1. Umwelt, Klima & Energie

Zersiedelung stoppen – gesamte Fläche Kulturland erhalten

Die Raum­pla­nung in der Schweiz ist kein Ruh­mes­blatt. Die Zersiede­lung schrei­tet rasch vor­an. Die Aussenränder von Sied­lun­gen, Ge­wer­be- und Verkehrsinfra­struktu​ren drin­gen immer wei­ter in die Land­wirt­schafts­ge­​biete vor und verdrängen auch die immer sel­te­ne­ren ökologischen Ni­schen. Die bis­he­ri­gen ge­setz­li­chen Mass­nah­men – auf na­tio­na­ler Ebene und in den Kantonen – bie­ten lei­der keine grif­fi­gen Gegenmittel. Jede Ge­meinde kann ihre Bauzonen aus­wei­ten in der Hoff­nung, ganz viele Rei­che an­zu­lo­cken. Zurückgepfiffen wird sie nur, wenn eine Zonenplanänderung of­fen­sicht­lich gegen das Ge­setz ver­stos­sen würde. Das tun un­sin­nig grosse Bau­zo­nen nicht.

Es braucht eine konsequente und griffige Lösung. Sie heisst: Kulturlanderhaltung. Die Gesamtfläche des landwirtschaftlich nutzbaren Kulturlandes inklusive der ökologischen Ausgleichsflächen ausserhalb der Wälder muss erhalten bleiben.

Es gibt ja ein ausgezeichnetes Vergleichsbeispiel:​ Die Schweiz hat 1876 das erste eidgenössische Waldgesetz beschlossen. Es regelte die Walderhaltung griffig und konsequent: Seither darf nirgendwo Wald gerodet werden, ohne dass die analoge Fläche wieder aufgeforstet wird. Das damalige Gesetz ist Vorbild für die heutige Politik des nachhaltigen Handelns! Heute sind nicht die Wälder bedroht, sondern das Kulturland und die ökologischen Ausgleichsflächen. Für sie bietet der gleiche Ansatz, wie er damals für die Walderhaltung gewählt wurde, die heute adäquate Antwort auf die Probleme der Raumplanung.

Selbst​verständlich wird Bauen weiterhin möglich sein. Das Verdichtungspotenzial​ innerhalb der heutigen Bau­zonen ist beträchtlich. Nicht mehr oder höchstens sehr extensiv genutzte frühere Industrie­areale gibt es an zahlreichen Orten. Die Gemeinden haben weiterhin grosse Gestaltungsmöglichkei​ten, sei es mit Umzonungen, mit Anreizen zu besserer Verdichtung und zu bedarfsgerechten Nutzung des Bodens innerhalb der Bauzonen. Die Vorteile sind immens: Weniger neue Erschliessungskosten für Energie, Wasser und Abwasser, kürzere Wege und damit geringeres Wachstum des Privatverkehrs, höhere Chancen für Mischnutzungen und z.B. wohnnahe Dienstleistungen – und selbstverständlich ein noch einigermassen intaktes Landschaftsbild. 

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Comments to: Zersiedelung stoppen – gesamte Fläche Kulturland erhalten
  • August 31, 2011

    Herr Wettstein, ihrem Vorschlag kann ich nur zustimmen.

    Sie haben auch recht, dass es sicher noch Potential im Bereich des verdichteten Bauens gibt. Die Frage aber ist: Wollen das die Leute??? Ich bin geschäftlich sehr viel unterwegs. Im Moment bin ich einer koreanischen Kleinstadt mit etwa 800 000 Einwohnern. Hier sehe ich wie verdichtetes Bauen ausschaut. Hier zu wohnen wäre mir ein gräuel. Und so würde es vielen von den Lesern gehen.
    Somit meine Fragen:
    -Wie weit wollen sie es mit dem verdichteten Bauen treiben? Wo sind die Grenzen in der Schweiz?
    -Wäre es nicht besser gerade direkt bei der Ursache dieser Verbauerei anzusetzen? Die Bevölkerung in der Schweiz kann doch nicht immer weiter wachsen ohne die Qualität des Lebensraumes negativ zu verändern.

