Verantwortung, für die nächsten 450 000 Jahre den strahlenden Atommüll sicher lagern zu müssen und ist nicht gezwungen, dafür die primitivsten demokratischen Regeln ausser Kraft zu setzen. In der Schweiz wird nämlich todsicher der Dreck da verlocht – sicher wie in Kölliken, ich weiss – wo sich eine kleine Minderheit nicht dagegen wehren kann. Die Gesetze hat man ja bereits geändert. Demokratie wird da zum Fremdwort. Sicher ist nur, an der Goldküste wird das nicht sein, auch wenn dort das sicherste Gestein wäre. Die, die es betrifft, wäre lieber nicht die Betroffenen. Wollen wir wetten?

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  • Juni 20, 2011

    Mich stört an dem Begriff ”unsere Energieversorgung”, dass sie vor allem dann ”uns” ist, wenn der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden soll.
    Mich stört am Begriff “Energiebedarf”, dass hier Leselampen und die Maschinen des Schreiners unbekümmert zusammengefasst werden mit unnötige Lebensmitteltransport​en quer durch Europa oder mit dem Verbrauch von Häusern, die wegen falscher Planung nur mit sehr viel Energieaufwand überhaupt bewohnbar sind, oder mit dem, was durch veraltete Geräte unnötig verbraucht wird.
    Beim Haushaltsbudget setzt man gewöhnlich zuerst auf der Ausgabenseite an, wenn man mit dem Einkommen nicht mehr auskommt. Nur bei der Energie wird immer nur nach “mehr” statt nach “sinnvoller” oder nach “effizienter” geschrieen. Klar, solange der Strom billig ist, oder man die Kosten weitergeben kann, läuft er fröhlich durch den Zähler. Warum soll beispielsweise ein Vermieter einen alten Boiler mit Widerstandsheizung ersetzen, nur damit der Mieter im Jahr hundert oder auch zweihundert Franken Nebenkosten spart? Warum soll ich den PC abends abschalten, wenn mir die paar Franken Mehrkosten pro Jahr egal sein können? So wird der Strom halt weiterhin verschwendet. Hier wäre der Gesetzgeber gefragt, und zwar, bis man beim Energiesparen ähnlich erfinderisch wird wie beim Steuern optimieren.

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  • Juli 19, 2011

    Ich verbrauche Atomstrom und ich bin deshalb nicht verlegen, ich stehe dazu!

    Wenn sie die AKW’s abstellen, ok, aber dann stellen sie mir gleich günstig altermativen Strom zur verfügung. Mehr verlange ich nicht.

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