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    • Juli 18, 2021

      Guten Tag Herr Steiner
      Ich gehe absolut mit Ihnen einig, dass wir bei den Ursachen ansetzen sollen. Aber das Wachstum der Bevölkerung ist nicht die Ursache. Dieses Wachstum ist gewollt und berechtigt, denn wir wollen, dass die gesellschaftlich notwendigen Aufgaben geleistet werden: Sicherung der Sozialleistungen – insbesondere der Renten; Belegung der Arbeitsplätze in Pflege, Medizin, Bildung, Ingenieurtechniken z.B. für die Energiewende, Unterhalt der Infrastrukturen usw. Wenn diejenigen, die schon hier wohnen, anderen verbieten wollen, hierher zu ziehen und hier zum Gemeinwesen beizutragen, dann empfinde ich das in höchstem Masse egoistisch und arrogant (und oft auch unverhohlen fremdenfeindlich).
      U​rsache ist unser Flächenanspruch. Wir wollen immer mehr Wohnraum pro Person, und viele wollen “auf dem Land”, “im Grünen” wohnen, im freistehenden Einfamilienhaus am Waldrand. So tun, als ob sie Bauern wären, obwohl sie das Land nicht kultivieren. Die Alternative heisst nicht, dass alle Wohngebiete wie Hongkong aussehen müssen. Es gibt vieles dazwischen. Vorbildlich für die Schweiz könnte z.B. Holland sein, das seit langem (politisch geplant!) verdichtet baut. Der Effekt: Es wohnen doppelt so viele Leute auf derselben Fläche wie im Siedlungsraum der Schweiz, aber es wirkt nicht dichter! Und die Verkehrswege sind kürzer. Und zwischen den Städten/Dörfern ist mehr Grün als bei uns im Mittelland.

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    • Juli 18, 2021

      Was tragen diese Leute zum Gemeinwesen bei? Dies ist doch nur das was uns die Leute die an diesem System profitieren weissmachen wollen.
      Nur ein Beispiel: wir müssen unsere Infrastruktur immer weiter ausbauen, da immer mehr Leute in der Schweiz leben. Dazu holen wir Arbeiter im Ausland. Damit steigt die Bevölkerung in der Schweiz noch mehr und wir müssen unsere Infrastruktur noch weiter ausbauen. Dazu holen wir wieder Arbeiter im Ausland……. und so weiter und so weiter.

      Und die Kosten müssen dann alle Leute die in der Schweiz leben und Steuern bezahlen tragen. Nur damit sich ein paar Baufirmen bereichern können.

      Dies ist nur ein Beispiel. Wenn die Schweiz sich richtig organisieren würde, wieder gezielt die Arbeitskräfte gemäss dem Bedarf der Wirtschaft ausbilden würde und auch dementsprechend Löhne bezahlen würde, bräuchten wir keine Ausländer um unser System auf hohem Niveau am Leben zu erhalten.

      Bezüglic​h der Lebensqualität in der Schweiz kann ich natürlich nur meine persönliche Eindrücke wiedergeben. Diese sind ganz klar subjektiv. Für mich hat aber die Lebensqualität in der Schweiz die letzten paar Jahre abgenommen.

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    • Juli 18, 2021

      Und dann noch ein anderer Aspekt: Si sagen man kann verdichtet bauen. Dies ist richtig, die Frage ist aber: Wollen die Leute dies?? Es möchte doch jeder sein kleines Einfamilienhaus im Grünen haben. Ihre Forderung entspricht also nicht dem Bedürfnis der Leute.

      Und das schlimme daran ist: dieses Gedankengut ist sehr unsozial. Alle Reichen (welche notabene dank unserer Arbeit reich geworden sind) können es sich leisten in der Prachtsvilla an der Goldküste zu wohnen. Der kleine Arbeiter aber soll sich einschränken und in immer kleiner werdende Einheiten eingepfercht werden. Nur damit die Reichen noch reicher werden können (die brauchen nämlich die ausländischen Arbeitskräfte die so billig wie möglich noch mehr zu ihrem Reichtum beitragen).

      Der normale Bürger braucht doch keine Zuwanderung!!!!

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    • Juli 19, 2021

      @ Felix Wettstein
      Wollen wir wirklich wie die Holländer wohnen? Müssen wir bald wie die Holländer wohnen? Der Mensch gewöhnt sich an viele Zumutungen! Die aktuell ablaufende Zersiedelung zeigt doch, dass sich viele Leute ein “Häuschen im Grünen” wünschen. Natürlich ist das zum grösseren Teil ein Problem des Flächenanspruchs jedes Einzelnen; müssen wir aber die Problematik noch verschärfen, indem wir eine masslose Zuwanderung zulassen?

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  • September 1, 2011

    Felix Wettstein Grüne,
    Es ist interessant, dass ein Grüner sich Gedanken macht. Wobei, „Ihre Zeilen lese ich sehr wohl, alleine mir fehlt der Glaube“, dass ausgerechnet eine Grüne Partei der richtige Adressat ist.

    1. Es war und ist schon immer so gewesen, dass Bauen von Siedlungen und Industrie Gewerbe mehr Platz für Menschen bietet, also auch am Ende mehr Verkehr auf den Strassen mit sich bringt. Wäre mal eine echte Übung, einer Frau Franziska Teuscher zu erklären, warum es Strassen und Verkehr hat.
    2. Wenn ich mich sei es in den ÖV, aufs Fahrrad, oder in diese fossile Brennstoff Fressende Kiste Namens Auto setze, ich brauche ein Ziel, einen Ort den ich erreichen will. Das sind meist zivilisierte Urbane Gebiete, für die Arbeit, das Wohnen, den Einkauf, die Freizeit.
    3. Neueren Datums die „Pseudo Grünen“ welche so allerlei Sportgeräte irgendwo hin karren, an einen See oder auf den Berg, eben, pseudogrün, Ihre Wähler mit dem falschen Blickwinkel.

    Angefangen hat es irgendwann in den 1990ger Jahren, da bekam man eine Auszeichnung, wenn man in seiner Industrieanlage auch noch ein Biotop einbaute. Damit die Industriegebiete nicht vollends von der Natur abgeschnitten sei.
    Die frühere Regelung 15% der Industriefläche müsse Grünfläche sein, und es genau beschrieben ist, was für Eigenschaften diese Grünflächen haben müssen, Hochstamm um 7 Meter, Buschwerk bis 3Meter, oder nur bis 1,5Meter, und wenn es nicht ausreicht müssen die Flach-Dächer /von denen es nur zwei gibt, dichte und undichte /, auch noch herhalten. Seit dieser Zeit bezahlt man der Gebäudeversicherung 30% mehr an Versicherungssumme, da es eben nur Dichte und Undichte Flachdächer gibt. Danke.

    Wollte man also ein Areal besser nutzen, je nach Politik einer Gemeinde, bekam man nur die Bewilligungen, wenn Parkplätze reduziert, und eben solchen Unsinn drauf gebaut wurde. Was also macht Unternehmer?
    Genau, er sucht anderswo eine neue Parzelle, unbebautes Industrieland, und baut dort.
    Und was sind die Folgen einer zersplitterten Produktion? Ja genau, Mehrverkehr, weil Komponenten an einem Ort halt doch irgendwann einmal zusammen gefügt werden müssen. Personal muss hin und her fahren, damit man Team Sitzungen abhalten kann, und so weiter, ausserdem wird die Produktion dank Zersplitterung teurer, vieles braucht es doppelt, wenn’s noch schlechter kommt dreifach, am Schluss hat ein Unternehmer genug und verlagert seine Arbeitsplätze ins Ausland, wo diese Probleme nicht vorhanden sind.

    Gut, man kann dann alte Industriestandorte sanieren, und Kulturstätten für die Freizeit dort einrichten. Man kann eine Industrie welche einmal hier in der Schweiz war so huldigen, in dem man so ein Gebäude „Schiffbau“ usw nennt, und kreative Events dort abhalten.
    Zonenordnu​ng verändern in der Schweiz im Kanton Zürich heisst: Man macht aus einer ehemaligen Doppelspur Hauptstrasse eine Zone 30 Strasse. Man macht eine ganze Stadt zu einer Zone 30 Strassen Stadt. So dass das Gewerbe ausziehen muss, und ausserhalb sich neu einrichten muss. Wohnen und Arbeiten am gleichen Ort ist so nicht mehr möglich.

    Zu deutsch; Für mich gibt es Schuldige, am heutigen Schlamassel, das sind Sie und Co welche Umweltschutz vorgeben, als Angebliche Grüne. Schaut man noch diesen ECOPOP oder wie das heisst an, driftet das ganze nun in Richtung Rassismus ab. Schaut man einen Herr Daniel Vischer an, erübrigen sich Restworte.

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  • März 30, 2012

    Der Siedlungsentwicklung absolute Grenzen setzen!

    Weil es keine quantitativen gesetzliche Vorgaben oder Richtplanvorgaben zur Baulandentwicklung gibt, wird in der Schweiz übermässig viel Land in die Bauzone aufgenommen. Die Kantone nehmen ihre Schlüsselrolle bei der Raumplanung nicht wahr und lassen den Gemeinden viel zu viel Autonomie.

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